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Bücherlei Miszellen (30) [<<] [>>]
Ein Lese- und Lebens-Notizbuch

Sonntag, 7. August 2016

[16:30] Der mit seiner guten Laune, der ist zugezogen. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)

[16:20] Es ist der Mittwoch zwischen Weihnachten und Neujahr, also kinderglut. Marie hat dies Wort noch nicht geschrieben gesehen, nur gehört und gesprochen, sie ahnt da nichts von Verwandtschaft mit dem Deutschen. Jedoch kennt sie die Rechte eines Kindes in New York an diesem Tag: das Recht auf Schulfreiheit, auf Toben in der Stadt, durch die Warenhäuser, durch die Ubahn, ein Recht auf Vergnügen, wo es sich finden läßt. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)

[15:34] Übrigens werfen die Juden den so genannten Christen die weihnachtliche Betriebsamkeit vor, wofür die sich schadlos halten mit der Annahme, Chanukah sei womöglich noch empfindungsseliger. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)

[15:31] Die sieht nicht aus wie 30; wer das nicht weiß, gibt fünf Jahre zu. (Uwe Johnson: Jahrestage 2)

[15:03] Da ich wieder arbeite, gibt es auch wieder Anekdoten aus der Krankenpflege. Wir betten nachts eine Patientin, die mich langsam zu sich heranwinkt und fragt: "Bin ich eigentlich noch am Leben?"

[15:02] Buch begonnen: "Jahrestage 2. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" von Uwe Johnson.

[15:01] Buch beendet: "Ich freue mich, dass ich geboren bin" von Birgit Vanderbeke, Piper, 154 Seiten.

[15:00] Vor Nachtdienst 5/5. Tage ohne Alkohol: 236. Lektürestatistik: gestern 154 Seiten.

Samstag, 6. August 2016

[14:00] Buch heute Morgen begonnen: "Ich freue mich, dass ich geboren bin" von Birgit Vanderbeke.

[13:59] Buch gestern Nacht beendet: "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells, Diogenes, 355 Seiten.

[13:58] Vor Nachtdienst 4/5. Tage ohne Alkohol: 235. Lektürestatistik: gestern 113 Seiten.

Freitag, 5. August 2016

[14:11] Vor Nachtdienst 3/5. Tage ohne Alkohol: 234. Lektürestatistik: gestern 120 Seiten. Weiter mit "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells.

Donnerstag, 4. August 2016

[19:55] Von der in den 70er und 80er Jahren in der Leipziger Dieterich'schen Verlagsbuchhandlung erschienenen Werkaugabe "Deutschsprachige Erzähler" gibt es acht Bände (Bände 1 bis 9, Band 5 nie erschienen). Dank meines des öfteren gelobten Plagwitzer Antiquariats Buchlager (bei Facebook / Video) konnte ich in den vergangenen beiden Wochen die Bände 1, 2, 3, 4, 6, 8 und 9 für je 1.- Euro kaufen. Allein für einen Band müßte man in einem herkömmlichen Antiquariat 3 bis 5 Euro hinblättern. Statt der 30 bis 50 Euro, die mich das gekostet hätte, waren hier nur lächerliche 7 Euro fällig. Es fehlt nurmehr Band 7. Im Überblick:
Deutschsprachige Erzähler, Band 1: Des Mittelalters,
Deutschsprachige Erzähler, Band 2: Des 16. und 17. Jahrhunderts
Deutschsprachige Erzähler, Band 3: Von Gottsched bis Nicolai
Deutschsprachige Erzähler, Band 4: Von Schubart bis Hebel,
Deutschsprachige Erzähler, Band 6: Von Büchner bis Keller,
Deutschsprachige Erzähler, Band 7: Von Storm bis Saar (fehlt noch)
Deutschsprachige Erzähler, Band 8: Von Hauptmann bis Kafka,
Deutschsprachige Erzähler, Band 9: Von Sternheim bis Anna Seghers.
Toller Jagderfolg. Ich werde, wenn ich diese Bücher aus der Dieterischen Verlagsbuchhandlung in diesem Antiquariat so billig bekomme, weitere Käufe nicht scheuen. Es gibt noch Bücher mit Italienischen Erzählungen. Und mal sehen, was noch.

[14:34] Vor Nachtdienst 2/5. Tage ohne Alkohol: 233. Lektürestatistik: gestern 157 Seiten. Weiter mit "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells.

Mittwoch, 3. August 2016

[14:30] Buch begonnen: "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells.

[13:24] Buch beendet: "Der verwirrte Laubfrosch und fünfunddreißig andere lustige Geschichten" von Jaroslav Hasek, Kinderbuchverlag, 191 Seiten.

[13:11] Nach meiner Krankheit wegen der Herzrhythmusstörungen war ich lediglich 3 Tage arbeiten, um dann in den wohlverdienten Urlaub zu gehen. Nach 5 1/2 Wochen beginnt heute Abend der Ernst des Lebens mit Nachtdienst 1/5 in der Arbeitswoche 1/13. Nächster Urlaub beginnt am 31. Oktober. Nach solch einer langen Pause bin ich verständlicherweise aufgeregt, weil man im Stationsbetrieb funktionieren muß, fit sein muß, alle Zylinder funktionieren müssen. Nach Abstinenzphasen hatte ich immer Anlaufschwierigkeiten. Man fremdelt ein wenig, der Rücken schmerzt ob der ungewohnten Belastung, man läuft erst nach Tagen zu hoffentlich alter Form auf. Deswegen habe ich vor den ersten Arbeitstagen Bammel.

[12:37] ... ist es das beste, falls einer kein Verbrecher werden will, überhaupt geboren zu werden. (Jaroslav Hasek: Der verwirrte Laubfrosch und fünfunddreißig andere lustige Geschichten)

[10:52] Er saß gerne am äußersten Stuhlrand. Es war, als wollte er am Sitz sparen. (Joseph Roth: Perlefter. Fragmente und Feuilletons aus dem Nachlaß)

[10:41] Es gab (gibt?) mal einen literarischen Hungertuch-Preis, der Debütanten verliehen wurde. In einem Büchermarkt-Interview mit Hans Pleschinski, dem er einst zugesprochen worden war, mitgekriegt.

[10:18] Kommentare, die ich in Foren oder Blogs abgeben, platziere ich als Kopie gerne auch hier. Verlinken kann ich den folgenden nicht, weil der Threat nur für Mitglieder im KF sichtbar ist: "Gelesen wird in meinem beruflichen Umfeld schon, das muß ich konzidieren. Wenn sich nachts mal eine Gelegenheit ergeben sollte, zücken viele Kolleg:innen ein Buch, immer aber Schmöker. Eine Schnittmenge findet sich nicht. Familie, die liest, habe ich keine, Familie, die nicht liest, kaum noch, Freunde, die hier wohnen, nur zwei. Einer liest nicht, der andere liest fast nur politische Sachbücher. Es ist zum Mäusemelken. - Ich zücke natürlich immer und überall das Buch, welches ich gerade lese, ging beispielsweise mit dem Antunes-Klotz "Fado Alexandrino" in mehrere Arztpraxen, die ich besuchen mußte, und wurde klarerweise daraufhin angesprochen."

[5:10] Man kan sich auf diversen Wegen der ARD-Mediathek nähern. Um Radio nachzuhören, fand ich dieses Übersichtsseite, die ich jetzt durchwühle und die mir attraktiv vorkommt. Entdeckungen, die ich dabei machte: Die Literaturagenten, MDR-Kulturcafe, bei dem zuletzt Stoppok, Daniel Brühl und Rainer Moritz zu Gast waren. Das ist ja geradezu phänomenal und unauslotbar.

[4:30] Das Leben ist kompliziert; die Leihe offensichtlich nicht minder. Meine Erfahrung mit der Leipziger Fahrbibliothek reichte am gestrigen letzten Urlaubstag für noch einen Eintrag in den Plaudereien.

[3:26] "10 Weird Habits Of Book-Lovers That Non-Readers Don't Understand" nebst "14 Thoughts You Have When Someone Tries To Talk To You While You're Reading".

[3:25] Vor Nachtdienst 1/5. Tage ohne Alkohol: 232. Lektürestatistik: gestern 111 Seiten.

Dienstag, 2. August 2016

[20:03] Perlefter besaß trotz allem eine Art Majestät, wie den meisten Menschen, denen es gut geht. (Joseph Roth: Perlefter. Fragmente und Feuilletons aus dem Nachlaß)

[19:18] Falls sich jemand fragt, woher ich, weil ich gerade offensichtlich etwas ganz anderes lese, plötzlich manche Fundstücke (FAB) zaubere wie vorhin zum Beispiel aus Joseph Roths "Perlefter"... Es befinden sich noch zirka 50 gelesene Bücher der letzten Jahre auf einem Sonderstapel. Sobald ich ein Buch beendet habe, landet es dort, insofern ich es als Papierbuch besitze, und harrt darauf, daß ich die angestrichenen Stelle abtippe. Anders bei Bibliotheksentleihen, wo ich gezwungen bin, die FAB rasch zu erfassen, weil sie nach der Leihfrist zurückzugeben sind. Bei den E-Books, deren Umfang an meiner Lektüre nicht unbeträchtlich ist, handhabe ich es so, daß sie ebenso schnell "ausgewertet" werden sollten, damit ich sie vom Kindle entfernen kann, um den Überblick zu behalten. Ich kann es wegen des ewigen Geblätters nicht leiden, wenn mehr als 20 Bücher auf dem E-Book-Reader sind. Deswegen wird der Stapel der Bücher in meinem Besitz, deren FAB noch nicht bearbeitet sind, größer und älter. Teilweise sind hier Bücher, welche ich bereits 2012 las.

