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Weise Leben

  • Gehen Sie bei allen Plänen immer vom pessimistischen Szenario aus. Damit haben Sie eine wahre Chance, die Situation einigermaßen realistisch zu beurteilen. (Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens)
  • Machen Sie von jetzt an einen weiten Bogen um Selbsthilfeliteratur. Sie ist zu 100 % von Menschen geschrieben, die eine natürliche Tendenz zum Glück besitzen. (Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens)
  • Mir deucht diese Versuchung so unschuldig, daß ich, um sie los zu werden, am besten tun werde, ihr zu unterliegen. (Wieland: Musarion)
  • "Glauben Sie, das 'Ich' könnte es in der Welt aushalten, wenn die Welt wirklich so wäre, wie sie der Menscheit auszuschauen scheint?" (Gustav Meyrink: Walpurgisnacht)
  • Jedenfalls hat er sich eine Lebensform gewählt, die auf einem Fundament aus Pessimismus ruht, also dem besten Schutz gegen Enttäuschung, den menschlicher Geist je ersonnen hat. (Stephan Thome: Grenzgang)
  • Vor dem Einschlafen denke ich, daß aus Tagen wie diesem das Leben besteht. Punkte, die am Ende, wenn man Glück gehabt hat, eine Linie verbindet. Daß sie auch auseinanderfallen können zu einer sinnlosen Häufung vergangener Zeit, daß nur eine fortlaufende unbeirrte Anstrengung den kleinen Zeiteinheiten, in denen wir leben, einen Sinn gibt... (Christa Wolf: Erzählungen 1960-1980)
  • Ich sollte mal wieder mein Herz ausschütteln. (Ursula Fricker: Außer sich)
  • Die Welt ein bißchen besser zu verlassen, als man sie vorgefunden hat. Mehr kann ein Mensch nicht verlangen. (Paul Auster: Timbuktu)
  • Zum aufrechten Gang käme nur, wer alles abwürfe, was ihm im Nacken säße. (Uwe Timm: Morenga)
  • Dick hatte viel zuviel vom Leben gesehen, um zu glauben, daß es die besonders Geeigneten waren, welche die feinen Berufe hatten. Oft war das Gegenteil der Fall. Wozu Menschen taugten, zeigte sich erst auf längere Sicht. Oder in einem ganz einzigartigen Augenblick, der allein für sie bestimmt war und für keinen anderen. (Lars Gustafsson: Geheimnisse zwischen Liebenden)
  • Den Tag ohne Zerwürfnis mit sich selbst hinter sich gebracht haben - (Wilhelm Genazino: Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz)
  • Es ist manchmal dem Menschen nichts dienlicher, als daß er mal so recht vollständig umgekehrt wird! Wenn das Allerinnerste nach außen kommt, dann erfährt er erst, was eigentlich alles in ihm gesteckt hat und was ihm nur angeflogen war. (Wilhelm Raabe: Alte Nester)
  • Da einem der Überschwang der Liebe einen emotionalen Blick auf die Ewigkeit gewährt... (Stephen Vizinczey: Wie ich lernte, die Frauen zu lieben)
  • Lerne mit Geschmack zu scheitern. (August Strindberg: Das Rote Zimmer, S. 322)
  • Er vertrat die Meinung, daß man seiner Natur manchmal Ferien gönnen sollte. (Francois Mauriac: Der Jüngling Alain)
  • Das würde ja ins Nichts führen, so ein Nachdenken. (...) Das einfachste ist doch, man bewegt sich mit den Wellen, ohne das Meer in Frage zu stellen. (Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben)
  • ... einen anderen Hallraum zu suchen als den meiner eigenen Gegenwart. (Melitta Breznik: Nordlicht, S. 81)
  • "Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe." Von so viel unbefangener, vom Evangelium gestützter Unbesorgtheit erbaut, spazierte ich nach dem Morgengottesdienst gutgelaunt nach Hause. (Maarten 'tHart: In unnütz toller Wut)
  • Such dir ein Leben, bei dem du im Freien bist. (Nichsolcon Baker: Eine Schachtel Streichhölzer)
  • ... doch ist, nach meinem eigenen Urteil, was die Welt als 'romantisch' brandmarkt, der Wahrheit oft näher, als man gemeiniglich annimmt; denn werden auch die großherzigen Vorstellungen der Jugend nur gar zu häufig von den schäbigen Ansichten späterer Jahre überdeckt und getrübt, so beweist dies längst noch nicht, daß sie falsch sind." (Anne Brontë: Die Herrin von Wildfell Hall, S. 426)
  • Geringere Bindung an die Dauer des Lebens. [Victor Klemperer: Die Tagebücher, 31.12.1935]
  • Gewohnheit ist Gewohnheit, und keiner kann sie einfach aus dem Fenster werfen, aber man kann sie Stufe für Stufe die Treppe herunterlocken. (Knallkopf Wilsons Kalender)
  • Bemühen wir uns, so zu leben, daß selbst der Bestattungsunternehmer trauert, wenn es mit uns zum Sterben kommt. (Knallkopf Wilsons Kalender)
  • Nicht verloren ist, wer unwandelbar auf seine Erettung hinarbeitet. (Erich Loest: Die Mäuse des Dr. Ley, S. 183)
  • Der stumme Auftrag, der uns allen erteilt ist, besteht darin, das Leben trotz seiner unendlichen Geschmacklosigkeiten freudig anzunehmen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Das große Geheimnis der sozialen Alchimie, mein Lieber, besteht darin, daß wir jedem Lebensalter, durch das wir hindurchgehen, das Bestmögliche abgewinnen, daß wir im Frühling alle seine Blätter haben, im Sommer alle seine Blüten, im Herbst alle seine Früchte. (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)
  • Sind Illusionen nicht das Kapital des Herzens? (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)
  • Die Möglichkeit ganz gleich welchen Genusses erzeugt ein zunehmendes Gefühl seiner Notwendigkeit. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Knight besaß einen gesunden Verstand, wohl fähig, dem Dunstkreis des Herzens zu entrinnen und zu begreifen, daß seine eigene Liebe, wie die anderer Leute auch, durch Wechsel des Ortes und der Lebensweise abgemildert werden konnte. Zugleich war dieses Begreifen ein zusätzliches Leid: 'Auch Sehnen, letztes Sehnen, stirbt'. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • ... weil bei neuen Anfängen eine beliebige Beschränkung der Richtung oft besser ist als völlige Freiheit. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Obwohl sich schwerer und begründeter Kummer nicht dadurch fortzaubern läßt, daß man ihn bloßen Bekannten anvertraut, so ist dieses Vorgehen doch ein Linderungsmittel für gewisse Gemütsverstimmungen. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • In seltener Intensität spürte Blumenberg den Schutz der Nacht. Sie entdüsterte ihn und entpflichtete ihn von der Geselligkeit, ersparte ihm törichte Überraschungen und lockerte seine geistige Apparatur. (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, S. 86)
  • Urplötzlich fühlte er sich in eine anheimelnde Selbstwärme gehüllt, ein Gefühl, das von Selbstüberhebung nur geringfügig sich unterschied. (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, S. 14)
  • "Hamilkar, wie bleich du bist, du solltest zu Bett gehen." Der Graf lächelte wieder sein verhaltenes, gütiges Lächeln: "Ja, Betty, ich werde zu Bette gehen. In aller Not bleibt uns dieser Ausweg immer." (Eduard Graf von Keyserling: Bunte Herzen)
  • "Es war vielleicht nicht korrekt", sagte Boris müde und überlegen, "aber, mein Gott, wenn etwas so Starkes hier im Herzen und hier im Kopf sich festsetzt, dann sprechen wir es eben aus." Scharf und böse erwiderte der Graf: "Ein anständiger Mensch behält eben neun Zehntel von dem, was ihm durch Herz und Kopf geht, für sich." (Eduard Graf von Keyserling: Bunte Herzen)
  • Darin liegt die wahre Unabhängigkeit des Menschen. Nicht in Geld. In Zeit. (Meir Shalev: Der Junge und die Taube, S. 172)
  • Ist es nicht kindisch, die Einförmigkeit äußerer Abläufe verantwortlich zu machen für die Blässe des Privatlebens? (Markus Werner: Die kalte Schulter, S. 67)
  • Wer selbstbewußt und mit Zuversicht in Richtung seiner Träume voranschreitet und es wagt, das Leben zu leben, das er sich vorgestellt hat, dem wird zu einer ganz gewöhnlichen Stunde unerwarteter Erfolg beschieden sein? (Thoureau)
  • Und die Freunde (Freunde, auch wenn man sich im Lauf der Zeit noch so entfremdet hat) wachsen nicht nach; die Welt geht in andere Hände über, natürlicherweise, und man steht von Tod zu Tod etwas verwandtschaftsloer darin. (Max Frisch an Friedrich Dürrenmatt, 18.12.1964)
  • Trifft's heute nicht, so trifft es doch morgen. / Und trifft es uns morgen, so wollen wir heut / Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit. (Schiller: Wallenstein)
  • Ich bin überzeugt, daß es mit zum Erdenleben gehört, daß jeder in dem gekränkt werde, was ihm das Empfindlichste, das Unleidlicghste ist. Wie er da herauskommt, ist das Wesentliche. (Rahel Varnhagen)
  • Manchmal passe auch ich nicht ganz zwischen Mütze und Schuh. Aber da man nun mal im Hier und Jetzt lebt, sollte man es besser wie ein Fluß halten, weißt du. Der fließt und ahnt nicht, daß er im Winter zufrieren muß. Und kommt der Winter, friert er zu. Man muß im Einklang mit der Zeit leben, Tolja. Nicht über die Ufer treten. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Je gewaltiger sich ein Körper aufbläht, desto schwächer wird sein Einfluß auf den Geist. (Peter Jacobi: Mein Leben als Buch)
  • Wenn man lügt, soll man nämlich nicht zuviel lügen. Und auch nicht zuwenig. Die sozusagen homöopathisch dosierte Lüge wirkt am besten. (Lars Gustafsson: Der Dekan)
  • Ein Inventar seiner seelischen Habe aufnehmen. (nach: Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Stets habe ich dehnbare Hoffnungen... (Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Stanley ist kein Trödler. Müßigkeit bringt zum Nachdenken, und Nachdenken kann gefährlich sein, wie jeder, der allein lebt, sofort nachvollziehen kann. (Paul Auster: Die Brooklyn-Revue, S. 193)
  • Sein Leben einer gründlichen Revision zu unterziehen... (Paul Auster: Die Brooklyn-Revue)
  • In Notfallsituationen auf GABI setzen: Gibt er Antwort? Atmet er? Blutet er? Ist der Puls spürbar? (Martin Suter: Der Teufel von Mailand)
  • ... daß sich "der Sinn" wortlos offenbart in jedem Augenblick intensiv gelebten Lebens. (Luise Rinser: Wachsender Mond. 1985-1988, S. 12)
  • Wenn man jeden Augenblick leben will, wie er sich darbietet, muß man jeden andern Augenblick absterben. (W. Somerset Maugham)
  • Wem vorherbestimmt ist, in der Garotte zu enden, kann gefahrlos Schlittschuh laufen. (Maarten 'tHart: Der Psalmenstreit)
  • Bei manchen Dingen weiß man gleich nach dem Bezahlen, daß man sie besser nicht gekauft hätte. (Paulus Hochgatterer)
  • Nach dem Talmud soll selbst die Stimme des Himmels nicht befolgt werden, wenn sie nicht auf der Seite der Gerechtigkeit ist. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 78)
  • Mein Vater sagte, die Zeitungen seien voll von Gotteslästerungen und Ketzereien. Er sagte, den Tag anzufangen, indem man die Zeitung las, sei ebenso als ob man zum Frühstück Gift nähme. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 31)
  • "Ein jeder Mensch hat, meiner Erfahrung nach, seine eigenen Hausmittel, um die schlimmen Stunden zu überwinden; darf ich nach den Ihrigen fragen, mein Herr Justizrat Scholten aus Hannover?" Giftig schnurre ich: 'Was halten Euer Gnaden von dem gemütlichen Troste: achtzig Jahre wirst du unbedingt alt und begräbst ohne allen Zweifel alles, was dich heute ärgert?' (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "Was ist Talent für Lebensbehagen?" murmelte in dem Augenblick der Justizrat Scholten. "Nichts als die Gabe, aus dem Qualm etwas zu machen, der von dem Feuer der Leidenschaften in der Luft wirbelt!" (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden. Das Sitzfleisch - ich sage es noch einmal - ist die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert!" (Friedrich Nietzsche)
  • Eine der einfachsten Lebensregeln lautet: 1. Machen Sie kein Problem aus Kleinigkeiten. 2. Mit genügend Abstand wird alles zur Kleinigkeit.
