Bücherlei Miszellen (12) [<<] [>>]
Ein Lese- und Lebens-Notizbuch
Dienstag, 8. April 2014
[19:20]
Irgendwo gelesen, daß Klassiker das Gemüse der Literatur wären. Sehr gesund, aber das Gros ißt lieber Fast Food.
[19:12]
Immer wenn es mir nicht gut geht, esse ich eine rohe Zwiebel. Die 7 kg pro Woche kaufe ich montags.
[18:47]
Kellerbier ist irgendwie so unpraktisch, wenn man im 4. Stock wohnt.
[18:22]
John Williams Roman "Stoner" ist ein kleines Wunder, denn eigentlich geschieht
in ihm nichts. Ein Bauernjunge darf studieren, wird Hochschuldozent, heiratet -
worin der Fehler bereits enthalten ist, quält sich durchs Arbeitsleben,
die Tochter verkorkst und 'ne Säuferin und stirbt kurz nach der Emeritierung
an Krebs. Aber der Autor schildert die Geschichte so unaufgeregt und trotzdem
zwingend, daß der Leser nicht spürt, wie er gefesselt wird, tief hineingezogen
in ein normales, ergo unglückliches Leben, dem doch Glück nicht fremd ist.
Man weiß nicht, wen der drei Familienmitglieder man mehr bedauern soll.
Der absolut bestechende Zauber dieses Buch erwächst aus der Kunst,
aus diesem Nichts Literatur zu machen, ein Buch, das man nicht aus der
Hand zu legen wagt. Viele Passagen sind sehr stark: wie er anfangs mit den
Eltern umgeht, wie er mit Anfang 40 eine späte Liebe erfährt und wie er am
Schluß stirbt. Ja, besonders dieses Sterben habe ich so lange nicht mehr
gelesen. Der Übersetzer hat übrigens einen Orden verdient. Der Autor hat
es leider nicht mehr miterlebt, wie sein Roman 1996 wiederentdeckt worden
ist.
[18:02]
Neue Fundstücke aus der Lektüre von Büchern während der letzten 2 Jahre
(in umgekehrt chronologischer Reihenfolge):
Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren //
Geld verdienen //
Hans Pleschinski: Bloße Turnübungen //
Uwe Timm: Der Überallleser //
Der Zeitplan eines Beamten //
Partnersuche.
[18:01]
Buch beendet: Stoner von John Williams. dtv, 352 Seiten.
[11:56]
John Williams' Stoner, ein deprimierendes Buch. Verströmt heftig eine Mont-Cinere-Atmosphäre. Nicht an grauen Novembertagen zu lesen.
[10:52]
Retweet: Viele Menschen wünschen sich die Unsterblichkeit, wissen aber nicht, was sie an einem verregneten Samstag machen sollen.
[10:51]
Ach, das ist gar kein Wachkoma? Das ist mein Leben?
[9:32]
BÖsterreich S01E01 liegt für heute Abend bereit. Habe mit Getting on kürzlich erst eine skurrile Comedyserie kennengelernt, die den Alltag auf einer geriatrischen Pflegestation darstellt.
[9:00]
Dieser Artikel über lineares (Buch) und nichtlineares Lesen (Internet) war heute Anlaß für eine neue bibliomane Plauderei.
[7:55]
Im Heiligtum des Lesens, wie es Proust nannte, können wir bestimmte Gefühle erst riskieren. Wir können uns in einen Tyrannen hineinversetzen, in einen Mörder, wir können Anna Karenina oder Madame Bovary werden. Das Lesen ermöglicht uns diese Identifikation, und wir entdecken Dinge, die wir nie erfahren würden. Es ist ein Repertoire der Menschenkenntnis, ein Königreich der Vorstellungskraft. (Maryanne Wolf)
[7:51]
Am Blogbeitrag Darf man Bücher wegschmeißen entzündet sich eine Diskussion.
[6:35]
Retweet: Die einzigen Mittel gegen eingefleischte Zyniker, sind Lebensfreude, ein gutes Herz, Humor, ein kleines Beil, Müllsäcke und eine Schaufel.
Montag, 7. April 2014
[19:22]
Retweet: "Und warum haben sie ihren alten Job gekündigt?" - "Naja. Meine Firma ist umgezogen und hat mir nicht gesagt, wohin."
[19:21]
Wie jeder vernünftige und empfindsame Mensch verabscheue ich Arbeit. (Aldous Huxley)
[19:15]
Retweet: Basilikum ist kein Streichinstrument und auch keine osteuropäische Kirche.
[18:30]
"Längeres Leben heißt ja vor allem, mit Krankheit länger zu leben." Ich höre jetzt den heute sehr zeitig verlinkten Beitrag über Palliativmedizin in Deutschland.
[18:18]
Retweet: Vielleicht braucht man doch ab und zu jemanden, der sagt: "Setz dich hin. Ich mach den Rest."