[18:48] Als die sieben Stockwerke fertig waren, feierten die Maurer der ganzen Gegend ein Fest. Der Ingenieur trank Schnaps, trat an den Rand des Gerüsts und fiel hinunter. Er kam so zerfetzt an, daß man nicht mehr feststellen konnte, ob er Christ oder Jude gewesen war. (Joseph Roth: Perlefter. Fragmente und Feuilletons aus dem Nachlaß)

[18:47] Unter der Erde brauche ich nicht mehr, was über den Erde wächst. (Gavino Ledda: Padre Padrone. Mein Vater, mein Herr)

[18:45] Manchmal ist einer nicht mal imstande, sich den eigenen Hintern abzuputzen, muß aber nach rechts und links sein Urteil über andere herausfurzen. (Gavino Ledda: Padre Padrone. Mein Vater, mein Herr)

[18:23] "Wer 'Game Of Thrones' nicht kennt, wird angeschaut, als ob er Kafka für einen tschechischen Volkstanz halten würde." (ZEIT-Online)

[18:11] Ich rette jeden Tag ein Leben. Meines. [=> Depression // Freitod]

[18:08] Retweet: Ich war zwar noch nie verheiratet, aber ich hatte mal 12 Stunden einen Stein im Schuh.

[18:07] Retweet:"Manchester kauft Sané für 55 Mio. Euro!" "Wow, wie viele Liter sind das?" "Nicht Sahne, Sané!" "Oh, der feine Herr spricht Französisch!"

[18:06] Retweet: Die Birnen gucken mich so komisch an. Ich glaube, die planen ein Kompott!

[18:05] Retweet: Die Wege des Hirns sind unergründlich.

[18:04] Retweet: Früher mochte ich Basilikum echt gern, bis er versucht hat Harry Potter zu versteinern.

[18:03] Retweet: "Ihre Stärke?" "Ich bin Lehrer." "Wir melden uns." "Aber nicht schnipsen!"

[18:02] Retweet: "Als Lehrer ist man immer im Dienst." "Als ob diese Berufsgruppe die einzigste ist, die..." "EINZIGE!"

[18:01] Retweet: Um YouTube aufzurufen, muss ich bis zum T tippen.

[18:00] Retweet: Heinrich von Kleinst: Nanotechnologie

[17:52] Wilkie Collins: AllgFab (3) // Alte Nationen // Deklamationen // Pfaffe mit 14 Kindern // AllgFab (2) // AllgFab (1).

[17:51] Man merkt auf Schritt und Tritt, daß es Männer sind, die Gesetze machen. (Wilkie Collins: Lucilla)

[11:44] Jaroslav Hasek: AllgFab (1).

[11:42] Altenheime im arabischen Raum sind ein Novum. Pflege von Angehörigen war immer Familiensache. Aber beispielsweise durch Auswanderer oder im Ausland Arbeitende geht der Zusammenhalt immer mehr verloren. Der gesellschaftliche Wandel hat auch Palästina & Co erfaßt.

[10:00] Im Literaturschockforum eine Diskussion über Buchinhaltsdemenz, die ich zum Anlaß nahm, eine neue bibliomane Plauderei zu schreiben.

[8:46] Die Grundlage des menschlichen Seelenfriedens und des halbwegs erträglichen Zusammenlebens ist eine sanfte Isolierschicht von Stumpfsinn, ohne die unsere Nerven fortwährend aufgerieben würden - viele machen sich das nur niemals klar. (Wilkie Collins: Lucilla)

[8:44] Das Hagelwetter von deutsch-amerikanisch-englischen Flüchen, das daraufhin auf mein schuldiges Haupt niederprasselte, ist auf dem Papier nicht wiederzugeben. Ich habe einige Ausdrücke später im Lexikon nacgeschlagen: sie kämen sowieso nicht durch die Zensur. (Wilkie Collins: Lucilla)

[8:03] Gestern, an meinem vorletzten Urlaubstag, flog mir die ansonsten in den vergangenen zwei Wochen ganz ordentlich bewältigte Tagesgestaltung um die Ohren, was sich freilich auch auf die Lektüre niederschlug. Erst am Abend begann ich einen der vier Prosabände mit den Humoresken Jaroslav Haseks. Gustav Just präpariert den Leser - ausgewiesen laut Kinderbuchverlag ab 12 - auf die teils schwarzhumorige Art des Tschechen. "Laßt euch da nicht beirren. Wenn ihr die Geschichten genau lest, dann seht ihr dahinter das spitzbübische Gesicht des Autors, der euch mit einem Augenzwinkern zu verstehen gibt, daß er natürlich niemals den kleinen Mila in der ungarischen Pußta aussetzen würde, wie er das in einer Erzählung behauptet. Und in manchen Geschichten werdet ihr vergeblich nach einem tieferen Sinn suchen, da "blödelt' Hasek einfach, wie ihr es untereinander auch manchmal tut. Spaß um des Spaßes willen - auch das gehört zum Leben, und nur Sauertöpfe wollen davon nichts wissen, weil sie selber dieser gelösten, beschwingten Heiterkeit nicht fähig sind." Das ist einerseits mit spürbar didaktischem Impetus, andererseits aber auch herrlich.

[7:47] Urlaub 17/17. 33 Wochen ohne Alkohol. Lektürestatistik: gestern 45 Seiten. Weiter mit "Der verwirrte Laubfrosch und fünfunddreißig andere lustige Geschichten" von Jaroslav Hasek.

Montag, 1. August 2016

[15:55] Lucilla stampfte mit dem Fuß auf. Ein Staubwölkchen wirbelte von den Dielen; die Damen Gootheridge hatten das Zimmer offenbar nur sehr summarisch gefegt. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:48] Ich erwiderte mit der südeuropäischen Geste äußerster Verachtung: einem Fingerschnippen dicht vor seinem Gesicht. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:47] Er beugte feierlich das borstige Haupt und deponierte seinen Friedenskuß auf Lucillas Stirn. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:14] Lucilla schwieg. Erst nach einer langen Pause fragte sie abrupt: "Madame Pratolungo, glauben Sie an Schicksal?" "Ich glaube an nichts, was uns Menschen in nutzlose Verzweiflung stürzen könnte", antwortete ich. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:13] Ihr Bruder geriet durch dieses typisch weibliche Geküsse und Getuschel in größte Verlegenheit. Er gehörte dem großen Prozentsatz braver britischer Untertanen an, die nicht wissen, was sie mit ihren großen Händen anfangen oder wie sie im Anstand ein Zimmer verlassen sollen, in dem sie sich überflüssig fühlen. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:12] Die Relativität unserer Zeitbegriffe setzt uns unser Leben lang immer wieder in Erstaunen. Einmal ist eine halbe Stunde ein Nichts - ein andermal dehnte sie sich zur Ewigkeit. (Wilkie Collins: Lucilla)

[15:11] Liebe ist ein Privileg, für das jeder irgendwann seinen Tribut an Schmerzen zahlen muß. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:44] Sein Gefühl für die eigene Wichtigkeit stieg wie Quecksilber in einem Thermometer, das man in warmes Wasser steckt. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:43] Der Pfarrer redete unermüdlich. Seine pompöse Baßstimme tönte und tönte, bis sogar der Tee in den Tassen Wellen schlug. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:42] Ihre Abendgala bestand aus einer verschossenen grünseidenen Krinoline, auf welcher ein erfahrenes Auge mehrere Spuren einstiger Säuglinge wahrnahm. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:41] Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen, Männer zu befragen, wenn es sich um bezeichnende Einzelheiten dreht. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:40] Wenn ich mich ärgere, wird mein Scharfsinn besonders rege. (Wilkie Collins: Lucilla)

[13:22] Ich bin (wie Sie sich vielleicht erinnern) gebürtige Französin und als solche jeder Art von Weltschmerz abgeneigt, wenn ich ihn irgend vermeiden kann. (Wilkie Collins: Lucilla)

[11:16] Ich wartete, bis der Lärm abebbte, um in normaler Lautstärke meinen Namen nennen zu können. Das Mädchen war der Zumutung, so viele Silben auf einmal behalten zu sollen, sichtlich nicht gewachsen. (Wilkie Collins: Lucilla)

[10:43] Ein Geistlicher hat es im allgemeinen gar nicht gern, bei einer Auseinandersetzung mit Bibelzitaten konfrontiert zu werden; er fühlt sich dann ebenso vor den Kopf gestoßen wie ein Arzt, dem von einem alten Weib empfohlen wird, ein Hausmittel zu nehmen, oder wie ein Jurist, den ein Laie durch eine Haarspalterei unterzukriegen versucht. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[10:42] Er sprühte vor Geistesblitzen, und es waren funkelnde Blitze wie von erhitztem Stahl, aber sie wärmten nicht. Nie hatte er ein frierendes Herz durch eigene Wärme wiederaufleben lassen, und nie hatte sich eine unglückliche Seele an seiner Schwelle eines Teils ihrer Last entledigen können. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[10:48] Retweet: Ein Friseur wurde verhaftet weil er Drogen verkauft hat. Ich war 6 Jahre bei ihm Kunde und hatte absolute keine Ahnung das er Friseur ist.

[10:47] Retweet: "Welches Buch hat Ihr Leben verändert?" "Kafkas 'Verwandlung'". "Vielen Dank, Herr Samsa."

[10:46] Retweet: "Vor uns liegt ein hartes Stück Arbeit!" "Leise! Noch hat es uns nicht bemerkt!"

[10:45] Retweet: Wir alle haben ein Gemüse, das wir gerne auf der Liste der bedrohten Pflanzen sehen würden.

[10:44] Retweet: Das ist wohl das falsche Jahr, um mit dem Klebstoffschnüffeln aufzuhören.

[10:43] Retweet: "Wann fängst du für gewöhnlich mit dem Alkohol trinken an?" "MAN KANN DAMIT AUFHÖREN?!"

[10:42] Retweet: Schmerzmittel für Enten: Diclofenac-nac-nac

[10:41] Retweet: Kuchenschlacht! Mit Marmorkuchen. Aus Marmor. Ich fang an.

[10:40] Retweet: "Fährst du heute, dann kann ich was trinken?" Mein morgendliches Gespräch mit dem Busfahrer.

