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Themenstreusel (1)

Weise Leben

  • "Es hat keinen Sinn, über verschüttete Milch zu jammern, wenn alle Kräfte des Universums darauf hinarbeiteten, dass sie verschüttet wird." (W. Somerset Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • "Folge deinen Neigungen mit gebührender Rücksicht auf den Polizisten um die Ecke." (W. Somerset Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • Freunde, versucht niemals, sie zusammenzubringen. (Thomas Bernhard: In der Höhe)
  • Im Leben musste man seinen Illusionen treu sein. Die eigene Perspektive war die einzige, die man hatte, und somit war objektive Wahrheit bedeutungslos. Man musste sich für einen Traum entscheiden und dabei bleiben. (Matt Haig: Ich und die Menschen)
  • Ein Paradox: Die Dinge, die nicht lebenswichtig sind - Bücher, Kunst, Kino, Wein und so weiter -, sind die Dinge, die im Leben wichtig sind. (Matt Haig: Ich und die Menschen)
  • Jede Sekunde verstreut über dich ... Schätze! ... Habe ich jemals diese Schätze gewürdigt? Sofern ich sie nicht achtlos liegenließ, verwandelten sie sich in meiner Obhut zu Gips. Aber ich kann vielleicht noch was ... retten? Denn es gibt unter tausend Gründen zu verzweifeln doch einen, es nicht zu tun, und das ist die Liebe. (Petra Morsbach: Dichterliebe)
  • Astronomische Anblicke sind nicht nur anspruchsvoll, sie sind auch eifersüchtig. Sie dulden keine anderen Sinneseindrücke neben sich, am allerwenigsten Geräusche. Die Sterne erscheinen als reines Licht in der Stille. Aber wer sie aufmerksam und geduldig betrachtet, der wird sie so schön finden wie sonst nur Musik. (Per Leo: Flut und Boden)
  • Immer ist er umgeben von Dingen, die ihm Zutritt zum Geistigen ermöglichen. (Per Leo: Flut und Boden)
  • Wenn ich bedenke, wie unsre Lebensweise immer mehr und mehr in Surrogat, Stellvertretung und Lückenbüßerei übergegangen ist, so bekomme ich einen rechten Haß auf unser geiziges und knickerndes Jahrhundert und fasse, da ich es ja haben kann, den Entschluß, in der Weise unsrer viel freigebigern Altvordern zu leben. (Ludwig Tieck: Des Lebens Überfluß)
  • Es werden die meisten, wenn sie am Ende zurückblicken, finden, dass sie ihr ganzes Leben hindurch ad interim gelebt haben, und verwundert sein zu sehen, dass das, was sie so ungeachtet vorübergehen ließen, eben ihr Leben war, in dessen Erwartung sie lebten. Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen in der Regel dieser, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt. (Arthur Schopenhauer)
  • Vance hatte Respekt vor Tüchtigkeit und bewunderte sie sogar; aber in letzter Zeit hatte er das Gefühl, dass sie für die Verköstigung der Seele einen zu geringen Nährwert besaß. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Er ... fand wieder so etwas wie Freude an dem komplizierten Wunder, am Leben zu sein. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)
  • Planen Sie täglich eine Stunde Seid-nett-zueinander ein. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Vielleicht ist das meine Vorstellung vom Glück, jemandem zu geben, was ich vermag, - statt in ein System von Forderungen verstrickt zu sein, denen ich nicht nachkommen kann. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Plötzlich empfand sie ein starkes Verlangen, den Tag zu bejahen. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Man soll auch an der kleinsten Chance nicht grußlos vorübergehen. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Die Welt streute Freude in die Hände derjenigen, die sie rechtzeitig hinzustrecken verstanden. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Es geht doch nichts über ein kleines Techtelmechtel mit dem Tod, um die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken. (Paul Auster: Sunset Park)
  • Ich hatte es mir zum Grundsatz gemacht, undurchsichtige Dinge, die kaum zu verstehen waren und die außerhalb meiner Reichweite lagen, als Anlass zur Sorge auszuschließen, und damit bin ich bis zum heutigen Tag gut gefahren. (Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren)
  • Gehen Sie bei allen Plänen immer vom pessimistischen Szenario aus. Damit haben Sie eine wahre Chance, die Situation einigermaßen realistisch zu beurteilen. (Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens)
  • Machen Sie von jetzt an einen weiten Bogen um Selbsthilfeliteratur. Sie ist zu 100 % von Menschen geschrieben, die eine natürliche Tendenz zum Glück besitzen. (Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens)
  • Mir deucht diese Versuchung so unschuldig, daß ich, um sie los zu werden, am besten tun werde, ihr zu unterliegen. (Wieland: Musarion)
  • "Glauben Sie, das 'Ich' könnte es in der Welt aushalten, wenn die Welt wirklich so wäre, wie sie der Menscheit auszuschauen scheint?" (Gustav Meyrink: Walpurgisnacht)
  • Jedenfalls hat er sich eine Lebensform gewählt, die auf einem Fundament aus Pessimismus ruht, also dem besten Schutz gegen Enttäuschung, den menschlicher Geist je ersonnen hat. (Stephan Thome: Grenzgang)
  • Vor dem Einschlafen denke ich, daß aus Tagen wie diesem das Leben besteht. Punkte, die am Ende, wenn man Glück gehabt hat, eine Linie verbindet. Daß sie auch auseinanderfallen können zu einer sinnlosen Häufung vergangener Zeit, daß nur eine fortlaufende unbeirrte Anstrengung den kleinen Zeiteinheiten, in denen wir leben, einen Sinn gibt... (Christa Wolf: Erzählungen 1960-1980)
  • Ich sollte mal wieder mein Herz ausschütteln. (Ursula Fricker: Außer sich)
  • Die Welt ein bißchen besser zu verlassen, als man sie vorgefunden hat. Mehr kann ein Mensch nicht verlangen. (Paul Auster: Timbuktu)
  • Zum aufrechten Gang käme nur, wer alles abwürfe, was ihm im Nacken säße. (Uwe Timm: Morenga)
  • Dick hatte viel zuviel vom Leben gesehen, um zu glauben, daß es die besonders Geeigneten waren, welche die feinen Berufe hatten. Oft war das Gegenteil der Fall. Wozu Menschen taugten, zeigte sich erst auf längere Sicht. Oder in einem ganz einzigartigen Augenblick, der allein für sie bestimmt war und für keinen anderen. (Lars Gustafsson: Geheimnisse zwischen Liebenden)
  • Den Tag ohne Zerwürfnis mit sich selbst hinter sich gebracht haben - (Wilhelm Genazino: Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz)
  • Es ist manchmal dem Menschen nichts dienlicher, als daß er mal so recht vollständig umgekehrt wird! Wenn das Allerinnerste nach außen kommt, dann erfährt er erst, was eigentlich alles in ihm gesteckt hat und was ihm nur angeflogen war. (Wilhelm Raabe: Alte Nester)
  • Da einem der Überschwang der Liebe einen emotionalen Blick auf die Ewigkeit gewährt... (Stephen Vizinczey: Wie ich lernte, die Frauen zu lieben)
  • Lerne mit Geschmack zu scheitern. (August Strindberg: Das Rote Zimmer, S. 322)
  • Er vertrat die Meinung, daß man seiner Natur manchmal Ferien gönnen sollte. (Francois Mauriac: Der Jüngling Alain)
  • Das würde ja ins Nichts führen, so ein Nachdenken. (...) Das einfachste ist doch, man bewegt sich mit den Wellen, ohne das Meer in Frage zu stellen. (Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben)
  • ... einen anderen Hallraum zu suchen als den meiner eigenen Gegenwart. (Melitta Breznik: Nordlicht, S. 81)
  • "Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe." Von so viel unbefangener, vom Evangelium gestützter Unbesorgtheit erbaut, spazierte ich nach dem Morgengottesdienst gutgelaunt nach Hause. (Maarten 'tHart: In unnütz toller Wut)
  • Such dir ein Leben, bei dem du im Freien bist. (Nichsolcon Baker: Eine Schachtel Streichhölzer)
  • ... doch ist, nach meinem eigenen Urteil, was die Welt als 'romantisch' brandmarkt, der Wahrheit oft näher, als man gemeiniglich annimmt; denn werden auch die großherzigen Vorstellungen der Jugend nur gar zu häufig von den schäbigen Ansichten späterer Jahre überdeckt und getrübt, so beweist dies längst noch nicht, daß sie falsch sind." (Anne Brontë: Die Herrin von Wildfell Hall, S. 426)