  • Oberhand über unseren inneren Primaten gewinnen... (Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • Nutzen Sie die Gelegenheit zu einem Panoramablick in Sachen Selbsterkenntnis. (Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • In Bezug auf die Vergangenheit stehen nur die Tatsachen fest. Die Bedeutung dieser Tatsachen aber wandelt sich in Abhängigkeit davon, was wir im Hier und Jetzt tun oder nicht tun, und in Abhängigkeit von den Sichtweisen, die wir uns durch Lernen eröffnen oder nicht.(Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • Vielleicht war der Glaube, man sei dazu verpflichtet, glücklich zu sein, der dümmste Einfall auf diesem Planeten. (Helen Garner: Das Zimmer, S. 58)
  • Den Narren packt die Reisewut, indes im Bett der Weise ruht. (Bayrisches Sprichwort)
  • Ich tat nichts, es sei denn, man ließe das Erlernen des Glücklich-Seins als Tätigkeit gelten. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Niemand wird gewährt, den Taktstock über das eigene Leben zu schwingen, und wie lange eine Sequenz dauert, bestimmt nicht solch ein kleiner Dirigent, sondern nur ein großer Kompositeur. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • "Scheint fast", sagte der Direktor, "als gründe alle Urteilsfähigkeit nur im Nehmen der richtigen Distanz zu jeder Sache"... (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Liebe und Schmerz treiben das Beste, was einer hat, auf die Spitze. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Die entschleunigende Wirkung des Fehlschlags, der Krankheit, der durchkreuzten Pläne. Ungewollt gerät man aus dem Tritt (und Trott), erlebt sich in einer Weise nackt, ausgesetzt und perplex, konfrontiert mit der ungeschminkten Existenz. Stößt man so auf den Grund (auch seiner selbst), kann es heilsam sein. Innehalten, ob erzwungen oder nicht, birgt den Keim der Erneuerung. (Ilma Rakusa: Langsamer! S. 69)
  • Man muß seine Langeweile in seinem eigenen Ich spazieren führen, damit sie mit den Ideen über sich selbst vertraut wird. Nur dieser selbstvergessene Müßiggang hat die Qualität, die Schöpfung momentweise zu enträtseln und sie über sich selbst zu beruhigen. (Wilhelm Genazino)
  • Bedeutenderes kann niemand leisten als sich selbst zu verändern. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Immer ist doch die Möglichkeit zum Außerordentlichen auf stets neue Weise vorhanden, die Pforte dazu offen. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Man soll niemand so weit weg stellen, daß man ihn nicht gelegentlich wieder heranholen könnte. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • ... daß man womöglich mehr geben kann, wenn man sich selber klein macht. (Sybille Bedford: Ein trügerischer Sommer)
  • Gründlichsten Unterricht im Nil admirari nimmt man immer bei sich selbst. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Es gibt in unserem Vergangenheits-Geflecht immer wieder eine unbegreifliche Strähne; wo wir die antreffen, wo sie hervorkommt, gerade dort ist unsere wahre Vergangenheit. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Reife besteht darin, daß einer nicht mehr auf sich selbst hereinfällt. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Am angemessensten nimmt jener wahr, der beides sieht, denn am Verfehlten schärft sich der Blick für das Gelungene und am Gelungenen für das Verfehlte. (Markus Werner: Am Hang)
  • Ohne Telefon kann man nur deshalb nicht leben, weil es das Telefon gibt. Ohne Wald wird man nie leben können, auch wenn's längst keinen Wald mehr gehen wird. (Karl Kraus)
  • Wer heute von morgen sein will, merkt spätestens übermorgen, daß er von gestern ist. (Karlheinz A. Geißler: Vom Tempo der Welt. Am Ende der Uhrzeit, S. 174)
  • Nur wenn wir Umwege einschlagen, können wir existieren. (Hans Blumenberg)
  • Das Unwesentliche mit perfekter Systematik vortragen und ihm dadurch den Anschein des Wesentlichen verleihen, das nennt man Methodik.
  • Leiden ist immer eine Form der Schmerzinterpretation. (Hermann Burger: Schilten)
  • Wenn wir ganz vertieft sind, vergessen wir unseren Körper möglicherweise total. Vielleicht denken wir noch nicht einmal mehr über das ödestes Thema überhaupt nach, nämlich uns selbst. Das ist das wahre Geheimnis des Glücks. (Eknath Easwaran: Nimm dir Zeit. Ruhe finden in einer hektischen Welt)
  • Werft nicht ein Leben weg, das man gar nicht wegwerfen kann, weil es nie eines war! Schluß mit dem Windschattendasein, hinaus an die frische Lebensluft! (Hermann Burger: Schilten)
  • Wie jeder Verunsicherte spann sie im-Heimlichen Dasnetz hauchfein zur Selbst-Bewahrung. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Trifft's heute nicht, so trifft es doch morgen. Und trifft es uns morgen, so wollen wir heut Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung)
  • Ist die vorsorgliche Darmspiegelung (als typisches Beispiel für die regierende Vorsorge-Gesinnung), ist das Weiterschieben von Glückgütern an die nächste Generation eigentlich durchweg vernünftig?(Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung, S. 113)
  • Aus meiner tiefsten Seele zieht / Mit Nasenflügelbeben / Ein ungeheurer Appetit / Nach Frühstück und nach Leben. / (Theodor Fontane an Theodor Storm)
  • ... instinktiver Respekt vor den Gefühlen anderer: eine seltene Form der Weisheit. (Jason Epstein: Vom Geschäft mit Büchern)
  • Es gibt nur eines, was ein tapferer und ehrlicher Mann fürchten sollte, und das ist der Tod. Er sollte die Todesfurcht immer im Herzen tragen - denn das setzt der Herrlichkeit Grenzen, und er sollte sie als Ansporn brauchen, das Leben über alle Hindernisse hinwegzuretten. Ich hasse die Menschen, die behaupten, sie hätten keine Angst vor dem Tode. Es sind Lügner, Narren und Heuchler. (Thomas Wolfe)
  • ... habe jenes Glück genossen, das durch körperliche Schmerzen nicht zu zerstören ist, das beste und einzige Glück für unsereinen: an der Arbeit zu sitzen, etwas zu schaffen, produktiv zu sein. (Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Bd. 14: Betrachtungen und Berichte. 1927-1961, S. 105)
  • Gewohnheiten sind wie ein Geländer, an dem man sich in Notlagen festhalten kann. (Jurek Becker: Amanda herzlos)
  • Was ganz anderes wollen, das ist doch der direkte Weg ins Unglück. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Um sechs Uhr essen, ins Bett um zehn - verlängert das Leben auf zehnmal zehn. (A. Roger Ekirch: In der Stunde der Nacht. Eine Geschichte der Dunkelheit, S. 320)
  • ... in der selbstgeschaffenen Alltäglichkeit nicht untergehen. (Theodor Fontane: Der Stechlin)
  • Nichts beneidenswerter als eine Seele, die schwärmen kann. Schwärmen ist fliegen, eine himmlische Bewegung nach oben. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 254)
  • Ich respektiere das Gegebene. Daneben aber freilich auch das Werdende, denn eben dies Werdende wird über kurz oder lang abermals ein Gegebenes sein. Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben. Und vor allem sollen wir (...) den großen Zusammenhang der Dinge nie vergessen. Sich abschließen heißt sich einmauern, und sich einmauern ist Tod. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 255)
  • Es gibt nichts, was uns so Demut predigte wie die Wahrnehmung von der Entbehrlichkeit des einzelnen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 167)
  • Es heißt freilich, "im engen Kreis verengert sich der Sinn", und in den meisten Fällen mag es zutreffen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 26)
  • In dieser merkwürdigen Zeit erscheint Intelligenz dumm und Dummheit intelligent, und es ist ratsam, aus Gründen der Klugheit, beiden zu mißtrauen. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 117)
  • Das Ei genau fünf Minuten kochen lassen, das Kunststück täglich erneut fertigbringen trotz des Defekts in der Minutenuhr. Die haltbaren Genüsse. Das Gerüst, welches das Leben auch über tote Zeiten trägt. (Christa Wolf: Störfall, S. 14)
  • Noch etwas sollen wir nicht tun, nämlich das Unerklärliche erklären. Die Menschen haben gelernt, mit einer schwarzen Bürde zu leben, einem gewaltigen schmerzenden Buckel: der Vermutung, daß die "Wirklichkeit" nur ein Traum sein mag. (Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge, S. 134)
  • Das, was uns vertraut ist, macht uns ohne Grund glücklich. (Iselin C. Hermann: Sommer war es, S. 39)
  • Er war noch zu jung gewesen, um zu wissen, daß das Gedächtnis des Herzens die schlechten Erinnerungen ausmerzt und die guten erhöht und daß es uns dank diesem Kunststück gelingt, mit der Vergangenheit zu leben. (Gabriel Garcia Marquez: Liebe in den Zeiten der Cholera, S. 148)
  • Salmans einfache Würde. Die Ruhe, der nicht Fatalismus zugrunde liegen konnte, aber Hingabefähigkeit dem Gang des Lebens gegenüber. Obgleich es immer schlecht ausgeht: mit Tod. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 568)
  • Ich glaub, daß man nur leben kann in der leiblichen Überzeugung, die Ausnahme zu sein. Die irgendwie durchkommt. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz)
  • Wer nicht liebt, lebt ein Leben weniger. (Irmtraud Morgner)
  • "Der Sinn des Lebens ist, zu arbeiten", sagt Lutz. Die Faulen leben nicht. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 242)
  • Wenn man stets nur seine Pflicht tat, dann war die Folge offenbar, daß es einen allmählich zu allem anderen untauglich machte. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 466)
  • Mut beruht auf der Unfähigkeit, sich in die Seele des Gegners versetzen zu können. Am mutigsten sind Säuglinge, denn sie greifen sogar ins Feuer. Ich beurteile die Gefahr nur mit Vernunft! (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 16)
  • Außer der Liebe, der Freundschaft und der Schönheit der Kunst sehe ich nicht viel anderes, was das menschliche Leben nähren könnte. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 33)
  • Niemand scheint an die Tatsache gedacht zu haben, daß, wenn die Existenz absurd ist, darin zu glänzen und Erfolg zu haben keinen höheren Wert hat, als darin zu scheitern . Es ist nur angenehmer. Wenn überhaupt: ich glaube, der Scharfblick macht den Erfolg bitter, während die Mittelmäßigkeit immer noch auf etwas hoffen läßt. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 18)
  • Man könnte sagen, daß schon die Geburt ein Todesurteil ist - vermutlich hat irgendein wortgewandter Philosoph das irgendwo schon gesagt -, aber das ist ein abartiger und zweckloser Gedanke. Besser, sich an das Leben zu halten und den Wert der verrinnenden Zeit zu würdigen. (David Lodge: Wie bitte? S. 359)
  • Mögen andere Leute sich anschreien und mit Tellern werfen, mir liegt sehr viel daran, daß es in meinem Privatleben möglichst zivil zugeht, selbst wenn es bedeutet, gelegentlich zu schauspielern. (David Sedaris: Schöner wird's nicht, S. 130)
  • Wer sich auch nur ein wenig im Leben auskennt, weiß, daß es, um den Nächsten glücklich zu machen, kein besseres Rezept gibt als die Lüge. (Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten, S. 112)
  • Es kommt darauf an, daß einer es wagt, ganz er selbst, ein einzelner Mensch, dieser bestimmte einzelne Mensch zu sein; allein vor Gott, allein in dieser ungeheuren Anstrengung und mit dieser ungeheuren Verantwortung. (Soren Kierkegaard)