[10:20] ... stieß ich bei meinen Bemühungen, mir auf ehrbare Art meinen künftigen Lebensunterhalt zu verdienen, auf ungeahnte Schwierigkeiten. Überall sah ich verschwenderischen, unverschämten, protzigen Reichtum - doch nicht der kleineste Brocken von der Herren Tische fiel für mich ab. Woher nehmen gewisse Leute das Recht, reich zu sein? Ich trotze ihnen bis zum letzten Atemzug, wer sie auch sein mögen! (Wilkie Collins: Lucilla)

[9:42] Und die Erwachsenen sahen dem Kind genüßlich zu, wenn es die Zeitung in einem großen armebreitenden Schwung in Hälften trennte, einmal, weil die Lügen wenigstens auf diese Weise aus der Welt geschafft wurden, und in diesem Zustand war das Papier wenigstens zum Anfeuern gut. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:38] Beim ersten Gang warf er die Drucksachen vor die Wohnungschwellen. Das ist ein platschendes, hallendes Geräusch, das die Post erst ankündigt. Post ist da für dich, wenn die Tür der Wohnung leise, unter einem sanften Puff erbebt. Dann hat er die echten Briefe zwischen Tür und Rahmen gedrückt, in der Höhe des Schlosses. Dort, verstehst du, sind sie mehr tabu, als die Werbeschriften auf dem Steinfußboden. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:32] Aber sollen wir auch nicht mehr mit einer Eisenbahn fahren, da sie an den Transporten von Kriegsmaterial verdient? Sollen wir nicht mehr mit den Fluggesellschaften fliegen, die Kampftruppen nach Viet Nam bringen? Sollen wir verzichten auf jeden Einkauf, weil er eine Steuer produziert, von deren endgültiger Verwendung wir nichts wissen? Wo ist die moralische Schweiz, in die wir emigrieren könnten? (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:31] Er hat auch den Begriff eines "Komfortpegels bei 180" Fahrgästen eingeführt. Was mag das sein? Ein "Komfortpegel" in der Ubahn ist gegeben, "wenn ein Mann im Stehen die New York Times lesen kann". (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:22] Mit den Quetschfalten in seiner ausgesuchten Jacke, der halb verrutschten Krawatte aus dem Laden neben der Scala, verrät er wider Willen, daß niemand sich um sein Leben kümmert. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[8:55] Seitdem wird in sanierten Häusern wohnen, hören wir die Geräusche maroder Rohrsysteme nicht mehr, die hier noch anschaulich gemacht sind: "Nun werden die Morgenträume wieder interpunktiert von den Nöten des heißen Wassers, das Mr. Robinson aus dem Keller in freistehenden Rohren durch Stockwerk nach Stockwerk aufwärts schickt. (...) Später, wenn die Heizung ihre Erregung zu hilflosem Zischen in den Heizkörperventilen gedämpft hat, treten die anderen Geräusche des Sonntags auf." (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[8:50] Cresspahl um mehr als das ausgemachte Haushaltsgeld zu fragen fiel ihr nicht leicht, ging ihr auch gegen den Stolz. Aber sie hatte etwas mehr auszugeben als wir, und sie hatte auch die noch unangewachsene Würde der jungen Hausfrau, die zum ersten Mal das Geld eines Mannes verwaltet. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[8:41] "Gestern ist der Herbst frisch und strahlend eingetroffen. Die amtliche Wachablösung trat um 1 Uhr 38 Minuten ein." (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[8:14] Als ich nach meiner mehr als zwei Jahre andauernden Leseflaute im Januar wieder zu lesen begann (hätte beinahe "anhub" geschrieben), geriet ich in eine kleine Depression ob all der Bücher, die ich in den Jahren hätte schaffen können und, allgemeiner, ob der vielen, vielen Bücher, die ich nie werde lesen können. Das hat sich inzwischen gegeben. Erstens aus der Einsicht heraus, daß dieser Kampf nicht gekämpft werden sollte; man kann ihn nicht gewinnen. Zudem schwindet das Windmühlengefühl, wenn man gute und inbesondere lange Bücher gelesen hat, deutlich! Nach "Fado Alexandrino" oder "Jahrestage 1", den beiden letzten Lektüren, bin ich regelrecht satt und brauche diese im aktuellen Literaturbetrieb gehypten und enthusiastisch empfohlenen Bücher nicht mehr, nach denen ich, als ich lesebiografisch absolut ausgehungert war, gierte.

[7:35] Urlaub 16/17. Tage ohne Alkohol: 230. Lektürestatistik: gestern 125 Seiten.

Sonntag, 31. Juli 2016

[23:33] Der Betrunkene bewegte sich, von grauenhaften Alpträumen von Städten ohne Kneipen geplagt, tumultartig im Schlaf. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[23:25] Sie möchten nicht zufällig meine Gesundheit gegen Ihre tauschen? (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[23:19] Die Blumen welkten in den Vasen wie schlappmachende Penisse. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[23:18] "die strukturell neurotische Persönlichkeit" (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[23:03] Öfter mal werden einem Bücher vorgestellt mit dem Paukenschlag, daß ein Jahrhundertwerk entdeckt oder wiederentdeckt worden sei und nun endlich dem deutschsprachigen Lesepublikum zur Verfügung stünde. 2015 waren es beispielsweise "Die Tutoren" von Bora Cosic. Oder "Horcynus Orca", zu dem ich noch, auch wenn es im KF bereits erwähnt worden ist, ein kurzes Notat einfügen möchte. - 1975 verlegt, 2015 erstmals ins Deutsche übersetzt, erschien das fast 1500-seitige Mammutwerk Horcynus Orca des italienischen Schriftstellers Stefano D'Arrigo. Die Entstehungsgeschichte dieses Jahrhundertbuches selbst ist kompliziert. Lange bevor es erschien, war es den Fachleuten bekannt, ein Auszug erschien in einer Zeitschrift; und alle renommierten Autoren der damaligen Zeit warteten sehnsüchtig auf den Roman. D'Arrigo gab nach über einem Jahrzehnt Arbeit das Manuskript ab, erhielt die Fahnen zur Korrektur, die er dem Verleger aber wiederum erst gut ein Dutzend Jahr später überarbeitet zurückgab. So lange galt der Roman als nicht übersetzbar. Nun endlich, so sabbern viele Kritiker, liegt diese moderne Odyssee im Deutschen vor und war im Büchermarkt das Buch der Woche. Sandhofer hat sich dieses sperrigen Ziegels angenommen. - Und nun stieß ich per DeutschlandRadio-Besprechung auf einen anderen Klotz jenseits der 500 Seiten, nämlich den Roman "Flüchtiger Glanz" des katalanischen Schriftstellers Joan Sales, eine, glaubt man den enthusiasmierten Kritikern, Perle der Weltliteratur, ein Klassiker über den spanischen Bürgerkrieg.

[22:22] ... probierte ich vom Branntwein des Juristen, der mir den Magen in einen schwefligen Igel mit Tausenden von Sodbrandstacheln verwandelte. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[22:13] Für Zwölf Stühle ist das Autorenduo Ilja Ilf und Jewgeni Petrow hierzulande bekannt geworden. In der Anderen Bibliothek (Band 371)) erschien 2016 "Kolokolamsk und andere unglaubliche Geschichten", der "Groteske Possen aus der Provinz" enthält, "bevölkert mit komischen Figuren und verkrachten Existenzen, betrügerischen Bürokraten und ganovenhaften Kleinbürgern." Was ich nicht wußte: Jewgeni Petrow war der Bruder von Valentin Katajew. Beim Thema Satiren auf den Sowjetmenschen, vor allem in den 30er Jahren, fällt mir unweigerlich noch Michail Soschtschenko ("Die Reize der Kultur" / Wie mit Gabeln aufs Wasser geschrieben) ein, von dem ich drei Bücher las. Bulgakow kennen eh alle.

[21:48] Die Ebbe ließ in den Docks einen Schleim von Erbrochenem zurück, das die Reflexe der Hecklaternen ertränkte, Fadenalgen, Bretterknochen, Weidenkörbe, wirrer Unrat... (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:47] Wenn man Sie zwingen würde, mit einer Frau wie meiner zusammenzuleben, seufzte der Oberstleutnant, garantiere ich Ihnen, daß Sie jeden Abend das Meer auskotzen würden. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:46] Antonio Lobo Antunes: AllgFab (5) // AllgFab (4) // AllgFab (3) // Auf der Bahre // Kabbalistische Konzile // Wie eine Rakete in den Himmel // Die vollkommene Leere des Todes // AllgFab (2) // AllgFab (1).

[21:40] Sie waren ihr Glücksfall, Lucília kündigte in der Boutique, färbte ihr Haar blond, malte sich die Zehennägel an, stellte ein Dienstmädchen ein, kaufte einen scheußlichen Pekinesen, bekam im Nu Wechseljahrshintern und -brüste und lutschte von morgens bis abends, kaiserlich, cremig, beinahe flüssig auf einem Samtsofa hingegossen, Anisbonbons, wobei sie mit leicht gelangweiltem Gehabe in Fotoromanen blätterte.

[21:32] ... während sie ungeduldig die Plastikbügel auf der Suche nach einem geblümten Kleid durchblätterte. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:27] Mich erschreckt der Gedanke an diese Tochter-Frau, die ich nicht kenne, die mich nicht kennt, die unversehens von der Nuckelflasche zum Marihuana übergegangen ist. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:25] ...(ein Gewirr dunkler Haare wuchs aus den Zwillingskastanien der Hoden)... (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:19] Die Weiber sind so (...), je mehr man den Bauarbeiter raushängen läßt, desto mehr lieben sie einen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:18] Wortperlen: "Geräuschkompott"; "mineralischer Gleichgültigkeit"; "Violinenmusiksauce"; "monotone Quallenexistenz"; "Haarspangentheater"; "geistliche Kargheit"; "wichtigtuerischer Bekenntnistonfall"; "Kapellenhelligkeit des Fernsehers"; "Rechnungshefepudding"; öliges Kanonikusgehabe; Kerzenagonie (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[21:15] Die Mulattin barg die riesigen Brüste in den bretonischen Hauben ihres Büstenhalters. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[20:57] Anthony Trollope: AllgFAB (2) // Einschillingfortsetzungen // AllgFAB (1) // Mangelnder Wagemut.