[18:17]
Retweet: "Was machst Du eigentlich nachts immer im Internet?" - "Gucken was andere so machen." - "Und? Was machen die?" - "Gucken was andere so machen!"
[18:16]
Ein Film
über Christoph Hein, der morgen seinen 70. Geburtstag begeht.
[5:46]
Unglaublich! Ein im Jahr 2000 eingerichtetes
Forum,
das quasi als Gästebuch für meine Webseite fungieren sollte, fand ich
noch online. Hätte nicht gedacht, daß es noch besteht.
[4:16]
Wissenschaft im Brennpunkt widmete sich gestern in Leben vor dem Tod dem Thema Palliativmedzin.
Sonntag, 6. April 2014
[17:52]
Probehalber gebe ich mein uraltes Antville-Weblog
Lesefieber
wieder frei, was einen bestimmten Zweck hat.
Diejenigen Fundstücke, die mehr als twittertaugliche
140 Zeichen haben, aber weniger als die für die
FAB - also genau das, was ich unter "Textstreusel"
und "Themenstreusel" einordne, würde und will ich
gerne twittern, wofür ich eine URL brauche, die mir
solche ein Weblog verschafft. That's it.
[17:33]
"Wiederum sah ich alles Unrecht an, das unter der Sonne geschieht, und siehe, da waren Tränen derer, die Unrecht litten und keinen Tröster hatten. Und die ihnen Gewalt antaten, waren zu mächtig, sodass sie keinen Tröster hatten. Da pries ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben haben." (4. Buch der Prediger)
[17:30]
Was bedeutet "ein Beichte aufzeichnen" beim Drehen von Serien?
[17:22]
Per Leo:
Bücher systematisch ordnen //
Pädagogisches Gefälle //
Die DDR und der Rauch //
Entmoosungsfragen //
Produktive Langeweile //
Abnabelung //
Waldorf //
Kulturprotestantismus (2) //
Kulturprotestantismus (1) //
Der Reiz des Briefeschreibens //
Die Tätigkeit des Schreibens //
Fasziniert von Schaltplänen //
Der Mann als Renter //
Edelnazimasche //
Mittagsruhe.
[15:02]
"Ein Krieg tötet nicht bloß einige Tausend oder Hunderttausend junger Männer. Er tötet etwas in einem Volk, das nie mehr wiederbelebt werden kann. Und wenn ein Volk genügend Kriege mitmacht, bleibt schließlich nur noch das Biest übrig, jene Kreatur, die wir - Sie und ich und andere wie wir - aus dem Schlamm heraufbeschworen haben." (John Williams: Stoner)
[13:09]
Manchmal, wenn er in die Bücher vertieft war, überkam ihn eine Ahnung dessen, was er alles nicht wusste, was er noch nicht gelesen hatte, und die Ruhe, auf die er hinarbeitete, wurde von der Erkenntnis erschüttert, wie wenig Zeit ihm doch im Leben blieb, um so viel lesen, um all das lernen zu können, was er wissen musste. (John Williams: Stoner)
[13:00]
Zwei Wochen, nachdem Stoner das Studium abgeschlossen hatte, wurde in Sarajewo Erzherzog Franz Ferdinand von einem serbischen Nationalisten erschossen, und noch vor dem Herbst herrschte überall in Europa Krieg. Für die älteren Studenten war dies ein Thema von drängendem Interesse, da sie sich fragten, welche Rolle Amerika in diesem Krieg zufalle, sodass sie der eigenen Zukunft mit wohliger Verunsicherung entgegensahen. (John Williams: Stoner)
[12:21]
... versuchte, die großen Hände so zu falten, dass sie unsichtbar wurden. (John Williams: Stoner)
[12:02]
Retweet: Wenn man Kinder hat, ist der einzige Ort, an dem es möglich ist für zehn Minuten ungestört ein Buch zu lesen, das Gemüsefach im Kühlschrank.
[11:54]
4 Arten literarischer Bücher - Eine andere Weise der Einteilung: 1. gute, aus denen man kaum zitieren kann. 2. schlechte, aus denen man nichts zitieren kann oder mag. 3. gute, die ein wahres Füllhorn an Zitaten abwerfen. 4. schlechte, die zwar nicht zum weltliterarischen Schatz gehören und trotzdem Lichtmomente haben und Zitierbares ausspucken.
[11:33]
Buch beendet: Flut und Boden von Per Leo. Klett-Cotta, 350 Seiten;
Buch begonnen: Stoner von John Williams. dtv, 352 Seiten.
[11:08]
Er teilt eben das Schicksal aller Spezialisten, in einer Welt von Banausen leben zu müssen. (Per Leo: Flut und Boden)
[10:49]
Sex, der zum Erliegen kommt - ist das nun gut oder schlecht?
[10:48]
Heute endlich wieder ein Polizeiruf 110 mit der gerne kiffenden Maria Simon und dem phänomenalen Get-the-Blues -Krause.
