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Bücherlei Miszellen (32) [<<] [>>]
Ein Lese- und Lebens-Notizbuch

Dienstag, 11. Oktober 2016

[22:38] Was für ein Blödsinn ist die Politik, wenn da immer wieder die gleichen schwachsinnigen Sadisten das große Wort führen!" (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[18:11] Wortperlen: "schwungvolle Kraft-durch-Freude-Scheitel" (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[18:10] An den Wochenenden zog sich mein Vater mit den Büchern, die unser Wohnzimmer in eine Art Seminarbibliothek verwandelt hatten, wo in seiner Anwesenheit nur im Flüsterton gesprochen werden durfte, in die imaginäre Welt seiner gescheiterten akademischen Karriere zurück. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[18:07] ...bekam bei alldem eine so monumentale und habituell eingefleischte schlechte Laune... (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[18:00] ...setzten sich die Erwartungen meiner Mutter an meine Genialität durchaus nicht in entsprechende Schulerfolge um. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[17:58] In den fünfziger Jahren gab es in Westdeutschland ein konsistentes Bild gesellschaftlicher Zukunft, das von der Obrigkeit ebenso wie von jedermann geteilt wurde und so allgegenwärtig war, dass es uns –&xnbsp;wie Ernst Bloch über die Utopie der Heimat schrieb&xnbsp;– "in die Kindheit schien". (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[17:56] Kinder sind empfänglich für die ästhetischen (und besonders die architektonischen) Atmosphären, in denen sie aufwachsen. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[17:51] Im November 1938 wird meine Mutter längst den bekannten Grundsatz politischer Arithmetik begriffen haben, nach dem drei gutorganisierte und zu allem entschlossene Faschisten plus zehn Unpolitische und Indifferente, die geflissentlich zur Seite schauen, wenn Unrecht geschieht, in der Summe dreizehn Faschisten ergeben. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[17:50] Weihnachtsgeschenke kaufte er meist 1&xnbsp;Tag vor Weihnachten u. sie waren immer stupende Beweise für sein atrophiertes Einfühlungsvermögen. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[9:16] Wie schnell man sich ja irrt, wenn es um das eigene Herz geht, und auch zu Worten greift, die den Irrtum noch festhalten. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:15] Was bleibt noch an Worten, an Sprache, wenn man bei jedem Luftholen meint, es würde einem mitten durchs Herz ein Faden gezogen. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:14] Sie flüsterte nur ein einziges Wort, eins, das Reither gern verstanden hätte, weil es wie eine Formel klang, die Formel für den Alltagsfrieden. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:13] Das wahre Gebrechen, es sitzt in den Gedanken, nicht in den Knochen. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:12] Das Glück und das Unglück beginnen mit dem ersten Tag, an dem man sich fragt, ob man eigentlich gern auf der Welt ist. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:11] Von der kleinen Kirche am Rietberg-Friedhof hinter dem flachen Hang, einem ziemlich vollkommenen Ort, wenn man schon sterben musste und irgendwo verbleiben, schlug es in verlorenen Tönen elf. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:10] Sie legte das Bändchen wieder auf den Tisch, nur weiter weg von der Weinflasche. So besteht man hier den Sonntag, nicht wahr, man liest, man schläft, man liest erneut, man geht eine Stunde spazieren und liest später das Ende. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:08] Raucher waren Leute, die nicht gleich reden wollten, die sich erst sammelten und dabei ihre kleine Pantomime aufführten. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:07] ... mag ich keine langen Dialoge. Ich mochte sie auch in Büchern nie. Sie zeugen meist nur von Erzählfaulheit. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:06] Wussten Sie, dass der immer verbreitetere Wunsch, den eigenen Namen nicht bloß am Türschild, sondern auch auf einem Buchumschlag zu sehen, der Tod des guten Buches ist? (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[9:05] Er schaute in ein Gesicht von der Art, die einen daran denken lässt, wie es in früheren Jahren gewesen sein muss. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[8:45] Retweet: "Und, wie war dein Tag so?" - "Ich brauche mehr Mittelfinger."

[8:44] Retweet: Die Steuerrückzahlung für 2015 ist auf dem Konto. Da kauf ich mir morgen aber mal einen schönen Brühwürfel.

[8:43] Retweet: Hallo Fahrraddiebe in Duisburg. Meine Frau kauft morgen ihr drittes Rad in 15 Monaten. Irgendwelche Farbwünsche?

[8:42] Retweet: Der Asia-Lieferdienst hat eben einen Krankenwagen mit Blaulicht überholt. Sollte ich mich schwer verletzen, ruft bitte im Hongkong-Bistro an!

[8:41] Retweet: Es gibt Leute, denen wünscht man einen guten Gärtner. Denen fehlen so viele Latten am Zaun, daß sie als Alternative nur eine Hecke pflanzen können.

[8:40] Retweet: Wenn ich ganz sicher sein möchte, daß etwas nicht klappt, muß ich mich nur darauf freuen.

[8:37] Alle, die sein Alter für kein Alter hielten, weil sie selbst darauf zugingen. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[8:36] Wortperlen: "Kinderbibelschönheit" - (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[8:33] Der Wein um diese Stunde, das friedliche Laster, das einen entfernt von der Welt, all ihrem Elend, selbst was vor der eigenen Tür geschieht, muss man nicht wissen. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)

[8:32] Despektierlich nennen manche Konzernleitungen die unrentablen Kassenpatienten, die einzig die Ambulanzen füllen, "Chipvieh". Schwer kranke Patienten, die teure Prozeduren ablehnen oder bei denen Eingriffe nicht in Frage kommen, sind die "poor dogs". Krebserkrankte hingegen werden gerne als "cash cows" gepriesen. (Matthias Thöns: Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende)

[8:31] Unter Notärzten heißt der Notarztdienst mittlerweile auch "Reise durch die Pflegeheime der Stadt". (Matthias Thöns: Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende)

[8:23] Buch beendet: "Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende" von Matthias Thöns, Piper, 320 Seiten.

[8:22] Freier Tag 2/4. 43 Wochen ohne Alkohol. Lektürestatus: gestern 320 Seiten.

Montag, 10. Oktober 2016

[20:22] Heute mal Kontrastprogramm, indem ich nach dem Nachhausekommen nach der letzten Nachtschicht morgens um 8 Uhr eine Stunde gelesen habe, dann brav ins Bett bin, bis 15.30 Uhr geschlafen habe und dann konsequent bis 18.30 Uhr gelesen habe, ohne den PC einzuschalten. Eben 90 Minuten geruht; einzuschlafen gelang nicht. Jetzt geht es weiter mit dem gestrigen Tatort E996 - Zahltag.

[20:18] Seit dem Nachmittag weiter mit "Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende" von Matthias Thöns.

[20:18] Buch (gestern Nacht) beendet: "Zeit: Der Stoff, aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung" (PT / Cicero) von Stefan Klein, S. Fischer, 285 Seiten.

[20:17] Nach Nachtdienst 4/4 = Freier Tag 1/4. Tage ohne Alkohol: 300. Lektürestatus: gestern 135 Seiten.

Sonntag, 9. Oktober 2016

[18:11] Als Nebenlektüre vor zwei Tagen begonnen: "Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende" von Matthias Thöne.

[18:06] Weiter mit "Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung" von Stefan Klein.

[18:05] Buch (gestern Nacht) beendet: "Maigrets Nacht an der Kreuzung" von Georges Simenon, Diogenes, 176 Seiten.

[18:04] Vor Nachtdienst 4/4. Tage ohne Alkohol: 299. Lektürestatus: gestern 154 Seiten.

Samstag, 8. Oktober 2016

[17:41] Retweet: Ich will einen Pinguin, der immer, wenn es mir nicht gut geht, auf mich zuwatschelt.

[17:40] Retweet: "Wenn Ihr aktuelle Wohlbefinden ein Berg ist, wie hoch ist er?" "Kennen Sie Holland?"

[17:36] Retweet: Habe meinen Gute-Laune-Tee heute 10 statt 5 Minuten ziehen lassen. Heute eskaliere ich mal richtig!

[17:35] Retweet: Tür auf. - Huch, die Welt! - Tür zu.

[17:34] Retweet: Samstag. Nicht dass die Schlange an Kasse II lang war, aber es reichte für Krieg und Frieden und den Ring der Nibelungen. Läuft.

[17:33] Retweet: Könnt ihr mir ein gutes Buch empfehlen? Ist für'n Selfie.

[17:32] Retweet: "Oh, neuer Duft? Was ist das, Boss, Davidoff?" "Hela Gewürzketchup Curry."

[17:31] Retweet: "Alles Gute zum Hochzeitstag, liebe, äh, Katja!" Ein Ehering verrät einem neben dem richtigen Datum auch den richtigen Vornamen. Praktisch.

[17:30] Retweet: "Sag mir die magischen drei Worte." "Ich kann nicht zaubern." "Das sind vier." "Siehste?!"

[17:29] Retweet: Ich lese die Brüder Karamasow bestimmt schon länger, als Dostojewski daran schrieb.

[17:28] Retweet: "Und wo bist Du grad?" "In der Bredouille" "Hach. Frankreich. Schön."

[17:27] Retweet: „Machen Sie eine für Ihren Beruf typische Handbewegung." *Augenbrauehebegeräusch

[17:26] Retweet: Wenn mir am Computer etwas zu skurril wird, drücke ich die Kafka-ESC-Taste!

[17:25] Retweet: Mein Kumpel meint, der Lehrerberuf habe mich verändert. Ich hab morgen erstmal ein Gespräch mit seinen Eltern.

[17:24] Retweet: Lese statt "Findet Dorie" immer "Findet Doris". Ist natürlich völliger Quatsch, dann hätte der erste Teil ja "Findet Gerhard" heißen müssen.

[17:23] Retweet: "Heute ist Stell-eine-dumme-Frage-Tag." "Wann?"

[17:22] Retweet: Manche Filme sollten in Büchern bleiben.

[17:21] Retweet: "In Gegenwart von attraktiven Frauen fehlen mir oft die Worte." "Mit mir sprichst du doch problemlos." "Ja."

[17:20] Retweet: "Was suchst du?" "Die Winterreifen für den Smart." "Handschuhfach."