[20:50] Schnickschnack ist auch heute nicht zu verachten, solange man ihn in der richtigen Umgebung einsetzt. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[20:33] Heinrich Steinfest: AllgFab (9) // Katzen - Wesen höherer Art // Bespuckte // Wozu einen Grammy? // Skandinavische Schriftsteller // Den Abstieg vergolden // AllgFab (8) // AllgFab (7) // Dünne & dicke Bücher // AllgFab (6) // AllgFab (5) // AllgFab (4) // Präservative // Über Israel (nicht) reden // Perfekte Verschränkung // Ballett und Fechten // Nachmittagstrinken // Das Lächeln der Jugend // Wer ist der Handelnde? // AllgFab (3) // Bürokratie // AllgFab (2) // AllgFab (1) // Kochen verlernt // Wien (3) // Wien, Stuttgart, Kopenhagen // Geriatrie // Sommer // Wien (1) // Der Vater als aktive Figur // Pubertät & Kleidung.

[20:22] Nie hatte er Streit mit seiner Frau, aber er redete auch nie mit ihr. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[20:10] Wie heißt eigentlich der Fachausdruck für die Depression, die einen eingedenk all der Bücher, die man nie wird lesen können, beutelt?

[19:31] Buch beendet: "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes, Fischer-Taschebuch, 797 Seiten. Sieben sehr intensive Lesetage und endlich diese Lücke geschlossen. Mein 13. Roman von Lobo Antunes.

[10:17] Nach einem morgendlichen Aktivitätsschub am PC mit allerlei Notaten und Recherchen nun - auf der Zielgeraden - endlich weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

[10:16] Cheng vertauschte also das Schuhwerk und bewegte sich sodann ohne die übliche Eleganz seines Schritts. Hausschuhe besitzen leider Gottes die Schwerfälligkeit von Gravitationsstiefeln. So sehr sie dem Schutz der Böden dienen, verunstalten sie den Gang des Menschen. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[10:15] Nichts gegen Polizisten, aber zur Observation wurden stets die unfähigsten und auffälligsten eingeteilt. Wie im Film, wenn sie mit Kaffeebechern und über die Finger hängenden Pizzas in ihren Autos hocken und die Frigidität ihrer Ehefrauen beklagen. Währenddessen triumphiert das Verbrechen. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[10:13] "Zahlenmystik", erklärte Dalgard, "gehört zu den Dingen, die dann helfen, wenn gar nichts mehr hilft." (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[10:12] Darin bestand der eigentliche Solipsismus heutzutage, daß jeder dachte, der einzige Normale unter lauter Irren zu sein. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[0:55] Gestern und vorgestern 27 Bücher für 27 Euro gekauft. Einen Eintrag bei den Plaudereien gibt es unter dem Titel Bookwalking (4). Bei der letzten Bücheracquise in der letzten Woche gab es Teil 3.

[0:54] Urlaub 15/17. Tage ohne Alkohol: 229. Lektürestatistik: gestern 120 Seiten.

Samstag, 30. Juli 2016

[11:27] Gestern war ich wie in der Vorwoche im Buchlager (bei Facebook) und kaufte 15 Bücher für 15 Euro. Ihr erinnert euch: jedes Buch für 1.- (Der Verkäufer: "Bei dem Preis kann man ja nichts falsch machen!") - Auflistung folgt noch, da ich meinen Ranzen noch nicht ausgepackt habe und gestern nur damit beschäftigt war, das tagsüber erzeugte Lesedefizit abends auszugleichen, um auf das Minimum von 100 Seiten Lobo Antunes am Tag zu kommen.

[10:45] ... erklärte der Arzt, ein junger, der noch unsicher genug war, um sich zu interessieren. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:33] Die Twitterkommentare während einer Sendung des Literarischen Quartetts verleideten mir diese Neuauflage des Fernsehklassikers. Seit vorgestern habe ich mir einige Folgen angesehen und finde sie weniger grausam, als ich den Kommentaren zufolge annahm. Maxim Biller erweist sich als Kotzbrocken, aber als ein intelligenter, kundiger, dessen literarischen Urteilen ich erstaunlich oft zu folgen vermag. Fortan werde ich das LQ neben dem SWR-lesenswert-Quartett (mit Denis Scheck, Ijoma Mangold und Felicitas von Lovenberg) und dem Schweizer Literaturclub goutieren und habe so eine Trias an audiovisueller literarischer Streitkultur zur Verfügung.

[9:46] "der matte Gallert der Tage" (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[7:33] Urlaub 14/17. Tage ohne Alkohol: 228. Lektürestatistik: gestern 110 Seiten. Weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

Freitag, 29. Juli 2016

[11:40] Antonio Lobo Antunes ist für mich das Alpha und Omega des zeitgenössischen Erzählens, die unangefochtene Nummer 1 meiner Top-Ten-Autoren.

[10:37] Bekanntlich gibt es nichts Neues unter der Sonne. Sogar bezüglich Putschversuchen scheint das zu gelten: "Was für ein schlecht gemachter Staatsstreich, meine Jungs, meinte verächtlich meine Mutter, solltet ihr bei der Truppe nicht einmal eine ordentliche Revolution machen können?" (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[9:05] "Eine alte Taktik", verriet Smolek. "Die Opfer zu warnen. Das hat noch immer geklappt. Es ist wie mit dem Hundekot, auf den sie einen Passanten hinweisen. Umso sicherer steigt er hinein. Ich nenne es Smoleks Gesetz. Man kann es überall auf der Welt beobachten. Auf allen Ebenen. Sie brauchen nur 'Achtung!' schreien, schon rutschen alle aus.") (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:48] "Kein Glück ohne Blindheit." (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:47] Denn Lehrer sein, oder auch Eltern sein, ist nicht wirklich eine Frage der Pädagogik, sondern der Nerven. Zukünftige Lehrer und Eltern sollten sich eigentlich einer Nerven-Prüfung unterziehen müssen. Erst die richtigen Nerven, dann die richtige Erziehung. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:46] Und Odete, fragte der Leutnant, hat die nicht gemerkt, daß du plötzlich kein Moos mehr hattest? (Das ist nämlich, weißt du, eines der wenigen Dinge, die den Frauen nicht entgehen, erklärte der Oberstleutnant, eines der wenigen Dinge, die die Tussen sofort riechen.) (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:45] ...der den Pekinesen immer mit verbrecherischen Grillabsichten anschaut. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:44] Ein heruntergefallenes Buch, das in der Dunkelheit wie eine offene, Buchstaben blutende Wunde dalag. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:43] Die Lider der Lampen neigten keusche, gelbe Ovale zu Boden. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:42] ...hißte das professionelle Lächeln eines wohlmeinenden Diplomaten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:41] Odetes Mutter schoß im Kohlkopf ihrer Röcke ein Furzgewitter ab. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:40] ...legte, das Lenkrad umarmend, einen schwierigen ersten Gang ein, der das Geräusch von Zink auf Zink eines Löffels machte, der mühsam das Angesetzte in einem Topf abkratzt. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:28] Ihn überfiel plötzlich das schwindelerregende Gefühl der Gleichgültigkeit der Welt ihm gegenüber. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:27] Der Funker entdeckte verblüfft ein unentschlossenes Mädchen unter der schrundigen Schale dieser steifen Siebzigjährigen, die die Engel und die Heiligen des Hausaltars mit hochfahrender Überheblichkeit behandelte. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:26] Arme Kerle, (...) vom Blut der Hämorrhoiden und zwanzig oder dreißig Jahren Gemüsesuppe mit Bohnen tyrannisiert... (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:25] Der Körper der Concierge war fülliger geworden, die Hüften dampften noch wie die eines Tieres, das plötzlich stillsteht. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:24] Und der kleine Laster ist um sieben Uhr wieder hier, ich dulde keine Kreuzwegstationen in den Tavernen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:23] ...folterte die Mütze mit der Verlegenheit seiner Finger. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:22] ...röchelte unter erschrecktem Keuchen und Pfeifen sein grimmiges Kongobüffelasthma. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:21] ...kollektiver Schnuller einer von Mund zu Mund wandernden Fluppe. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:20] In zehn Jahren wird sich bei der Geschwindigkeit, mit der wir altern, keiner von uns mehr auf den Beinen halten können. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:19] Retweet: "Was machst Du?" "Ich räume auf!" "Ok. ... IM LIEGEN?" "Ich sortiere Gedanken nach Farben!"

[8:18] Retweet: Als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel würde ich mit Steinen nicht das Wort „Hilfe“ in den Sandstrand legen, sondern „POKESTOP“.

[8:17] Retweet: Ich wollte hier ganz allgemein mal vor Pauschalierungen warnen.

[8:16] Retweet: 2016 bekommt nicht einmal eine Teilnehmerurkunde.

[8:15] Retweet: Immer wenn sich Besuch anmeldet, drehe ich die "Herzlich Willkommen" Fußmatte um.

[8:14] Retweet: "Wie reagierst du auf Provokationen?" "Ich zähle bis 15." "Dann bist du ruhig?" "Nee, dann muss ich nachladen."

[8:13] Retweet: Die meisten kleinen Schäden am Auto repariere ich, indem ich die Musik lauter drehe.