[10:40]
Bei ANHs heutigem Journaleintrag kommentierte ich: "Sie bekommen es noch hin, daß ich, der Reisemuffel par excellence, mein Täschlein packe und Leipzig den Rücken kehre. Der Aspekt, dem Tag Struktur zu verleihen, ist spannend. Die Tatsache, daß man neue Leute nur kennenlernen kann, wenn man seine Hütte verläßt, ist mental zwar stets klar, bleibt jedoch statisch und erzeugt nur Schicksalergebenheit. Durch Ihre Aufzeichnungen gerät die Statik ins Wanken und jene Hirnregionen werden stimuliert, die einen Hikikomori wie mich vielleicht doch noch umstimmen bzw. antreiben könnten, etwas zu ändern."
[6:41]
"Wohin wir geraten, ob aus eigener Befähigung, eigenem Kampfgeist oder ob aus Mangel und angeblicher Selbstverschuldung, letztlich, sieht man den Gründen bis auf den Boden, ist es allein eine Frage des – Glücks. Ob man Glück gehabt hat, so oder so, oder nicht. Daß dieses, Glück gehabt zu haben, eine ontologische Kategorie ist, wird mir gerade erst bewußt." Alban Nikolai Herbst (ANH) schippert immer noch über den Indischen Ozean.
[6:20]
Alltagsroutinen: 24 Stunden im Leben der kreativsten Köpfe dieser Erde.
[6:00]
Bei einem Louis-de-Funes-Posting schrieb jemand im Kommentar: "Meine liebsten Filme waren ... "Brustkrebs oder Keule". Jetzt darf ich meine Tastatur schon früh um 6 Uhr reinigen.
Samstag, 5. April 2014
[21:03]
"Ich habe nicht gerade die Austrahlung eines Vergewaltigers. Ich wirke eher wie ein Assistant beim Zahnarzt." (Cold Case S05E15)
[19:00]
"Die Bundesrepublik, dieses Mahnmal von Solidität und Vernunft, die strenge Musterschülerin in einer Klasse mit lauter undisziplinierten südeuropäischen Haushaltssündern, diese Bundesrepublik soll sich nun verwandelt haben: in eine Hedonisten-Hochburg".
[18:33]
"Also viel Gewese um Hokutisi." "Um was?" "Hokutisi. Hochkultur und Tiefsinn. Kennst du gar nicht?" "Neee" - lautes, bronchial getöntes Zustimmungslachen - "Hookuutisi, ganz genau, dooh. Ganz genau. Und zwar Hokutisi auf Drogen. Aber nix dahinter! Das war ja das Schlimme: dass er dich ständig fertigmachte, weil du gewöhnlicher warst als Goethe und nicht so zackig wie Heydrich - aber sein eigenes Leben, das kriegte er hinten und vorne nicht auf die Reihe." (Per Leo: Flut und Boden)
[18:25]
Viele seiner Sätze sind elliptisch, sie gehen halbfertig in Nachdenken über, in Unsicherheit über die letzte Behauptung oder in Begeisterung über die letzte Pointe, in Regungen, die sich nicht bis zum Satzende gedulden können, oder in eine neue Erinnerung, die mitten in der Rede aufgetaucht ist wie eine von nächtlichem Blitz erhellte Blüte. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:44]
Plötzlich wurde sie sich der Freiheit ihres Herzens bewusst - des größten Gutes, das der Protestantismus zu bieten hat. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:38]
Als Friedrich und Trina 1935 heirateten, gingen sie streng genommen eine gemischtkonfessionelle Ehe ein. Die Braut wurde als "evangelisch-lutherisch" im Standesregister geführt, der Bräutigam als "gottgläubig" - eine unter SS-Männern übliche Bezeichnung für die Ablehnung des Christentums einerseits, des Atheismus andererseits. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:27]
Gebäude, die Lust auf den Atomkrieg machten. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:24]
Meine Mutter hätte mich gerne auf die Waldorfschule geschickt,
wohl weil sie selbst eine besucht hatte. Doch mein Vater ließ das
nicht zu, vielleicht sein größter Beitrag zu meiner Erziehung.
(Per Leo: Flut und Boden)
[17:22]
Den Chef der Christengemeinschaft nennt man Erzoberlenker. Das ist fast so lustig wie Heiliger Stuhl.
[16:49]
Das erinnerte ihn an einen Zug
des Vaters, mit dem er nie zurechtgekommen war, die
geltungsheischende Bescheidwisserei, die lückenlos über das Sein
und das Sollen belehrte, ohne zu respektieren, dass der Mensch
beim Belehrtwerden auch Zeit zum Atemholen benötigt.
(Per Leo: Flut und Boden)
[16:34]
Von der
Sozialistische Reichspartei
als quasi Nachfolgerpartei der NSDAP lese ich dank Per Leo
zum ersten Mal bzw. sollte doch eigentlich in Heinrich Bölls
Schriften damals davon gelesen haben. "1951 errang die SRP
bei der Landtagswahl in Niedersachsen 11% der Stimmen."