[15:44] Frau M. läßt ihre Porzellantasse aus dem Bett fallen, wobei deren Henkel abplatzt und der Nachbarpatientin an den Kopf schnippst, die der Meinung ist, von einer Tablette getroffen worden zu sein, welche der Nachbarin offensichtlich heruntergefallen sein müsse. Eine Verletzung war nicht auszumachen. Wenig später klingelt Frau M., weil sie auf das Steckbecken muß. Es klappt auch alles vorzüglich. Ich hatte inzwischen die Tasse neu mit Mineralwasser gefüllt, die ich der Patientin mit der Bemerkung anbot, es müsse nun zunächst mal eben ohne Henkel mit dem Trinken gehen. Frau M. tunkte ihre Finger in die Tasse, wohl in der Meinung, damit ihr Hände gewaschen zu haben. Mich alten Ministranten erinnerte das an Lavabo. Ich könne die Tasse nun mitnehmen und sie danke mir sehr für alles. - Anekdoten aus meinem Berufsalltag, die nicht in den Notaten stehen, sondern es ins Tagebuch geschafft haben, sind in dieser Übersicht verlinkt.

[15:26] Pflegepatient fragt uns während der nächtlichen Routinebettenrunde: "Helfen Sie mir bitte beim Aussteigen?" Ich: "??" Patient bestimmt und zuversichtlich: "Da muß doch 1 Weg nach draußen sein!"

[15:25] "Das ging rum wie die Ruhr in 'ner 1-Zimmer-Wohnung." (No Offence S01E04)

[15:24] "Auf einer Skala von 1 is 10, wie sehe ich aus?" - "Ähm, 7,5?" - "Ich mag Männer, denen ihre Beförderung egal ist." (No Offence S01E04)

[15:22] Ein Patient mit der Diagnose LAE (Lungenarterienembolie) und einem Pflegedienst namens LEA. Es sind die kleinen Dinge, die einen im Pflegalltag überraschen und erfreuen.

[15:18] Buch gestern Abend begonnen: "Maigrets Nacht an der Kreuzung" von Georges Simenon.

[15:17] Buch gestern Abend beendet: "Die Bilder meiner Mutter" (PT) von Stephan Wackwitz, S. Fischer, 240 Seiten.

[15:16] Vor Nachtdienst 3/4. Tage ohne Alkohol: 298. Lektürestatus: gestern 121 Seiten.

Freitag, 7. Oktober 2016

[15:55] Vor Nachtdienst 2/4. Tage ohne Alkohol: 297. Lektürestatus: gestern 79 Seiten. Weiter mit "Die Bilder meiner Mutter" von Stephan Wackwitz.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

[19:47] In Arbeitswoche 10/13 auf zu Nachtdienst 1/4.

[19:20] Was tun, wenn man passiv-aggressiv ist? Wenn einen die Zumutungen der anderen und des Alltags zu überrollen drohen: "Botox-Lächeln an, Blick in die Ferne, so sinkt der Puls am schnellsten."

[18:47] ..."Kinder von Marx und Coca-Cola", wie Jean-Luc Godard unsere eigenartige Luxusverwahrlosung auf den Begriff gebracht hat. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[18:14] Noch ganz, ganz am Anfang ist ein Stichwortindex, den ich ins Bücherlei integrieren will, allerdings nicht retrospektiv. Das heißt, ab sofort verlinke ich darin markante Beiträge, die ein konkretes Thema, eine Sache, ein Ding beschreiben. In den thematischen FAB und Streuseln gibt es zwar zahlreiche Themen. Aber wenn jetzt beispielsweise ein Fundstück über Dinglichkeiten wie etwa Kaffee auftaucht, dann indiziere ich es fortan auf diese Weise.

[17:54] Mit guten Nachrichten von der Hausärztin zurück. Meine Lipase, die vor exakt einem Monat doppelt so hoch wie normal gewesen war, erfreut mich einem Wert in Referenzbereich; also normal, also - für die nächsten drei Monate bis zur nächsten Kontrolle - eine dicke Sorge weniger. Insgesamt zeigt das gesundheitliche Bulletin Entwarnung. Die Schlafapnoe-Diagnostik steht noch aus (nächste Woche). Meine gastroindestinalen Beschwerden lassen mich momentan in Ruhe. Zurücklehnen und die Diät nicht aus den Augen verlieren.

[16:07] Stephan Wackwitz schreibt in "Die Bilder meiner Mutter" gerade über "das folgenreichste und mich am nachhaltigsten glücklich machende Geschenk meiner Kindheit". Weil mir gerade die Zeit fehlt, halte ich dies fest, um später daran anzuknüpfen. - Bei der Lektüre des Buches zu viel Input, als daß ein anständiger Lesefluß zustande käme. Vor- und Nachteil in einem. Auch über den durch zuviele Informationen und Funde gestörten Lesefluß muß ich eine Plauderei verfassen...

[15:55] Stephan Wackwitz: Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind.

[15:38] Verleser des Tages: "Glaubensfenster" statt "Gaubenfenster".

[15:22] Daß Felix Salten, der Schöpfer von Bambi, auch die Lebensgeschichte der Josefine Mutzenbacher verfaßte, war mir nicht klar.

[15:06] Wortperlen: "Familienschweigen" (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[14:58] Die Iserlohner Verzweiflung meiner Mutter war -&xnbsp;wenn sie in der Überforderung mit uns Kindern überhaupt noch sprach&xnbsp;- statt still eher betäubend laut und schrill. Ihr familiärer Umgangston hatte eine hysterisch-tornadohafte Unberechenbarkeit angenommen... (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[14:47] Beleibe kein Geheimnis mehr ist die Tatsache, daß ich ein Bewunderer von Jochen Malmsheimer bin. Mit Zwei Füße für ein Halleluja bringt er uns die Welt des Mittelalter, speziell den Canossa-Gang, näher. Ebenfalls neueren Datums ist Halt mal, Schatz!, wo wir u.a. eine Geburtsvorbereitung miterleben. Sprachverliebte Menschen müssen Malmsheimer einfach kennen! Als Appetizer sei der Klassiker Das Wurstbrot empfohlen.

[14:38] Noch in den frühen sechziger Jahren waren altnationalsozialistische Einstellungen in der westdeutschen Provinz ein Fundament des allgemeinen Volksempfindens. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[14:17] Ich lese [hier irgendeinen Wälzer einsetzen] von [hier dessen Autor einsetzen] bestimmt schon länger, als er/sie daran geschrieben hat.

[13:22] Weiter mit "Die Bilder meiner Mutter" von Stephan Wackwitz.

[12:35] In der Sparte Wälzer/Grundlagenwerk fand ich ein Buch über den Skandal des Hungers in unserer Welt (Untertitel: "Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?") von Martin Caparros, das im geschätzten Litteraturblog bereits Anerkennung gefunden hat, in dessen angeschlossenem Forum ich stiller Leser bin. Das 844-Seiten-Werk erschien bei Suhrkamp.

[12:28] Im Klassikerforum geschrieben: "Nun las ich "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff und bin gespannt, was andere dazu sagen werden. Mir ist schleierhaft, wie es auf die Shortlist gelangen konnte. Ich konnte mit dem Buch wenig anfangen. Vielleicht liegt das allein schon daran, daß ich Roadmovies nicht leiden kann und bei deren literarischen Pendants immer erst Vorbehalte habe, die ich hier auch bestätigt sehe. Noch schlimmer ist in meinem Fall übrigens die Seefahrt, weswegen ich wohl nie Moby Dick lesen werde.

[11:39] Der Dramaturg und Schriftsteller Stefan Schütz war mir gänzlich unbekannt. In einem Büchermarkt stieß ich auf sein neues Buch Unser Leben, bei dem ich am besten den vom Verlag beigelegten Waschzettel mitliefere, der neben der Vorstellung im BM dazu beitrug, daß das Buch sofort auf meiner TRL (to read list) landet: "Niemand lebt ewig. Glücklich ist, wer seine letzten Jahre mit einem geliebten Menschen teilen kann. Stefan Schütz berichtet kraftvoll, poetisch und nicht ohne Sinn für Komik von dieser letzten Zeit, die viele alleine zu verbringen gezwungen sind. Er erzählt aus dem Pflegeheim, das er täglich besucht, vom Greis und der Greisin, vom Alltag der Gebrechlichkeit und Demenz, er lässt uns Begleiter des letzten Stück Wegs sein, und schafft mit Unser Leben ein virtuoses und in seiner Relevanz tief berührendes Buch über das Alter und über die Verbundenheit: Ein Lobgesang von ungeheurer poetischer Wucht auf die Liebe, die über den Tod hinausgeht. Aber auch die Abrechnung mit der Gegenwart und der Welt, mit dem zärtlichen und zugleich desillusionierten Blick eines Abschiednehmenden. Ein aus der Zeit gefallenes Buch über unsere Zeit und eines seiner drängendsten und doch tabuisierten Themen." Ein anderer Aspekt ist Schütz', mit fast 800 Seiten voluminöses Prosadebüt Medusa von 1986, für das er prompt den Alfred-Döblin-Preis erhielt, bei dem Friedrich Christian Delius die Laudatio hielt. 1985 einen Preis für einen 1986 erschienenen Roman? Den von Günter Grass gestifteten Preis verleiht man alle zwei Jahre für unveröffentlichte Manuskripte. Und viele Preisträger, darunter Gert Hofmann, Libuse Moníková, Reinhard Jirgl, Katja Lange-Müller, Norbert Gstrein, Michael Kumpfmüller, Sasa Stanisic, schätze ich.