[8:12] Ein paar Ohrfeigen zur rechten Zeit lösen jede Art von Geweihproblemen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:06] Der monströse Kamin erinnerte an alttestamentarische Altäre zum Schafeopfern. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:05] Drei riesige Frauen (...), solche, bei denen alles groß ist, die Titten groß, der Arsch groß, die Beine groß, die Schultern groß, solche, die die parfümierte Schleimspur des Begehrens hinter sich herziehen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:04] Das Leben in der Bank wurde immer komplizierter, Herr Hauptmann, die Verwaltungsratsmitglieder versuchten sich mühevoll auf den Algen säuerlicher Böswilligkeit am Schwimmen zu halten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:03] Der Funker bog rechts und links in die krampfadrigen Gassen der Oberstadt ein, in die Aneurysmen der Gäßchen, die Schwellungen der Treppchen... (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:02] Was hab ich für eine Visage, dachte der Funker, ich sehe wie ein Verstorbener nach fünf Jahren Familienmausoleum aus. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:01] ...eine Gipsbüste von Engels (ähnelte meiner Großmutter, auch hinsichtlich des Bartes. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:00] Zu dumm (...), daß es keine Pillen gegen das Sodbrennen der Seele gibt. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[7:30] Urlaub 13/17. Tage ohne Alkohol: 227. Lektürestatistik: gestern 107 Seiten. Weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

Donnerstag, 28. Juli 2016

[11:24] ...legte die Fingerspitzen mit klerikaler Langsamkeit zusammen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:55] Du weißt ja, wie das mit den Briefen von Angehörigen ist: Sie würden uns weniger beunruhigen, wenn sie die Wahrheit erzählten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:24] In einer wankelmütigen Welt konnte das Beharren auf Fehlern sich als realitätsbildend herausstellen. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:27] "Dann ist das da wirklich der richtige Name für dich", sagte Cheng, unsicher darüber, ob die Komplimente zu seinen Stärken zählten. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:22] ... fürchtete ein spätes Mißgeschick, wie man Kerne in entkernten Früchten fürchtet. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:20] Draußen lag der Schnee in Form einer niedergetreteten und niedergefahrenen, aber ziemlich lückenlosen und alles andere als fadenscheinigen Matte. zum Schnee war nun eine beträchtliche Kälte gekommen. In der Luft lag der Klang von Glas, gegen das ein Festredner seinen Löffel schlägt. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:19] Urlaub 12/17. Tage ohne Alkohol: 226. Lektürestatistik: gestern 110 Seiten. Weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

Mittwoch, 27. Juli 2016

[13:16] Ein Tag, an dem ein Termin ansteht, ist für mich versaut. Mir fehlt ganz simpel die Muße. Auch und gerade Lektüre wird an ihm verunmöglicht. Handelt es sich bei dem Termin um einen Arzttermin, macht das die Sache eher schlimmer. Ist er am Vormittag, hat man's spätestens am Mittag hinter sich und kann aus dem Tagesrest etwas machen. Liegt der Termin am Nachmittag, ist die Zeit bis dahin verpfuscht. Ihr ahnt, was bei mir heute anliegt? Genau, ein nachmittäglicher Arzttermin. Die Urologin läßt bitten. Die Lektüre war bis jetzt zerfahren. Zudem müße ich, um ungestört lesen zu können, PC und Smartphone ausgeschaltet lassen, was mir nicht gelingt, weil ich ständig dem Impuls nachgebe, etwas zu machen, etwas nachzuschauen, etwas aufzuschreiben, etwas in den Miszellen zu veröffentlichen usw. Ich muß mir an die eigene Nase fassen und sollte nicht lamentieren, solange ich nicht die Voraussetzung für Lektüre geschaffen habe, nämlich Ruhe! Erst wenn sie dann nicht gelänge, dürfte ich wehklagen.

[11:11] Heutzutage lassen sich Leser oftmals mittels Kindle Paperwight beleuchten. Es gibt allerdings noch Methoden, die old fashioned sind, beispielsweise dieses bibliophile Leselicht, das selbstgebastelt wurde.

[10:46] Wortperlen: "lichtfauler Tag" (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[10:45] 13 Bücherregale, was Form oder Positionierung anbetrifft, abseits des Mainstreams.

[10:02] Über Suizidprävention gelesen, ein auch mit konkreten Fakten und Hinweisen gespickter längerer Blogbeitrag einer selbst Betroffenen. Alle 52 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch selbst das Leben. Im Jahr 2013 hatten Sachsen-Anhalt und Sachsen die höchste Suizidziffer, Berlin und Nordrhein-Westphalen die Niedrigste. SO gesehen, wohne ich im passenden Bundesland. - Trauriger Anlaß war der Freitod Johannes Kortens, den ich seit der Aktion #einBuchfuerKai kannte. Erwähnt seien die Nachrufe von Isabel Bogdan, Liisa. Kiki und Maximillian Buddenbohm. Für diejenigen, die hier vielleicht noch nicht sehr lange mitlesen: das seit 2002 geführte Freitod-Weblog gibt es noch.

[9:08] Der Champagner bewirkte, daß wir auf den Stühlen levitierten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[9:07] Der vom Piano zerquetschte wütend die Noten wie jemand, der nachts im Schlafzimmer Küchenschaben mit dem Pantoffel zermalmt. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[9:06] Eine nasse Handfläche hatte meinen Hosenstall gepackt, öffnete sich und schloß sich über meinen von Panik erfaßten Geschlechtsteilen wie eine Auster. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:28] Retweet: Mein Mitgefühl gilt dieser Tage allen Pärchen, die bei dieser Hitze auch noch Sex haben müssen.

[8:27] Retweet: Oh, schau an. Unter meinem Schweißfleck befindet sich ein T-Shirt.

[8:26] Retweet: "Ist hier die Gruppe anonymer Spekulanten?" "Schätze schon."

[8:25] Retweet: "Ich denke, ich lasse mir die Überstunden auszahlen. Abfeiern wird nix mehr!" Schutzengel immer öfters 2016...

[8:24] Retweet: Wenn ich hier noch einmal das Wort "Seele" lese, erwürge ich meinen Heilpraktiker!!!

[8:23] Retweet: Kann ich nicht beurteilen, müsste mich interessieren.

[8:22] Retweet: Manchmal ist der Holzweg gar nicht so schlecht. Zum Beispiel, wenn er in ein Meer führt und Steg heißt.

[8:21] Urlaub 11/17. Tage ohne Alkohol: 225. Lektürestatistik: gestern 116 Seiten. Weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

Dienstag, 26. Juli 2016

[20:41] Honig für eine bessere Welt (mp3): Im Bundestag steht gerade ein Bienenstock. Der gewonnene Honig wird dann unter dem Label "Bundestagsblüte" verkauft werden.

[20:34] Über unsere derzeitigen Kontingenzerfahrungen und wie wir damit umgehen könnten.

[13:33] Obgleich er in Fragen der Architektur nicht eigentlich rückständig dachte, bekümmerte ihn jedes Gebäude, das seit seinem Weggang aus Wien frisch hinzugekommen war. Er empfand all dies Objekte als einen Angriff auf seine Erinnerung. So wie es alten Menschen ergeht, die bei der Rückkehr an einen Ort selbst das Häßliche, wenn es denn verschwunden ist, vermissen. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[13:32] "Auweia! Bezüglich Lydia liegen Sie ein paar gewaltigen Irrtümern auf. Hätte es einen Weg gegeben, mich lynchen zu lassen, sie hätte höchstpersönlich den Strick geflochten." (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[13:31] Frau Gude ist die Vorsitzende der Norwegischen Literaturgesellschaft, das ist eine Clique von irgendwelchen... Fragen Sie mich nicht, was für Leute das sind. Verrückte jedenfalls, die so tun, als besäßen sie eine flatternde Buchseite, dort, wo andere ihre Herzklappe haben. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[13:30] Sie gehörte zu diesen sehr feinen, alten Damen, denen man zwischen Altersdemenz und hinterlistiger Allwissenheit so ziemlich alles zutrauen konnte. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[10:33] Ihre Hinterbacken hoben und senkten sich abwechselnd wie die Schöpfeimer eines Göpelwerks. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:18] ...in Begleitung von armen Kerlen, die, vom Blut der Hämorrhoiden und zwanzig oder dreißig Jahren Gemüsesuppe mit Bohnen tyrannisiert, sonntags im Pyjama und mit Bartschatten im Gesicht die Blumen auf dem Balkon gossen und dabei von der absoluten Reglosigkeit der Pensionierung träumten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:10] ... versuchte vorsichtig, mongoloide, alte Leutnants und Unteroffiziere zu indoktrinieren, indem ich homöopathische Dosen Marxismus in ihre Erbsenhirne träufelte. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[10:00] Der Körper der Concierge war fülliger geworden, die Hüften dampften noch wie die eines Tieres, das plötzlich stillsteht, sie trug Plastikpantoffeln, hielt das Haar mit einem Fischverkäuferinnenkopftuch zusammen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[9:55] ... wie anders sein Leben geworden wäre, glücklich oder unglücklich, wenn das Bett im Schlafzimmer jubelndes Schlachtengeschrei ausgestoßen und nicht die lauwarme Zurückhaltung geherrscht hätte, in der die Körper sich bei gelöschtem Licht keusch näherten, ängstlich zu reglosen Schmetterlingsbegattungen nacheinander tasteten. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[9:48] ... Mikadostäbchengeräusch des Spazierstocks, der zu Boden fiel. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[8:53] Armbruster fühlte sich außerstande, sie auseinanderzuhalten, all diese Professorenwitwen im Haus. Durchgehend Musikfanatikerinnen und naturgemäß schwerhörig. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:52] Erneut nickte der Oberstleutnant in seinen Fisch hinein und zog eine Kette weißer Gräten aus dem weißen Fleisch. Es sah aus, als beende er die Arbeit an einer Spurensicherung. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:36] ... was diese Menschen tagtäglich taten. Erbärmlich wie ihr Ringen um eine bessere Figur, ihr Ringen um Erkenntnis, ihr Ringen um Originalität und gleichzeitig um Anpassung. Ihr ständiges Verweilen im Widerspruch, im Paradoxon und in den gigantischen Weiten des Kleinkarierten. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[8:04] Cheng trat an den Ofen und erhöhte die Wärmestufe. Das Gerät sprang mit einem Geräusch an, das sich eher nach einem Absturz anhörte, als sei eine Ente oder ein Supermann ins Tudeln geraten. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[7:33] Urlaub 10/17. 32 Wochen ohne Alkohol. Lektürestatistik: gestern 109 Seiten. Weiter mit "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes.

Montag, 25. Juli 2016

[15:59] Cheng bestellte ein Viertel Weißwein. In einem solchen Lokal ein anderes Getränk zu bestellen (außer man besaß eine Körper- und Gesichtsform, die den Genuß von Bier erzwang), hätte von wenig Verstand und noch weniger Stil gezeugt. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[12:35] ...bedeckte einen monumentalen Rülpser mit der Handfläche. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[12:19] ... legte Gabeln und Messer auf das Tischtuch, die so krumm waren, als hätte ein Maultier Minuten zuvor darauf herumgetrampelt. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[11:45] Ein Glatzkopf wächst überrascht hinter der Zeitung hervor wie die Nilpferde im Zoo aus dem Wasserbecken. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[11:44] Wie Hunde und Kinder sich in diesem Land ähneln, dachte er, sich in Afrika ähnelten: der gleiche bettelnde Gesichtsausdruck, die gleichen glanzlosen Haare, die gleichen lilienstengelschlaffen Gliedmaßen. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)

[11:23] Buch begonnen: "Fado Alexandrino" von Antonio Lobo Antunes. Die Vorgeschichte: Am 12. Oktober 2013 begann ich dieses Buch zu lesen, unterbrach meine Lesetätigkeit, als mich am Morgen des 18. Oktober die Nachricht vom Tod nmeiner Mutter erreichte, quasi für mehr als zwei Jahre bis zum Beginn dieses Jahres. Denn die Krümel, die ich in der Zwischenzeit las, kann man getrost zusammenfegen und an irgendeiner Piste für Analfabeten liegen lassen. Nun nach mehreren Jahre Pause der neue Versuch, Lobo Antunes zu lesen, einem meiner Top-5-Autoren.