  • Geringere Bindung an die Dauer des Lebens. [Victor Klemperer: Die Tagebücher, 31.12.1935]
  • Gewohnheit ist Gewohnheit, und keiner kann sie einfach aus dem Fenster werfen, aber man kann sie Stufe für Stufe die Treppe herunterlocken. (Knallkopf Wilsons Kalender)
  • Bemühen wir uns, so zu leben, daß selbst der Bestattungsunternehmer trauert, wenn es mit uns zum Sterben kommt. (Knallkopf Wilsons Kalender)
  • Nicht verloren ist, wer unwandelbar auf seine Erettung hinarbeitet. (Erich Loest: Die Mäuse des Dr. Ley, S. 183)
  • Der stumme Auftrag, der uns allen erteilt ist, besteht darin, das Leben trotz seiner unendlichen Geschmacklosigkeiten freudig anzunehmen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Das große Geheimnis der sozialen Alchimie, mein Lieber, besteht darin, daß wir jedem Lebensalter, durch das wir hindurchgehen, das Bestmögliche abgewinnen, daß wir im Frühling alle seine Blätter haben, im Sommer alle seine Blüten, im Herbst alle seine Früchte. (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)
  • Sind Illusionen nicht das Kapital des Herzens? (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)
  • Die Möglichkeit ganz gleich welchen Genusses erzeugt ein zunehmendes Gefühl seiner Notwendigkeit. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Knight besaß einen gesunden Verstand, wohl fähig, dem Dunstkreis des Herzens zu entrinnen und zu begreifen, daß seine eigene Liebe, wie die anderer Leute auch, durch Wechsel des Ortes und der Lebensweise abgemildert werden konnte. Zugleich war dieses Begreifen ein zusätzliches Leid: 'Auch Sehnen, letztes Sehnen, stirbt'. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • ... weil bei neuen Anfängen eine beliebige Beschränkung der Richtung oft besser ist als völlige Freiheit. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Obwohl sich schwerer und begründeter Kummer nicht dadurch fortzaubern läßt, daß man ihn bloßen Bekannten anvertraut, so ist dieses Vorgehen doch ein Linderungsmittel für gewisse Gemütsverstimmungen. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • In seltener Intensität spürte Blumenberg den Schutz der Nacht. Sie entdüsterte ihn und entpflichtete ihn von der Geselligkeit, ersparte ihm törichte Überraschungen und lockerte seine geistige Apparatur. (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, S. 86)
  • Urplötzlich fühlte er sich in eine anheimelnde Selbstwärme gehüllt, ein Gefühl, das von Selbstüberhebung nur geringfügig sich unterschied. (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, S. 14)
  • "Hamilkar, wie bleich du bist, du solltest zu Bett gehen." Der Graf lächelte wieder sein verhaltenes, gütiges Lächeln: "Ja, Betty, ich werde zu Bette gehen. In aller Not bleibt uns dieser Ausweg immer." (Eduard Graf von Keyserling: Bunte Herzen)
  • "Es war vielleicht nicht korrekt", sagte Boris müde und überlegen, "aber, mein Gott, wenn etwas so Starkes hier im Herzen und hier im Kopf sich festsetzt, dann sprechen wir es eben aus." Scharf und böse erwiderte der Graf: "Ein anständiger Mensch behält eben neun Zehntel von dem, was ihm durch Herz und Kopf geht, für sich." (Eduard Graf von Keyserling: Bunte Herzen)
  • Darin liegt die wahre Unabhängigkeit des Menschen. Nicht in Geld. In Zeit. (Meir Shalev: Der Junge und die Taube, S. 172)
  • Ist es nicht kindisch, die Einförmigkeit äußerer Abläufe verantwortlich zu machen für die Blässe des Privatlebens? (Markus Werner: Die kalte Schulter, S. 67)
  • Wer selbstbewußt und mit Zuversicht in Richtung seiner Träume voranschreitet und es wagt, das Leben zu leben, das er sich vorgestellt hat, dem wird zu einer ganz gewöhnlichen Stunde unerwarteter Erfolg beschieden sein? (Thoureau)
  • Und die Freunde (Freunde, auch wenn man sich im Lauf der Zeit noch so entfremdet hat) wachsen nicht nach; die Welt geht in andere Hände über, natürlicherweise, und man steht von Tod zu Tod etwas verwandtschaftsloer darin. (Max Frisch an Friedrich Dürrenmatt, 18.12.1964)
  • Trifft's heute nicht, so trifft es doch morgen. / Und trifft es uns morgen, so wollen wir heut / Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit. (Schiller: Wallenstein)
  • Ich bin überzeugt, daß es mit zum Erdenleben gehört, daß jeder in dem gekränkt werde, was ihm das Empfindlichste, das Unleidlicghste ist. Wie er da herauskommt, ist das Wesentliche. (Rahel Varnhagen)
  • Manchmal passe auch ich nicht ganz zwischen Mütze und Schuh. Aber da man nun mal im Hier und Jetzt lebt, sollte man es besser wie ein Fluß halten, weißt du. Der fließt und ahnt nicht, daß er im Winter zufrieren muß. Und kommt der Winter, friert er zu. Man muß im Einklang mit der Zeit leben, Tolja. Nicht über die Ufer treten. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Je gewaltiger sich ein Körper aufbläht, desto schwächer wird sein Einfluß auf den Geist. (Peter Jacobi: Mein Leben als Buch)
  • Wenn man lügt, soll man nämlich nicht zuviel lügen. Und auch nicht zuwenig. Die sozusagen homöopathisch dosierte Lüge wirkt am besten. (Lars Gustafsson: Der Dekan)
  • Ein Inventar seiner seelischen Habe aufnehmen. (nach: Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Stets habe ich dehnbare Hoffnungen... (Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Stanley ist kein Trödler. Müßigkeit bringt zum Nachdenken, und Nachdenken kann gefährlich sein, wie jeder, der allein lebt, sofort nachvollziehen kann. (Paul Auster: Die Brooklyn-Revue, S. 193)
  • Sein Leben einer gründlichen Revision zu unterziehen... (Paul Auster: Die Brooklyn-Revue)
  • In Notfallsituationen auf GABI setzen: Gibt er Antwort? Atmet er? Blutet er? Ist der Puls spürbar? (Martin Suter: Der Teufel von Mailand)
  • ... daß sich "der Sinn" wortlos offenbart in jedem Augenblick intensiv gelebten Lebens. (Luise Rinser: Wachsender Mond. 1985-1988, S. 12)
  • Wenn man jeden Augenblick leben will, wie er sich darbietet, muß man jeden andern Augenblick absterben. (W. Somerset Maugham)
  • Wem vorherbestimmt ist, in der Garotte zu enden, kann gefahrlos Schlittschuh laufen. (Maarten 'tHart: Der Psalmenstreit)
  • Bei manchen Dingen weiß man gleich nach dem Bezahlen, daß man sie besser nicht gekauft hätte. (Paulus Hochgatterer)
  • Nach dem Talmud soll selbst die Stimme des Himmels nicht befolgt werden, wenn sie nicht auf der Seite der Gerechtigkeit ist. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 78)
  • Mein Vater sagte, die Zeitungen seien voll von Gotteslästerungen und Ketzereien. Er sagte, den Tag anzufangen, indem man die Zeitung las, sei ebenso als ob man zum Frühstück Gift nähme. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 31)
  • "Ein jeder Mensch hat, meiner Erfahrung nach, seine eigenen Hausmittel, um die schlimmen Stunden zu überwinden; darf ich nach den Ihrigen fragen, mein Herr Justizrat Scholten aus Hannover?" Giftig schnurre ich: 'Was halten Euer Gnaden von dem gemütlichen Troste: achtzig Jahre wirst du unbedingt alt und begräbst ohne allen Zweifel alles, was dich heute ärgert?' (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "Was ist Talent für Lebensbehagen?" murmelte in dem Augenblick der Justizrat Scholten. "Nichts als die Gabe, aus dem Qualm etwas zu machen, der von dem Feuer der Leidenschaften in der Luft wirbelt!" (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden. Das Sitzfleisch - ich sage es noch einmal - ist die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert!" (Friedrich Nietzsche)
  • Eine der einfachsten Lebensregeln lautet: 1. Machen Sie kein Problem aus Kleinigkeiten. 2. Mit genügend Abstand wird alles zur Kleinigkeit.