[1:37] "Mädels! Könnt ihr mal 'n bißchen mehr mit Ehrfurcht saufen? (Tatort: Der König der Gosse)

[0:33] Nachdem die letzte Arbeitswoche mit 5 Nachtdiensten wie in "alten Zeiten" war, wird der heute beginnende Zyklus (10/13) wieder mit nur 4 Diensten vonstatten gehen. Die vergangenen beiden Tage waren verhunzt. Ich war nicht fit, schlief schlecht, ließ mich andauernd stören & unterbrechen, stand mir selbst im Weg, konnte mich keiner Tätigkeit richtig hingeben, begann, unterbrach, hörte auf und war insgesamt ziemlich gnatzig. Außerdem fällt es zurzeit schwer, meine Ernährung durchzuhalten. Gestern eine erneute Schlappe mit zusätzlicher Kalorienzufuhr von 2200 kcal durch 2 x 500 g Haselnuss- bzw. Vanilleeis erlitten. Die Waage schlug heute bei 82,8 kg an. Zwar machte ich den vor 1 Woche verzeichneten Reinfall durch restrikte Nahrungszufuhr während der fünf Nachtwachen wett, muß aber zusehen, daß die Ausnahmen nicht zur Regel werden, mir mein Konzept aufweicht und um die Ohren fliegt. So schnell kann man gar nicht gucken, wie das passieren kann.

[0:20] Vor Nachtdienst 1/4. Tage ohne Alkohol: 296. Lektürestatus: gestern 155 Seiten.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

[23:11] "Seit Adam und Eva hat es ja auch immer irgendwo hingeführt, (...) nur nicht zurück ins Paradies." (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[23:01] Es war Monate her, daß wir zuletzt miteinander geschlafen hatten, ohne daß es ihr viel bedeutete hätte. Ihre eigenen Bedürfnisse hatten sich in Luft aufgelöst. Na gut, Sex, schien sie zu denken, er ist ein Mann, Männer können nicht anders. Oder hatte ich nur den Deal nicht rechtzeitig begriffen? Ein paar Jahre bekommst du Sex, wir gründen eine Familie, und danach mußt du eben sehen, wie du dich zurechtfindest? (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[22:59] Mein Vater aß und trank sehr schnell, wie jemand, der sich in die Speisekammer geschlichen hat und nicht weiß, ob er essen oder fliehen soll. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[22:58] Er war ein Kind der Dreißigerjahre, er war nie Soldat, dachte aber in der Grammatik des verlorenen Krieges. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[22:57] Sex mit Sonja machte mich weiterhin auf fassungslose Weise fromm, und im Grunde hat mich dieses Gefühl bis zuletzt nicht verlassen. Sonja fand mein hymnisches Konzept des Beischlafs abwechselnd rührend oder komisch. Für sie war Sex wie Brot, aber keine heilige Handlung, über die man große Worte machte. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[22:56] Die Leute liefen in alle Windrichtungen. Innerhalb einer Viertelstunde hatten die wie irrsinnigen Paisanos vier Ärzte geweckt und aus ihren Betten gezerrt. Keine der langsamen Überlegungen, mit denen die Ärzte gern zeigen, daß sie nicht die Sklaven von Gefühlserregungen sind, wurde ihnen gestattet. (John Steinbeck: Tortilla Flat)

[22:55] ... gelang es ihm, den katalanischen Baumeister Gaudí nach der Devise "Was man aus der Ferne holt, muss gut sein" zu einem Entwurf zu bewegen. (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[13:27] Im letzten Jahrhundert hat Heldentum generationenlang darin bestanden, im Interesse zweier Chimären - &xnbsp;der "Klasse" oder der "Rasse" - das Leben hinzugeben. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[13:25] Das letzte Jahrhundert war, wenn auch auf überwiegend pathologische Weise, männlich. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[13:24] Weil alle Eltern und Lehrer in ihren Kindern und Schülern insgeheim ihre Befreier (ihre Erlöser) sehen, hat meine Mutter die Lebensrolle ihres Sohnes als Interpret und Fortsetzer ihrer eigenen Möglichkeiten gesehen. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)

[12:45] Buch begonnen: "Die Bilder meiner Mutter" von Stephan Wackwitz.

[4:25] Retweet: 3 Dinge, die heute produktiver waren als ich: 1. Brot (schimmelte) 2. Wand (stand herum) 3. Blume (sah schön aus).

[4:24] Retweet: Wann genau ist aus Sex, Drugs and Rock'n Roll Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer geworden?`

[4:23] Retweet: Ab heute keine Borderlinewitze mehr! - Ok, geritzt!

[4:22] Retweet: Liebe, lache, lebe! Wenn das nicht funktioniert: Lade, ziele, schieße!

[4:21] Retweet: Mein Humor ist simpel. Wenn keiner lacht, war's meiner.

[4:20] Retweet: "Moment, ich hab's passend." - Hilde, 86, wird an der Kasse 87.

[4:18] Retweet: "Habe ich gut geparkt, Schatz?" "Hervorragend. Bis zum Randstein können wir ja auch zu Fuß gehen."

[3:28] Weiter mit Zeit: Der Stoff, aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung" von Stefan Klein.

[3:22] Buch beendet: "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff, Frankfurter Verlagsanstalt, 224 Seiten.

[3:21] Freier Tag 2/2. Tage ohne Alkohol: 295. Lektürestatus: gestern 105 Seiten.

Dienstag, 4. Oktober 2016

[16:25] Man muß bloß den Entschluß fassen zu lesen, dann klappts sofort auch mit der nötigen Bettschwere. Sprich, ich schlief von 11.30 Uhr bis eben 16.15 Uhr und mache jetzt beim xten Kaffee (die auf Station mitgerechnet) den nächsten Leseversuch.

[10:55] Weiter mit "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff. - Gängigerweise gucke ich nach dem Ende einer Arbeitswoche am Ausschlaftag Serien, oft am Montagmorgen gleich einen Tatort - nicht den jüngsten, weil noch zu viele ungesehene auf mich warten. Heute gelingt dies nicht. Ich unternahm, nachdem ich kurz nach 8 Uhr vom Hausarzt zurückgekehrt war, wo eine Blutentnahme stattfand, zwei Versuche, u.a. mit dem Schweizer Tatort Kleine Prinzen, scheiterte aber an meinem Desinteresse und plötzlicher Unlust, die aus der Erkenntnis erwächst, meine kostbare Zeit doch nur zu vergeuden. Demnach ein Leseversuch mit obigem Buch.

[8:45] Nach Nachtdienst 5/5 = Freier Tag 1/2. 42 Wochen ohne Alkohol.

Montag, 3. Oktober 2016

[15:40] Vor Nachtdienst 5/5. Tage ohne Alkohol: 293. Lektürestatus: gestern 100 Seiten. Weiter mit "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff.

Sonntag, 2. Oktober 2016

[16:32] Buch begonnen: "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff.

[15:29] Buch beendet: "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans, Aufbau, 512 Seiten.

[15:28] Vor Nachtdienst 4/5. Tage ohne Alkohol: 292. Lektürestatus: gestern 130 Seiten.

Samstag, 1. Oktober 2016

[15:24] Schwere Brocken: Diese sechs unlesbaren Romane müssen Sie lesen - Immerhin bin ich schon bei Roman 3/6, Johnsons Jahrestagen. Noch nicht bewältigt: Zettels Traum (Arno Schmidt), "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (Marcel Proust) und "Titan" (Jean Paul). Die letzte Lücke werde ich zuerst schließen, vielleicht schon in meinem Novemberurlaub.

[15:05] Vor Nachtdienst 3/5. Tage ohne Alkohol: 291. Lektürestatus: gestern 120 Seiten. Weiter mit "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans.

Freitag, 30. September 2016

[17:53] Vor Nachtdienst 2/5. Tage ohne Alkohol: 290. Lektürestatus: gestern 112 Seiten. Weiter mit "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans. Ich hatte nicht beachtet, daß dieser Arbeitszyklus ausnahmsweise fünf Nachtdienste umfaßt und bis zum Feiertag am Montag geht, so daß ich in der kommenden Woche auch nur zwei freie Tage haben werde (Dienstag + Mittwoch). Übrigens ist es die Arbeitswoche 9/13.

Donnerstag, 29. September 2016

[16:18] Retweet: Wenn sich im Leben eine Tür schliesst, sollte man sich manchmal lieber Hammer und Nagel schnappen und sicherstellen, dass das scheiss Teil auch zu bleibt.

[16:17] Retweet: Die Wünsche eines Mannes sind unten tastbar.

[16:08] ...hier, in diesem Hotelzimmer, hoffte ich, würden wir endlich zusammenkommen. Unter dem Laken befand sich eine dicke Plastikfolie, das war als Ansage etwas direkt, aber auch tröstlich, fand ich. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[13:21] Diätmäßig hatte ich gestern einen Absturztag. Abends schaufelte ich in mich hinein. Dabei entlastend entdeckt, daß die ALDI-Walnußeisbox nicht 1 kg beeinhaltet, sondern 1000 ml, die 500 g entsprechen, was deren Kaloriengehalt auf 1250 "senkt". Der Reihe nach. Bei der Tagesmahlzeit nach der Rückkehr vom Plagwitzer 1-Euro-Antiquariat Buchlager (FB), wo ich zehn noch zu erfassende Bücher kaufte, trug ich gegen 19 Uhr üppig auf: 3 Vollkornschnitten mit Teewurst/Brie (125g/80g), 1 Mettende (75g), 350g BBQ-Steakhouse-Kartoffelsalat, 450g Erdbeerjoghurt. Danach fuhr ich zum Hauptbahnhof, um bei ALDI noch Eis zu holen und verspachtelte die Schüssel bei einer Folge The Simpsons. Macht zusammen 3750 kcal gegenüber den sonstigen maximal 1800 kcal. - Nach dieser Freßattacke hatte ich einen Filmriß, wie er auch beim Saufen auftritt, so daß ich nur noch mutmaßen kann, daß ich gegen 21.30 Uhr schlafen ging, irgendwann aufwachte, drei Büchermarktsendungen hörte, um dann weiterzuschlafen, insgesamt zirka 14 Stunden bis 12.30 Uhr. Nun, hoffentlich, Reset der Ordnung, Tee kochen, Griff zum Buch. Auf die Waage, um mir das Malheur exakt anzusehen, steige ich erst morgen Nachmittag nach dem Schlaf nach der ersten Nachtwache.

[12:40] Vor Nachtdienst 1/5. Tage ohne Alkohol: 289. Lektürestatus: gestern 102 Seiten. Weiter mit "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans und, als Nebenlektüre für die Straßenbahn, "Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist" von Stefan Klein.