[10:52] Ein guter Tag eigentlich, um wieder mit dem Saufen anzufangen. Weiter im Tagebuch mit dem Eintrag Frust und Fressen.

[4:49] Gegen Irrtümer kommt man in der Regel nicht an. Irrtümer besitzen einen pornographischen Reiz. Den Reiz der Stilisierung. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[4:44] Sie verwendete nichts anderes als Nivea und Klosterfrau Melissengeist sowie natürlich jenes zu Recht hochgeschätzte Wiener Leitungswasser, das man eigentlich in Flaschen füllen und zu Goldpreisen ins Ausland verkaufen müßte. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[4:38] Die berüchtigten Wiener Wärmeeindrücke, die in Form rascher Konter eine Wiener Winterlandschaft in einen modrigen Badeteich verwandeln konnten... (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[4:17] Der Deutschlandfunk kann sich bei der Berichterstattung über aktuelle Themen nicht ganz dem Zwiespalt entziehen, der durch die sozialen Medien und Netzwerke entstanden ist. Ein Wettlauf soll vermieden werden. Der Sender versucht, bei aktuellen Geschehnissen sich sowohl auf gesicherte Fakten zu beschränken als auch Einordnungen vorzunehmen. Trotzdem, so gesteht gerade der in dieser Nacht diensthabender Nachrichtenredakteur, ist man durch die Schnelligkeit bei Twitter, Facebook & Co in der Bredouille und gewissermaßen im Zugzwang.

[3:51] Was sich zwischen Eleanor Harding und Mary Bold zugetragen hatte, braucht nicht erzählt zu werden. Ja man sollte wirklich dankbar sein, daß weder der Historiker noch der Romancier alles hören kann, was von ihren Helden oder Heldinnen gesagt wird - wie würden sie sonst mit drei Bänden beziehungsweise mit zwanzig auskommen? (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[3:39] "Man kommt nicht weit, wenn man den Menschen Zeit läßt, sich Gedanken zu machen." (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[3:31] ... sagte Thanhouser in einem Deutsch, das die fremden Akzente wie unter einer Heizdecke beherbergte. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[3:08] Ich gehöre zu denen, die nicht viel Zutrauen haben zu heiteren Gesichtern und Diplomatenkoffern. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[3:05] Wie viele andere, so wurde auch er durch seine Popularität verdorben und war zu nichts mehr wirklich zu gebrauchen. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[2:52] "Ich habe ihn mir angesehen. Anläßlich eines Konzerts." "Und seine Musik. Was ist davon zu halten?" "Fragen Sie mich etwas Leichteres. Mein Gehör ist eine kleine Wand, an der alles abprallt, was nach Mahler kommt." (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[1:15] Vierzehnjährige machen einen verbogenen, körperlich instabilen Eindruck. So sportiv können sie gar nicht sein, um nicht doch an mißlungene Architektur zu erinnern, An Gebäude, die im Mischmasch der Stile auseinanderzufallen drohen. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)

[1:14] Urlaub 9/17. Tage ohne Alkohol: 223. Lektürestatistik: gestern 0 Seiten.

Sonntag, 24. Juli 2016

[15:11] Er wolle die Landschaft atmen, sagte er. Einen derart verquasten Satz hatte ich noch nicht von ihm gehört. Irgendwelche Endophine warfen bei ihm sprachliche Blasen. (Uwe Timm: Freitisch)

[15:00] Markus Werner: Den Geschmack trimmen // Eine miefige Zeit // AllgFab (2) // AllgFab (1) // Über Hermann Hesse // Die Summe der Übel // Wonach steht uns der Sinn? // Die Ehe, eine permanente Überforderung.

[14:59] Generationen hatten die Matratze und die Sprungfedern zu einer Hängematte gevögelt. (Uwe Timm: Freitisch)

[10:33] ... hat er sich zum Stadtrat wählen lassen und drei Bürgermeistern nacheinander das Leben so sauer gemacht, daß es ein wenig schwierig wurde, einen vierten zu finden. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[9:49] [Beerdigung] Außer einer Frau, die sich erbot, ehrenamtlich zu jedem Gott für gutes Gelingen zu beten, an den sie glauben konnte, kam niemand. (Verena Lueken: Alles zählt)

[9:48] Verena Lueken: Die Nachtschwester // Postoperativ // Bestatter in Harlem // Nicht hinein in die Ewigkeit // Rituale suchen.

[9:36] Der 11. September 2011, den er viel zu nah miterlebt hatte, steckte ihm zwölf Jahre später immer noch in den Knochen. S. hatte an jenem fürchterlichen Tag, an dem die Menschen aus dem hundertsten Stock ihm vor die Füße sprangen, etwas verloren, das nicht wieder auffindbar war. Er vertraute nicht mehr darauf, daß die Dinge gut ausgingen. (Verena Lueken: Alles zählt)

[9:32] Auch Hardings innigste Verehrer können nicht behaupten, er sei je ein rastlos tätiger Mensch gewesen. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)

[9:31] Ich bin ja in den 80er Jahren wegen der Leute auf die Bühne gegangen, die heute in der AfD sind. (Urban Priol)

[9:30] Urban Priol läßt gerade Wolfgang Ambros' Es lebe der Zenralfriedhof! spielen, was mir gänzlich nun bekannt war. Ich höre die gestrige Sendung Klassik-Pop-et cetera nach.

[8:52] Sie hatte ihre Mutter so oft gepflegt, daß ihr zwischendurch immer wieder einmal das Mitgefühl ausgegangen war. (Verena Lueken: Alles zählt)

[8:33] Es gibt trotz allem etwas, das nur das Alter zu geben vermag. (Verena Lueken: Alles zählt)

[7:56] Der Name Tante für Kindergärtnerinnen, Heldinnen der Bevormundung, war gehässig. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[7:55] Eine ältere Person. Auf der Oberschule in Gneez wurden so Lehrerinnen bezeichnet, vorgeschrittenen Alters, humanistisch gebildet, die in gutem Willen den Lauf der Dinge mißbilligten, in Gesprächen unter vier Augen, wehrlos. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[7:49] Wie bei allen Menschen, die von einer Idee, einer Arbeit ganz erfüllt sind, stieß das, was er sah und erlebte, nur an, was ihn ohnehin beschäftigte. (Regina Scheer: Machandel)

[7:41] Lena brachte uns Bücher mit, jede Woche andere, sie und Natalja lasen ebenso viel wie ich. Manchmal versank ich beim Lesen in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Als ich Sprechstundenhilfe war, las ich sogar in der Mittagspause und vergaß die Spritzen im Sterilisator. Der Doktor Ritter hat gesagt: "Emma, Sie sind süchtig. Sie missbrauchen die Literatur als Narkotikum." (Regina Scheer: Machandel)

[7:35] Wenn er mich ansah, entstand in seinem Gesicht so ein Augenlächeln, und später entdeckte ich seinen ganz leisen, behutsamen Humor. (Regina Scheer: Machandel)

[7:32] Glück ist ein Wort aus den Goldschnittbüchern der Baronin. (Regina Scheer: Machandel)

[7:31] Ihre Geschichten waren nicht aus flüchtigem Stoff gewebt wie die Zigarettenrauchschwaden im "Oderkahn", sie waren schwer von erlittenem Leben und Hoffnungslosigkeit. (Regina Scheer: Machandel)

[7:27] "In Deutschland bleibt immer alles beim Alten, nur die Bezeichnungen ändern sich". (Regina Scheer: Machandel)

[7:20] Die Worte waren wie Lebewesen, die auf verborgene Weise zusammengehörten, erst wenn man diese geheimen Zusammenhänge entschlüsselt hatte, verstand man ihre Bedeutung. Manche Worte gaben ihren Sinn sofort prahlerisch preis, aber wenn man sie drehte und wendete, kam nichts mehr; andere hatten viele Bedeutungen, die sich erst nach und nach überraschend erschlossen. (Regina Scheer: Machandel)

[7:15] Eine Frau kam regelmäßig. Sie entsprach auf fürchterliche Weise jenem in unseren männlichen Hirnen abgehefteten Bild. (Uwe Timm: Freitisch)

[7:14] ... den Leuten kühn den Eindruck des Erwählten zu vermitteln. (Uwe Timm: Freitisch)

[7:13] Retweet: Gäbe es doch noch mehr Bildung in der Welt! Die Klassiker bleiben wunderbar aber leider kennen sie nur mehr wenige...