  • Das Geheimnis, wie man mit einem Minimum an Schmerz ein Leben im Trubel der Welt führt, besteht darin, so viele Leute wie möglich dazu zu bringen, die eigene Verblendung zu teilen. (Philip Roth: Der menschliche Makel, S. 56)
  • "Überleg dir gut, was du verlieren würdest, wenn du auf deinen 'bretonischen Freund' verzichtetest" - so nannte sie ihn feinfühlig. "Intensives Erleben ist unersetzbar. Vom Verstand allein läßt sich der Körper nicht ernähren. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 252)
  • Es ist eine gar köstliche Kunst, von Zeit zu Zeit das zu tun, was man verabscheut. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 12)
  • Wahrscheinlich sollte man dieses liebevolle, leidenschaftslose Gleichgewicht als das Glück betrachten. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 161)
  • Die schönen Erinnerungen gewinnen meistens nichts dabei, wenn man sie strapaziert. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 92)
  • Wenn das Leben ganz und gar im Augenblick Platz findet, wenn es einem gelingt, alles andere zu vergessen, dann erreicht man vielleicht die intensivte Form der Freude. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 51)
  • Man kann anderer Leute Schmerzen nicht fühlen, das ist das Problem. Das ist immer das Problem, das Problem der ganzen Welt. Wenn wir nur lernen könnten, anderer Leute Schmerzen zu fühlen. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 190)
  • Hatten Sie noch nie das Gefühl, daß die Welt sich mittlerweile 'allzusehr' fürs Essen interessiert? Ich meine, es kommt ja ziemlich bald danach am anderen Ende raus. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 54)
  • Jorge ging Streit aus dem Weg, so wie er Menschen aus dem Weg ging. Statt dessen wartete er, bis die Dinge unabänderlich waren, und fügte sich dann. (John von Düffel: Houwelandt, S. 50)
  • Daß es, um glücklich zu sein, notwendig ist, die Dinge schöner zu sehen, als sie in Wirklichkeit sind, unddaß diese Fähigkeit mit den Jahren nicht nur verlorengeht, sondern sich allmählich in ihr Gegenteil wendet. (Arno Geiger: Es geht uns gut, S. 19)
  • Man ist immer nur klug und weise für andere. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 85)
  • Das geht nicht. Nein? Puccini schmunzelt. Sagt Giacosa auch immer. Es gehe nicht. Wegen dem und dem und dem und dem. Und geht dann doch. So vieles geht. Das meiste an einem vorüber. Ungenutzt. Man müßte mehrere Leben zur Probe führen, um dann das eine für gültig erachtete zu leben. (Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 156)
  • "Jedenfalls", sagte der Verwalter, "wenn nicht ab und zu mal was schiefgeht, woher sollte man dann wissen, wenn was gutgeht. Manchmal lernt man eben nur aus Rückschlägen. (Annie Proulx: Das grüne Akkordeon, S. 540)
  • Gewisse Dinge sind so selbstverständlich, daß sie ab und zu ausgesprochen werden müssen, sie wirken dann wie neuentdeckt. (Walter Vogt: Altern, S. 76)
  • Man kann nämlich nie und nimmer betrogen werden, wenn man allem auf Erden mißtraut, sogar seinem eigenen Mißtrauen. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Das müßte das tägliche Gebet jedes anständigen Menschen sein: Unbeirrtheit. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Nichts erschwert uns die Existenz so sehr, als daß wir häufig an Definitiva glauben... und daß wir die Zeit damit verlieren, uns eines Irrtums schämen, statt ihneinzugestehen und unser Leben einfach neu zu gestalten. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Auge um Auge führt nur zu noch mehr Blindheit. (Margret Atwood: Katzenauge, S. 473)
  • Die Visitenkarte meines Psychiaters sollte ich zukünftig zwischen die Kreditkarten klemmen. (In meinem Alter und meiner Lage braucht man, wenn man nicht konfessionell abgesichert ist, jederzeit die Möglichkeit therapeutischer Notversorgung.) (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 239)
  • Freude ist Übergang des Menschen von geringerer zu größerer Vollkommenheit. Trauer ist Übergang des Menschen von größerer zu geringerer Vollkommenheit. (Spinoza)
  • Das Leben ist so leicht ruiniert. (Teresa Mora: Alle Tage, S. 59)
  • "Wie sagte Churchill nochmals gesagt? 'Bla-bla ist besser als Bum-bum.'" (Ray French: Ab nach unten, S. 164)
  • "Es gibt zwei Personen, die unentbehrlich sind auf Erden", pflegte er zu sagen. "Die Hebamme und der Totengräber. Zwischen diesen beiden schlagen sich die Menschen irgendwie durch." (Joel Egloff: Leichenschmaus, S. 13)
  • Der Mensch hat so wenig Zeit, und das meiste von der Zeit, die er hat, verbringt er damit, sie schneller vergehen zu lassen. (Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme, S. 41)
  • Das Lästige daran, etwas zu tun, was man nicht tun wollte, war, daß einem all die Dinge bewußt wurden, die man anstelle dessen hätte tun sollen. (Edward St. Aubyn: Schlechte Neuigkeiten, S. 85)
  • Wenn man ihn nicht jeden Tag genießt, hat Luxus etwas ungemein Beruhigendes. (Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff, S. 234)
  • Er (...) kam nicht auf den einfachen Gedanken, daß es unzulässig war, das eigene Leben als verbindliche allgemeine Form des Lebens anzusehen. (Wilhelm Genazino: Falsche Jahre)
  • Ist es nicht kindisch und sentimental, das Leben als Tragödie zu sehen? Die Würde verlangt, sich dem Leben mutig zu stellen. Bejahe es, nimm es als Drama mit glücklichem Ausgang - dem Tod. Prüfe, ob du es nicht sinnlos vertust. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • Die Möglichkeiten, es sich angenehm zu machen, waren manchmal fast erschlagend vielgestaltig. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 71)
  • Ich war alt genug zu wissen, daß es Glück ist, einen zu treffen, den man so gern hat, daß er einen nie stört. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 8)
  • "Mensch, denk daran, du zwitscherst zwar wie ein Spottvogel und glaubst, du seiest wer weiß wer, aber schau nur zur Seite, dein Grab wird dir bereits gegraben!" (Maarten 'tHart: Der Flieger, S. 124)
  • Es lag nicht in meiner Natur, mir Sorgen zu machen. Ich hatte uneingeschränktes Vertrauen in die Zukunft, man hätte glauben können, das Schicksal habe mir hoch und heilig versprochen, mich immer gut zu behandeln.
  • Das ist es, was Musik bewirkt: Ein paar Akkorde tragen uns fort in eine übermenschliche Welt, in der alles greifbar nahe scheint, Liebe, Glück, Ruhm.
  • Wenn sich die Wahrnehmung vom Selbst abwendet, hat die Enttäuschung der persönlichen Wünsche zunächst weniger Chancen, das Bewußtsein zu stören. (Mihaly Csikszentmihaly: Flow. Das Geheimnis des Glücks, S. 269)
  • Jeder Dummkopf ist dumm genug, um sentimental zu werden, und nur der Weise zerreißt mit seinem Lachen den Schleier des Seins. (Isaak Babel: Die Reiterarmee, S. 39)
  • Je öfter man auf Reisen geht, desto intensiver schämt man sich seiner lächerlichen Probleme. Wer Hungernde und Leprakranke gesehen hat, sollte bescheiden werden. Die Erkenntnis, überflüssig zu sein, ist nicht tragisch - eher befreiend. (Michael Schulte: Bambus, Coca-Cola, Bambus, S. 18)
  • Wenn man Dinge tut, die man tun muß, dann sollte man sie lieber gleich mit Genuß machen, also bemühe ich mich, gerade ungeliebte Arbeiten ein größtmögliches Vergnügen abzugewinnen.. Ich überliste die Qualen. (Steffen Mensching: Jacobs Leiter, S. 108)
  • Nur die Toren, o Dorion, gründen ihre Glückseligkeit außerhalb ihres Machtbereichs. (Anatole France: Erzählungen, S. 120)
  • "Man muß sich darüber wohl endgültig klar werden." "Worüber?" "Daß es niemals mehr als fünf Menschen auf der Welt geben wird, mit denen zu reden sich lohnt." (Virginia Woolf: Die Fahrt hinaus, S. 184)
  • Wieder einmal erkannte er, daß sich ein Mensch erhabener, besser machen läßt, wenn man ihm das Gute zeigt, das in ihm steckt. (Daniil Granin: Das Gemälde, S. 302)
  • An Weihnachten ging ich meine sämtlichen Papiere und Bücher durch und zerriß alles, was mir unreif, belanglos oder nicht für die Nachwelt geeignet erschien, sollte ich unerwartet sterben. (Samuel Pepys: Die geheimen Tagebücher)
  • Obwohl zum Innehalten die Zeit nicht ist, wird einmal keine Zeit mehr sein, wenn man jetzt nicht innehält. Lebst du jetzt, wirklich? In diesem Augenblick, ganz und gar? (Christa Wolf: Nachdenken über Christa T., S. 117)
  • So eine Stunde beim Wein mit einem Freund, wenn man einen hat, und ein gutmütiges Plaudern über dies merkwürdige Leben, das ist eigentlich das Beste, was man haben kann. (Hermann Hesse: Gertrud, S. 145)
  • Wir müssen es uns abgewöhnen, die sinnlosen Fragen zu stellen, die man uns statt der wirklichen Fragen suggerieren will. Wir müssen lernen, mit eigenen Worten zu sprechen: mit eigenen Worten zu leben. (Lars Gustafsson: Herr Gustafsson persönlich, S. 129)
  • Bestand nicht das halbe Leben aus Träumereien, und machten sie es nicht so süß? Weil nicht alles sich erfüllte, wovon man träumte, war es einem so teuer. (Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary)
  • Manchmal scheint mir, ich bin durchs Leben gefallen, weil mir niemand richtig gesagt oder gezeigt hat, wie es geht. (Arnold Stadler: Sehnsucht. Versuch über das erste Mal, S. 175)
  • Du hast die große freie Auswahl, sagte er sich, hundert Möglichkeiten stecken in dir, und neunundneunzig darfst du verschenken. (Friedrich Christian Delius: Adenauerplatz, S. 279)
  • "Seine Illusionen behutsam zu verlieren, ohne der Verzweiflung anheimzufallen, das ist die Hauptaufgabe im Leben". (Henri-Frederic Blanc: Im Reich des Schlafes, S. 93)
  • Gott erschuf die Welt in einem Lachanfall. Wer mit zerfurchter Stirn und aufgestütztem Kinn die Wahrheit finden will, ist genauso lächerlich wie ein Affe, der seine Flöhe mit dem Fernrohr sucht. (Henri-Frederic Blanc: Im Reich des Schlafes, S. 97)
  • Hübsches Betragen macht uns hübsch, nicht nur innerlich, sondern auch außen. Freundliches Verfahren prägt sich in die Züge unseres Gesichts als etwas ein, was als nettes Aussehen empfunden wird. (Robert Walser: Der Räuber, S. 32)
  • Eine Liste von Dingen, die "völlig unwichtig" sind, könnte von Nutzen sein. Sie würde mein tägliches Sorgenpensum beträchtlich verringern. (Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers, S. 132)
  • Es durfte ihm in Zukunft nicht mehr passieren, daß ihm einfach alles so passierte. (Wilhelm Genazino: Die Vernichtung der Sorgen)
  • "Sie werden das Gute in den Menschen niemals erreichen, solange Sie nicht durch das Böse hindurch sind." (Gilbert K. Chesterton: Die Donnigton-Affäre)
  • Ich trete dem täglichen Leben mit der Sanftheit und Brutalität einer Meereswelle entgegen, die sich am Felsen schlägt und immer wieder in ihr weites Gehäuse, das Meer, zurückzieht. (Josef Winkler: Menschenkind, S. 28)
  • Nur unbegabte Menschen brächten alles zu Ende. Manche Kapitulation zeige doch nur die Größe des Widerstandes an. Es gebe Fälle, da ein Plan scheitern müsse, der gleichwohl seine Berechtigung habe. (Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends, S. 141)
  • Die Freuden, die sie suchte, tendierten nicht zum Paroxysmus, der die Sinne überwältigt, sondern zu einer erhöhten Bewußtsein, die zwischen Intensivierung und Mäßigung vermittelt. (Roger Shattuck: Tabu. Eine Kulturgeschichte des verbotenen Wissens, S. 170)

Lebensstufen

  • Er ist einer, der als Erwachsener auf die Welt gekommen ist. (Urs Widmer: Liebesnacht)