Mittwoch, 28. September 2016

[12:54] Ein Patient, der, wenn ich das Zimmer betrat, stets am Bettrand saß und alles kommentierte, sollte am Montag vormittag in die Reha verlegt werden, benahm sich seit dem Vortag widerborstiger und desorientierter als vordem. Dies läßt sich übrigens häufig beobachten, daß sich, sobald für einen Patienten die Entlassung ansteht, die Dinge komplizieren. Jedenfalls befiel den Patienten schon im sonntäglichen Spätdienst das Verlangen nach einer Kippe. Nachts deutete er auf die Fernbedienung des Fernsehers: "Gib mal das Feuerzeug da her!". Kurz vor unserem Feierabend gegen 5.30 Uhr beim letzten Rundgang im Zimmer ein mächtiger Fladen breit getretener Stuhlgang, dessen Spur ins Bad wies, wo der Patient ohne Katheterbeutel stand und sich nur widerwillig einer Reinigungsprodedur unterzog. Unseren freundlichen Bemühungen begegnete er mit einem barschen: "Hört auf, mich hier anzuschwulen!"

[12:35] Mein Biorhythmus bewegt sich derzeit ziemlich abseits vom Mainstream. Ich schlief nach der Tagesmahlzeit gestern Abend bis 22.45 Uhr, verbrachte die Nacht am Rechner und ging kurz vor 5 Uhr ins Bett, wo sich beim Deutschlandfunk hören rasch Bettschwere einstellte, die mir eine weitere Schlafphase bis vorhin 11.45 Uhr bescherte. Mir brennen die Augen, ich bin unausgeschlafen, weiterhin übernächtigt und in keinster Weise aufnahmefähig. Die Lektüre leidet erheblich darunter. Nachdem ich während der letzten halbe Stunde eine Mail beantwortet habe, ein erneuter Versuch, mich "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans zu widmen.

[3:47] Im Buch "Zeit: Der Stoff, aus dem das Leben ist" bin ich gerade beim Lichtmangel, den ich als Dauernachtdienstler besonders zu beklagen habe. Selbst am Tag ist das Licht in geschlossenen Räumen 50mal schwächer als draußen, geschweige denn in der Nacht, in der ich auf Station bei trüben Funzeln arbeiten muß; denn die Patienten dulden zu Recht keine hell erleuchteten Gänge und im Patientenzimmer bewegen wir Pflegekräfte uns nachts zumeist traumwandlerisch und eher intuitiv. "Mehr Licht!" sollte also die Devise sein, wenn man wie ich darüber hinaus ohnehin schon von einer depressiven Grundverfaßtheit bestimmt ist.

[3:47] Oh Mann, ich nähere mich dem Alter, in dem Honoré de Balzac gestorben ist.

[3:11] Die zentrale Körperuhr liegt im Nucleus suprachiasmaticus (SCN) und reguliert die zirkadiane Rhythmik. Der Tag des Menschen dauert 24 Stunden und bis zu 30 Minuten. Experimente in den 60ern zeigten, wie genau dieses Uhr funktioniert, selbst in wochenlanger Separation und Dunkelheit. Nur das persönliche Zeitempfinden variiert davon teils erheblich. Faszinierend für mich ist, daß man es manipulieren kann, also auch entschleunigen, downgraden. Ich vermute, daß der Drang, ständig aufs Smartphone zu gucken, Postings zu checken usw. nicht nur die Konzentration beeinträchtigt, sondern auch die persönliche Zeit, und daß man durch Verzicht auf bestimmte Trigger sein Zeitgefühl wieder anpassen kann, so daß man dann aufmerksamer, langsamer und kontemplativer würde, was einer konzentrierteren Lektüre zugute käme. (28.9.2016)

[2:45] ...seine Eltern, den sturen Bergcharakter, den sie alle hatten, die bockige Unzufriedenheit mit dem Platz, an dem er zu leben hatte. (Hans Platzgumer: Am Rand)

[2:38] Ich wüsste gar nicht, was ich anstellen müsste, um der Frau näherzukommen, die mich auf die Welt gebracht hat. Sie hat mir mein Leben gegeben, ich habe mir ein eigenes daraus gemacht. (Hans Platzgumer: Am Rand)

[2:37] Die Frau lag im Sarg wie alle Toten; mit einem unendlich abweisenden Gesicht. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:36] Der Süden ist ein Verführer, er wischt die Gedanken weg und macht die Phantasie zur Königin. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:35] "Kranke Menschen sind so oft sympathischer als -" sie lächelte ihn boshaft an "- die Gesundheitsprotzen, denen selbst im Gehirn Muskeln wachsen statt Nerven." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:34] Das alles brachte einen Zustand schwebender Nichtwirklichkeit und gleichzeitig leuchtendbeziehungsloser Wirklichkeit hervor, über der gerade noch der letzte zerrinnende Nebel eines Traumes schwebte, an den man sich schon nicht mehr erinnern konnte. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:33] Das Schicksal gibt einem nur eine gewisse Narrenfreiheit; dann warnt es und schlägt zu. Man spürt manchmal, wenn die Zeit da ist. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:32] ...daß unser Gedächtnis fälscht, um uns überleben zu lassen. Es versucht, das Unerträgliche zu mildern durch die Patina des Vergessens. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[2:26] Manchmal konnte man abends Herrn Leitner sehen, wie er in der türkisen Ballonseide seines Trainingsanzugs auf dem Balkon stand und vor der untergehenden Sonne salutierte. (Hans Platzgumer: Am Rand)

[2:22] Hans Platzgumer: Die Stunde der Niederlage // Literarischer Mißerfolg // Emotionale Distanz zur Mutter.

[1:20] Und was besitzen wir wirklich? Wozu so viel Lärm um Dinge, die als bestes nur geliehen sind für einige Zeit; und wozu so viel Gerede darüber, ob man sie mehr oder minder besitzt, wenn das trügerische Wort "besitzen" doch nur heißt: die Luft zu umarmen? (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[1:12] "Sie wissen, daß kein Visum erteilt wurde, wenn nicht nachgewiesen werden konnte, daß man sehr gefährdet sei, oder wenn man nicht in Amerika auf eine Liste bekannter Künstler, Wissenschaftler oder Intellektueller gesetzt wurde. Als ob wir nicht alle gefährdet gewesen wären - und als ob Mensch nicht Mensch wäre! Ist der Unterschied zwischen wertvollen und gewöhnlichen Menschen nicht eine ferne Parallele zu den Übermenschen und den Untermenschen?" "Sie können nicht alle nehmen", erwiderte ich. "Nein?" fragte Schwarz.

[1:00] Wortperlen: "Gerechtigkeitsträumer" (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:56] Ewigkeit! Wenn das Gefühl alles ausfüllt, ist kein Platz mehr da für Zeit. Man hat andere Ufer erreicht, jenseits von ihr. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:47] "Wir sind wie Schiffbrüchige, die ihre Erinnerung verloren haben. Sie haben nichts zu bedauern - denn Erinnerung ist immer auch Bedauern, daß man das Gute, was man gehabt hat, an die Zeit verlieren mußte und das Schlechte nicht besser gemacht hat." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:44] "Glück", sagte Schwarz. "Wie das zusammenläuft in der Erinnerung! Wie ein billiger Stoff in der Wäsche. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:27] ...in den fünf Jahren, in denen mein Dasein ein Dutzend Saltos der Ironie geschlagen hatte. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:20] Es schien mir auch bezeichnend zu sein für die leere, finstere Besessenheit unserer Zeit, die voll Furcht und Hysterie Schlagworten folgt, ganz gleich, ob jemand von rechts oder von links sie schreit, wenn er der Masse nur das lästige Denken und die Verantwortung abnimmt, für das einstehen zu müssen, was sie fürchtet und dem sie nicht ausweicht. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:10] Die einzige Internationale der Welt: Geld. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[0:00] Freier Tag 3/3. Tage ohne Alkohol: 288. Lektürestatus: gestern 127 Seiten.

Dienstag, 27. September 2016

[23:55] Retweet: Der Psychiater meint, ich hätte ein übersteigertes Mitteilungsbedürfnis. Bitte retweeten!!!

[23:54] Ein Egoist ist ein Mensch, der nicht an mich denkt. (Eugene Labiche)

[23:53] Retweet: Donald hat das Rededuell gegen Hillary verloren. Bill kennt das.

[23:52] Retweet: Egal wie es heute läuft, zumindest habe ich eine Hose an und noch niemanden umgebracht. Es sind eben die kleinen Dinge des Lebens.

[23:51] Retweet: Da wo ich herkomme regeln wir das mit einem Anruf von meiner Mutter bei deiner Mutter.

[23:50] Retweet: "Mir setzen diese Schockbildchen schon schlimm zu." "DAS SIND MEINE HOCHZEITSFOTOS!" "Ich bleib Single."

[23:46] Retweet: Mit mir ist gut Kirschen essen. Und Bücher lesen. Bücher kaufen. Bücher horten. Über Bücher reden. Bücher lieben.

[23:48] Retweet: Morgens Aronal, abends Buch.

[23:47] Retweet: Ist es eigentlich anstrengend für so ein Telefon, die eigene Rufnummer zu unterdrücken?

[23:46] Retweet: Wenn mir langweilig ist, frage ich in einem Elternforum, ob die anderen Kinder von Bier auch immer Durchfall bekommen.

[23:45] Fast jeder war für Frieden, wie immer kurz vor der Katastrophe. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[23:44] Ich gehöre aber nicht zu denen, die sich damit trösten, dass andere das Glück auch nicht finden. (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[16:53] Zu mir kommen Patienten, von denen ich nach bestem Wissen und Gewissen sagen könnte, dass ihre psychischen Probleme wie weggeblasen wären, wenn sie ihre Kinder aus dem Fenster werfen und ihre Frau erwürgen würden. (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[16:25] Buch begonnen: "Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist" von Stefan Klein. Eine Nebenlektüre, die ich, aus der Stadt kommend, wo unter anderem ein Bibliotheksbesuch erledigt worden war, begann.