[7:09] Kann man sich das heute noch vorstellen, daß man die Dichter verfolgte, daß deren Stimme noch Strahlkraft hatte, daß man glaubte, sogar aus alles kleinschreibenden Experimentalpoeten spräche ein Höheres? Damals hingen doch die Mädchen an Poeten wie heute die Girlies an den Rockstars. Habe neulich in 'ner Jugendzeitschrift eine Umfrage unter Mädchen gelesen, wie sie sich einen Dichter vorstellen, und das kam raus: Stubenhocker, Langweiler, schüchtern, verklemmt, Pickel. (Uwe Timm: Freitisch)

[7:05] Deine Begeisterung war dermaßen geballt, es gab jedes Mal einen Luftstoß, wenn du von Arno Schmidt geredet hast. (Uwe Timm: Freitisch)

[7:04] Die witzigsten Autoren erzeugen das kaum bemerkbarste Lächeln. (Uwe Timm: Freitisch)

[7:03] "Genaueres wissen Sie nicht?" "Ich bin jetzt vierundneunzig, Mann! Das ist kein Alter für Details. Das ist das Alter fürs Große und Ganze." (Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben. Alpenkrimi)

[6:50] "Wissen Sie, ob es in der Nähe des Krankenhauses eine öffentliche Bibliothek gibt? Eine, die es auch schon in den achtziger Jahren gab?" "Wir haben eine große Bibliothek in Brasov." "Wie heißt sie?" "Die hatte auch schon viele Namen. König-Carol-Bibliothek, Hermann- Göring-Bibliothek, Nikolae-Ceasescu-Bibliothek. Jetzt heißt sie, vorsichtshalber, nur Staatsbibliothek." (Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben. Alpenkrimi)

[6:45] ... Wacholderzweig zwischen die Lippen gesteckt hatte und auf den Nadeln herumkaute wie ein mittelalterlicher Scholastiker auf einem riskanten Gottesbeweis. (Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben. Alpenkrimi)

[6:44] Gärtner und Hausmeister waren noch bei der genetisch festverankerten Brotzeit. (Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben. Alpenkrimi)

[6:43] Die Sonne, die divenhafteste aller Rampensäue, schlüpfte elegant aus ihrem wattierten Wolkenmantel, der sich sofort auflöste und in alle Himmelsrichtungen zerstob. Nackt und grell wie sie war, schob sie sich rasch in den Mittelpunkt der Bühne. Nach einer effekt vollen Kunstpause, einem gigantischen Räuspern aus Helium und Wasserstoff, begann sie mit ihrer bewährten Lightshow. (Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben. Alpenkrimi)

[6:42] Fräulein Hirschler hatte selber keine Kinder, kein eheliches Kind sowieso, und vor einem unehelichen bewahrte sie ihr Aussehen, auf das aus Delikatesse hier nicht näher eingegangen werden soll. (Herbert Rosendorfer: Die Kaktusfrau. Erzählungen)

[6:41] Der Tanubrail-Bach plätscherte. Ein sehr kleiner Fisch schaute uns böse an. Ich hatte das Gefühl, der Fisch befürchtete, wir seien Angler, und wollte uns durch seine giftigen Blicke zu erkennen geben, daß er ungenießbar sei. (Herbert Rosendorfer: Die Kaktusfrau. Erzählungen)

[6:40] Im Krieg nicht, wie die andern, dazugewonnen, im Gegenteil, und in der Inflationszeit den Rest verloren. Immer gut katholisch gewesen, daher kein Selbstmord. (Herbert Rosendorfer: Die Kaktusfrau. Erzählungen)

[6:14] Retweet: Ein Komma im Satz kann alles verändern. Beispiel: Ich trinke ein Bier - Ich trinke ein Komma.

[6:13] Retweet: Wenn das so weiter geht, gibt es um 2020 gar kein ernstzunehmendes Land mehr in Europa.

[6:12] Retweet: Entspannt Dinge an die Wand fahren.

[6:11] Retweet: Ich kam heute Morgen nicht dazu, den Frühstückstisch abzuräumen. 3.000.000 Fruchtfliegen feiern mich als ihre neue Gottheit.

[6:10] Retweet: Mit der Parkkralle am Herz geht´s gut ...

[6:09] Retweet: In Beziehungen ist ein Seufzer, die höfliche Art zu fluchen.

[6:08] Retweet: "Wir sind wie Romeo und Julia." "Jetzt nimm erstmal das Gift und dann sehen wir weiter."

[6:07] Retweet: Ich dachte eine Vasektomie würde verhindern das meine Freundin schwanger wird aber wie sich rausstellt ändert es nur die Farbe des Babys.

[6:06] Urlaub 8/17. Tage ohne Alkohol: 222 - eine Schnapszahl. Lektürestatistik: gestern 97 Seiten. Heute soll ein lektürefreier Tag sein. Ich werde Serien gucken, etwas, das ich seit Jahresbeginn nur sehr sporadisch mache und wenn, dann höchstens ein oder zwei Folgen am Stück.

Samstag, 23. Juli 2016

[22:06] Mit KIM (Köstlich Immer Marktfrisch - oder Kombinat Industrieller Mast) wurde der Goldbroiler zur Erfolgsstory. Ich gucke mit Mahlzeit DDR - Broiler, Ketwurst und Grilletta den ersten Teil einer Dokumentation über die Lebensmittelversorgung und Ernährung in der DDR. "Saufen, Fressen, Faulenzen und trotzdem den Plan erfüllen", ein Slogan der Hühnerzucht, deren erster Mastbetrieb in Königs-Wusterhausen aufgebaut wurde. Plötzlich gab es als deren Nebenprodukt massenhaft Eier. Die an den Mangel gewöhnten DDR-Bürger mußten durch Werbung (Tausend Tele-Tips) erst an den Reichtum gewöhnt werden. Waren ausreichend Eier vorhanden, hieß es: "Nimm ein Ei mehr". Wurden sie mal wieder knapp, enthielten sie plötzlich Cholesterin: "Nimm ein Ei weniger". Bei der Eröffnung der ersten drei Goldbroilergaststätten in Berlin bedienten junge "Mädchen" im Pepita-Dirndl, sehr zur Freude der Gäste und zur Zuefriedenheit der dann an ihre Vorgesetzten berichtenden Genossen.

[18:39] Unleserliche Tags in Graffiti müssen nicht sein.

[17:30] Als Kommentar zum neuen Blogposting Claudia Klingers anläßlich des Amoklaufes in München: "Seelenfrieden kann man, wenn man heutzutage regelmäßig die Medien nutzt, gestrost vergessen. Für die Psychohygiene wäre es demnach geboten, sich den Luxus zu leisten, offline zu sein, Abstand zu wahren zu Fernseher, Computer, Smartphone. Wäre das überhaupt noch verantwortlich? Oder brächte man sich in den Ruch des verantwortungslosen Eskapismus, des fehlenden Engagements, zumindest der nicht erbrachten Empathie, die durch solche furchtbaren Ereignisse gefordert wird? Ein sonderlich politischer Mensch war ich nie und werde notgedrungen zu ihm gemacht, weil man nicht mehr unbeteiligt sein kann, weil, um es drastisch, aber passend auszudrücken, die Kacke am Dampfen ist, weil es einem täglich die Sprache verschlägt. Kaum erfährt man die Hintergründe zu dem gestrigen Amoklauf, der nächste Anschlag in Kabul. Die Wallung, in die man einmal geraten ist, kann nicht mehr heruntergefahren werden, die Betriebsspannung der Empörung, des Erschreckens unterliegt keinem Wechselstrom mehr, sondern Gleichstrom. Wie soll das weitergehen, wohin wird das führen? Liebe Claudia, sei froh, daß du mal ausgespart warst. Ich habe während der unklaren Situation einen kurzen Tagebucheintrag geschrieben, aber darauf verzichtet, meinen Senf auf Twitter beizutragen, zumal man sowieso nicht hinterherkam, der Timeline und den Nachrichtentickern zu folgen. Interessant ist, wie selbst sonst geschätzte Leute auf Twitter Sachen heraushauen, bei denen man zusammenzuckt, und man sich doch selbst die Schuld zuweisen muß hinsichtlich der eigenen Sensationsgier. Warum schaltete ich nicht aus? Weil ich mich trotz meines Unbehagens nicht entziehen konnte, weil ich erzürnt gewesen bin über sofortige Schuldzuweisungen (Merkel soll zurücktreten! / Flüchtlingsdebatte / Ausländerproblematik usw.) und gerne möglichst schnell gewußt hätte, ob Amok oder Anschlag. Wie schnell man hysterisiert wird, zeigt das Beispiel der Schülergruppe, die aus Angst eine Theateraufführung unterbrach, aber letztlich einem Gerücht aufgelegen war, das sich verselbstständigt hatte. Während selbst die öffentlich-rechtlichen Anstalten wie ZDF und ARD stundenlang sendeten, angesichts der wenigen gesicherten Fakten über Spekulationen jedoch nicht hinauskamen, handhabte mein geliebter Deutschlandfunk die Situation in gewohnter Weise: kurze Unterbrechung des Programms für eine wenige Minuten dauernde Übermittlung der Informationen, Verweis auf die nächsten Nachrichten, die dann die Fakten brachte, die in wenigen Sätzen formuliert werden konnten. Dann weiter zu den anderen wichtigen News, die durch den Amoklauf ihren Nachrichtenwert ja nicht eingebüßt haben.

[15:44] Buch begonnen: "Habenwollen. Wie funktioniert die Konsumkultur?" von Wolfgang Ullrich.

[15:31] Buch beendet: "Jahrestage 1. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" von Uwe Johnson, Suhrkamp, 432 Seiten. Nochmals wichtige Links dazu: Wikipediaeintrag zum Buch, Kommentarapparat, Besprechung durch Christian Köllerer, Leserunde im Klassikerforum.

[7:48] Das Wetter regnet sich so durch. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[6:50] Von den Polizisten mit ihren Knüppeln wurden die Demonstranten aus den Weihnachtseinkäufern und Touristen "herausgejätet". (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[5:55] Urlaub 7/17. Tage ohne Alkohol: 221. Lektürestatistik: gestern 86 Seiten. Weiter mit "Jahrestage 1. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" von Uwe Johnson.

Freitag, 22. Juli 2016

[23:05] Der Nachrichtensprecher hat in 1 Minute in knapper Form alle bekannten Fakten zum München-Amoklauf bekanntgegeben. So geht das.

[22:52] Morgen in "Klassik-Pop-et cetera" um 10.05 Uhr im DLF wird Urban Priol moderieren.

[22:50] Es ist momentan auch kaum möglich, sich mit Ruhm zu bekleckern. Wer sich auch immer äußert, es klingt deplaziert. Immer mehr komme ich zu der Überzeugung, daß Schweigen am angebrachtesten wäre, und mein Faible für die Kartäuser erhält neue Zukraft.

[22:33] Interessanterweise hat das Sendeteam der Bluestime im Deutschlandfunk anläßlich der Münchener Ereignisse die Reihenfolge der Musikstücke verändert / umgestellt, "angepaßt", wie der Moderator sagte.

[22:14] In der Sendung Spielraum im Deutschlandfunk nun "Bluestime".

[22:08] Retweet: Was ich seit heute an Büchern schätze: ich kann sie zuschlagen, wenn es zu schlimm wird. Geht mit der Realität leider nicht.

[22:08] Retweet: Was ich seit heute an Büchern schätze: ich kann sie zuschlagen, wenn es zu schlimm wird. Geht mit der Realität leider nicht.