  • Wir sind aus dem Alter raus, wo man etwas 'einfach so' macht. Wir sind erwachsen, wir haben zu viele Rechnungen gesehen, um an Gratisangebote zu glauben. (Stephan Thome: Grenzgang)
  • Wie sehnte Richard sich nach seiner Jugend zurück, dieser Geliebten, die unerreichbar geworden war... (Remco Campert: Eine Liebe in Paris)
  • Indem wir ein hohes Alter erreichen, verschaffen wir dem Tod seinen Schlaganfall. Er wird betäubt... einseitig gelähmt... Ihm sind die Zähne gezogen. Je mehr Jahre vergehen, um so effektiver bauen wir ein Abwehrsystem gegen den Tod auf..." (A.F.Th. van der Heijden: Unterm Pflaster der Sumpf)
  • Der genaue Zeitpunkt, wann aus Kindern Idioten werden, war unzureichend erforscht. (Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben)
  • Die Neugier, welche das kindliche Alter allen Dingen entgegenträgt... (Wilhelm Raabe: Der Schüdderump)
  • "Ach, Mr Slope, reden Sie nicht mehr davon, daß Sie alles opfern würden. Leute über einundzwanzig sollten nicht mehr von solchen Dingen träumen. (Anthony Trollope: Die Türme von Barchester, S. 441)
  • Dem Rockzipfel der Mutter schon entwöhnt, aber den Reizen des anderen Geschlechts noch nicht gewachsen. (Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe, S. 13)
  • Bisher war ich der Meinung, daß sich im Durchgang der Jahre die Gründe zeigen, die das Leben annehmbar machen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Obwohl ich mir mit meinen dreiundvierzig Jahren dafür noch zu jung vorkomme, betrete ich jetzt schon das weite Feld der vorzeitigen Ermüdungen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Vielleicht verhärtet nichts die Klangfarbe jugendlicher Gemüter mehr, als so entdecken zu müssen, wie ihre liebsten Herzenswünsche vom Zyniker Zeit mit eben der Tonlage selbstischen Vorgehens in Einklang gebracht werden, die sie in früheren Tagen verachtet haben. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • "Ich ? : das ist, wenn man erst mal 40 war, nur noch ein Sortiment von Schrullen und schlechten Gewohnheiten. (Arno Schmidt: Kosmas oder Vom Berge des Nordens)
  • Sie war schon dreißig, und die Säuerlichkeit eines drohenden Altjungfertums machte sich bereits bermerkbar. (Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung, S. 23)
  • Das von der Jugend verachtete Alter... ist das ein zeitloses Phänomen oder verstärkt es sich mit jeder Generation, seit die alten Leutchen selbständiger, mächtiger, reicher, älter und grauer geworden sind? (A.F.Th.van der Heijden: Der Gerichtshof der Barmherzigkeit)
  • Wenn altgewordene Menschen sich darauf zu besinnen suchen, wann, wie oft und wie stark sie Glück empfunden haben, dann suchen sie vor allem in ihrer Kindheit, und mit Recht, denn zum Erleben des Glückes bedarf es vor allem der Unabhängigkeit von der Zeit und damit von der Furcht sowohl wie von der Hoffnung, und diese Fähigkeit kommt den meisten Menschen mit den Jahren abhanden. (Hermann Hesse: Betrachtungen und Berichte II)
  • "Carpe diem" - das ist ein Ratschlag, der einem immer besser einleuchtet, je älter man wird. (Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück)
  • Und ich bin 48, das heißt, obere Grenze der mittleren Generation. (...) Ist es nicht Selbsttäuschung, in meinem Alter immer noch die wichtigste Arbeit von der Zukunft zu erwarten? (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 1960-2000, S. 220)
  • Jede Kultur hat ihre speziellen Hürden für werdende Männer. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Ich werde denken, was wir alle fünfzehn Jahre später denken: "Ist das nicht schön gewesen." (Philip Roth: Gegenleben)
  • Niemand ist einsamer als ein werdender Mensch mit unvorbereitetem Herzen. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene)
  • ... wichtigtuerische Weisheit der Fünfundzwanzigjährigen. (F.C. Delius: Mein Jahr als Mörder, S. 117)
  • ... als er noch kindlich nah am Teppich lebte. (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
  • Jede echte Begabung war eine Oase in der Wüste der Geschmacklosigkeit. Wenn man jung ist, glaubt man den Sand wegschieben und die Wüste in ein Paradies verwandeln zu können, aber wenn man älter ist, wird einem klar, daß man Gott dankbar dafür sein muß, daß die Wüste einen nicht verschlungen hat, wie es mit vielen anderen geschehen war. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 69)
  • Dann wurden wir älter. Also jung. Man ist jung, solange man versucht, sich älter zu machen. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen, S. 123)
  • Niemand ist einsamer als ein werdender Mensch mit unvorbereitetem Herzen. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene, S. 534)
  • So um die dreißig herum, wenn wir zufällig nach vorn schauen, sehen wir plötzlich den Tod am Horiziont lugen. Wir haben ihn vorher noch nie gesehen. Er hat eine Sense im Zielfernrohr. Er legt auf uns an. Er drückt nicht ab, noch nicht, aber er treibt uns zu Handlungen, die Lachstürme in ihm auslösen. (Urs Widmer: Die gelben Männer, S. 60)
  • Wahrscheinlich schwächt das Alter nicht nur die Schließmuskeln des Körpers, sondern auch die Ventile des Seele, vor allem, wenn das Band der Ehe zerreißt, das als Schutzwall dient. Ich glaube, im Witwer nistet, wie im Junggesellen, der Keim eines unkontrollierten, frei umhertreibenden Gefühls. (Rafael Chirbes: Der Schuß des Jägers)
  • Mit Einsetzen der Pubertät ist man über die gröbsten Fehler femininer Erziehungsversuche hinweg und beginnt, die weibliche Verwandschaft in zwei Gruppen einzuteilen: Die, mit denen man Sex haben möchte, und die, bei denen man eher eine komplizierte Gallenkolik vorziehen würde. (Jens Oliver Haas: 101 Gründe ohne Frauen zu leben, S. 37)
  • Als Knabe, in jenen Jahren, in denen die Neugierde alle anderen Lebensäußerungen spielerisch überwuchert, hatte er oft an den eigenen Tod gedacht und an der Vorstellung Gefallen gefunden, es wäre der Beginn einer Wanderschaft durch alle Dinge hindurch, die er täglich vor Augen hatte. (Hartmut Lange: Das Konzert, S. 102)
  • Alle alten Leute schlafen schlecht. Es ist, als hätte man nur eine begrenzte Zeit, um etwas zu tun, und schiebt das bis zum letzten Moment hinaus. Gegen Ende erkennt man, daß man sich besser hätte vorbereiten müssen, daß man mehr daraus gemacht hätte, wenn man früher angefangen hätte, und daß jetzt keine Zeit mehr dafür ist. So ist die Nacht, wenn man alt ist. (Marcel Möring: In Babylon, S. 193)
  • Eine der Besonderheiten der Kindheit ist, daß man etwas nicht begreifen braucht, um es zu spüren. Ist der Verstand schließlich in der Lage, das Geschehene zu verstehen, so sind die Wunden im Herzen schon zu tief. (Carlos Ruiz Zafon: Der Schatten des Windes, S. 45)
  • Ich war ein echter, klassischer Gymnasiast, trostloses Endprodukt einer langen, abendländischen Entwícklung; schwärmerisch und kalt, ironisch und verletzlich und verzweifelt - kämpfte nächtelang gegen eine grausame, unbekannte Triebhaftigkeit und gegen einen grausamen, unbekannten Gott, unterlag. (Walter Vogt: Altern, S. 83)
  • "Ich war damals sechszehn, und das ist die einzige Zeit im Leben, in der man die innere Sicherheit hat, etwas bewegen zu können." (Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens, S. 3)
  • Mir ist, als hätte ich seit dem Ende der Pubertät nichts dazugelernt. Die Entdeckungen, die ich davor gemacht habe, sind noch von Gewicht, der Rest ist, so scheint es, trivial, unwesentlich oder bestenfalls eine Zutat. (Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers, S. 62)
  • Ich bin nicht vierzig Jahre alt, ich verstehe mich noch nicht darauf, meinen Stolz unter die Autorität der Erfahrung zu beugen; in mir ist nicht die Liebe, die mit Demut erfüllt; kurzum, ich bin eine Frau, deren Charakter noch zu jung ist, um nicht abscheulich zu sein. (Honore de Balzac: Beatrix)
  • Calyste hatte gesehen, welche Fortschritte er dadurch gemacht hatte, daß er Beatrix ins Meer stieß, und deshalb ist es seltsam, daß er nicht fortfuhr, sein Glück durch Gewalttaten zu erzwingen; aber bei jungen Menschen ist die Liebe so ekstatisch und heilig, daß sie alles lediglich durch moralisches Überzeugen erlangen will. (Honore de Balzac: Beatrix)
  • "Es stimmt zwar, daß ich achtzig geworden bin und dies so eine Art Geburtstagsfeier ist. Aber was es zu feiern gibt, weiß man nicht so genau. Das Gute daran ist immerhin, nun ein Alter erreicht zu haben, in dem sich sterben läßt, ohne daß die Menschen allzu schockiert sein müssen." (Alan Bennett: Die souveräne Leserin, S. 105)
  • Mit achtzig gibt es keine Ereignisse mehr, nur noch Wiederholungen. (Alan Bennett: Die souveräne Leserin, S. 106)
  • Alte berühmte Männer, die viel, ja nahezu alles Menschenmögliche erreicht haben und nun plötzlich das Ende einer Leiter vor sich sehen, legen oft eine unangenehme Verbitterung an den Tag. Ihnen fehlt der matte Charme des alt gewordenen Verlierers. Zuweilen werden sie sogar gefährlich. (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 90)
  • Es liegt etwas Taktloses darin, länger zu leben, als es sich gehört. Wie wenn die Gastgeber über den Kopf des Gastes hinweg Blicke wechseln, wann geht er endlich? (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 13)
  • ... wie das Egozentrische der Jugend - wenn nur die Mechanik des Geistes dabei so halbwegs normal ist - über sich selbsr hinauszielt. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Ich verstehe nicht, warum so viele Frauen darunter leiden, daß sie schon wieder ein Jahr älter geworden sind. Nicht mehr ein Jahr älter zu werden, das wäre eine Katastrophe. (Liv Ullman)
  • Jung bleiben ist im Kerne eine geistige Leistung. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Die Jugend begeht mitunter den Fehler, in den glatten, geölten Ablauf der Phrasen störend einzugreifen, weil sie es noch immer für wichtiger hält zu widersprechen, als darauf zu sehen, daß äußerlich alles hübsch klappe, damit man innerlich ungestört bleibe, was das eigentlich Wichtige ist. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Es gibt selbst bei der Eitelkeit endlich eine Art Ermüdung, die mit vorschreitendem Leben eintritt, und man erspart sich dann mancherlei Anstrengung. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • ... bin ein älterer Herr und nicht frei von Verhärtungstendenzen, weshalb ich mich höllisch bemühen muß, ein bißchen belehrbar zu bleiben. (Markus Werner: Am Hang, S. 18)
  • Die Kindheit kriegt man übergestülpt wie einen Kübel Wasser, auf dass es an einem herunterrinnt ein Leben lang, mag man die Kleider wechseln so oft man will. (Heimito von Doderer)
  • Die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens gehen ihnen nie verloren. Sie sind so etwas wie ein unerschöpflicher Brunnen. (Isaac Bashevis Singer: Ich bin ein Leser; S. 20)
  • Manch-1 ist seine Windeln im Kopf Zeit Lebens's nicht losgeworden; - Kinderkacke im Altenhirn ist die Brutstätte für Terror.... (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 130)
  • ... an seiner 43. Jahresklippe - einer er gefährlichsten Klippen im Dasein gewisser Männer. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 312)
  • Reinhard Jirgl zeigt in "Die Stille" eine interessante Parallele, nämlich die Rente als Phase des Ledigseins von Pflichten als "zweite Kinderzeit" zu begreifen.