[16:21] Er hasste das Landleben bis in die Butangasflamme hinein. (Willem Frederik Hermans: Unter Professoren)

[16:13] Buch begonnen: "Unter Professoren" von Willem Frederik Hermans. Ohne diesen Schriftsteller sei, so Cees Nootboom, die niederländische Literatur nicht denkbar. Recht spontan entscheide ich mich zur Lektüre dieses mir bis dato unbekannten mehr als 500-seitigen Buches. Eine Bauchentscheidung, gefällt ohne Kenntnisse um Autor oder Buch. Lediglich den Klappentext gelesen und Lust auf die sofortige Lektüre bekommen.

[12:54] Buch beendet: "Am Rand" (DNB) von Hans Platzgumer, Zsolnay, 208 Seiten.

[11:24] Daß ich zutiefst unglücklich bin, versteht sich von selbst. Es ist aber nicht das, was mich aufregt. Was mich aufregt ist, so vielen Leuten zu begegnen, die nicht begreifen, daß das Unglück der natürliche Zustand des Menschen ist; so vielen Leuten, die keine Ahnung haben von diesem Unglück, die mit leichtem Herzen ihre Mißgeschicke akzeptieren, die - alles in allem - unglücklich sind, ohne es zu wissen. Und woran ich am meisten leide, ist nicht das dem Menschengeschlecht inhärente Unglück, sondern die Ahnungslosigkeit der Menschen. (Andre Gide: Der Griesgram)

[11:19] Ich glaube nicht, sie jemals wirklich für jemanden interessiert gesehen zu haben, es sei denn für sich selbst, und für ihre Kinder; denn sie gehört zu jenen Frauen, bei denen die Mutter die Ehefrau um einiges überragt. (Andre Gide: Der Griesgram)

[2:06] Wir leben in einer Gesellschaft, in der gestörte Menschen sogar einen Vorteil haben. (Tatort: Feierstunde)

[0:05] Freier Tag 2/3. 41 Wochen ohne Alkohol. Lektürestatus: gestern keine Lektüre.

Montag, 26. September 2016

[23:31] Ich vertrödele meine Zeit. Noch wenn ich darüber redete, vertrödelte ich sie. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)

[23:21] ... hält im mystischen Bereich eine Art ärmlicher Buchführung. (Andre Gide: Der Griesgram)

[23:16] Um nun das Wahre zu ertragen, ohne an ihm zu leiden, müßte ich ein hartes Herz haben. Ich bin mit einem weichen Herz geschlagen. (Andre Gide: Der Griesgram)

[23:15] Mein Elend fing an dem Tag an, da ich zu begreifen begann, daß die Menge, das Menschengeschlecht, sich in der Lüge gefällt (Vulgus vult decipi) und das Angenehme dem Wahren vorzieht. (Andre Gide: Der Griesgram)

[22:50] Retweet: Bilder ohne Farben oder Graustufen brauchen weniger Speicherplatz. Anders lassen sich die Weltbilder in manchen Hirnen auch nicht erklären.

[22:49] Retweet: Das Problem ist ja nicht, dass man einen leichten Knall hat. Das Problem ist, jemanden zu finden, der einen möglichst kompatiblen Knall hat.

[22:48] Retweet: Kriegserklärung der Frau: "Aha."

[22:47] Retweet: Da versuche ich doch glatt einmal sexy zu schauen, schwupps, werd ich wegen Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert.

[22:45] Retweet: Warum ist jeder Magnet männlich? Weil ein weiblicher Magnet nicht wüsste, was er anziehen soll.

[22:34] Retweet: Definiere Deutschland: Treppe gesperrt, weil Stufen nicht normgerecht. Umbau nicht möglich wegen Denkmalschutz!

[22:32] Retweet: Wie hört es sich an, wenn Chuck Norris angeln geht? "Du, Du und Du: rauskommen!"

[22:31] Retweet: "Da braut sich was zusammen..." "Oh, Bier." "Nein, was böses!" "Alkoholfreies Bier?"

[22:30] Retweet: Ich habe das große Los gezogen: nachts Schlaflos, morgens Antriebslos, im Büro Motivationslos & beim Blick ins Portemonnaie Bargeldlos.

[22:25] Retweet: "Liebe Menschen, die ihre Bettdecke mit den Knöpfen zum Kopf hindrehen... Ganz ehrlich, es gibt in unsere Gesellschaft Regeln und an die muss man sich halten."

[22:24] Retweet: "Zu wenig Sex führt dazu wirres Zeug zu reden." "Stimmt nicht, reitende Tomatenstullen schwadronieren nicht schneller als gierige Fontänen."

[22:01] Gewisse Lebewesen (sie gehören dazu) spüren nur das materielle Elend, bedürfen desselben, um sich unglücklich zu fühlen. (Andre Gide: Der Griesgram)

[22:00] Jeder konstruiert sich die Welt nach seinem Temperament. (Andre Gide: Der Griesgram)

[20:30] Bei der Vervollständigung der thematischen FAB soeben mit der letzten Rubrik (Über Tod und Sterben) fertig geworden. Alle Einträge sind jetzt verlinkt.

[20:27] Im 19. Jahrhundert grassierte die Angst vor dem Scheintod, die seltsame Blüten trug.

[20:23] Natürlich ist jeder Tod eine ernste Sache, jeder sollte ihn in seine Pläne fest mit einbeziehen. Nie sollte jemand denken: Ich bin unsterblich. Man sollte nicht einmal denken: Nächste Woche fahre ich aufs Land. Man sollte denken: Nächste Woche, falls ich nicht tot bin, fahre ich aufs Land. Auch nicht; Morgen früh lasse ich mir drei Eier braten!, sondern: Morgen früh, falls ich noch am Leben bin, lasse ich mir und so weiter. (Gert Hofmann: Vor der Regenzeit)

[8:24] Nach Nachtdienst 4/4 = Freier Tag 1/3. Tage ohne Alkohol: 286. Lektürestatus: gestern 84 Seiten.

Sonntag, 25. September 2016

[14:14] Vor Nachtdienst 4/4. Tage ohne Alkohol: 285. Lektürestatus: gestern 92 Seiten. Weiter mit "Am Rand" von Hans Platzgumer.

Samstag, 24. September 2016

[18:28] Sehr wenig Zeit im Augenblick. Heute schlief ich nach dem zweiten Nachtdienst von 7.30 bis 16 Uhr. Die Routinen nach dem Aufwachen rauben viel Zeit; sie wenigstens nur teilweise wegzulassen fehlt mir der Mumm.

[18:01] Buch begonnen: "Am Rand" von Hans Platzgumer.

[17:39] Buch beendet: "Die Nacht von Lissabon" (DNB // Amazon) von Erich Maria Remarque, Kiepenheuer & Witsch, 302 Seiten.

[17:38] Vor Nachtdienst 3/4. Tage ohne Alkohol: 284. Lektürestatus: gestern 88 Seiten.

Freitag, 23. September 2016

[19:55] Die Waage zeigte 82,8 kg - 1,5 kg mehr als am Sonntag. Daß ich einige Tage lang mehr zu mir genommen haben soll, als ich verbaucht habe, war mir nicht bewußt. Da die Waage nicht lügt, muß es stimmen. SO schnell geht es, so schnell gerät man wieder ins alte Fahrwasser, so schnell ist man in Gefahr. In den kommenden Tagen gilt meine Aufmerksamkeit wieder einer noch beschränkteren Kalorienzufuhr; denn das Ziel ist: permanent unter 82 kg. Längerfristig wäre es nett, eine 79,x zu sehen.

[18:39] Retweet: Familie ist was Schönes. Wenn sie woanders zu Besuch sind.

[18:38] Retweet: Ich hasse es, wenn Menschen sich in der Ubahn streiten ohne ein vorheriges kurzes Briefing der anwesenden Fahrgäste.

[18:37] Retweet: Ich bin kein Sofa. Ich muss nicht bequem sein.

[18:36] Retweet: Öfters "Freilich, freilich!" vor sich hinmurmeln.

[18:35] Retweet: Ihr werdet eh nie wieder so glücklich sein wie damals wenn der Lehrer den Fernsehwagen in die Klasse geschoben hat.

[18:34] Retweet: "Wie mögen es Männer an ihrer Eichel?" "Hast Du mal auf dem Weihnachtsmarkt herzhaft in einen Champignon gebissen?" "Ja." "So nicht."

[18:33] Retweet: Wenn ein Mann was geputzt hat, lobst Du ihn gefälligst, wartest bis er um die Ecke ist und machst es sauber!

[18:32] Retweet: Habe den Kater gebürstet. Long story short: wenn das Bündel auf der Couch nicht bald mal miaut, muss ich noch mal eben runter zum Müll.

[18:31] Retweet: Wär gern dabei gewesen, als Jesus Wasser zu Wein machte: "Was das für Fusel, Billig-Merlot aus Galiläa? Den verreiß ich in meinem Foodblog!"

[18:30] Retweet: Wenn ich mir endlich merken kann, wie man die 30 in römischen Zahlen schreibt, mach ich drei Kreuze.

[18:29] Retweet: Abschied vom ausgelesenen Buch, in das man sich ein bisschen verliebt hat. Fast möchte man sagen: "Leg du zuerst auf."

[18:28] Retweet: Ein guter Ventilator eignet sich exzellent, um Puderzucker vom Christstollen zu blasen. Die Küche sieht dann auch viel weihnachtlicher aus.

[18:27] Retweet: Ich hasse Dinge, die mit Escape nicht weggehen.

[18:26] Retweet: "Warum ist denn dieser Teil des Gebäudes so klein?" "Ach, das ist der Minderwertigkeitskomplex."

[18:25] Retweet: Mein IQ ist situationsabhängig.

[18:24] Retweet: Humor. Das kleine Schwarze unter den Nervenkostümen.

[18:23] Retweet: "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" "Gleicher Ort, neue Couch."

[18:22] Retweet: Ich bin nicht betrunken. Das sind meine Werkseinstellungen.

[18:21] Retweet: "Wie war dein Wochenende?" Voll geil. 3er probiert... "Krass! Wie war das so?" Der Bademeister musste mich schreiend runtertragen.

[18:20] Retweet: Wenn ich eBooks kaufe, dann nur die preiswerten Mängelexemplare, wo hier und da ein Bit fehlt oder ein Eselsohr mit eingescannt wurde.