Gruseln am späten Nachmittag. 1952 wurde sie verboten,
wozu Leo schreibt: "Das junge Bundesverfassungsgericht
jedenfalls muss sich gefühlt haben wie ein Schulkind, das
sich endlich traut, dem dreisten Pausenhofbrutalo, statt
ein weiteres Mal sein Butterbrot rauszurücken, einfach
die Faust in die Fresse zu schlagen."
[16:26]
Es ist Buß- und Bettag, der traurigste und dunkelste Tag des protestantischen Nordens. (Per Leo: Flut und Boden)
[14:57]
Ein Pfarrer konnte sich damals
zu so ziemlich allem äußern: Glauben, Sitten, Kultur, Geschichte,
Politik - entscheidend war nicht das Thema, sondern der typisch
evangelische Sound, dem nichts zu hoch und nichts zu niedrig war,
um seine Schäfchen darüber zu belehren, was unter Gottes Himmel
Sache ist und was auf Erden der Fall zu sein hat. (Per Leo: Flut und Boden)
[14:25]
Wortperlen: "Faschistenzerquetscher" (= Rotarmist) (Per Leo: Flut und Boden)
[14:20]
Glück gab es für meinen Vater nur in zwei Formen. Beide schienen
in seinem Leben keine Rolle zu spielen, dafür in meinem eine umso
größere. Glück war entweder etwas, das ich besaß, ohne es zu
würdigen, was ihm das Recht gab, mich darüber zu belehren. Oder
ich besaß es nicht, was ihm das Recht gab, es für mich zu
erzwingen. (Per Leo: Flut und Boden)
[14:16]
"... im Land der bärtigen Speerwerferinnen?" = DDR (Per Leo: Flut und Boden)
[14:14]
"Das Zauberreich mit der Laborbeschriftung" = DDR (Per Leo: Flut und Boden)
[11:29]
Man sagt, das Japanische habe Wörter für die Verwandlung, die den
Dingen durch die reine Dauer ihres Daseins widerfährt. Eine
wundervolle Sprache muss das sein. Im Deutschen gibt es dafür ja
nur abwertende Ausdrücke. Der Stein der Zeit, der alles zermahlt.
Die Verwitterung, die am Putz nagt. Der Rost, der sich durch die
Unterböden frisst. Kein Gespür für das Rascheln der Zeit, das aus
Meeresböden Berge und Gebirgen Sandstrand macht.
(Per Leo: Flut und Boden)
[11:12]
Was wäre denn selbst das Größte ohne ein Auge, das es der Betrachtung würdigt? (Per Leo: Flut und Boden)
[10:27]
Friedrich (...) musste er sich darin üben, die Dinge spannend zu machen. Zu dosieren. Spuren zu legen: zwei, drei Ostereier so auffällig im Moos blitzen zu lassen, dass sie ins Freie lockten, und den Rest in den Höhlen der Waldgeister zu verbergen. Am Heiligabend das Wohnzimmer so früh zu verschließen, dass die Kinder spätabends mit letzter Kraft zur Bescherung krochen. Die Fluchtgeschichte anzukündigen, drei Jahre bevor er sie erzählte. (Per Leo: Flut und Boden)
[10:13]
So eine schöne Handschrift hatte ich noch nie gesehen. Kleine runde Buchstaben, die in ihrer Unverbundenheit frei, in ihrer perlenden Abfolge geordnet schienen. (Per Leo: Flut und Boden)
[10:05]
Während mein Vater mich zu Interesse und Enthusiasmus drängte,
zupfte ich an seiner Hose. Es war mit Händen zu greifen, wie
sehr er sich wünschte, ich würde auf diesen alten Mann einen
guten Eindruck machen. Stattdessen verhielt ich mich wie ein
Kind, von dem man erwartet, dass es einen guten Eindruck macht.
(Per Leo: Flut und Boden)
[10:02]
Wortperlen: "Dedeär" (= DDR) [Per Leo: Flut und Boden].
[9:58]
Retweet: Wenn du dich je fragst, warum Moses sein Volk 40 Jahre lang durch die Wüste führte: fahre mit Mann + ohne Navi von Frankfurt nach Heilbronn.
[9:38]
Wortperlen: "Nachkriegsschwermut" (Per Leo: Flut und Boden).
[8:44]
Eine gute Theorie kann ja durchaus irren. Aber weil sie ein
Gefüge ist, das nur hält, wenn ein Gedanke den anderen trägt, ist
eine gute Theorie immer schön. Allerdings ist der Genuss des
Theoretischen nicht leicht zu haben. Er erfordert Zeit. Wenn es
sich zudem um eine widerlegte oder nutzlos gewordene Theorie
handelt, ist ihr Studium sogar reiner Luxus. Es ist ein Privileg
des Historikers, für solche Genüsse bezahlt zu werden. (Per Leo:
Flut und Boden)
Freitag, 4. April 2014
[21:00]
"Nein, nein, Sie brauchen keine Diät. Sie sollten nur abnehmen." (Gettin On S01E03)
[20:46]
Die Bierverkostung geht weiter, sozusagen als Bottle in progress.