  • Schon Goethe sagte, daß die Fünfzig im Leben eines Mannes ein Datum von besonderer Bedeutung sei. Man zieht Bilanz, hält Rückschau, blickt auf das Erreichte, bedenkt das zu Erreichende. Die Periode des Sturm und Drang ist vorüber, man hat seinen Platz im Leben gefunden. Fortan ist, wie mein verehrter Lehrer Sauerbruch zu sagen pflegte, mit kontinuierlicher Zunahme nur bei einem Organ zu rechnen: der Vorsteherdrüse. (Uwe Tellkamp: Der Turm)
  • ... daß Frau Zobel inzwischen in einem Alter ist, in dem die Jahre doppelt zählen. (Jurek Becker: Amanda herzlos, S. 94)
  • ... spricht er über das gehässigste Laster des Alters, den Geiz. (Günter Grass: Grimms Wörter, S. 262)
  • ... zählt er auf, was alles seit Cicero an Beiwörtern dem Greis anhängt: mürrisch ist er, grämlich, eigensinnig, ableibig. Er gilt als Knicker, Erbsenzähler, als betrübte Hausunke. Beweisführend zitiert er Hans Sachs: "verzehren die zeit einsam wie ein unk." (Günter Grass: Grimms Wörter)
  • Es müßte nur glückliche Menschen geben, alle Voraussetzungen dazu sind da, aber es gibt nur unglückliche. Wir begreifen das erst spät. Solange wir jung sind und uns nichts weh tut, glauben wir nicht nur an das ewige Leben, wir haben es. (Thomas Bernhard: Beton, S. 151)
  • "Wie alt warst du da eigentlich? Jedenfalls warst du ein Kind, das noch von nichts eine Ahnung hat." Die ewige Unterschätzung dessen, was ein Kind in den ersten Lebensjahren imstande ist aufzunehmen und zu behalten und zu lebenslanger Nostalgie oder lebenslangem Groll erstarren zu lassen. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 316)
  • Sein Vater, ein Mann von sechzig Jahren, kleiner als Hugh und auch fülliger, war seit dem dem nur wenig zurückliegenden Tod seiner Frau unappetitlich gealtert; von seinen Sachen ging ein charakteristischer schwacher, aber unverwechselbarer Geruch aus. (Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge, S. 18)
  • ...da noch um sie der Zauber knospender Jugend wehte... (Joseph Roth: Der Vorzugsschüler)
  • Wo ist der Punkt zu finden, in dem ein Mädchen, das sich durch irgendeine Eigentümlichkeit im Leben festgestellt hat, plötzlich sich selbst sagen soll: "Ich bin nicht mehr das, was ich war; die Farben, in die ich mich sonst putzte, sind frisch und jugendlich geblieben, aber mein Antlitz ist verbleicht!" Darum - man dulde! - man ertrage! (E.T.A Hoffmann: Die Serapionsbrüder, S. 21)
  • Altersheim, Niederlassung des Jenseits. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 450)
  • Uwe war zwanzig, als er das Meer zum erstenmal sah. Mit zwanzig war das Meer unendlich. Mit dreißig hatte es Ufer. (Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, S. 112)
  • "Jetzt ist's zu spät; ihr Leben ist vorbei." Sie sagte das mit der kaltblütigen Gelassenheit alter Leute, wenn sie Erde auf das Grab junger Hoffnungen werfen. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 203)
  • Das Altwerden hat viele Nachteile, aber es gibt die Entschädigung (neben einer ganzen Reihe von anderen, wie wir zugeben wollen), daß es uns zuweilen den Ausgang gewisser Ereignisse sehen läßt, deren Zeuge wir vor langen Jahren gewesen sind. Wir hatten längst die Hoffnung aufgegeben, das Ende der Geschichte je zu erfahren, und dann, wenn wir es am wenigsten erwarten, wird es uns auf dem Tablett serviert. (W. Somerset Maugham: Vor der Party. Erzählungen, S. 13)
  • "Sagen hilft in meinem Alter nichts, du mußt es mir schon schriftlich geben." (David Lodge: Wie bitte? S. 35)
  • Marshall McLuhan hat irgendwo gesagt (McLuhan - mein Gott, daran merkt man, wie alt ich bin!) (David Lodge: Wie bitte? S. 35)
  • Ob das zwangsläufig so sein muß, fragte sich der Sohn, daß man im Alter das Interesse an Neuem verliert? Überfordert das ältere Menschen, macht es ihnen Angst? Er fand das schade, gerade wenn Zeit wäre, die Neugier zu befriedigen, scheint sie zu schwinden. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifel am Pflegesystem, S. 42)
  • Die Leute zeigen (vor allem wenn sie sechszehn Jahre alt sind) eine natürliche Nachsicht der Schönheit und eine chronische Reizbarkeit der intellektuellen Anstrengung gegenüber. (Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten, S. 195)
  • In der Zwischenzeit habe ich das Alter erreicht, in dem man entsetzt die rasche Vermehrung von Freunden und Mitschülern erlebt, die nichts anderes können, als sich ihrer brillanten Masturbation-Happenings zu rühmen. (Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten, S. 62)
  • Sie kam bereits in die Jahre, in denen eine lange Reise nach einem Monat intensiver Arbeit in einem anstrengenden Klima einen nicht gerade schöner macht. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 168)
  • Es heißt, je älter man wird, desto besser erinnert man sich an seine ersten Jahre. Eine der vielen Panzerfallen, die da vor uns liegen: die Rache der Senilität. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 13)
  • Vielleicht, denkt Philipp, ist das hervorragendste Merkmal des Erwachsenenwerdens, daß man systematisch die Zuversicht verliert, das Blatt könne sich jeden Moment zum Guten wenden. (Arno Geiger: Es geht uns gut, S. 377)
  • Es gibt kein klareres Zeichen für strotzende Gesundheit als die Orientierung an hochgesteckten, phantastischen Idealen; die Sterne vom Himmel holen wollen wie im ersten Überschwang der Jugend. (Gilbert Keith Chesterton: Ketzer. Ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit, S. 17)
  • Lepra des Alterns. (Brian Moore: Hetzjagd, S. 197)
  • ... spätpubertäre Noch-Unausgesöhntheit mit den Fakten.(Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 39)
  • Sie war jung - in Leanders Augen noch ein Kind -, nicht hübsch, doch in der vollen Blüte ihrer Jugend, deshalb spielte das keine Rolle. (John Cheever: Die Geschichte der Wapshots, S. 82)
  • Sehr alte Menschen leben zwei Leben. Im ersten Leben husten sie, gehen gebeugt, seufzen: ach, ach, ach! Im anderen, dem Augenklappenleben, tratschen sie mit Brennesseln über die Nachbarn, halten sich für einen Sheriff und verlieben sich in Verandastühle oder Bienen. (Sasa Stanisic: Wie der Soldat das Grammofon repariert, S. 37)
  • Wir saßen an den Maschinen und spielten Polizeimotorrad, Rennmotorrad, Militärmotorrad, Gangstermotorrad. Wir spielten begeistert, ich vergaß die Brücke über uns, und doch glaube ich, daß in jenem Sommer erste Zweifel aufkamen, ob der Hauptzweck im Leben das Spielen ist. (Dirk Kurbjuweit: Zweier ohne, S. 24)
  • Beim ersten Unfall hat Maman mich erst mal gehaßt, bevor sie mich liebte. Das war meine Geburt. (Liz Jensen: Das neunte Leben des Louis Drax, S. 9)
  • Das Schweigen, das einen umgibt, ist eine der schlimmen Qualen des Alters. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • "Siebenundzwanzig", sagte Kelly, als sei das das äußerste Ende der Jugend. (Julian Barnes: Der Zitronentisch, S. 32)
  • Ab dem Alter von vierzig Jahren läßt sich das Grundprinzip des Lebens mit einem einzigen Begriff zusammenfassen: Entsagung. (Julian Barnes: Der Zitronentisch, S. 110)
  • Erstaunlich, wie falsch ich mit all meinen Vorstellungen gelegen hatte. Daß man die tiefe Ruhe, nicht mehr als Sexualobjekt zur Verfügung stehen zu müssen, irgendwann genießt, war mir nicht klar gewesen. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 184)
  • Heute denke ich, die Jahre zwischen dreißig und vierzig hätten die besten sein können, wenn ich um ihre Einmaligkeit gewußt hätte, wenn ich nur gewußt hätte, was ich heute weiß. wie es sich anfühlt, die Erkenntnis des Verfalls, der Endlichkeit, wie es einen müde macht, die Albernheit zu verstehen, unsichtbar zu werden, auch für sich selber. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 66)
  • Seit ich über dreißig war, hatte ich alte Menschen beneidet. Um ihre Rente und die Entspanntheit, nicht mehr unbedingt etwas mit dem Leben anfangen zu müssen, und vor allem um ihre Unsichtbarkeit. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 71)
  • Sowie mein Gehirn Affenkapazität erreichte, nach den ersten Gemüsejahren... (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 64)
  • Die Zeit nach der Jugend verbringt man in der Hoffnung, daß sich die starken Gefühle wiederholen, und man versucht Geld zu machen und sich die Erregung zu kaufen, und irgendwann noch nicht einmal das mehr, denn zu deutlich ist der Ersatzgeschmack. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 54.)