[18:17] Erich Maria Remarque: Das Rote Meer // Humus für den Schmarotzer Zeit // Hitlers Weingesetz // Die Möglichkeit ist Gnade.

[15:55] Vor Nachtdienst 2/4. Tage ohne Alkohol: 283. Lektürestatus: gestern 74 Seiten. Weiter mit "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque.

Donnerstag, 22. September 2016

[17:30] Kaum gab man sich eine Blöße, prompt fand sich jemand, der ein garantiert gutgemeintes Messer da hineinstach. (Ralf Rothmann: Messers Schneide)

[14:51] Dieser Sommer 1939! Es war, als hätte Gott der Welt noch einmal zeigen wollen, was Friede ist und was sie verlieren würde. Die Tage waren randvoll mit der Gelassenheit dieses Sommers... (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[14:42] Das Wunder, wenn man es erlebt, ist nie vollkommen, erst die Erinnerung macht es dazu. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[14:37] Sie wissen, daß Zeit ein sehr dünner Aufguß des Todes ist, der uns langsam zugefügt wird wie ein harmloses Gift. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[14:21] "Glauben Sie, daß es Krieg gibt?" fragte ich. "Höhnen Sie nur weiter! Als ob Sie das nicht wüßten! Was sonst bleibt euch übrig mit eurem Tausendjährigen Reich und eurer infamen Aufrüstung? Ihr Berufsmörder und Verbrecher! Wenn ihr keinen Krieg macht, bricht euer Schwindelwohlstand zusammen und ihr mit ihm!" (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[14:17] "Sie haben aber einen guten Zug", sagte der Kellner neben mir. "Was?" "Ich meine, der Herr trinken den Wein aber wie beim Feuerlöschen." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[14:09] "Worüber ich jetzt zu berichten habe, ist eine Zeit des Glücks. Und über Glück kann man nicht viel erzählen." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[12:30] Vor Nachtdienst 1/4. Tage ohne Alkohol: 282. Lektürestatus: gestern 100 Seiten. Weiter mit "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque.

Mittwoch, 21. September 2016

[22:49] Als ich bei den thematischen Fundstücken (FAB) heute die Rubrik Drittes Reich schuf, indem ich mir Einträge aus den Bereichen Wir Deutsche und Politik & Gesellschaft zusammensuchte, bemerkte ich, daß viele alten FAB, weil ich damit erst später begonnen hatte, nicht verlinkt waren und entdeckte zudem zahlreiche Rechtschreib- bzw. Tippfehler. Dies führt zu einer Generalüberholung und Korrektur, die mich einige Zeit beanspruchen wird. Zurzeit pflege ich uralte Beiträge zur Natur des Menschen neu ein und stelle chronologisch um, so daß sie dann an vorderster Stelle stehen. Bei den kürzer geratenen Themenstreuseln hatte ich das Drittes Reich vor einiger Zeit eingebracht.

[22:43] Man fragt in der Liebe immer zuviel, und wenn man anfängt, die Antworten wirklich wissen zu wollen, ist sie bald vorbei. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[18:01] "Was ist ein Kugel-Dasein?" "Meines. Eines, das nirgendwo bleiben kann; das sich nie ansiedeln darf; immer im Rollen bleiben muß. Das Dasein des Emigranten. Das Dasein des indischen Bettelmönches. Das Dasein des modernen Menschen. Es gibt übrigens mehr Emigranten, als man glaubt. Auch solche, die sich nie vom Fleck gerührt haben." "Das klingt sehr gut", sagte Helen. "Besser als bürgerliche Stagnation." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[17:33] Als ich vorhin im Antiquariat stand, fühlte ich plötzlich etwas Feuchtes in der Handfläche. Ein Hund hatte mich mit der Nase angestupst. Perfekt!

[11:44] ...vor den Bildern der Impressionisten. Ich verbrachte damals viele Nachmittage dort, um mich zu beruhigen. Wenn man vor diesen sonnegetränkten, stillen Landschaften stand, glaubte man nicht, daß eine Tierrasse, die so etwas schaffen konnte, gleichzeitig einen mörderischen Krieg vorhaben könne - eine Illusion, die den Blutdruck für eine Stunde etwas senkte. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[11:24] Glück ist eine Sache von Graden. Wer das beherrscht, ist selten ganz unglücklich. (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[11:23] Es war die Zeit vor dem Münchner Pakt. Die Agonie der Angst. Ich versteckte und verteidigte mich zwar noch automatisch, aber ich hatte abgeschlossen. Es würde Krieg geben, und die Deutschen würden kommen und mich holen. Das war mein Schicksal. Ich hatte mich damit abgefunden." Ich nickte. "Es war die Zeit der Selbstmorde. Sonderbar, als die Deutschen eineinhalb Jahre später wirklich kamen, waren die Selbstmorde seltener." (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)

[11:22] Buch begonnen: "Die Nacht von Lissabon" von Erich Maria Remarque.

[10:40] Erich Loest: Olympische Sportarten // BRD-DDR 1974 (2) // BRD-DDR 1974 (1) // Rotkohl und Schwarzkohl.

[10:35] Sie nickten sich zu und waren wieder uralte Eheleute, bei denen ein Heben der Augenbraue stundenlange Kommentare ersetzt. (Erich Loest: Rotes Elfenbein)

[10:13] Die Wirtin der "Pension Clausener" in Bad Wiessee war eine Dame nahe der Sechzig, die wie nahe der Sechzig aussah und dennoch genügend Charme besaß, um ein Dirndlkleid mit beachtlichem Ausschnitt tragen zu können. (Erich Loest: Rotes Elfenbein)

[10:12] ...hob eine ältliche Putzfrau, die einen Lampenschirm säuberte, den betuchten Kopf, musterte Kitty von oben bis unten und murmelte etwas, das nur ein Intimkenner des Münchnerischen hätte verstehen können; es war eine mit uneingestandenem Neid angereicherte Abfälligkeit deftigster Form. (Erich Loest: Rotes Elfenbein)

[10:00] Nur mal so, wieviel man 1974 als Sieger der Fußball-WM als Salär einsacken konnte: "... schimpfte auf die Mannschaft der Bundesrepublik, die am Nachmittag bei ihrem 3:0-Sieg über Australien nur eine Halbzeit lang mit voller Kraft gespielt hätte. Dafür würden diese Leute nun hoch bezahlt, sechzigtausend Mark wären jedem Spieler für den Gewinn der Weltmeisterschaftstrophäe versprochen worden." (Erich Loest: Rotes Elfenbein)

[9:59] Man sollte gemeinhin viel öfter "frappant" sagen.

[9:58] Nach einigen Sekunden des Schweigens, in denen es Varney schien, als ob die Männer tief durchatmen müßten, um eine Kette von Flüchen in die hintersten Lungenspitzen zu verdammen... (Erich Loest: Rotes Elfenbein)

[9:57] Freier Tag 3/3. Tage ohne Alkohol: 281. Lektürestatus: gestern 201 Seiten.

Dienstag, 20. September 2016

[23:46] Buch begonnen: "Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht. Friedhofsgänge mit Schriftstellern" (DNB) von Tobias Wenzel. "Tobias Wenzel ist um die Welt gereist, um Schriftsteller auf Friedhöfen zu treffen, die für sie eine besondere Bedeutung haben."

[22:07] Buch beendet: "Rotes Elfenbein" (DNB) von Erich Loest, Fischer, 224 Seiten.

[17:34] Wenn man ein Buch von 1975 liest ("Rotes Elfenbein" von Erich Loest), begegnet man, auch sprachlich, Zeitverhaftetem. In dem Krimi begleitet man die Spiele der Fußballweltmeisterschaft 1974. Rekapitulieren kann ich sie kaum, war ich zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 8 Jahre alt. Jedenfalls lange nicht gelesen oder gehört: Jokus für Jux, Spaß. Und wenn man bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft heute von den Italienern spricht, dann meist von den Azzurri. Bei Loest las ich: die Mannschaft vom Apennin. Belustigend auch, von der "Heule" zu lesen, kurz für Kofferheule, also einem Kofferradio, wie man es damals unterwegs mit sich herumtrug, wenn man am Ball bleiben wollte.

[17:23] Was habe ich sonst noch verpasst? Wie oft war ich in meinem Leben gewissermaßen auf der hinteren Veranda statt auf der vorderen? Was hat man mir gesagt, ohne dass ich es hörte? Welche Liebe mag es gegeben haben, die ich nicht spürte? (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:22] Wir alle haben ein geistiges Fotoalbum. Standbilder. Schnappschüsse von Menschen, die wir irgendwann geliebt haben. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:19] Seufzer, der Rhythmus unserer Herzschläge, Geburtswehen, Orgasmen, das alles fließt ein in die Zeit, so wie Pendeluhren, die, wenn man sie nebeneinanderstellt, bald im Gleichklang schlagen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:16] Putzfrauen: Ihr werdet einer Menge emanzipierter Frauen begegnen. Das erste Stadium ist eine Selbsterfahrungsgruppe, das zweite Stadium eine Putzfrau, das dritte die Scheidung. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:14] Ich habe inzwischen dreißig Tabletten (...). Die Leute, für die ich arbeite, haben jeder genug Aufputsch- und Beruhigungsmittel, um einen Hells Angel für zwanzig Jahre auszuschalten. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:13] Die Abschiedsbriefe, die sie in all den Jahren schrieb, immer an mich, waren meistens Witze. Als sie sich die Pulsadern aufschnitt, unterschrieb sie mit Bloody Mary. Nach einer Überdosis schrieb sie, sie hätte es ja mit einem Strick versucht, aber den Dreh nicht rausbekommen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[5:52] Ich muß der Zerfaserung meines Alltags entgegenwirken. Neu ist die Klage, daß ich einen Großteil meiner Zeit verplempere, beileibe nicht. Hervor getan hat sich in den vergangenen Jahren vor allem die Verwendung der und das Agieren in den sozialen Medien. Die Timeline von Twitter und Facebook zu checken, auf sie zu reagieren, indem ich Links folge oder Kommentare absetze, führt zu einer tagtäglichen Verzettelung, die ich stets bedauert habe, der ich mich jedoch nie entziehen konnte. Einmal angeworfen, mäandert man stundenlang herum, besucht Webseiten, liest Artikel, guckt Videos, Bilder an; eines führt zum Nächsten, und ruckzuck, in aller Regelmäßigkeit, sind Stunden herum und damit weg. Im letzten Jahr hinzu gekommen ist Whats App, nur ein weiteres Teil im Puzzle des Abgelenktwerdens und des Totschlagens der Zeit. Der Wunsch, sich zu besinnen, es anders zu machen, auf die Ablenkungen und die Zeitkiller zu verzichten, ist immer vorhanden, die Versuche eher halbherzig und ephemer. Trotzdem gibt es keine Alternative, als es erneut und immer wieder zu wagen. Trotzig also ein neuer Versuch, Dinge im Alltag neu zu strukturieren, indem ich in einem ersten Schritt das Smartphone zwar nicht in Rente, aber in einen Schlafmodus versetze, aus dem ich es nur zweimal am Tag erwecken will, um dem Impuls des andauernden Hinguckens zu entgehen. Außerdem probiere ich, meine Prioritäten am PC zu ordnen. Zuallererst hole ich das vollends zum Erliegen gekommeme Beobachten der Perlentaucher-Bücherschau aus der Versenkung und beginne mit dem 5. Januar 2016. Ich bin gespannt, wie lange meine Bestrebung, mehr Kontemplation in alltägliche Vollzüge zu bringen, dieses Mal fruchtet und wie sie sich auf die Lektüre auswirkt. - Dieses Notat wird unter dem Titel Mehr Zeit, mehr Kontemplation in meinem Tagebuch abgelegt.