  • Oberhand über unseren inneren Primaten gewinnen... (Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • Nutzen Sie die Gelegenheit zu einem Panoramablick in Sachen Selbsterkenntnis. (Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • In Bezug auf die Vergangenheit stehen nur die Tatsachen fest. Die Bedeutung dieser Tatsachen aber wandelt sich in Abhängigkeit davon, was wir im Hier und Jetzt tun oder nicht tun, und in Abhängigkeit von den Sichtweisen, die wir uns durch Lernen eröffnen oder nicht.(Dietmar Hansch: Erfolgreich gegen Depression und Angst)
  • Vielleicht war der Glaube, man sei dazu verpflichtet, glücklich zu sein, der dümmste Einfall auf diesem Planeten. (Helen Garner: Das Zimmer, S. 58)
  • Den Narren packt die Reisewut, indes im Bett der Weise ruht. (Bayrisches Sprichwort)
  • Ich tat nichts, es sei denn, man ließe das Erlernen des Glücklich-Seins als Tätigkeit gelten. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Niemand wird gewährt, den Taktstock über das eigene Leben zu schwingen, und wie lange eine Sequenz dauert, bestimmt nicht solch ein kleiner Dirigent, sondern nur ein großer Kompositeur. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • "Scheint fast", sagte der Direktor, "als gründe alle Urteilsfähigkeit nur im Nehmen der richtigen Distanz zu jeder Sache"... (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Liebe und Schmerz treiben das Beste, was einer hat, auf die Spitze. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Die entschleunigende Wirkung des Fehlschlags, der Krankheit, der durchkreuzten Pläne. Ungewollt gerät man aus dem Tritt (und Trott), erlebt sich in einer Weise nackt, ausgesetzt und perplex, konfrontiert mit der ungeschminkten Existenz. Stößt man so auf den Grund (auch seiner selbst), kann es heilsam sein. Innehalten, ob erzwungen oder nicht, birgt den Keim der Erneuerung. (Ilma Rakusa: Langsamer! S. 69)
  • Man muß seine Langeweile in seinem eigenen Ich spazieren führen, damit sie mit den Ideen über sich selbst vertraut wird. Nur dieser selbstvergessene Müßiggang hat die Qualität, die Schöpfung momentweise zu enträtseln und sie über sich selbst zu beruhigen. (Wilhelm Genazino)
  • Bedeutenderes kann niemand leisten als sich selbst zu verändern. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Immer ist doch die Möglichkeit zum Außerordentlichen auf stets neue Weise vorhanden, die Pforte dazu offen. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Man soll niemand so weit weg stellen, daß man ihn nicht gelegentlich wieder heranholen könnte. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • ... daß man womöglich mehr geben kann, wenn man sich selber klein macht. (Sybille Bedford: Ein trügerischer Sommer)
  • Gründlichsten Unterricht im Nil admirari nimmt man immer bei sich selbst. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Es gibt in unserem Vergangenheits-Geflecht immer wieder eine unbegreifliche Strähne; wo wir die antreffen, wo sie hervorkommt, gerade dort ist unsere wahre Vergangenheit. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Reife besteht darin, daß einer nicht mehr auf sich selbst hereinfällt. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Am angemessensten nimmt jener wahr, der beides sieht, denn am Verfehlten schärft sich der Blick für das Gelungene und am Gelungenen für das Verfehlte. (Markus Werner: Am Hang)
  • Ohne Telefon kann man nur deshalb nicht leben, weil es das Telefon gibt. Ohne Wald wird man nie leben können, auch wenn's längst keinen Wald mehr gehen wird. (Karl Kraus)
  • Wer heute von morgen sein will, merkt spätestens übermorgen, daß er von gestern ist. (Karlheinz A. Geißler: Vom Tempo der Welt. Am Ende der Uhrzeit, S. 174)
  • Nur wenn wir Umwege einschlagen, können wir existieren. (Hans Blumenberg)
  • Das Unwesentliche mit perfekter Systematik vortragen und ihm dadurch den Anschein des Wesentlichen verleihen, das nennt man Methodik.
  • Leiden ist immer eine Form der Schmerzinterpretation. (Hermann Burger: Schilten)
  • Wenn wir ganz vertieft sind, vergessen wir unseren Körper möglicherweise total. Vielleicht denken wir noch nicht einmal mehr über das ödestes Thema überhaupt nach, nämlich uns selbst. Das ist das wahre Geheimnis des Glücks. (Eknath Easwaran: Nimm dir Zeit. Ruhe finden in einer hektischen Welt)
  • Werft nicht ein Leben weg, das man gar nicht wegwerfen kann, weil es nie eines war! Schluß mit dem Windschattendasein, hinaus an die frische Lebensluft! (Hermann Burger: Schilten)
  • Wie jeder Verunsicherte spann sie im-Heimlichen Dasnetz hauchfein zur Selbst-Bewahrung. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Trifft's heute nicht, so trifft es doch morgen. Und trifft es uns morgen, so wollen wir heut Noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung)
  • Ist die vorsorgliche Darmspiegelung (als typisches Beispiel für die regierende Vorsorge-Gesinnung), ist das Weiterschieben von Glückgütern an die nächste Generation eigentlich durchweg vernünftig?(Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung, S. 113)
  • Aus meiner tiefsten Seele zieht / Mit Nasenflügelbeben / Ein ungeheurer Appetit / Nach Frühstück und nach Leben. / (Theodor Fontane an Theodor Storm)
  • ... instinktiver Respekt vor den Gefühlen anderer: eine seltene Form der Weisheit. (Jason Epstein: Vom Geschäft mit Büchern)
  • Es gibt nur eines, was ein tapferer und ehrlicher Mann fürchten sollte, und das ist der Tod. Er sollte die Todesfurcht immer im Herzen tragen - denn das setzt der Herrlichkeit Grenzen, und er sollte sie als Ansporn brauchen, das Leben über alle Hindernisse hinwegzuretten. Ich hasse die Menschen, die behaupten, sie hätten keine Angst vor dem Tode. Es sind Lügner, Narren und Heuchler. (Thomas Wolfe)
  • ... habe jenes Glück genossen, das durch körperliche Schmerzen nicht zu zerstören ist, das beste und einzige Glück für unsereinen: an der Arbeit zu sitzen, etwas zu schaffen, produktiv zu sein. (Hermann Hesse: Sämtliche Werke, Bd. 14: Betrachtungen und Berichte. 1927-1961, S. 105)
  • Gewohnheiten sind wie ein Geländer, an dem man sich in Notlagen festhalten kann. (Jurek Becker: Amanda herzlos)
  • Was ganz anderes wollen, das ist doch der direkte Weg ins Unglück. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Um sechs Uhr essen, ins Bett um zehn - verlängert das Leben auf zehnmal zehn. (A. Roger Ekirch: In der Stunde der Nacht. Eine Geschichte der Dunkelheit, S. 320)
  • ... in der selbstgeschaffenen Alltäglichkeit nicht untergehen. (Theodor Fontane: Der Stechlin)
  • Nichts beneidenswerter als eine Seele, die schwärmen kann. Schwärmen ist fliegen, eine himmlische Bewegung nach oben. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 254)
  • Ich respektiere das Gegebene. Daneben aber freilich auch das Werdende, denn eben dies Werdende wird über kurz oder lang abermals ein Gegebenes sein. Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben. Und vor allem sollen wir (...) den großen Zusammenhang der Dinge nie vergessen. Sich abschließen heißt sich einmauern, und sich einmauern ist Tod. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 255)
  • Es gibt nichts, was uns so Demut predigte wie die Wahrnehmung von der Entbehrlichkeit des einzelnen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 167)
  • Es heißt freilich, "im engen Kreis verengert sich der Sinn", und in den meisten Fällen mag es zutreffen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 26)
  • In dieser merkwürdigen Zeit erscheint Intelligenz dumm und Dummheit intelligent, und es ist ratsam, aus Gründen der Klugheit, beiden zu mißtrauen. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 117)
  • Das Ei genau fünf Minuten kochen lassen, das Kunststück täglich erneut fertigbringen trotz des Defekts in der Minutenuhr. Die haltbaren Genüsse. Das Gerüst, welches das Leben auch über tote Zeiten trägt. (Christa Wolf: Störfall, S. 14)
  • Noch etwas sollen wir nicht tun, nämlich das Unerklärliche erklären. Die Menschen haben gelernt, mit einer schwarzen Bürde zu leben, einem gewaltigen schmerzenden Buckel: der Vermutung, daß die "Wirklichkeit" nur ein Traum sein mag. (Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge, S. 134)
  • Das, was uns vertraut ist, macht uns ohne Grund glücklich. (Iselin C. Hermann: Sommer war es, S. 39)
  • Er war noch zu jung gewesen, um zu wissen, daß das Gedächtnis des Herzens die schlechten Erinnerungen ausmerzt und die guten erhöht und daß es uns dank diesem Kunststück gelingt, mit der Vergangenheit zu leben. (Gabriel Garcia Marquez: Liebe in den Zeiten der Cholera, S. 148)
  • Salmans einfache Würde. Die Ruhe, der nicht Fatalismus zugrunde liegen konnte, aber Hingabefähigkeit dem Gang des Lebens gegenüber. Obgleich es immer schlecht ausgeht: mit Tod. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 568)