  • Nicht wir sind anders geworden. Wir sind nur jung. Anders geworden sind die albernen alternden Menschen von heute, die um jeden Preis jung sein müssen. (John Fowles: Der Sammler, S. 221)
  • ... als sei er ein alter Mann, auf den die Krankheit, die richtige, die einen für den Rest des Lebens schwächt, an der nächsten Ecke lauert. (Georges Simenon: Maigret amüsiert sich)
  • Lautes Schmatzen wies darauf hin: Irgendwie kämpfte das Gebiß des Hausherrn einen eigenen Kampf mit der Obsttorte. Dabei tropfte auch Speichel. (Gerhard Köpf: Ein alter Herr, S. 27)
  • Sie hat ein Taschentuch in der Hand und wischt damit die Haut unter meinen Augen ab. Offenbar sind Tränen aus meinen Augen gelaufen. Man fängt überall an zu lecken, wenn man alt wird. (Remco Campert: Das Herz aus Seide, S. 87)
  • Wenn man älter ist, lebt man das Leben nicht mehr mit, man nährt sich nur noch von Erinnerungen, wir sind wie abgesandte Briefe: wir werden nicht mehr weiterbefördert, wir sind angekommen. (Knut Hamsun: Gedämpftes Saitenspiel, S.16)
  • Immer wieder findet sich erneut eine törichte Jugend, die die alte Platte auflegt. Und immer wieder bildet sie sich ein, weiß Gott was Neues zu tun! (Karel Capek: Der Räuber)
  • Ehe ich das siebente Jahr völlig überlebte, erzeigte sich schon, was aus mir werden wollte, dann was zur Nessel werden soll, brennt beizeiten. (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, S. 370)
  • 8. Juli 1984: Hitzewelle. Mit 84 Jahren ist es, als begänne der Organismus in einer Pökellage zu zerfallen.(Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989)
  • ...im sogenannten Mutterleib, der ersten Welt, in der ich selig herumschwamm. (...) Der Bauch, die Mutter aller Swimmingpools. (Arnold Stadler: Sehnsucht. Versuch über das erste Mal, S. 89)
  • "Wenn eine gute Fee käme und du dir ein beliebiges Alter aussuchen könntest, welches würdest du wählen?" (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 25)
  • "geräumige Zukunft" (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 26)
  • Träume kennen kein Lebensalter. (Remco Campert: Das Herz aus Seide, S. 129)
  • Jedes Leben hat seine Geheimnisse, und die müssen gewahrt werden. Doch je älter man wird und je weniger man zu verlieren hat, desto uneinsehbarer wird es, warum man sie eigentlich wahrt, so daß man sie genauso gut erzählen kann. (Harry Mulisch: Augenstern, S. 9)

Sprache

  • Ein gebürtiger Leipziger und allein sein Dialekt ist schon schmerzensgeldtauglich. (Rita Falk: Winterkartoffelknödel)
  • "Verpiß dich", zischte ich ihm schließlich zu, ein Ausdruck, der prima zum Zischen geeignet ist. (Kyril Bonfigliolo: Nimm das Ding da weg!)
  • "Hi, ich bin die Naddi!" Dorit zurrte sich ein Grinsen ins Gesicht. Wir tauschten einen Blick: Na toll. Ein Mädchen mit einem bestimmten Artikel davor! (Stefan Schwarz: Das wird ein bisschen wehtun)
  • Rene folgte der Schlachterin auf den Hof: "'Wenn die Sprache materielle Güter erzeugen könnte, wären die Schwätzer die reichsten Menschen der Welt.' Jossif Bessarion Dschugawili, genannt Stalin." "Juristen werden auch mit der Sprache reich", sagte Sabine. (Patrick Hofmann: Die letzte Sau, S. 68)
  • George Steiner (...) schreibt in der Sprache einer Frau über die Zeit: "Die Sprache der Frauen ist reicher als die der Männer, wenn es um die Schattierungen von Sehnsucht und Zukunft geht, die im Griechischen und Sanskrit als Optativ bekannt sind. Frauen scheinen ein breiteres Spektrum von modifizierten Entschlüssen und Versprechen zu verbalisieren." (Jay Griffiths: Slow Motion. Lob der Langsamkeit)
  • Es gehört ein neues Alphabet erfunden, das Unbenennbare zu benennen. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Unter all den Substantiven und Adjektiven, die ihm einfielen, gab es kein einziges, das sich bei genauerer Prüfung nicht als hohl und nichtssagend entpuppt hätte. (P.G. Wodehouse: Monty im Glück)
  • Die Sprache belaste das festzuhaltende Denken in unglücklichster Weise und reduziere es in jedem Falle auf einen fortwährenden Schwächezustand des Geistes, mit welchem sich der Denkende aber abzufinden habe. Denken sei noch niemals in seiner Vollkommenheit und Unendlichkeit wiederzugeben worden, so Goldschmidt zu Koller. (Thomas Bernhard: Die Billigesser)
  • Die Psychologie ist nicht dazu da, Beruhigungspillen in Form von Fachausdrücken auszuteilen, durch die jedermann dann glaubt, der Sachen mächtig zu werden. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Noch war die Sprache dieser Halbwüchsigen nicht jenes Fricasse geworden, das heute jeder im Munde dreht. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Die Sprache ist die Ozonschicht der Seele, und wir bringen uns selbst in Gefahr, wenn wir sie durchlöchern. (Sven Birkerts: Die Gutenberg- Elegien)
  • Es ist eine Eigenschaft der menschlichen Sprache, daß wir bei allem, was wir sagen, zu kurz greifen und nie die vollständige Bedeutung erfassen. (Isaac Bashevis Singer: Ich bin ein Leser)
  • In der zu jedweder Zeit übliche Kaltschnäuzigkeit gefaßten Amtssprache... (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Mit dem Zauberstab des Wortes bildet der Mensch aus der Formlosigkeit und Bewegtheit der Welt die ordnenden Gestalten der Begriffe. (Ludwig Reiners)
  • Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung des Geistes der Völker. Man kann sie beide nicht identisch genug denken. (Wilhelm von Humboldt)
  • Die Ausländer halten die Deutschen, was ihre Sprache betrifft, für grobe brummende Leute, die mit rostigen Worten dahergrummen und mit hartem, blindem Geläute von sich knarren; ja man meinet, die deutsche Sorache habe nur eintausend Wörter in sich, derer achthundert von Griechen, Hebräern und Lateinern erbettelt und ungefähr zweihundert grobe deutsche Wörter daselbst vorhanden wären. (Justus Georg Schottel)
  • Bekanntlich sind die Sprachen, namentlich in grammatischer Hinsicht, desto vollkommener, je älter sie sind, und sie werden stufenweise immer schlechter, vom Hohen Sanskrit an bis zum Englischen Jargon herab, diesem aus Lappen heterogener Stoffe zusammengeflickten Gedankenkleide. (Arthur Schopenhauer)
  • Jemanden kräftig auszuschelten ist für den Engländer so viel, wie ihm ein 'tongue-lashing' - eine "Abreibung mit der Zunge" - zu verpassen. (Man denke auch daran, daß 'lingua', das lateinische Wort für Zunge, die Nebenbedeutung "kleiner Lederriemen" hat.) (Barry Sanders: Der Verlust der Sprachkultur, S. 153)
  • Ich hätte Sie für einen waschechten Rheinländer gehalten, sprachlich etwas abgeschliffen durchs intellektuelle Milieu..." (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Auf dem Lande ist man immer in Gefahr, auf veraltete Vokabeln zurückzugreifen. (Christa Wolf: Störfall, S. 14)
  • "Peter". Mein Mutter sagte das in dem Ton, der keine Wahl mehr zuließ. (John Updike: Der Zentaur, S. 70)
  • "Wenn das alles nur gut ausgeht!" sagte sie im Tonfall von jemandem, der vom Gegenteil überzeugt ist. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 120)
  • Ich stelle auch fest, daß Chabrot sich auf eine Art ausdrückt, für die ich eine Schwäche habe - könnten Sie die unliebsamen Besucher hinauskomplimentieren? -, und das verwirrt mich. Diese höfliche Altmodischkeit gefällt mir. Ich bin eine Sklavin der Grammatik, sage ich mir, ich hätte meine Katze Grevisse (frz. Standardwerk der Grammatik) nennen sollen. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 85)
  • ... mich hat es megamordsverficktnochmal erwischt. Über kurz oder lang werd ich etwas in der Art sagen müssen. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 81)
  • Ich denke mir oft, daß die Wörter, die wir an die Dinge kleben, mehr über unsere Gefühle sagen als über die Dinge selbst. (John Updike: Das Gottesprogramm. Rogers Version, S. 260)
  • Wie die heutige Jugend generell hatte sie ein Vokabular, das jeder möglichen Disziplinierung vorauseilend entgegenwirkt. (John Updike: Das Gottesprogramm. Rogers Version, S. 80)
  • Ich muß frische Luft haben. Vielleicht das erste Zeichen von Hydropsie. Kann eigentlich Fremdwörter nicht leiden. Aber mitunter sind sie doch ein Segen. Wenn ich so zwischen Hydropsie und Wassersucht die Wahl habe, bin ich immer für Hydropsie. Wassersucht hat so was kolossal Anschauliches! (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 58)
  • Ich bin eigentlich gegen Kalauer, die sind so mehr für Handlungsreisende. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 45)
  • "Diese Servietten sind zwar schicklich, aber nicht nützlich", sagte Mrs. Wapshot, die bei Tisch zumeist solche Plattitüden, Sprichwörter und abgedroschenen Wortspiele von sich gab. Sie gehörte zu den Frauen, die nur in Redensarten sprechen können. (John Cheever: Die Geschichte der Wapshots, S. 67)
  • Die nüchterne Schwester und das Wort Seele passen überhaupt nicht zusammen, Seele gehört eher in meinen Sprachbehälter. Obwohl es ein zartes Wort ist, gleichsam eins mit zerzausten Flügeln, verleitet es zu exaltiertem, schwammigem Gebrauch, also bitte Vorsicht beim Verwenden. (Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff, S. 58)
  • ...hatte er die Unart vieler Ausländer, das Sprechtempo zu beschleunigen, wenn er nicht mehr Herr über die Grammatik war? (Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff, S. 17)
  • Deutsch war auch nicht mein Lieblingsfach; ich haßte die Deklinationen und diese komische Art, die Verben in langen Sätzen immer weiter und weiter zu schubsen, bis sie schließlich ganz am Ende erschöpft hinfielen. (Julien Green: Erinnerungen an glückliche Tage, S. 94)

Deutsches

  • Auch die Mädchen änderten damals ihre Frisur. Flach strichen sie die Haare zurück und steckten die Zöpfe nach oben. Und selbst wenn sie Locken hatten, fetteten sie diese so lange ein, bis sie glatt auf dem Kopfe lagen. Eines sah aus wie das andere. Diese patriotische Uniformierung wirkte bei den Mädchen noch eindringlicher als bei uns. Man nannte jene Haartracht: Deutsche Frisur. (Ernst Glaeser: Jahrgang 1902)
  • Sie hat früher ein paar Jahre für den KGB in der DDR gearbeitet, Russisch unterrichtet und dabei sehr gut Deutsch gelernt. Sie findet das überhaupt nicht peinlich, daß sie für den KGB gearbeitet hat. Vor ein paar Wochen hat sie einmal zu mir gesagt: Das mit dem KGB, das war bei uns so ähnlich wie bei euch mit dem ADAC - jeder ist irgendwie dabei, und es ist ja eigentlich auch ganz praktisch. (Günter Ohnemus: Reise in die Angst, S. 19)