[5:00] Die BBC-Dokumentation Obesity: The Post Mortem zeigt die Obduktion einer sehr adipösen Frau, um auf die Problematik der Fettleibigkeit aufmerksam zu machen. Wirklich nichts für schwache Nerven und ziemlich schockierend. Zum einen, daß überhaupt eine Autopsie gezeigt wird; zum anderen die Dimensionen der Adipositas. Pikanterweise ist der Pathologe im Film selbst übergewichtig. Sein Doppelkinn schwabbelt bedenklich, während er sich sich über die überdimensionierten Organe wie vor allem die Fettleber echauffiert.

[3:20] Freier Tag 2/3. 40 Wochen ohne Alkohol. Lektürestatus: gestern 44 Seiten. Das ist so gut wie keine Lektüre. Vom Tendrjakow die letzten Seiten der zweiten Novelle ("Die Eintagsfliege") gelesen, wo es um eine Schweinebäuerin geht, die sich in einem Lügengespinst zwischen Planvorgaben und Realität verheddert, und einen Krimi von Erich Loest begonnen ("Rotes Elfenbein"), in dem mit Privatdetektiv Pat Oakins und Detective George Varney bekanntes Personal schon aus einem anderen, vor mir gelesenen Kolportageroman Loests ("Oakins macht Karriere") agiert. Der Montag als so genannter Ausschlaftag (freier Tag nach mehreren Nachtdiensten) gehört eindeutig nicht zu den für ungetrübte Lektüre geeigneten Tagen, oft nicht einmal für die getrübte...

Montag, 19. September 2016

[21:01] Buch begonnen: "Rotes Elfenbein" von Erich Loest.

[19:15] Lucia Berlin: Mexico // Durchsichtigkeit // Die Gleichgültigkeit der Schwestern // Die Notfallaufnahme // Gute & weniger gute Selbstmorde.

[19:10] Nirgendwo gibt es einen Mond wie in einer klaren Nacht in New Mexico. Er steigt über den Sandiabergen auf und besänftigt Meile um Meile der kargen Wüste mit dem stillen Weiß des ersten Schnees. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[19:00] Buch beendet: "Morast / Die Eintagsfliege" von Wladimir Tendrjakow, Verlag Volk & Welt, 160 Seiten.

[17:29] Nach lediglich vier Stunden nachmittäglichen Schlaf nun weiter mit den zwei Novellen von Wladimir Tendrjakow. Der schöne Band aus dem Verlag Volk & Welt beinhaltet insgesamt vier Novellen; die beiden anderen werde ich zu einem späteren Zeitpunkt lesen.

[10:24] Der Tatort "HAL" ist ja mal ein richtiger Thriller, spannend und gespenstisch. Man möchte am liebsten sein Handy wegwerfen und sich stracks in den Wald begeben. Nur, so hörte ich ansatzweise, sei der Wald auch nicht mehr sicher, wenn man einer Überwachung entgehen will.

[8:28] Nach einem Arbeitszyklus (meist montags) lese ich morgens und tagsüber nicht, sondern gucke am Vormittag Serien, esse am Mittag und schlafe dann mit der nach der täglichen Mahlzeit unweigerlich einsetzenden Müdigkeit bis abends, lese DANN vielleicht bis in die Nacht hinein, bis die Müdigkeit erneut ihren Tribut und eine zweite Schlafphase einfordert. Gerade werfe ich die zweite Hälfte des Tatorts "HAL" an, der am 28. August lief und den ich am letzten Montag aus Müdigkeit nicht zuende gesehen habe. Leider viel zu oft bleibt mir die Lektüre am Montag gänzlich versagt, ich gucke weiterhin Serien oder verplempere die Zeit spätabends und nachts im Internet.

[8:11] Nach Nachtdienst 4/4 = Freier Tag 1/3. Tage ohne Alkohol: 279. Lektürestatus: gestern 104 Seiten. Die zweite Woche mit bzw. nach verkürzter Arbeitszeit. Nach nur noch 4 Nachtdiensten stehen 3 freie Tage an. Das ist die Grundregel, von der bedarfsweise abgewichen werden kann; wenn ich zum Beispiel einmal vier freie Tage hintereinander haben möchte, brauche ich in einer der angrenzenden Wochen lediglich nur wieder fünf Nachtdienste abzuleisten. Bisher war das nicht möglich und so auch keine Reisen außerhalb des Urlaubs.

Sonntag, 18. September 2016

[20:11] "Wie glücklich sie aussieht. Armes Ding, sie hat diesen Urlaub wirklich gebraucht." "Ja, es wirkt jetzt nicht mehr so anstößig, nicht? Dass sie Urlaub machen, nachdem ihre Mutter gestorben ist." "Weißt du, eigentlich ist es schade, dass es nicht so eine Tradition gibt. Ein Beerdigungsurlaub, so wie Flitterwochen oder Babypartys." (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[20:09] Die beste Stadt ist Albuquerque, wo die Spirituosenläden Drive-through-Fenster haben, sodass man nicht einmal den Pyjama ausziehen muss. Aber auch dort verkaufen sie nichts an Sonntagen. Wenn ich also nicht im Voraus plante, stand ich immer vor dem Problem, bei wem ich auftauchen sollte, ohne dass mir nur ein leerer Weinkühler angeboten wurde. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[17:38] Wir versteckten uns im Verschlag von J.R.s Küche und sahen zu, wie er und seine dünne Frau es trieben, ein Akt, der von einer so monumentalen Komik war, dass seither nicht wenige wonnige Momente meines Lebens durch einen Kicheranfall ruiniert wurden. Sie saßen mürrisch auf dem Wachstuchtisch, rauchten und tranken ohne Ende, rauchten und tranken und schwiegen, und dann stieß er an die Lampe, die ihm den Bergarbeiterhut vom Kopf riss, brüllte "Doggystyle!" und warf sie über den Küchenstuhl. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[15:52] Vor Nachtdienst 4/4. Tage ohne Alkohol: 278. Lektürestatus: gestern 102 Seiten. Weiter mit dem gestern Abend angefangenen Novellen "Morast" und "Die Eintagsfliege" von Wladimir Tendrjakow.

Samstag, 17. September 2016

[16:15] Buch beendet: "Was ich sonst noch verpasst habe" von Lucia Berlin, Arche, 384 Seiten.

[16:14] Vor Nachtdienst 3/4. Tage ohne Alkohol: 277. Lektürestatus: gestern 126 Seiten.

Freitag, 16. September 2016

[17:24] Vor Nachtdienst 2/4. Tage ohne Alkohol: 276. Lektürestatus: gestern 100 Seiten. Weiter mit "Was ich sonst noch verpasst habe" von Lucia Berlin.

Donnerstag, 15. September 2016

[20:00] Auf geht's in Arbeitswoche 7/13 zum Nachtdienst 1/4.

[19:50] Alex Capus: AllgFab (1) // Du dumme Kuh! // Schweiz (2) // Mannheim // Wie eine Französin // Dorfkultur // Ein großer Gedanke // Eisenbahntoiletten // Protestantische Kulturprägung // Malermeister Durrer.

[19:49] An jedem Tag meines Lebens habe ich das abendliche Nachlassen der Kräfte als persönliche Niederlage empfunden, gegen die ich ankämpfe, solange es geht.(Alex Capus: Das Leben ist gut)

[19:48] Joseph Roth: Die Würmer, die Würmer // Himmel & Hölle // AllgFab (6) // Winterliche Friedhöfe // Er liebte die Frauen // AllgFab (5) // Sonderbar, der Mensch // AllgFab (4) // Hypochonder // AllgFab (3) // AllgFab (2) // AllgFab (1).