  • Ich glaub, daß man nur leben kann in der leiblichen Überzeugung, die Ausnahme zu sein. Die irgendwie durchkommt. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz)
  • Wer nicht liebt, lebt ein Leben weniger. (Irmtraud Morgner)
  • "Der Sinn des Lebens ist, zu arbeiten", sagt Lutz. Die Faulen leben nicht. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 242)
  • Wenn man stets nur seine Pflicht tat, dann war die Folge offenbar, daß es einen allmählich zu allem anderen untauglich machte. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 466)
  • Mut beruht auf der Unfähigkeit, sich in die Seele des Gegners versetzen zu können. Am mutigsten sind Säuglinge, denn sie greifen sogar ins Feuer. Ich beurteile die Gefahr nur mit Vernunft! (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 16)
  • Außer der Liebe, der Freundschaft und der Schönheit der Kunst sehe ich nicht viel anderes, was das menschliche Leben nähren könnte. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 33)
  • Niemand scheint an die Tatsache gedacht zu haben, daß, wenn die Existenz absurd ist, darin zu glänzen und Erfolg zu haben keinen höheren Wert hat, als darin zu scheitern . Es ist nur angenehmer. Wenn überhaupt: ich glaube, der Scharfblick macht den Erfolg bitter, während die Mittelmäßigkeit immer noch auf etwas hoffen läßt. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 18)
  • Man könnte sagen, daß schon die Geburt ein Todesurteil ist - vermutlich hat irgendein wortgewandter Philosoph das irgendwo schon gesagt -, aber das ist ein abartiger und zweckloser Gedanke. Besser, sich an das Leben zu halten und den Wert der verrinnenden Zeit zu würdigen. (David Lodge: Wie bitte? S. 359)
  • Mögen andere Leute sich anschreien und mit Tellern werfen, mir liegt sehr viel daran, daß es in meinem Privatleben möglichst zivil zugeht, selbst wenn es bedeutet, gelegentlich zu schauspielern. (David Sedaris: Schöner wird's nicht, S. 130)
  • Wer sich auch nur ein wenig im Leben auskennt, weiß, daß es, um den Nächsten glücklich zu machen, kein besseres Rezept gibt als die Lüge. (Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten, S. 112)
  • Es kommt darauf an, daß einer es wagt, ganz er selbst, ein einzelner Mensch, dieser bestimmte einzelne Mensch zu sein; allein vor Gott, allein in dieser ungeheuren Anstrengung und mit dieser ungeheuren Verantwortung. (Soren Kierkegaard)
  • Das Geheimnis, wie man mit einem Minimum an Schmerz ein Leben im Trubel der Welt führt, besteht darin, so viele Leute wie möglich dazu zu bringen, die eigene Verblendung zu teilen. (Philip Roth: Der menschliche Makel, S. 56)
  • "Überleg dir gut, was du verlieren würdest, wenn du auf deinen 'bretonischen Freund' verzichtetest" - so nannte sie ihn feinfühlig. "Intensives Erleben ist unersetzbar. Vom Verstand allein läßt sich der Körper nicht ernähren. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 252)
  • Es ist eine gar köstliche Kunst, von Zeit zu Zeit das zu tun, was man verabscheut. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 12)
  • Wahrscheinlich sollte man dieses liebevolle, leidenschaftslose Gleichgewicht als das Glück betrachten. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 161)
  • Die schönen Erinnerungen gewinnen meistens nichts dabei, wenn man sie strapaziert. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 92)
  • Wenn das Leben ganz und gar im Augenblick Platz findet, wenn es einem gelingt, alles andere zu vergessen, dann erreicht man vielleicht die intensivte Form der Freude. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 51)
  • Man kann anderer Leute Schmerzen nicht fühlen, das ist das Problem. Das ist immer das Problem, das Problem der ganzen Welt. Wenn wir nur lernen könnten, anderer Leute Schmerzen zu fühlen. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 190)
  • Hatten Sie noch nie das Gefühl, daß die Welt sich mittlerweile 'allzusehr' fürs Essen interessiert? Ich meine, es kommt ja ziemlich bald danach am anderen Ende raus. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 54)
  • Jorge ging Streit aus dem Weg, so wie er Menschen aus dem Weg ging. Statt dessen wartete er, bis die Dinge unabänderlich waren, und fügte sich dann. (John von Düffel: Houwelandt, S. 50)
  • Daß es, um glücklich zu sein, notwendig ist, die Dinge schöner zu sehen, als sie in Wirklichkeit sind, unddaß diese Fähigkeit mit den Jahren nicht nur verlorengeht, sondern sich allmählich in ihr Gegenteil wendet. (Arno Geiger: Es geht uns gut, S. 19)
  • Man ist immer nur klug und weise für andere. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 85)
  • Das geht nicht. Nein? Puccini schmunzelt. Sagt Giacosa auch immer. Es gehe nicht. Wegen dem und dem und dem und dem. Und geht dann doch. So vieles geht. Das meiste an einem vorüber. Ungenutzt. Man müßte mehrere Leben zur Probe führen, um dann das eine für gültig erachtete zu leben. (Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 156)
  • "Jedenfalls", sagte der Verwalter, "wenn nicht ab und zu mal was schiefgeht, woher sollte man dann wissen, wenn was gutgeht. Manchmal lernt man eben nur aus Rückschlägen. (Annie Proulx: Das grüne Akkordeon, S. 540)
  • Gewisse Dinge sind so selbstverständlich, daß sie ab und zu ausgesprochen werden müssen, sie wirken dann wie neuentdeckt. (Walter Vogt: Altern, S. 76)
  • Man kann nämlich nie und nimmer betrogen werden, wenn man allem auf Erden mißtraut, sogar seinem eigenen Mißtrauen. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Das müßte das tägliche Gebet jedes anständigen Menschen sein: Unbeirrtheit. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Nichts erschwert uns die Existenz so sehr, als daß wir häufig an Definitiva glauben... und daß wir die Zeit damit verlieren, uns eines Irrtums schämen, statt ihneinzugestehen und unser Leben einfach neu zu gestalten. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Auge um Auge führt nur zu noch mehr Blindheit. (Margret Atwood: Katzenauge, S. 473)
  • Die Visitenkarte meines Psychiaters sollte ich zukünftig zwischen die Kreditkarten klemmen. (In meinem Alter und meiner Lage braucht man, wenn man nicht konfessionell abgesichert ist, jederzeit die Möglichkeit therapeutischer Notversorgung.) (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 239)
  • Freude ist Übergang des Menschen von geringerer zu größerer Vollkommenheit. Trauer ist Übergang des Menschen von größerer zu geringerer Vollkommenheit. (Spinoza)
  • Das Leben ist so leicht ruiniert. (Teresa Mora: Alle Tage, S. 59)
  • "Wie sagte Churchill nochmals gesagt? 'Bla-bla ist besser als Bum-bum.'" (Ray French: Ab nach unten, S. 164)
  • "Es gibt zwei Personen, die unentbehrlich sind auf Erden", pflegte er zu sagen. "Die Hebamme und der Totengräber. Zwischen diesen beiden schlagen sich die Menschen irgendwie durch." (Joel Egloff: Leichenschmaus, S. 13)
  • Der Mensch hat so wenig Zeit, und das meiste von der Zeit, die er hat, verbringt er damit, sie schneller vergehen zu lassen. (Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme, S. 41)
  • Das Lästige daran, etwas zu tun, was man nicht tun wollte, war, daß einem all die Dinge bewußt wurden, die man anstelle dessen hätte tun sollen. (Edward St. Aubyn: Schlechte Neuigkeiten, S. 85)
  • Wenn man ihn nicht jeden Tag genießt, hat Luxus etwas ungemein Beruhigendes. (Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff, S. 234)
  • Er (...) kam nicht auf den einfachen Gedanken, daß es unzulässig war, das eigene Leben als verbindliche allgemeine Form des Lebens anzusehen. (Wilhelm Genazino: Falsche Jahre)
  • Ist es nicht kindisch und sentimental, das Leben als Tragödie zu sehen? Die Würde verlangt, sich dem Leben mutig zu stellen. Bejahe es, nimm es als Drama mit glücklichem Ausgang - dem Tod. Prüfe, ob du es nicht sinnlos vertust. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • Die Möglichkeiten, es sich angenehm zu machen, waren manchmal fast erschlagend vielgestaltig. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 71)
  • Ich war alt genug zu wissen, daß es Glück ist, einen zu treffen, den man so gern hat, daß er einen nie stört. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 8)
  • "Mensch, denk daran, du zwitscherst zwar wie ein Spottvogel und glaubst, du seiest wer weiß wer, aber schau nur zur Seite, dein Grab wird dir bereits gegraben!" (Maarten 'tHart: Der Flieger, S. 124)
  • Es lag nicht in meiner Natur, mir Sorgen zu machen. Ich hatte uneingeschränktes Vertrauen in die Zukunft, man hätte glauben können, das Schicksal habe mir hoch und heilig versprochen, mich immer gut zu behandeln.