Zur Verfügung stehen u.a.
diese Biere.
Nachgegossen wird
im Tagebuch.
[18:03]
Die Nazis gaben ja auch vor, Hölderlin zu lieben, obwohl es keiner großen Phantasie bedarf, ihn beim Anhören einer Hitlerrede tot umfallen zu sehen. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:46]
Der Anblick von Frau Sandmann war ein Schock. Nicht nur überragte
sie meinen Vater um einen ganzen Kopf, der Kussmund mit
Zigarette, den sie als Brosche trug, verwies auch auf Dimensionen
der Existenz, von denen sein Strickschlips wohl nicht mal zu
träumen wagte. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:33]
Angeblich zerfällt die Weihnachtszeit in drei Phasen ansteigenden
Übels: zunehmenden Stress vor dem Fest, zunehmende häusliche
Gewalt während des Festes, zunehmende Scheidungsrate nach dem
Fest. Dazu kann ich nur sagen, dass bei uns Weihnachten nicht
gestritten wurde. Dass meine Eltern sich im September scheiden
ließen. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:14]
1930 waren die imperialistischen Phantasien der Landnahme noch
sehr lebendig. Zumindest in Deutschland, wo niemand damit
rechnete, dass die politischen Grenzen und Verbote, die 1919 in
Versailles festgelegt worden waren, auf Dauer bestehen würden; wo
der Erste Weltkrieg den Traum vom Weltreich mächtig befeuert
hatte; wo Karl Mays Geschichten aus dem Wilden Westen auch als
Gebrauchsanweisungen für die vermeintliche Wildnis im Osten
gelesen wurden. (Per Leo: Flut und Boden)
[17:11]
Kann das Scheitern in einer verdorbenen Gesellschaft nicht Hinweis auf eine höhere Berufung sein? (Per Leo: Flut und Boden)
[17:08]
Johann, "der süße kleine Jan", der
im Herbst 1913 letztgeborene seiner Söhne, hatte sich schon bei
der Taufe ein für alle Mal vergriffen, als er als einziger der
vier Brüder nicht nach rechts fasste, zum über die Wiege
gehaltenen Säbel, sondern nach links zur Bibel. (Per Leo:
Flut und Boden)
[17:01]
Es lag eine Erinnerung an Macht über ihm, eine verblasste
Aura von Autorität. (...) Trotzdem verstummte alles Geschwätz,
sobald er den Raum betrat, und alle Schwätzer gravitierten
ergeben auf die fast unbewegliche Masse seines Körpers hin.
Man sprach nicht mit ihm, sondern zu ihm. (Per Leo: Flut und Boden)
[16:58]
Den Wintergarten verließ er nur noch zum Schlafen und Essen. (...) Bald darauf kam ein Zivi. Dann internierte ihn der Tod. (Per Leo: Flut und Boden)
[16:50]
Wie viele Männer seines Alters existierte er im Ruhestand wie ein Findling nach der Eiszeit. (Per Leo: Flut und Boden)
[16:48]
Anders als die astronomische Datenerhebung und die ihm
anvertraute Vorbereitung der kirchlichen Liturgie, die
beide zeremoniellen Ernst erfordern... (Per Leo: Flut und Boden)
[16:44]
Astronomische Anblicke sind nicht nur anspruchsvoll, sie sind
auch eifersüchtig. Sie dulden keine anderen Sinneseindrücke neben
sich, am allerwenigsten Geräusche. Die Sterne erscheinen als
reines Licht in der Stille. Aber wer sie aufmerksam und geduldig
betrachtet, der wird sie so schön finden wie sonst nur Musik.
(Per Leo: Flut und Boden)
[13:07]
Neues Materialprojekt von Sasa Stanisic im Zusammenhang mit seinem Erfolgsroman "Vor dem Fest": Fürstenfelde, Uckermark. Einwohnerzahl: ungerade.
[12:29]
Er selbst wurde dabei zum Träger der kosmiote-s, einem Menschen, der sein Maß kennt, was für Aristoteles eine Umschreibung für Glücklichsein war. (Per Leo: Flut und Boden)
[12:29]
Sinneseindrücke, die etwas im Innern so hauchzart berühren, dass der Geist Fernweh bekommt - die haben viele Menschen ihr ganzes Leben nicht. (Per Leo: Flut und Boden)
[12:29]
Gewöhnlich ist der Mensch verwachsen mit dem, was nah ist: den
zuhandenen Dingen auf dem Tisch, im Garten oder auf der Straße.