[19:36] Es waren zwei alte Engländerinnen da, deren leise vegetative Existenz man kaum bemerkte, ferner ein hübscher junger Bursch mit einem lieben, blassen Mädel, von der ich bis heute noch nicht glaube, daß sie seine Frau war, weil sie sich viel zu herzlich gern zu haben schienen. Schließlich eine deutsche Familie, Norddeutsche vom schärfsten Typus. (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:35] Die meisten Menschen sind von stumpfer Phantasie. Was sie nicht unmittelbar anrührt, nicht aufdringlich spitzen Keil bis hart an ihre Sinne treibt, vermag sie kaum zu entfachen, geschieht aber einmal knapp vor ihren Augen, in unmittelbarer Tastnähe des Gefühls auch nur ein Geringes, sogleich regt es in ihnen übermäßige Leidenschaft. Sie ersetzen dann gewissermaßen die Seltenheit ihrer Anteilnahme durch eine unangebrachte und übertriebene Vehemenz. (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:34] Für den Erlebnislosen ist ja leidenschaftliche Unruhe der andern noch ein Nervenerlebnis wie Schauspiel oder Musik. (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:33] "... tauchte die Hand in den Kessel der Entsündigung" [Weihwasser] (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:32] Nur ganz leidenschaftsfremde Menschen haben ja in ihren einzigen Augenblicken vielleicht solche lawinenhaft plötzliche, solche orkanische Ausbrüche der Leidenschaft: da stürzen ganze Jahre mit dem stürzenden Groll nichtgenützter Kräfte die eigene Brust hinab. (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:31] Die weiche und wollüstige Stadt Wien, die wie keine andere das Spazierengehen, das nichtstuerische Betrachten, das Elegantsein zu einer geradezu künstlerischen Vollendung, zu einem Lebenszweck heranbildet. (Stefan Zweig: Phantastische Nacht, Erzählungen)

[19:30] Natürlich hatte ich damals beschlossen, Nonne zu werden, (...) vor allem aber wegen der schwarzen Habitate und der weißen Hauben, ein Kopfschmuck wie riesige, gestärkte weiße Schwertlilien. Ich wette, die katholische Kirche verlor eine Menge Nonnenanwärterinnen, als man begann, die Nonnen zu kleiden wie gewöhnliche Politessen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[15:35] Danny war klein, dunkel und drahtig. Mit fünfundzwanzig Jahren waren seine Beine so gekrümmt, daß sie genau um die Flanken eines Pferdes paßten. (John Steinbeck: Tortilla Flat)

[15:34] Unsere Geschichte ist dazu da, jetzt und für immer das spöttische Lächeln von den Lippen säuerlicher Gelehrter zu verbannen. (John Steinbeck: Tortilla Flat)

[13:20] Je "besser" der Mensch ist, je liebevoller, glücklicher und fürsorglicher, desto kleiner ist die Lücke, die sein Tod reißt. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[12:44] Gott, bin ich schon so unmenschlich geworden wie Schwester McCoy? Angst, Armut, Alkoholismus und Einsamkeit sind tödliche Krankheiten. Also Notfälle. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[12:21] Zwischen Schwestern und Rettungswagenmannschaft gibt es viel kokettes Geplänkel. "Bis dann&xnbsp;– und nimm’s mit Tumor." (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[12:20] "Wenn du einen Satz schreibst, dann ist er da, und er ändert sich nicht, und er bewegt sich nicht, und so wird er zu einem Ort für mich." (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[12:19] Alte Menschen. Alte Menschen bringen mich durcheinander. Es ist eine Schande, eine Hüfte oder einen Herzschrittmacher bei einem Fünfundneunzigjährigen einzusetzen, der flüstert: "Bitte, lasst mich gehen." (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[11:56] Ich mag meine Arbeit in der Notaufnahme. Blut, Knochen und Sehnen kommen mir vor wie eine Bejahung. Der menschliche Körper und sein Durchhaltevermögen flößen mir Ehrfurcht ein. (...) Ich mag die Tatsache, dass in der Notaufnahme alles reparabel ist&xnbsp;– oder nichts. (...) Selbst, wenn der Patient ein erschöpfter Achtzigjähriger ist, ist man unweigerlich gefangen vom Schauspiel der Wiederbelebung, wenn auch nur vorübergehend. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[11:55] Den ganzen Tag segeln die Tragbahren vor meinem Fenster vorbei zur Kobalt-Kanone, Strahlentherapie. Die Krankenwagen sind grau, die Fahrer tragen Grau, die Decken sind grau, die Patienten sind gelb-grau außer an den Stellen auf Schädel oder Hals, die Ärzte mit knallrotem Filzstift durch ein X gekennzeichnet haben. Zuerst sollte ich dort arbeiten. Nein danke. Ich hasse Abschiede, die sich hinziehen. (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)

[11:31] Vor Nachtdienst 1/4. Tage ohne Alkohol: 275. Lektürestatus: gestern 146 Seiten. Weiter mit "Was ich sonst noch verpasst habe" von Lucia Berlin.

Mittwoch, 14. September 2016

[21:44] Eigentlich wollte ich Priester werden. Aber als ich endlich Abi hatte, war Gott schon tot. (Friedemann Weise)

[21:32] Was ist eigentlich der Plural von Mehrzahl? - Apropo Geschenke. Muß man Geschenke für Blinde auch einpacken? - Müssen in Gefängnissen auch solche Fluchtwegpläne hängen? (Friedemann Weise)

[21:31] Apropo Homo-Ehe. Was nützt denn die Emanzipation der Frau, wenn sie am Ende nicht einmal mehr geheiratet wird? (Mathias Richling)

[21:25] Wenn die Nazis nicht gewesen wären, bräuchten wir heute nicht so menschlich zu tun. (Mathias Richling)

[14:00] Buch begonnen: "Was ich sonst noch verpasst habe" von Lucia Berlin. Ich bin sehr gespannt, weil ich es nicht schaffte, meine Erwartungen herunterzuschrauben, die durch die vielen, vielen hymnischen Besprechungen des Buches gewachsen waren. Oft, vielleicht sogar meistens, ist es so, daß diese hochgepuschten Erwartungen gar nicht erfüllt werden können, weil sie mit der Realität nichts mehr zu tun haben. Was aber tun? Gegen die Psyche läßt sich so wenig tun.

[13:48] Retweet: Klar kannste atmen, aber dann musst du als Konsequenz auch leben.

[13:24] Buch beendet: "Das Leben ist gut" von Alex Capus, Hanser, 240 Seiten.

[13:15] "In Bibliotheken ging man früher ähnlich wie in die Kirche. Heute sind diese Orte der Besinnung verschwunden oder zu lärmenden Bücherhallen geworden. Ein Abschiedsbrief"

[12:33] Bis jetzt wußte ich nicht, wie das heißt und daß es überhaupt einen Ausdruck dafür gibt: Ich gehe zum Zapfhahn und lasse den Nachtwächter ausfließen; das ist jener halbe Liter Bier, der über Nacht in der Leitung zwischen Fass und Ausschank lag und schal geworden ist. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[12:12] Daran erkennt man übrigens den Spießbürger, dass er seinem normierten Leben eine Illusion von Würze zu geben versucht, indem er die Kennzeichen randständiger Subkultur usurpiert, diese als seine eigenen umdeutet und sie entseelt, indem er sie industrieller Massenproduktion zuführt. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[5:47] Bei Hugo Claus' Der Kummer von Belgien könnte der seltene Fall eintreten, daß ein gerade erst entdecktes Buch zur nächsten Lektüre wird und nicht jahrelang auf dem SUB herumgammelt.

[5:33] Das 1983 veröffentlichte opus magnum des belgischen Schriftstellers Hugo Claus - Der Kummer von Belgien (in Deutschland zuerst 1986 unter dem Titel "Der Kummer von Flandern") - hat sich bisher in Deutschland noch nicht so herumgesprochen. Mit über 800 Seiten ist es 2008 bei Klett-Cotta in neuer Übersetzung erschienen. Perlentaucher weist nur eine einzige Besprechung aus. "Der Roman entfaltet ein menschliches Bestiarium: schrullige Charaktere wie ein übelgelaunter Gärtner und eine geistesverwirrte Ordensschwester, vor allem aber die reichhaltige Verwandtschaft der Seynaeves und die Kleinstadt-Honoratiorenwirtschaft von Walle sorgen für ein facettenreiches Sittenbild der Epoche. Die menschlichen Verhältnisse basieren auf einem Universum der Lüge und der Heuchelei." - (Deutschlandfunk, 2008) - "Mit dem Roman "Der Kummer von Belgien" präsentiert Hugo Claus eine Mischung aus Familiensaga, Coming-of-Age-Geschichte, Schelmenstück und zeitgeschichtlichem Porträt." (Dieter Wunderlich).

[5:11] "... wüsste ich gern, ob du dir von anderen Männern die Hand ins Kreuz legen lässt." "Hm?" "Ob dir andere Männer die Hand ins Kreuz legen dürfen, wenn du mit ihnen die Straße überquerst." "Legst du anderen Frauen die Hand ins Kreuz, wenn du mit ihnen die Straße überquerst?" "Ich überquere nicht mit anderen Frauen die Straße." "Soll ich dir das glauben?" "Man kann einander die Treue nicht am Reck vorturnen." (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[5:01] Mein roter Reisepass mit dem weißen Kreuz weist mich aus als Repräsentanten von Frieden, Gesetzestreue und Neutralität sowie als informellen Botschafter von UNO, IKRK, Nestlé, Omega, Maggi und Olympischem Komitee; als Schweizer kommt mir kraft meiner Herkunft gleichsam Diplomatenstatus zu. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[4:28] Es ist dies eine Gegend, in der man sich, wie es heißt, mit Freuden erhängen würde. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[4:27] ... vorbei an indischen und chinesischen Krämerläden und grauen Plattenbauten mit düsteren, neonbeschienenen Kneipen im Erdgeschoss, in denen Kaffee trinkende, Zigaretten rauchende Männer mit Schnurrbärten sitzen, die sich grollend an den ersten Schöpfungstag erinnern und rachedurstig jeder Kneipenschlägerei gedenken, die sich seither in ihrem Gebirge ereignet haben mag. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[4:24] Ich weiß, das alte Eichenparkett in der Bar gefällt dir. Du magst die vorindustriellen Fliesen im Wohnhaus und die Biberschwanzziegel. Und das Klo draußen auf der Laube gefällt dir auch. Aber weißt du, was ich gerne wüsste? Ob du so ein Freiluftklo selbst gern benutzen würdest, wenn draußen ein halber Meter Schnee liegt und das Wasser in der Schüssel gefroren ist. (...) Eine ganze Kindheit und Jugend lang habe ich in unbeheizte Klos geschissen, mein Bedarf nach Romantik dieser Art ist gedeckt für die nächsten drei Inkarnationen. (Alex Capus: Das Leben ist gut)

[4:22] Freier Tag 3/3. Tage ohne Alkohol: 274. Lektürestatus: gestern 116 Seiten. Weiter mit "Das Leben ist gut" von Alex Capus.