  • Das ist es, was Musik bewirkt: Ein paar Akkorde tragen uns fort in eine übermenschliche Welt, in der alles greifbar nahe scheint, Liebe, Glück, Ruhm.
  • Wenn sich die Wahrnehmung vom Selbst abwendet, hat die Enttäuschung der persönlichen Wünsche zunächst weniger Chancen, das Bewußtsein zu stören. (Mihaly Csikszentmihaly: Flow. Das Geheimnis des Glücks, S. 269)
  • Jeder Dummkopf ist dumm genug, um sentimental zu werden, und nur der Weise zerreißt mit seinem Lachen den Schleier des Seins. (Isaak Babel: Die Reiterarmee, S. 39)
  • Je öfter man auf Reisen geht, desto intensiver schämt man sich seiner lächerlichen Probleme. Wer Hungernde und Leprakranke gesehen hat, sollte bescheiden werden. Die Erkenntnis, überflüssig zu sein, ist nicht tragisch - eher befreiend. (Michael Schulte: Bambus, Coca-Cola, Bambus, S. 18)
  • Wenn man Dinge tut, die man tun muß, dann sollte man sie lieber gleich mit Genuß machen, also bemühe ich mich, gerade ungeliebte Arbeiten ein größtmögliches Vergnügen abzugewinnen.. Ich überliste die Qualen. (Steffen Mensching: Jacobs Leiter, S. 108)
  • Nur die Toren, o Dorion, gründen ihre Glückseligkeit außerhalb ihres Machtbereichs. (Anatole France: Erzählungen, S. 120)
  • "Man muß sich darüber wohl endgültig klar werden." "Worüber?" "Daß es niemals mehr als fünf Menschen auf der Welt geben wird, mit denen zu reden sich lohnt." (Virginia Woolf: Die Fahrt hinaus, S. 184)
  • Wieder einmal erkannte er, daß sich ein Mensch erhabener, besser machen läßt, wenn man ihm das Gute zeigt, das in ihm steckt. (Daniil Granin: Das Gemälde, S. 302)
  • An Weihnachten ging ich meine sämtlichen Papiere und Bücher durch und zerriß alles, was mir unreif, belanglos oder nicht für die Nachwelt geeignet erschien, sollte ich unerwartet sterben. (Samuel Pepys: Die geheimen Tagebücher)
  • Obwohl zum Innehalten die Zeit nicht ist, wird einmal keine Zeit mehr sein, wenn man jetzt nicht innehält. Lebst du jetzt, wirklich? In diesem Augenblick, ganz und gar? (Christa Wolf: Nachdenken über Christa T., S. 117)
  • So eine Stunde beim Wein mit einem Freund, wenn man einen hat, und ein gutmütiges Plaudern über dies merkwürdige Leben, das ist eigentlich das Beste, was man haben kann. (Hermann Hesse: Gertrud, S. 145)
  • Wir müssen es uns abgewöhnen, die sinnlosen Fragen zu stellen, die man uns statt der wirklichen Fragen suggerieren will. Wir müssen lernen, mit eigenen Worten zu sprechen: mit eigenen Worten zu leben. (Lars Gustafsson: Herr Gustafsson persönlich, S. 129)
  • Bestand nicht das halbe Leben aus Träumereien, und machten sie es nicht so süß? Weil nicht alles sich erfüllte, wovon man träumte, war es einem so teuer. (Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary)
  • Manchmal scheint mir, ich bin durchs Leben gefallen, weil mir niemand richtig gesagt oder gezeigt hat, wie es geht. (Arnold Stadler: Sehnsucht. Versuch über das erste Mal, S. 175)
  • Du hast die große freie Auswahl, sagte er sich, hundert Möglichkeiten stecken in dir, und neunundneunzig darfst du verschenken. (Friedrich Christian Delius: Adenauerplatz, S. 279)
  • "Seine Illusionen behutsam zu verlieren, ohne der Verzweiflung anheimzufallen, das ist die Hauptaufgabe im Leben". (Henri-Frederic Blanc: Im Reich des Schlafes, S. 93)
  • Gott erschuf die Welt in einem Lachanfall. Wer mit zerfurchter Stirn und aufgestütztem Kinn die Wahrheit finden will, ist genauso lächerlich wie ein Affe, der seine Flöhe mit dem Fernrohr sucht. (Henri-Frederic Blanc: Im Reich des Schlafes, S. 97)
  • Hübsches Betragen macht uns hübsch, nicht nur innerlich, sondern auch außen. Freundliches Verfahren prägt sich in die Züge unseres Gesichts als etwas ein, was als nettes Aussehen empfunden wird. (Robert Walser: Der Räuber, S. 32)
  • Eine Liste von Dingen, die "völlig unwichtig" sind, könnte von Nutzen sein. Sie würde mein tägliches Sorgenpensum beträchtlich verringern. (Alberto Manguel: Tagebuch eines Lesers, S. 132)
  • Es durfte ihm in Zukunft nicht mehr passieren, daß ihm einfach alles so passierte. (Wilhelm Genazino: Die Vernichtung der Sorgen)
  • "Sie werden das Gute in den Menschen niemals erreichen, solange Sie nicht durch das Böse hindurch sind." (Gilbert K. Chesterton: Die Donnigton-Affäre)
  • Ich trete dem täglichen Leben mit der Sanftheit und Brutalität einer Meereswelle entgegen, die sich am Felsen schlägt und immer wieder in ihr weites Gehäuse, das Meer, zurückzieht. (Josef Winkler: Menschenkind, S. 28)
  • Nur unbegabte Menschen brächten alles zu Ende. Manche Kapitulation zeige doch nur die Größe des Widerstandes an. Es gebe Fälle, da ein Plan scheitern müsse, der gleichwohl seine Berechtigung habe. (Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends, S. 141)
  • Die Freuden, die sie suchte, tendierten nicht zum Paroxysmus, der die Sinne überwältigt, sondern zu einer erhöhten Bewußtsein, die zwischen Intensivierung und Mäßigung vermittelt. (Roger Shattuck: Tabu. Eine Kulturgeschichte des verbotenen Wissens, S. 170)

Deutsches

  • ... ist bekannt, dass in Deutschland um 22 Uhr noch 800.000 Kinder im Kindergartenalter vor dem Fernseher sitzen, um 23 Uhr sind es noch 200.000, und selbst um Mitternacht schauen noch 50.000 Kinder unter sechs Jahren fern. (Manfred Spitzer: Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen)
  • In Frankreich herrscht Handlungsfreiheit: Man kann machen, was man will, und niemand kümmert sich darum, aber man muss denken wie alle anderen. In Deutschland muss man machen, was jeder andere macht, aber man kann denken, was einem beliebt. (William S. Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • Auch die Mädchen änderten damals ihre Frisur. Flach strichen sie die Haare zurück und steckten die Zöpfe nach oben. Und selbst wenn sie Locken hatten, fetteten sie diese so lange ein, bis sie glatt auf dem Kopfe lagen. Eines sah aus wie das andere. Diese patriotische Uniformierung wirkte bei den Mädchen noch eindringlicher als bei uns. Man nannte jene Haartracht: Deutsche Frisur. (Ernst Glaeser: Jahrgang 1902)
  • Sie hat früher ein paar Jahre für den KGB in der DDR gearbeitet, Russisch unterrichtet und dabei sehr gut Deutsch gelernt. Sie findet das überhaupt nicht peinlich, daß sie für den KGB gearbeitet hat. Vor ein paar Wochen hat sie einmal zu mir gesagt: Das mit dem KGB, das war bei uns so ähnlich wie bei euch mit dem ADAC - jeder ist irgendwie dabei, und es ist ja eigentlich auch ganz praktisch. (Günter Ohnemus: Reise in die Angst, S. 19)
  • In Deutschland hält sich einer immer dann für einen Idealisten, wenn er den Schmerz noch fühlt, mit dem ihm das Kreuz gebrochen wird. (Christa Wolf an Franz Fühmann, 13.10.1975)
  • Ueber Deutschland habe ich nichts zu sagen. Da ich nicht so scharfe Augen habe wie Sie, und Sie Deutschland länger und besser kennen, ferner, da es mir widerstrebt in einem Totenacker nach jenen Lebewesen zu scharren, die immer noch zu leben pflegen, schweige ich lieber. (Friedrich Dürrenmatt an Max Frisch, 8.5.1949)