Oder er ist verloren vor dem, was fern ist: dem Himmel, dem Ende
der Wüste, der nächsten Küste. Will er das Nahe und das Ferne in
sich zusammenbringen, muss er sie ständig gegeneinander
vertauschen; er muss reisen. (Per Leo: Flut und Boden)
[12:12]
Ja, wir haben leider Gottes in Deutschland
heutzutage auch eine große Menge solcher Herrchen, die es unter
ihrer Würde halten, sich überhaupt nach kräftiger, gesunder
Jungen Art auszutoben, die sich höchstens einmal zu einem
philisterhaften Bummel versteigen. (Per Leo: Flut und Boden)
[12:00]
Das - vom Vater mit fast liturgischem Bedacht ausgesprochene - Jahr "1813"... (Per Leo: Flut und Boden)
[11:51]
...dem röchelnden Punsch auf dem Stövchen lauschen. (Per Leo: Flut und Boden)
[11:38]
Die Zeichen des Lebens sind stärker. Als wolle die Vorsehung noch ein letztes Mal alle Zweifel an ihrer Güte ausräumen... (Per Leo: Flut und Boden)
[8:47]
Erst als er sich seiner eigenen Welt sicher war, las er einige der Bücher, die dem Vater etwas bedeuteten. (Per Leo: Flut und Boden)
[8:46]
So wurde C. Architekt. Seiner künstlerischen Neigung kam das sicher entgegen, obwohl es rückblickend auch ein paar Platten weniger hätten sein dürfen. (Per Leo: Flut und Boden)
[8:43]
Väter sind rätselhafte Wesen, die etwas von einem wollen, wo man doch eigentlich etwas von ihnen will. (Per Leo: Flut und Boden)
[8:34]
Schon am Morgen hat der Großvater eine Zigarre gedrittelt. Mit einer Laubsäge, denn Tabak ist Laub. (Per Leo: Flut und Boden)
[8:30]
Wortperlen: "Frischluftjubel" (Per Leo: Flut und Boden)
[8:27]
Immer ist er umgeben von Dingen, die ihm Zutritt zum Geistigen ermöglichen. (Per Leo: Flut und Boden)
[8:06]
Zwei Stunden lang las ich
Alban Nikolai Herbsts
Arbeitsjournal
der letzten Tage nach, der sich augenblicklich auf einer Traumreise auf der
MS Astor
von Australien zurück nach Europa befindet, die er unternimmt, um den
Helden seines neuen Romanes (Lanmeister) kennenzulernen und zu gestalten.
[7:52]
Stevenson meisterhaft wie immer, ich habe es dennoch wieder weggelegt. Das klingt übrigens immer noch besser und gepflegter als wieder weggeklickt, nicht wahr? Tatsächlich wurde es sogar eher weggewischt, wenn man es sprachlich genau nimmt. Ein Zeigefingerstrich durchs Menü. Am Ende ist das Lesen auf dem Tablet vielleicht doch etwas herabwürdigend für die Werke, wer weiß. (Maximilian Buddenbohm)
[7:47]
Retweet: "Gehobene Wohngegend" heißt in manchen Städten, dass die Graffities an den Mauern halbwegs fehlerfrei sind.
[7:35]
Entwicklungen geschehen viel mehr in Sprüngen, als daß sie stetig sind. So auch altern wir, es ist kein ununterbrochen fließender Prozeß, sondern zehn Jahre lang sehen wir wie die muntersten Vierziger aus, dann klatscht wer in die Hände, erschrocken blicken wir hoch und sehen in den Spiegel. Schlagartig sind wir fünfzig geworden, sechzig, achtzig. Die aus unserm Empfinden von Ununterbrochenheit erstandene Idee-selbst, des Stetigen, ist kulturell; in Wahrheit gibt es zwischen den Sternen das Nichts wie zwischen den Atomen, und wie zwischen Gestern und Heute. (Alban Nikolai Herbst)
[5:33]
Matthias Hennies: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen": Was der Umgang mit Armen und Fremden verrät.
(DLF-Sendung: Aus Kultur- und Sozialwissenschaften)
[5:23]
Nachrufe & Reaktionen auf Urs Widmers Tod (jüngste zuvorderst) -
Volker Hesse: "Ein Freund erinnert sich an die Komik der Dämonen bei Urs Widmer";
Cornelia Zetzsche: "Ein Jongleur des Geistes";
Urs Widmer über seine Frankfurter Poetikvorlesungen;
zudem Beiträge von
Franz Hohler,
Nana Brink,
Dorothea Westphal
und, im heutigen Büchermarkt,
Jörg Magenau
und
Hajo Steinert.
[5:17]
Lorenz Matzat: Zukunft des Journalismus in der digitalen Welt (Sendung "Fazit")
[5:12]
Joachim Scholl in der DLR-Sendung "2254" mit dem Thema
Sex in Filmen, Büchern, Werbung - wird Deutschland zu einer Lustgesellschaft?