[21:44] Retweet: Es heißt ja immer, dass es keine dummen Fragen gibt, aber die Journalisten machen echt 'ne Ausnahme.

[21:43] Der Deutschlandfunk macht es richtig. Angekündigt ist die nächste Sondersendung für 22 Uhr. Bis dahin weiter seriöses Programm.

[21:36] Retweet: Wer Zweifel daran hat, dass die Zahl der Geisteskranken ständig steigt, muss hier nur mal eine zeitlang mitlesen.

[21:22] Die Hilflosigkeit und Erschütterung zeitigen seltsame Früchte, von rotzig bis unbeholfen. "Es hilft übrigens NIEMANDEM, wenn ihr euer Profilbild ändert oder betet. Geht lieber Blut spenden." - "Nimm das, Terrorismus: Der Hanser Verlag sitzt noch zusammen, um nicht raus zu müssen, wir trinken Bier und erzählen von früher." (Jo Lendle) - Und sofort die Schuldzuweisungen an Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. Als ob das unsere Welt besser machen würde, wenn wir uns hinter Zäunen verbarrikadieren würden.

[21:12] Retweet: Twitter wieder wichtig und unerträglich in Gleichzeit.

[21:01] Mutmaßungen, Spekulationen, der Drang, mehr wissen zu wollen. Wozu? Was hat man davon? Man echauffiert sich, haut womöglich auf Twitter oder Facebook eine doofe Bemerkung raus. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist recht hoch; ich lese bedenkliche Tweets von Leuten, die ich normalerweise schätze. Am besten tut mir wie immer der Deutschlandfunk. Wenn man stündlich einschaltet, um sich informieren zu lassen, reicht das meines Erachtens.

[20:55] Gerade in einer akuten, noch unklaren Lage gehen einem die Medien, ob nun sozial oder öffentlich-rechtlich, mächtig auf den Sack. Am besten ist, man schaltet erst einmal ab, atmet in eine Tüte und, ganz wichtig, hält die Fresse.

[18:04] Gestern habe ich das Sterben versucht. Der Traum wußte den Tag des Todes, ausgerechnet oder vorausgesagt, im voraus. Richtig hatte ich Schwierigkeiten beim Aufwachen, konnte aber die Geräusche in der Wohnung auf der Straße und die des Fahrstuhls vor unserer Tür erkennen. Einen Sarg müßte man in der Kabine hochkant stellen. Bis zur Beerdigung muß man nun noch die Papiere in Ordnung bringen. An einem solchen Tage wäscht man sich nicht. (U. Johnson: Jahrestage 1)

[13:04] ... im Juli, als das Licht noch rein weiß war und ohne den bräunlichen Stich, den die austrocknende Vegetation im August in die Landschaften hängt. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[12:41] 65.649 Menschen ließ Erdogan bisher festnehmen, suspendieren oder entlassen.

[12:39] Er hatte damals schon die Art, mitten aus einem Gespräch wegzutreten in Gedanken und so mit schrägem Kopf stillzustehen, als habe er die Anwesenheit des Anderen vergessen. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[12:38] Gosling war die Kündigung des Arbeitsvertrages auf den Kopf gefallen wie jener Ziegelstein, von dem es heißt, er sei ungerecht, weil nicht angekündigt. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[7:00] Nach seiner Auffassung ist die Moral ein Geschäft für die Verwalter der Macht, die sie im Munde führen, und nicht zu besorgen von ihren Abhängigen, deren Gewerbe das Überleben sei. (...) Im übrigen vertrauen sie auf die schöne Gewißheit, daß Keiner von ihnen einst behandelt wird als ein Kriegsverbrecher, und Jeder als ein Spezialist; das macht unbefangen. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[5:39] Urlaub 6/17. Tage ohne Alkohol: 220. Lektürestatistik: gestern 67 Seiten. Weiter mit "Jahrestage 1. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" von Uwe Johnson.

Donnerstag, 21. Juli 2016

[18:43] Der Verleger Jochen Jung (Verlag Jung und Jung) plädiert für konzentriertes Lesen.

[18:32] Noch ein paar Fundstücke, die die heutige Büchertour abwarf. Auf der Karl-Heine-Straße in Plagwitz entdeckte ich diese Autotür und einen Koffer, mit dem Werbung für einen Laden gemacht wird. Ziemlich augenfällig ist der Name dieser Ärztin. Wintersport kann man auch azyklisch denken (und lenken). - Welche vegetarische Hexe, die sich mal eben einen Seitan-Döner kauft, hat hier ihr Gefährt geparkt? Ok... das Letzte nehme ich zurück. ;-)

[17:51] In der Eisenbahnstraße gibt's seit neuestem Seitan-Döner für 4.- EUR. Nebenan bei Aldi kostet 1 kg Rispentomaten heute 1,29 EUR und ist qualitativ hurz, so daß ich zu Kaufland weiterfuhr, wo wesentlich reifere Tomaten in dieser Woche für EUR 1.-/kg verkauft werden, und ich dann doch noch zu Brötchen griff, auch wenn mir meine Waage heute früh nahegelegt hatte, das restliche Brot aufzuessen. Aber Hähnchenaspikscheiben schmecken auf Brötchen bei diesem Wetter einfach zu gut, wenn der Aspik fast zerläuft. Dazu Tomaten und Preiselbeer-Sahne-Meerrettich (im Supersonderladen 60 ct für das 145-g-Gläschen).

[17:50] sky arts ist der neue Kulturkanal des Bezahlfernsehens. Nächste Woche wird der komplette Ring des Nibelungen live von den Bayreuther Festspielen übertragen. Das Abo kostet 16,99 EUR.

[17:25] Von einer Tour zurück. Wie gestern schon in Plagwitz gewesen. Dort aus der Volksbuchhandlung des Deutschsyrers Kosai geflogen, weil er um 14.15 Uhr zusperren wollte. "Tut mir leid, aber ich mache den Laden jetzt mal zu." Er gab mir seine Visitenkarte, damit ich ihm meinen konkreten Wunsch nach Bänden der Buchreihe "Deutsche Erzähler..." der Sammlung Dieterich mailen kann. Im Buchlager, ein paar Schritte weiter, bekam ich dann zu den gestern erworbenen drei Bänden der Edition Band 8 (Deutschsprachige Erzähler von Hauptmann bis Kafka). Daneben noch "Kleine Prosa" von Juri Trifonow (Volk & Welt) und "Jenseits des Regenbogens. Erzählungen" von Konstantin Paustowskij (Aufbau). Der gebundene und nagelneu erscheinende Erzählband "Novellen, Erzählungen, Autobiographie" von Tschingis Aitmatow (Volk & Welt) ersetzt ein vergilbtes, zerfleddertes Reclam-Taschenbuch und enthält zudem einige Erzählungen mehr als dieses. Der Prosaband "Abstinenzler- Silvester und andere vergnügliche Geschichten" (Neues Leben) enthält 40 Humoresken Jaroslav Haseks. Über 1500 Grotesken und Geschichten von ihm sind hinterlassen worden, die weniger bekannt sind, weil sie bislang vom Schwejk überdeckt worden sind. Kürzlich erschien erst mit Die Ausrottung der Praktikanten der Speditionsfirma Kobkán. Absurde Geschichten eine neue Auswahl bei Reclam, die allerdings noch teuer ist, so daß ich froh bin, zunächst für 1.- EUR eine günstigere Variante mit vierzig Texten bekommen zu haben, die von Manfred Bofinger illustriert worden ist.

[17:24] Um Lebensmittel ohne Waage zu wiegen und Portionsgrößen korrekt einzuschätzen, gibt es eine einfache Methode, bei der bei einer Studie zum ersten Mal das Maß "Fingerbreite" eingesetzt worden ist. "Die vorgeschlagenen handbasierten Methoden wurden mit Haushaltsmethoden wie Messbechern oder Löffeln sowie mit subjektiv getroffenen Beschreibungen (klein, medium oder groß) verglichen und tatsächlich als präziser befunden."

[13:04] Beide unwiderruflich ins Alter entschwunden. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[11:32] Mit ihrem Gesicht, noch mit ihren Halssehnen kann sie eine Empfindung unversehrt und kenntlich übermitteln und sich aussprechen außerhalb der Wörter in einer Sprache, die als verloren gilt. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[11:11] Es war ein Tag mit ätzendem Wind, kalt genug das Warten eindringlich und inständig zu machen. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[10:38] Gestern suchte ich einmal wieder das im Plagwitzer Westwerk angesiedelte Buchlager (bei Facebook) auf, wo jedes Buch 1.- Euro kostet, und erstand fünf Bücher. Zwei Erzählbände: "Der Gaukler Pamphalon" von Nikolai Leskow (Rütten & Loening) und "Heiraten. Sechszehn Ehegeschichten" von August Strindberg (Hinstorff). Die andere 3 gehören, wie ich erst nachillern mußte, einer umfänglicheren Werkausgabe, allesamt in den 70er und 80er Jahren in der Leipziger Dieterich'schen Verlagsbuchhandlung erschienen, die es offensichtlich noch, wieder oder weiterhin in Mainz gibt. Aha, es ist der weiterbestehende westdeutsche Arm der Sammlung Dieterich. Mir fehlen, nachdem ich die Bände 1, 3 und 4 erwarb, also die Bände 2, 6, 7, 8 und 9. Soweit ich das recherchiert habe, gab es keinen Band 5. Weiß man da Genaueres? Ob er geplant war oder einfach vergessen wurde?

[10:00] Es war Louise, die ihn lenkte, den Alten an langer Leine, die Kinder an kurzer. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:36] Der Kriegsminister hat sich sagen lassen, daß die Sowjets demnächst eine Bombe um die Erde kreisen lassen können, (...) ein prächtiger Städteknacker. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:35] Die Spatzen ließen alle Leute wissen, daß für sie gesorgt war. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[9:34] In Sing Sing soll das Programmieren von Computern in den Lehrplan aufgenommen werden. (Uwe Johnson: Jahrestage 1)

[8:33] Urlaub 5/17. Tage ohne Alkohol: 219. Lektürestatistik: gestern 79 Seiten. Weiter mit "Jahrestage 1. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" von Uwe Johnson.