  • "Wir sind das langweilig-verrückteste Volk auf Erden, und wir haben alle Aussicht, es noch längere Zeit zu bleiben. Was hilft's dem einzelnen, zu wissen, wie klug andere Leute schon vor hundert Jahren gewesen sind?" (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • "In meinem Leben hat es soviel Glück gegeben", sagte er selbstkritisch und sah Rosamund an, "daß mein Mut, wenn es um Unglück geht, wenig gestählt ist. Und doch! Ich bin Deutscher. Meine ganze Nation besteht aus Philosophen." (John von Düffel: Houwelandt, S. 350)
  • Wo die Armut am größten ist, ist auch die Wende unvollständig. (Roger Willemsen: Deutschlandreise, S. 53)
  • Er verachtete die Deutschen - nicht daß er jemals ihren Mut auf dem Schlachtfeld angezweifelt hätte, "aber", sagte er, "wenn die Dinge schlecht stehen, verkommt ihre Moral. (Julien Green: Erinnerungen an glückliche Tage, S. 154)

Politik/Gesellschaft

  • In jeder gesellschaftlichen Subgruppe, egal ob man diese nach Schicht, Geschlecht, Ausbildung oder Beruf differenziert, bleiben die Anteile der Intelligenten (20%), der Durchschnittlichen (40%) und der Doofen (40%) konstant. (Harald Welzer: Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand)
  • Noch nicht einmal gegen so etwas wie "Vater Staat" kann man verlässlich demonstrieren wie noch 1968, da sich heute schlimmstenfalls die betroffenen Politiker nach Lektüre einiger Umfrageergebnisse der Demonstration gegen sich selbst anschließen werden. (Manfred Lütz: BLUFF! Die Fälschung der Welt)
  • Selbst in der geordnetsten Gesellschaft das ununterbrochene Hineintappen in den Schmutz. (Thomas Bernhard: In der Höhe)
  • Mu sagt, die Neunziger waren kriminell, was Architektur und Musik angeht, man sollte die alle nachträglich einsperren, außer Nirvana. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
  • Noch 18% der deutschen Frauen sind finanziell von ihrem Mann abhängig; 45% verdienen durch Arbeit Geld, 29% leben von einer Rente oder Pension. (Quelle: Die ZEIT 12/14)
  • Die Hoffnung der Müden, der Zahnradteilchen des Kapitalismus... (Sibylle Berg: Wie halte ich das nur alles aus?)
  • Man verzieh ihm, dass er in keinem einzigen örtlichen Verein war - normalerweise war das der soziale Todesstoß. (Jörg Maurer: Unterholz)
  • ... ist ihm wie den meisten Russen von der Höhe ihrer zwanzig Millionen Kriegstoten herab die Shoah piepegal. (Emmanuel Carrere: Limonow)
  • Die Laufenden kamen zum sechsten Male vorbei. Sie stolperten bereits; aber sie hatten begriffen, daß man sie nicht rennen ließ, um herauszufinden, ob sie zu schwerer Arbeit untauglich seien. Sie liefen um ihr Leben. Ihre Gesichter trieften von Schweiß, und in ihren Augen war die verzweifelte, wissende Todesangst, die kein Tier haben kann; nur der Mensch. (Erich Maria Remarque: Der Funke Leben)
  • ... bin ich nicht talentlos genug, um mich mit Politik zu beschäftigen. (Anatol France: Die rote Lilie)
  • Überall das gleiche: nie würde eine Zeit kommen, in der alle Menschen Zugang zu den hochwertigen Waren erhielten, und deshalb versah man Massenprodukte mit dem Etikett der Qualitätswaren. (Lars Gustafsson: Geheimnisse zwischen Liebenden)
  • In unserem verrotteten Gesellschaftssystem ist Geld nun einmal der Angelpunkt, um den sich alles dreht. (Wilkie Collins: Lucilla)
  • "Regieren wollt ihr nicht?" "Regieren? Du meinst, die Ohnmacht verwalten." (Jörg Fauser: Das Schlangenmaul)
  • Nach einer groben Schätzung meines Großvaters bemüht man sich, nicht einmal mehr fünfzig Prozent dessen auszubilden, wozu wir eigentlich fähig wären. "Demnächst", versicherte er, "wird man in den Schulen an Bildung gerade noch so viel vermitteln, daß die Schüler in der Lage sind, einen Kaufvertrag zu unterschreiben." (Eva-Maria Altemöller: Seelenruhe)
  • In Sachen Ruchlosigkeit war die Viererbande nicht zu übertreffen. Maos Frau und ihre Getreuen waren die größten Meister unentschuldbarer Schandtaten. Im Pantheon des Abschaums hatten sie Anspruch auf die Ewigkeit, und niemand würde sie ihnen streitig machen. (Amelie Nothomb: Biographie des Hungers, S. 67)
  • Aber wir wollen bedenken, daß ein Erfolg niemals ohne Opfer zu erzielen ist und, wenn wir das Skelett der Geschichte von allen Lügen reinigen wollen, die ihm von der Zeit und von vorgefaßten Meinungen angelastet worden sind, letzten Endes immer nur ein größeres oder kleineres Quantum von Erschlagenen übrigbleibt. (Michail Syltykow-Schtschedrin: Geschichte einer Stadt, S. 186)
  • Um uns aber gewahren wir eine untaugliche Obrigkeit, streng zwar bei der Eintreibung von Abgaben, doch bei der Gewährung von Hilfe wenig eilfertig. (Michail Syltykow-Schtschedrin: Geschichte einer Stadt, S. 116)
  • Unsere Beschäftigung mit der Geschichte, so habe Hilarys These gelautet, sei eine Beschäftigung mit immer schon vorgefertigten, in das Innere unserer Köpfe gravierten Bildern, auf die wir andauernd starrten, während die Wahrheit irgendwoanders, in einem von keinem Menschen noch entdeckten Abseits liegt. (W. G. Sebald: Austerlitz, S. 105)
  • "Und was Myface [ = Facebook] angeht, müssen Sie wissen, daß für einen Menschen, der in der Sowjetunion groß", plötzlich lachte er schallend, "und reich geworden ist, der Begriff soziales Netzwerk einen ganz eigentümlichen Klang hat. So als sei auf Lenin Trotzki gefolgt und nicht Stalin." (Florian Felix Weyh: Toggle)
  • Ich glaube, wer damals dachte, der Faschismus sei zwar etwas zu Verurteilendes, sei aber von solch überwältigender Kraft, daß er die Welt in den nächsten Jahrzehnten beherrschen werde, dem kann man nicht plump Dummheit vorwerfen. Wenig hätte gefehlt, und der Lauf der Geschichte hätte demjenigen Recht gegebene. Zu glauben, das Gute habe aus sich selbst heraus siegen müssen, ist Idiotie. (Helmut Krausser: Eros, S. 22)
  • ... Großtante Marigold, die gar nichts weiter tat, sich aber aufs Nichtstun weniger gut verstand als die Leute im Parlament. (Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung)
  • Journalismus bedeutete neuerdings: Polizei anschwärzen. Die Intellektuellen standen daneben, vom Objektivismus verseucht, und wußten nicht einmal mehr, an welchem Ohr sie sich kratzen sollten. (Heinrich Steinfest: Tortengräber, S. 60)
  • Ob wir die Demokratie nicht auch deshalb als eine menschenfreundliche Staatsform empfinden, weil sie die Gelegenheit zu massenhafter Schadenfreude institutionalisiert? Alle vier Jahre können wir die Inhaber der Macht aus ihren Ämtern jagen, zwischendurch dürfen wir laut auf sie schimpfen, und die Karikaturisten zeigen sie in Unterhosen. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung)
  • Soeben höre ich im Radio, daß eine Gruppe fortschrittlicher englischer Frauen, die dabei ist, Grimms Märchen nach den Gesichtspunkten der Gleichberechtigung umzuschreiben, von Schneewittchen erwartet, daß es sich mit den Zwergen zu gesellschaftlich produktiver Arbeit ins Bergwerk begibt. (Christa Wolf, in: Reimann/Wolf: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen. 1964-1973)
  • In ihren vollständigsten Augenblicken haben die Zivilisationen im Menschen immer seinen spielerischen Instinkt herausgebracht und seinen Erfindungsgeist angespornt. (C. G. Jung)