  • In Deutschland hält sich einer immer dann für einen Idealisten, wenn er den Schmerz noch fühlt, mit dem ihm das Kreuz gebrochen wird. (Christa Wolf an Franz Fühmann, 13.10.1975)
  • Ueber Deutschland habe ich nichts zu sagen. Da ich nicht so scharfe Augen habe wie Sie, und Sie Deutschland länger und besser kennen, ferner, da es mir widerstrebt in einem Totenacker nach jenen Lebewesen zu scharren, die immer noch zu leben pflegen, schweige ich lieber. (Friedrich Dürrenmatt an Max Frisch, 8.5.1949)
  • "Wir sind das langweilig-verrückteste Volk auf Erden, und wir haben alle Aussicht, es noch längere Zeit zu bleiben. Was hilft's dem einzelnen, zu wissen, wie klug andere Leute schon vor hundert Jahren gewesen sind?" (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "In meinem Leben hat es soviel Glück gegeben", sagte er selbstkritisch und sah Rosamund an, "daß mein Mut, wenn es um Unglück geht, wenig gestählt ist. Und doch! Ich bin Deutscher. Meine ganze Nation besteht aus Philosophen." (John von Düffel: Houwelandt, S. 350)
  • Wo die Armut am größten ist, ist auch die Wende unvollständig. (Roger Willemsen: Deutschlandreise, S. 53)
  • Er verachtete die Deutschen - nicht daß er jemals ihren Mut auf dem Schlachtfeld angezweifelt hätte, "aber", sagte er, "wenn die Dinge schlecht stehen, verkommt ihre Moral. (Julien Green: Erinnerungen an glückliche Tage, S. 154)

Politik/Gesellschaft

  • ... ist ihm wie den meisten Russen von der Höhe ihrer zwanzig Millionen Kriegstoten herab die Shoah piepegal. (Emmanuel Carrere: Limonow)
  • Die Reeser waren im August 1914 in Feierlaune, denn knapp eine Woche zuvor hatte Deutschland Russland den Krieg erklärt, und es herrschte eine nationale Rauflust. Die älteren Männer im Festzelt konnten sich noch an die Schlacht von Sedan erinnern, sie erzählten mit glühenden Wangen davon und behaupteten, das Deutsche Reich könne Frankreich ungespitzt in den Boden rammen. (Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern)
  • Die Laufenden kamen zum sechsten Male vorbei. Sie stolperten bereits; aber sie hatten begriffen, daß man sie nicht rennen ließ, um herauszufinden, ob sie zu schwerer Arbeit untauglich seien. Sie liefen um ihr Leben. Ihre Gesichter trieften von Schweiß, und in ihren Augen war die verzweifelte, wissende Todesangst, die kein Tier haben kann; nur der Mensch. (Erich Maria Remarque: Der Funke Leben)
  • ... bin ich nicht talentlos genug, um mich mit Politik zu beschäftigen. (Anatol France: Die rote Lilie)
  • Überall das gleiche: nie würde eine Zeit kommen, in der alle Menschen Zugang zu den hochwertigen Waren erhielten, und deshalb versah man Massenprodukte mit dem Etikett der Qualitätswaren. (Lars Gustafsson: Geheimnisse zwischen Liebenden)
  • In unserem verrotteten Gesellschaftssystem ist Geld nun einmal der Angelpunkt, um den sich alles dreht. (Wilkie Collins: Lucilla)
  • "Regieren wollt ihr nicht?" "Regieren? Du meinst, die Ohnmacht verwalten." (Jörg Fauser: Das Schlangenmaul)
  • Nach einer groben Schätzung meines Großvaters bemüht man sich, nicht einmal mehr fünfzig Prozent dessen auszubilden, wozu wir eigentlich fähig wären. "Demnächst", versicherte er, "wird man in den Schulen an Bildung gerade noch so viel vermitteln, daß die Schüler in der Lage sind, einen Kaufvertrag zu unterschreiben." (Eva-Maria Altemöller: Seelenruhe)
  • In Sachen Ruchlosigkeit war die Viererbande nicht zu übertreffen. Maos Frau und ihre Getreuen waren die größten Meister unentschuldbarer Schandtaten. Im Pantheon des Abschaums hatten sie Anspruch auf die Ewigkeit, und niemand würde sie ihnen streitig machen. (Amelie Nothomb: Biographie des Hungers, S. 67)
  • Aber wir wollen bedenken, daß ein Erfolg niemals ohne Opfer zu erzielen ist und, wenn wir das Skelett der Geschichte von allen Lügen reinigen wollen, die ihm von der Zeit und von vorgefaßten Meinungen angelastet worden sind, letzten Endes immer nur ein größeres oder kleineres Quantum von Erschlagenen übrigbleibt. (Michail Syltykow-Schtschedrin: Geschichte einer Stadt, S. 186)
  • Um uns aber gewahren wir eine untaugliche Obrigkeit, streng zwar bei der Eintreibung von Abgaben, doch bei der Gewährung von Hilfe wenig eilfertig. (Michail Syltykow-Schtschedrin: Geschichte einer Stadt, S. 116)
  • Unsere Beschäftigung mit der Geschichte, so habe Hilarys These gelautet, sei eine Beschäftigung mit immer schon vorgefertigten, in das Innere unserer Köpfe gravierten Bildern, auf die wir andauernd starrten, während die Wahrheit irgendwoanders, in einem von keinem Menschen noch entdeckten Abseits liegt. (W. G. Sebald: Austerlitz, S. 105)
  • "Und was Myface [ = Facebook] angeht, müssen Sie wissen, daß für einen Menschen, der in der Sowjetunion groß", plötzlich lachte er schallend, "und reich geworden ist, der Begriff soziales Netzwerk einen ganz eigentümlichen Klang hat. So als sei auf Lenin Trotzki gefolgt und nicht Stalin." (Florian Felix Weyh: Toggle)
  • Ich glaube, wer damals dachte, der Faschismus sei zwar etwas zu Verurteilendes, sei aber von solch überwältigender Kraft, daß er die Welt in den nächsten Jahrzehnten beherrschen werde, dem kann man nicht plump Dummheit vorwerfen. Wenig hätte gefehlt, und der Lauf der Geschichte hätte demjenigen Recht gegebene. Zu glauben, das Gute habe aus sich selbst heraus siegen müssen, ist Idiotie. (Helmut Krausser: Eros, S. 22)
  • 1944. Das erste Jahr der Furcht. Vorher war es ein wirklich toller Krieg. (Helmut Krausser: Eros, S. 22)
  • ... Großtante Marigold, die gar nichts weiter tat, sich aber aufs Nichtstun weniger gut verstand als die Leute im Parlament. (Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung)
  • Journalismus bedeutete neuerdings: Polizei anschwärzen. Die Intellektuellen standen daneben, vom Objektivismus verseucht, und wußten nicht einmal mehr, an welchem Ohr sie sich kratzen sollten. (Heinrich Steinfest: Tortengräber, S. 60)
  • Ob wir die Demokratie nicht auch deshalb als eine menschenfreundliche Staatsform empfinden, weil sie die Gelegenheit zu massenhafter Schadenfreude institutionalisiert? Alle vier Jahre können wir die Inhaber der Macht aus ihren Ämtern jagen, zwischendurch dürfen wir laut auf sie schimpfen, und die Karikaturisten zeigen sie in Unterhosen. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung)
  • Soeben höre ich im Radio, daß eine Gruppe fortschrittlicher englischer Frauen, die dabei ist, Grimms Märchen nach den Gesichtspunkten der Gleichberechtigung umzuschreiben, von Schneewittchen erwartet, daß es sich mit den Zwergen zu gesellschaftlich produktiver Arbeit ins Bergwerk begibt. (Christa Wolf, in: Reimann/Wolf: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen. 1964-1973)
  • In ihren vollständigsten Augenblicken haben die Zivilisationen im Menschen immer seinen spielerischen Instinkt herausgebracht und seinen Erfindungsgeist angespornt. (C. G. Jung)
  • Der Jude ist ein Problem. Wie wunderbar des für alle ohne uns wäre. (Philip Roth: Gegenleben)
  • Politik ist eben nicht einfach das Gerangel der politischen Parteien, sondern die tief besorgte Betrachtung des Schicksals der Polis, der Stadt, des Staates, der Gesellschaft, der Völker unserer Erde. (F.C. Delius: Mein Jahr als Mörder)
  • ... ging mir auf, warum mir die Nachkriegszeit damals gefiel: Die Gesichter der Menschen waren voller eingestandenem Entsetzen. Es gab weit und breit niemanden, der von ihnen verlangte, daß sie fröhlich, erfolgreich, lustig, optimistisch oder sonstwie sein sollten. (Wilhelm Genazino: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman, S. 88)
  • Verachtung gegen die Trottel, die Tölpel, die Pallawatsche, alle jene, die den Staat verwalteten und die er "Knödelhirne" zu nennen liebte... (Joseph Roth: Die Kapuzinergruft, S. 28)
  • Das Innere war das Wesentliche, und die Aufgabe des echten Anarchisten hieß: Sein Äußeres nach dem Gesetz des innersten Dranges zu formen, in größter Freiheit, uneingeschränkt und möglichst unberührt von der 'Kultur'. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene, S. 112)
  • Ein Brief aus Wien. Der Schreiber beobachtet die "Liberalisierung" in Ungarn aus nächster Nähe und hat seine Zweifel, denn "das ist, als träte der Papst eines Tages vor versammelter Menge auf den Balkon des Vatikans und erklärte, mit der Erlösung habe es nicht geklappt, alles müsse von vorn begonnen und anders gemacht werden". (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989)
  • ... zu allen Zeiten, stimmen die Symptome der Korruption überein, aber heute erfahren wir schneller etwas über sie, und mehr. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 39)
  • Indira Gandhi, die Ministerpräsidenin Indiens, wurde von zwei Leibwächtern erschossen. Indien ist ein religiöses Land. Die Kühle sind heilig, nur auf Ministerpräsidenten darf man schießen. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 48)
  • Was einer für möglich oder unmöglich hält, ortet ihn nicht nur gesellschaftlich, es ordnet ihn auch seinem Zeitalter zu. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Jedes Zeitalter öffnet eben einen Spezial-Rachen ad hoc, um seine Zeitgenossen zu verschlingen. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Sorglosigkeit hatte er empfunden. Warnungen hat er in den Wind geschlagen. Bis die Gestapo ihn für eine Woche einsperrte. Da begriff er und brachte seine Gefühle auf den Stand der Dinge. (Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, S. 76)
  • Das Lebensgefühl aus den braunen Jahren, daß wir alle Tote auf Urlaub sind, hat sich tief eingefressen.(Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud)
  • Jede unserer modernen Gesellschaften, die auf Kolonisierung, Unterdrückung und Ausbeutung begründet seien, müsse, um sich ihr lebenswichtiges Selbstbewußtsein zu erhalten, bestimmte Teile ihrer Gegenwart schön lügen. (Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, S. 108)