Donnerstag, 3. April 2014
[20:13]
Neben meinen Bierprobierereien ein hochprozentigerer Ausrutscher. Andrea Diener schreibt über schottischen Whisky. "Pro Jahr verdunsten ein bis zwei Prozent des Fassinhaltes, diesen Anteil nennt man 'angels share', den Anteil für die Engel. Wenn es in Schottland also Engel gibt, dann sind sie permanent betrunken." - Vielleicht mein nächstes Testgebiet?
[19:52]
Auch zur heutigen Bierverkostung gibt es
Notizen.
Bin mittlerweile beim vierten Bier und werde die Einschätzungen
dann eher morgen fortführen. Zum Bier glotze ich Serien - gerade
meine oft erwähnte Lieblingsserie = Cold Case. S05E14 spielt im
Gehörlosenmilieu - eine spannende Sache in einer ohnehin
phänomenal konzipierten Serie.
[17:50]
Zur gestrigen Bierverkostung gibt es Aufzeichnungen im Tagebuch.
[15:44]
Anscheinend befand sich der allgemeine Geschichtssinn
meines Vaters nicht, wie bei den Berufshistorikern, im
Hippocampus, sondern etwas weiter hinten, im exklamatorischen
Sprachzentrum. Was seinen Unterweisungen eine leicht hysterische
Note verlieh: Athen - Wiege des Abendlandes! 1789 - Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit! Auschwitz - was Menschen Menschen
antun können! (Per Leo: Flut und Boden)
[15:27]
Wunderbar zu lesen,
wie sich Per Leos alter ego in psychologische Hilfe begibt.
Dabei eingefallen ist mir die eigene Scheu vor diesem Gang zur
professionellen Hilfe.
[15:00]
Das Lesen war eine Qual. Ich kratzte Zeile für Zeile
zusammen und hatte keine Ahnung, wie aus diesen Wissenskrümeln je
eine Seminararbeit entstehen sollte. (Per Leo: Flut und Boden)
[14:52]
Auch
dieser Text
Per Leos läßt auf verblüffende Weise Erinnerungen an Mittage und
Ruhepause im Hause meiner Großmutter wach werden.
[14:45]
Es ist ja alles andere als blasphemisch, wenn man den Fangesang
in die Nähe des Kirchenliedes rückt. Denn beide sind so viel mehr
als nur ein Ausdruck - einer Stimmung, eines Glaubens, einer
Wahrheit -, es sind Handlungen: Taten, die etwas zum Guten
bewirken sollen. Beide haben einen Adressaten, von dessen
Geschick das eigene Wohlergehen nicht unerheblich abhängt. (Per
Leo: Flut und Boden)
[14:43]
Die Großeltern luden nicht zum Fest, sie gaben ihrer Sippe ein
Datum bekannt. Absagen war keine Option. Das hatte meine Mutter
erfahren müssen, als sie nach unserem Umzug in den Süden eine
Anreise von 800 Kilometern als unzumutbare Härte darzustellen
versuchte. (Per Leo: Flut und Boden)
[14:17]
Per Leo: Große Häuser.
[14:01]
Der
Beginn
von Per Leos
"Flut und Boden"
ist nicht nur fulminant, sondern er erinnert mich stark
an die eigene Großmutter, wie man bei ihr ankommt, den
saueren Kuß auf die Wange, das Essen, das, wie es zubereitet
und kredenzt wurde, immer mit ihr verbunden bleiben wird.
Und exakt dieselbe Müdigkeit, die Leo bei ihr sieht, erlebte
ich am Ende ihres Lebens, das Erschöpft- und eben Ausgeleiertsein.
[13:44]
Buch begonnen: "Flut und Boden" von Per Leo.
[9:05]
Die Qual der Wahl. Auf der Suche nach dem nächsten Buch. Eines der schönen Leiden eines Bibliomanen.
[8:29]
Ditzsche wirkte, außer beim Tanzen, permanent beschämt. Einen
Dauerbeschämten hältst du nicht aus. Sobald die Musik aus war,
sah Ditzsche zu Boden. Wusste nicht, wohin mit den Ellenbogen und
Schultern, stellte keiner Frau je eine Frage. Und das geht nicht,
Frauen musst du Fragen stellen. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:28]
Sie stecken sich die Kippen an. Gleichzeitigkeit, Kameradschaft, Glück. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:27]
Aber mal unter uns: Hast du dir noch nie vorgestellt, bei einem
Spaziergang zum Beispiel, nachdem der Briefträger gerade in
einem Hauseingang verschwunden ist, wie das wäre, aus dem gelben
Kasten am gelben Fahrrad eine Handvoll weißer Briefe rauszuholen
oder gleich aufzusteigen und wegzuradeln und den Tag mit dem
Leben und den Rechnungen anderer Leute zu verbringen?
(Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:24]
Asthma (...) Der Zivilisation zärtliche Rache. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:22]
Buch beendet: "Vor dem Fest" von Sasa Stanisic. Luchterhand, 320 Seiten.