  • Der Jude ist ein Problem. Wie wunderbar des für alle ohne uns wäre. (Philip Roth: Gegenleben)
  • Politik ist eben nicht einfach das Gerangel der politischen Parteien, sondern die tief besorgte Betrachtung des Schicksals der Polis, der Stadt, des Staates, der Gesellschaft, der Völker unserer Erde. (F.C. Delius: Mein Jahr als Mörder)
  • ... ging mir auf, warum mir die Nachkriegszeit damals gefiel: Die Gesichter der Menschen waren voller eingestandenem Entsetzen. Es gab weit und breit niemanden, der von ihnen verlangte, daß sie fröhlich, erfolgreich, lustig, optimistisch oder sonstwie sein sollten. (Wilhelm Genazino: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman, S. 88)
  • Verachtung gegen die Trottel, die Tölpel, die Pallawatsche, alle jene, die den Staat verwalteten und die er "Knödelhirne" zu nennen liebte... (Joseph Roth: Die Kapuzinergruft, S. 28)
  • Das Innere war das Wesentliche, und die Aufgabe des echten Anarchisten hieß: Sein Äußeres nach dem Gesetz des innersten Dranges zu formen, in größter Freiheit, uneingeschränkt und möglichst unberührt von der 'Kultur'. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene, S. 112)
  • Ein Brief aus Wien. Der Schreiber beobachtet die "Liberalisierung" in Ungarn aus nächster Nähe und hat seine Zweifel, denn "das ist, als träte der Papst eines Tages vor versammelter Menge auf den Balkon des Vatikans und erklärte, mit der Erlösung habe es nicht geklappt, alles müsse von vorn begonnen und anders gemacht werden". (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989)
  • ... zu allen Zeiten, stimmen die Symptome der Korruption überein, aber heute erfahren wir schneller etwas über sie, und mehr. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 39)
  • Indira Gandhi, die Ministerpräsidenin Indiens, wurde von zwei Leibwächtern erschossen. Indien ist ein religiöses Land. Die Kühle sind heilig, nur auf Ministerpräsidenten darf man schießen. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 48)
  • Was einer für möglich oder unmöglich hält, ortet ihn nicht nur gesellschaftlich, es ordnet ihn auch seinem Zeitalter zu. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Jedes Zeitalter öffnet eben einen Spezial-Rachen ad hoc, um seine Zeitgenossen zu verschlingen. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Sorglosigkeit hatte er empfunden. Warnungen hat er in den Wind geschlagen. Bis die Gestapo ihn für eine Woche einsperrte. Da begriff er und brachte seine Gefühle auf den Stand der Dinge. (Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, S. 76)
  • Das Lebensgefühl aus den braunen Jahren, daß wir alle Tote auf Urlaub sind, hat sich tief eingefressen.(Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud)
  • Jede unserer modernen Gesellschaften, die auf Kolonisierung, Unterdrückung und Ausbeutung begründet seien, müsse, um sich ihr lebenswichtiges Selbstbewußtsein zu erhalten, bestimmte Teile ihrer Gegenwart schön lügen. (Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, S. 108)
  • Ich brauche keine Sympathie, Herr Kommissar. Ich brauche Gerechtigkeit. Aber Die ist so unsichtbar wie Der Heilige Geist: nirgends niemals nicht gesehn. Denn Gerechtigkeit ist Was für die-Andere-Welt. In dieser Welt haben wir: Rächzpflege. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Die Ökonomie-der-Herrschaft - das läßt sich von Europa=heute lernen - muß der-Masse Den-Schmerz zufügen & Das-Opfer abverlangen : durch Moneypulationen in der Verteilung die künstlich herbeigeführte & stabil=gehaltene Verknappung an Mitteln & staatlichen Leistungen. Wer in den-Massen Beides überstehen kann, der glaubt hinfort an seinen=Triumf als Der-sportive-Selbst=Überwinder. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • die einzig=wirkliche Auferstehung heißt Bürokratie.... Und mit ihr aufersteht die-Bosheit, die unermüdbare kaltätzende Wut, die in der bügelfaltigen Verklei-Dung von Rechtgesetz (...) hereinbricht. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Sobalds bei Armenschweinen ans Krepieren geht, rücken die Reichen-Schweine mit Ethos-Athos-Porthos-Aramis auf: Frage !nicht, was kann der=Staat für !dich tun; frage dich, ?was kannst du für !den=Staat tun. (Gesprochen einst vom Präsidenten Eineslandes, das noch vor 150 Jahren die=Sklaverei betrieb. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 88)
  • Mit ihren 58 Jahren auf dem-Arbeitsmarkt ohne-hin längst zu den-Toten gezählt. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 12)
  • Der Unterschied zwischen Sozialismus und real existierendem Sozialismus sei derselbe wie zwischen Firmengründung und Bankrott. (Jurek Becker: Amanda herzlos, S. 25)
  • ... erlebe gegenwärtig, wie Korruption zunimmt, während Grundrechte schwinden, indem Freiheit zur Worthülse wird, sobald Reiche unverschämt reicher, Arme klaglos ärmer werden... (Günter Grass: Grimms Wörter, S. 260)
  • Mein Zeitalter hob an, als sich die Weimarer Republik gerade ein wenig von ihren chronischen Schwächeanfällen erholt hatte, dann aber um so schneller verfiel, worauf das Dritte Reich nur zwölf Jahre dauerte, doch Zeit genug ließ, jedweden und so auch mich mit einem Völkermord zu belasten, der, auf den Ortsnamen Auschwitz gebracht, für alle Zeit wie ein Kainsmal haftet. (Günter Grass: Grimms Wörter)
  • ... wie blind umherstochernd schon Politik an sich sei, noch mehr aber die Berater, die meinten, etwas Sinnvolles beitragen zu können. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Man weiß nicht mehr, in welche "kleine Lebenswelt" man sich vor den teils feindseligen, teils unbekümmerten, teils wegdriftenden "Parallelgesellschaften" zurückziehen soll. (Heinz Bude: Die Ausgeschlossenen)
  • Neue Begriffe finden, die hohe Kunst der Politik. (Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten)
  • Diebstähle durch Angestellte veranlaßten 1713 das Parlament, ein drakonisches Gesetz zu erlassen, das den Wohnungsdiebstahl von Dingen, die mehr als 40 Shilling wert waren, zum Kapitalverbrechen erklärte, auf das ohne Ausnahme die Todesstrafe stand. (A. Roger Ekirch: In der Stunde der Nacht. Eine Geschichte der Dunkelheit, S. 253)
  • Droht nicht eigentlich die ganze Freizeit zur Arbeit zu verkommen? Und gleicht umgekehrt die Arbeit nicht mehr und mehr der Freizeit? Geh mit deinem Chef joggen: läufst du langsamer als er, macht er sich über dich Gedanken. Läufst du schneller, über sich. (Urs Widmer: Auf, auf, ihr Hirten. Die Kuh haut ab, S. 24)
  • Mit den richtigen Linien in der Kunst sind auch die richtigen Formen in der Gesellschaft verloren gegangen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 226)
  • Es ist sehr selten, in nationalen Fragen einem so freien Drüberstehn zu begegnen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 219)
  • Unsre ganze Gesellschaft (und nun gar erst das, was sich im besonderen so nennt) ist aufgebaut auf dem Ich. Das ist ihr Fluch, und daran muß sie zugrunde gehen. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 148)