  • Ich brauche keine Sympathie, Herr Kommissar. Ich brauche Gerechtigkeit. Aber Die ist so unsichtbar wie Der Heilige Geist: nirgends niemals nicht gesehn. Denn Gerechtigkeit ist Was für die-Andere-Welt. In dieser Welt haben wir: Rächzpflege. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Die Ökonomie-der-Herrschaft - das läßt sich von Europa=heute lernen - muß der-Masse Den-Schmerz zufügen & Das-Opfer abverlangen : durch Moneypulationen in der Verteilung die künstlich herbeigeführte & stabil=gehaltene Verknappung an Mitteln & staatlichen Leistungen. Wer in den-Massen Beides überstehen kann, der glaubt hinfort an seinen=Triumf als Der-sportive-Selbst=Überwinder. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • die einzig=wirkliche Auferstehung heißt Bürokratie.... Und mit ihr aufersteht die-Bosheit, die unermüdbare kaltätzende Wut, die in der bügelfaltigen Verklei-Dung von Rechtgesetz (...) hereinbricht. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Sobalds bei Armenschweinen ans Krepieren geht, rücken die Reichen-Schweine mit Ethos-Athos-Porthos-Aramis auf: Frage !nicht, was kann der=Staat für !dich tun; frage dich, ?was kannst du für !den=Staat tun. (Gesprochen einst vom Präsidenten Eineslandes, das noch vor 150 Jahren die=Sklaverei betrieb. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 88)
  • Mit ihren 58 Jahren auf dem-Arbeitsmarkt ohne-hin längst zu den-Toten gezählt. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 12)
  • Der Unterschied zwischen Sozialismus und real existierendem Sozialismus sei derselbe wie zwischen Firmengründung und Bankrott. (Jurek Becker: Amanda herzlos, S. 25)
  • ... erlebe gegenwärtig, wie Korruption zunimmt, während Grundrechte schwinden, indem Freiheit zur Worthülse wird, sobald Reiche unverschämt reicher, Arme klaglos ärmer werden... (Günter Grass: Grimms Wörter, S. 260)
  • Mein Zeitalter hob an, als sich die Weimarer Republik gerade ein wenig von ihren chronischen Schwächeanfällen erholt hatte, dann aber um so schneller verfiel, worauf das Dritte Reich nur zwölf Jahre dauerte, doch Zeit genug ließ, jedweden und so auch mich mit einem Völkermord zu belasten, der, auf den Ortsnamen Auschwitz gebracht, für alle Zeit wie ein Kainsmal haftet. (Günter Grass: Grimms Wörter)
  • ... wie blind umherstochernd schon Politik an sich sei, noch mehr aber die Berater, die meinten, etwas Sinnvolles beitragen zu können. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Man weiß nicht mehr, in welche "kleine Lebenswelt" man sich vor den teils feindseligen, teils unbekümmerten, teils wegdriftenden "Parallelgesellschaften" zurückziehen soll. (Heinz Bude: Die Ausgeschlossenen)
  • Neue Begriffe finden, die hohe Kunst der Politik. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Diebstähle durch Angestellte veranlaßten 1713 das Parlament, ein drakonisches Gesetz zu erlassen, das den Wohnungsdiebstahl von Dingen, die mehr als 40 Shilling wert waren, zum Kapitalverbrechen erklärte, auf das ohne Ausnahme die Todesstrafe stand. (A. Roger Ekirch: In der Stunde der Nacht. Eine Geschichte der Dunkelheit, S. 253)
  • Droht nicht eigentlich die ganze Freizeit zur Arbeit zu verkommen? Und gleicht umgekehrt die Arbeit nicht mehr und mehr der Freizeit? Geh mit deinem Chef joggen: läufst du langsamer als er, macht er sich über dich Gedanken. Läufst du schneller, über sich. (Urs Widmer: Auf, auf, ihr Hirten. Die Kuh haut ab, S. 24)
  • Mit den richtigen Linien in der Kunst sind auch die richtigen Formen in der Gesellschaft verloren gegangen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 226)
  • Es ist sehr selten, in nationalen Fragen einem so freien Drüberstehn zu begegnen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 219)
  • Unsre ganze Gesellschaft (und nun gar erst das, was sich im besonderen so nennt) ist aufgebaut auf dem Ich. Das ist ihr Fluch, und daran muß sie zugrunde gehen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 148)
  • Das moderne Leben räumt erbarmungslos mit all dem Überkommen auf. Ob es glückt, ein Nilreich aufzurichten, ob Japan ein England im Stillen Ozean wird, ob China mit seinen vierhundert Millionen aus dem Schlaf erwacht und, seine Hand erhebend, uns und der Welt zuruft: 'Hier bin ich'. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 133)
  • Große Zeit ist es immer nur, wenn's beinah schiefgeht, wenn man jeden Augenblick fürchten muß. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 41)
  • In Deutschland wuchs ich auf, von der festen Überzeugung gewiegt, ein kleiner strammer Deutscher zu sein. Dieser begreifliche Irrtum wurde leider viel zu spät aufgeklärt, und zwar durch Hitlers 'Braune Millionen'. (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 19)
  • "Meine Tochter sagt immer, Demokratie, das ist, wenn die Politiker gute Geschäfte machen und die Geschäftsleute schlechte Politik. (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 9)
  • Es ist sehr gefährlich, in das Leben anderer Leute einzugreifen, und ich habe mich immer über das Selbstvertrauen gewundert, mit dem Politiker, Reformer und sonstige Wohltäter ihre Mitmenschen zwingen, liebgewordene Gewohnheiten und Lebenshaltungen aufzugeben. (W. Somerset Maugham: Vor der Party. Erzählungen, S. 7)
  • Straßen ergeht es mit ihren Namen ähnlich wie den Frauen, sie sind geborene, verheiratete, geschiedene, wieder geborene, je nachdem, welchen Männern oder Regierungen sie gerade angehörten. (Monika Maron: Die Überläuferin, S. 10)
  • ... so wie es unausweichlich ist, daß der Bürger beim Abspielen der Nationalhymne Haltung annimmt, obwohl es mit Sicherheit weder ihm noch seinem Vaterland Spaß macht. (Milan Kundera: Das Buch vom Lachen und Vergessen, S. 263)
  • ... wird Geld nur dann lockergemacht, wenn wirklich alle unnützen Hallenbäder, Sprintbahnen und Eisschnellaufstadien gebaut sind. (Herbert Rosendorfer: Die Erfindung des SommerWinters, S. 226)
  • ... erst vor kurzem hatte er, über ein Jahr nach dem Einsatz in Rußland, den schlichtesten Orden, die Ostmedaille, für sein krankes Bein bekommen, ein Orden, der so unbedeutend war, daß er irgendwann nach dem Krieg ausgehändigt werden sollte, weil das Metall anderswo gebraucht wurde, jetzt hatte er nur einen Formbrief zur Verleihung und das Band gegeben. (Friedrich Christian Delius: Bildnis der Mutter als junge Frau, S. 82)
  • ... Angehörige des Künstlerstandes, jener Gruppe also, die für die deutsche Kultur arbeitet, zu welcher unsre professionellen Politiker ein offenes Un-Verhältnis haben und sie für etwas eigentlich Überflüssiges halten, dem man füglich die Gelder mehr und mehr beschneiden kann und soll. (Luise Rinser: Im Dunkeln singen. Tagebuch 1982-1985)
  • Ich habe die Politik wieder einmal satt. Was ist denn Politik, sage ich mir mit Bitterkeit, was denn andres als die Kunst, jeweils rascher, besser und ausdauernder zu lügen als der Gegner. (Alois Brandstetter: Altenehrung, S. 109)
  • "Und wohin reisen Sie?" fragte Anna. "Nach Paris. ich will im Pasteurchen Institut arbeiten. Ich kehre wieder zu meiner alten Liebe zurück, zur Bakteriologie. Es ist eine reinlichere Beschäftigung als die Politik." (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Ein parlamentarisches Leben ohne Komödienspiel ist ja überhaupt nicht möglich. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Wer wie ich unregelmäßig zur Wahl ging, galt für sie als potentieller Mäzen der Nazis. (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 92)
  • Im atomaren Zeitalter hat der Begriff der Ewigkeit seine Autorität eingebüßt. Die bürgerliche Gesellschaft besitzt kein Erlösungspotential, erstrebt keinen Zustand. Seit dem Untergang des Kommunismus, den zu Fall zu bringen zumindest ein Ziel war, verwaltet sie nur noch ihre Deformation. Gerontologie. (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 77)
  • Die Entwicklung dieses Wirtschaftssystems wurde nicht mehr durch die Frage: 'Was ist gut für den Menschen?' bestimmt, sondern durch die Frage: 'Was ist gut für das Wachstum des Systems?' Die Schärfe dieses Konflikts versuchte man durch die These zu verschleiern, daß alles, was dem Wachstum des Systems (oder auch nur eines einzigen Konzerns) diene, auch das Wohl der Menschen fördere. (Erich Fromm: Haben oder Sein, S. 18)
  • Da gelingt es der Menschheit, auf den Mond zu fliegen, Marssonden auszusenden und künstliche Biosphären zu schaffen, der natürlichen Evolution mit dem Klonen von Schafen nachzuhelfen, die Reifungs- und Zerfallszeiten von Lebensmitteln beinahe beliebig zu verändern, altersschwache Organe bei Bedarf auszuwechseln und möglicherweise gar den Schlüssel zu ewigem Leben zu entdecken - sozial verträgliche Wirtschafsstrukturen zu schaffen scheint jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 172)
  • Selbst in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zeichnen sich Grenzen der Verarbeitbarkeit von Innovationen ab. So bereitet eine Ausbildung immer weniger auf einen Beruf vor, Prognosen über spätere Arbeitsmarktchancen übersteignen kaum die Trefferquote von Horoskopen, die Aussagen von Politiker über den zukünftigen Kurs der Gesellschaft verkommen zu Orakelsprüchen und in der Wirtschaft überholen die Innovationen die Dauer der Marktpräsenz. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 141)
  • Viele wirtschaftspolitische Publikationen beziehen ihre Anregungen aus der Militärwissenschaft und liefern so den schlagenden Beweis dafür, daß die moderne Wirtschaft bloß die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 73)
  • Er hat sich das Buch von Fred Halliday gekauft und auf den ersten Seiten etwas gelesen, das ihm wie ein Urteilsspruch, wie ein Fluch vorkommt: Die Angriffe auf New York läuten eine globale Krise ein, die, mit etwas Glück, in hundert Jahren bewältigt sein wird. (Ian McEwan: Saturday, S. 50)
  • Dieser Antrag ward zum wildumstrittenen Politikum und zur Gesinnungsprobe. Seinen Inhalt (das Los aller Politik) vergaß man über dem Kampf. (Franz Werfel: Die tanzenden Derwische. Erzählungen, S. 25)
  • War nicht jeder ein Sklave, der seiner Arbeit korrekt nachkam, obwohl er sie nicht ausstehen konnte? (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • "Es ist schon sehr merkwürdig", rief er aus, "daß alle, die diese Welt regulieren, immer mit Feder, Papier und Tinte daherkommen! Immer halten sie die Feder gezückt! Diese Herren sind ganz besessen avon, die Feder zu gebrauchen. (Alessandro anzoni: Die Brautleute, S. 316)
  • Längst gehört das Beschwören der sauberen Umwelt, wie auch des Weltfriedens, zum Standard-Repertoire verlogener Wahlreden aller Parteien. (Joseph von Westphalen: 33 weiße Baumwollunterhosen)
  • "Hast du 'Major Barbara' gelesen? Shaw beweist darin, daß man Menschen finanziell retten muß, ehe man ihre Seelen retten kann. Eins haben sie vergessen. Sie haben uns den Wohlfahrtsstaat gebracht, aber sie haben Barbara selbst vergessen. Überfluß, Überfluß und keine Seele weit und breit." (John Fowles: Der Sammler, S. 237)


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