  • Das moderne Leben räumt erbarmungslos mit all dem Überkommen auf. Ob es glückt, ein Nilreich aufzurichten, ob Japan ein England im Stillen Ozean wird, ob China mit seinen vierhundert Millionen aus dem Schlaf erwacht und, seine Hand erhebend, uns und der Welt zuruft: 'Hier bin ich'. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 133)
  • Große Zeit ist es immer nur, wenn's beinah schiefgeht, wenn man jeden Augenblick fürchten muß. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 41)
  • In Deutschland wuchs ich auf, von der festen Überzeugung gewiegt, ein kleiner strammer Deutscher zu sein. Dieser begreifliche Irrtum wurde leider viel zu spät aufgeklärt, und zwar durch Hitlers 'Braune Millionen'. (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 19)
  • "Meine Tochter sagt immer, Demokratie, das ist, wenn die Politiker gute Geschäfte machen und die Geschäftsleute schlechte Politik. (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 9)
  • Es ist sehr gefährlich, in das Leben anderer Leute einzugreifen, und ich habe mich immer über das Selbstvertrauen gewundert, mit dem Politiker, Reformer und sonstige Wohltäter ihre Mitmenschen zwingen, liebgewordene Gewohnheiten und Lebenshaltungen aufzugeben. (W. Somerset Maugham: Vor der Party. Erzählungen, S. 7)
  • Straßen ergeht es mit ihren Namen ähnlich wie den Frauen, sie sind geborene, verheiratete, geschiedene, wieder geborene, je nachdem, welchen Männern oder Regierungen sie gerade angehörten. (Monika Maron: Die Überläuferin, S. 10)
  • ... so wie es unausweichlich ist, daß der Bürger beim Abspielen der Nationalhymne Haltung annimmt, obwohl es mit Sicherheit weder ihm noch seinem Vaterland Spaß macht. (Milan Kundera: Das Buch vom Lachen und Vergessen, S. 263)
  • ... wird Geld nur dann lockergemacht, wenn wirklich alle unnützen Hallenbäder, Sprintbahnen und Eisschnellaufstadien gebaut sind. (Herbert Rosendorfer: Die Erfindung des SommerWinters, S. 226)
  • ... erst vor kurzem hatte er, über ein Jahr nach dem Einsatz in Rußland, den schlichtesten Orden, die Ostmedaille, für sein krankes Bein bekommen, ein Orden, der so unbedeutend war, daß er irgendwann nach dem Krieg ausgehändigt werden sollte, weil das Metall anderswo gebraucht wurde, jetzt hatte er nur einen Formbrief zur Verleihung und das Band gegeben. (Friedrich Christian Delius: Bildnis der Mutter als junge Frau, S. 82)
  • ... Angehörige des Künstlerstandes, jener Gruppe also, die für die deutsche Kultur arbeitet, zu welcher unsre professionellen Politiker ein offenes Un-Verhältnis haben und sie für etwas eigentlich Überflüssiges halten, dem man füglich die Gelder mehr und mehr beschneiden kann und soll. (Luise Rinser: Im Dunkeln singen. Tagebuch 1982-1985)
  • Ich habe die Politik wieder einmal satt. Was ist denn Politik, sage ich mir mit Bitterkeit, was denn andres als die Kunst, jeweils rascher, besser und ausdauernder zu lügen als der Gegner. (Alois Brandstetter: Altenehrung, S. 109)
  • "Und wohin reisen Sie?" fragte Anna. "Nach Paris. ich will im Pasteurchen Institut arbeiten. Ich kehre wieder zu meiner alten Liebe zurück, zur Bakteriologie. Es ist eine reinlichere Beschäftigung als die Politik." (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Ein parlamentarisches Leben ohne Komödienspiel ist ja überhaupt nicht möglich. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Wer wie ich unregelmäßig zur Wahl ging, galt für sie als potentieller Mäzen der Nazis. (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 92)
  • Im atomaren Zeitalter hat der Begriff der Ewigkeit seine Autorität eingebüßt. Die bürgerliche Gesellschaft besitzt kein Erlösungspotential, erstrebt keinen Zustand. Seit dem Untergang des Kommunismus, den zu Fall zu bringen zumindest ein Ziel war, verwaltet sie nur noch ihre Deformation. Gerontologie. (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 77)
  • Die Entwicklung dieses Wirtschaftssystems wurde nicht mehr durch die Frage: 'Was ist gut für den Menschen?' bestimmt, sondern durch die Frage: 'Was ist gut für das Wachstum des Systems?' Die Schärfe dieses Konflikts versuchte man durch die These zu verschleiern, daß alles, was dem Wachstum des Systems (oder auch nur eines einzigen Konzerns) diene, auch das Wohl der Menschen fördere. (Erich Fromm: Haben oder Sein, S. 18)
  • Da gelingt es der Menschheit, auf den Mond zu fliegen, Marssonden auszusenden und künstliche Biosphären zu schaffen, der natürlichen Evolution mit dem Klonen von Schafen nachzuhelfen, die Reifungs- und Zerfallszeiten von Lebensmitteln beinahe beliebig zu verändern, altersschwache Organe bei Bedarf auszuwechseln und möglicherweise gar den Schlüssel zu ewigem Leben zu entdecken - sozial verträgliche Wirtschafsstrukturen zu schaffen scheint jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 172)
  • Selbst in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zeichnen sich Grenzen der Verarbeitbarkeit von Innovationen ab. So bereitet eine Ausbildung immer weniger auf einen Beruf vor, Prognosen über spätere Arbeitsmarktchancen übersteignen kaum die Trefferquote von Horoskopen, die Aussagen von Politiker über den zukünftigen Kurs der Gesellschaft verkommen zu Orakelsprüchen und in der Wirtschaft überholen die Innovationen die Dauer der Marktpräsenz. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 141)
  • Viele wirtschaftspolitische Publikationen beziehen ihre Anregungen aus der Militärwissenschaft und liefern so den schlagenden Beweis dafür, daß die moderne Wirtschaft bloß die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist. (Michael Baeriswyl: Chillout. Wege in eine neue Zeitkultur, S. 73)
  • Er hat sich das Buch von Fred Halliday gekauft und auf den ersten Seiten etwas gelesen, das ihm wie ein Urteilsspruch, wie ein Fluch vorkommt: Die Angriffe auf New York läuten eine globale Krise ein, die, mit etwas Glück, in hundert Jahren bewältigt sein wird. (Ian McEwan: Saturday, S. 50)
  • Dieser Antrag ward zum wildumstrittenen Politikum und zur Gesinnungsprobe. Seinen Inhalt (das Los aller Politik) vergaß man über dem Kampf. (Franz Werfel: Die tanzenden Derwische. Erzählungen, S. 25)
  • War nicht jeder ein Sklave, der seiner Arbeit korrekt nachkam, obwohl er sie nicht ausstehen konnte? (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • "Es ist schon sehr merkwürdig", rief er aus, "daß alle, die diese Welt regulieren, immer mit Feder, Papier und Tinte daherkommen! Immer halten sie die Feder gezückt! Diese Herren sind ganz besessen avon, die Feder zu gebrauchen. (Alessandro anzoni: Die Brautleute, S. 316)
  • Längst gehört das Beschwören der sauberen Umwelt, wie auch des Weltfriedens, zum Standard-Repertoire verlogener Wahlreden aller Parteien. (Joseph von Westphalen: 33 weiße Baumwollunterhosen)
  • "Hast du 'Major Barbara' gelesen? Shaw beweist darin, daß man Menschen finanziell retten muß, ehe man ihre Seelen retten kann. Eins haben sie vergessen. Sie haben uns den Wohlfahrtsstaat gebracht, aber sie haben Barbara selbst vergessen. Überfluß, Überfluß und keine Seele weit und breit." (John Fowles: Der Sammler, S. 237)


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