[8:15]
Schön wie alle konzentrierten Menschen schön sind. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[7:56]
Schriftsteller und Blogger Buddenbohm findet in
Anders lesen
einen interessanten Weg, sich zur Lektüre inspirieren zu lassen.
[7:52]
Retweet: Was hier im Büro im Erste Hilfe Kasten fehlt, sind Zwangsjacken.
[7:48]
Es ist doch fabelhaft, sich zu beweisen in Tätigkeiten, die keinen Nutzen haben. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[6:20]
Ein Schießbefehl ist ein Scheißbefehl.
[6:12]
Verdammte Scheiße nochmal. Einer meiner Lieblingsautoren ist tot. RIP, Urs Widmer!!
Ich habe ihn 25mal gelesen, davon 22 verschiedene Bücher. "Liebesnacht" 3x; "Der blaue Siphon" 2x.
Mittwoch, 2. April 2014
[16:46]
Herr Schramm (...) fährt den Feldhäcksler Mammut
6800 durch das mehrheitlich schlafende Dorf, und er fährt
siebzig, und der Feldhäcksler Mammut 6800 ist nicht das leiseste
Gerät. Der Feldhäcksler Mammut 6800 hat 350 PS und die, findet
Herr Schramm, sind vollkommen ausreichend, um alle Fragen zu
beantworten, die einem Feldhäcksler im Laufe seines Lebens
gestellt werden. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:44]
Straßenbahngespräch: "Johnny ist doch im Knast, oder?" "Klar." - "Aber der ist doch online...?"
[16:12]
Kürzlich schrieb ich, daß ich noch nie in meinem Leben Bier der Brauart Ale getrunken habe, was so zwar nicht stimmen kann, weil ich dieses Bier während meines Londonaufenthaltes 1991 sicherlich in dem einen oder anderen Pub getrunken haben muß. Gleichwohl ist das 23 Jahre her. Heute nahm ich den etwas weiteren Weg von Sellerhausen ins Löwencenter (Leipzig-Rückmarsdorf) auf mich (Buslinie 131), um das Haus der 1000 Biere aufzusuchen. Heute Abend gibt es also eine Pale-Ale-Verkostung. Diese sechs Flaschen kosteten übrigens knapp 26,30. Es handelt sich um diese Sorten: "Fullers India Pale Ale", "Black Sheep Ale", "Störtebecker Atlantik-Ale", "Duvel Belgian Golden Ale", "Sierra Nevada Pale Ale" und "Bass & C Pale Ale". Rückzu wollte ich statt des Busses schon das Fahrrad nehmen.
[12:17]
Retweet: Aus Angst vor Bakterien meidet meine Mutter die Handläufe von Treppengeländern. Keimfreie Genickbrüche heilen besser!
[12:16]
Retweet: Bin auf dem Weg zu einem Vortrag über die negativen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums und zu späten Heimkommens. Referent: Meine Frau.
[11:44]
Im Schnitt ist in Ländern mit höherem Lebensstandard die Suizidrate höher als in ärmeren Ländern. Überall bringen sich mehr Männer um. Nur in China nicht. Im Schnitt in der DDR anderthalbmal häufiger als im Westen. Herr Schramm kann es sich nicht vorstellen, dass das nur mit der DDR zu tun hatte. Eher eine Frage der Tradition, siehe Rheinland: alle katholisch, und kaum einer macht sich tot. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[11:03]
Ein Kirschbaum garnierte den Innenhof. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[10:11]
...wenn dir also das Leben so
richtig in den Hintern tritt, dass du aufs Gesicht fliegst und
obendrauf gibt's noch Diabetes... (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[10:01]
Meinungsäußerung vor Obrigkeit ist nicht unser größtes Talent. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[10:00]
... die Männer an Kriege verloren. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[9:55]
In den Straßen, der Himmelsbaum der Sterne, behangen mit feuchter nachtblauer Frucht. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[9:40]
Herr Schramm hat Familie. Aber wie das so ist. Und Frauen? Im Sommer hat er die Frauen ein letztes Mal abgewogen, pro und kontra. Hat sich umgesehen. Aber in seinem Alter und mit seiner Geschichte. Und bei uns, wo kaum einer sagt, was er fühlt. Schwierig. Witwen höchstens. Aber die Witwen macht die Einsamkeit im Alter gläubig. Schwierig. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[9:35]
"Hast du den Ausweis mit?"
"Wozu denn?"
"Ich hab meinen nicht dabei. Keinen Führerschein, gar nichts. Du könntest mir Zigaretten besorgen. Wenn nicht, könntest du den Ausweis holen und dann Zigaretten besorgen."
"Warum holen Sie nicht Ihren?"
"Das schaff ich vor dem Selbstmord zeitlich nicht mehr."
(Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[9:29]
Letzte Nacht hatte ich einen Alptraum. Mir wurde ein Smartphone geschenkt, das alles kann, dessen Akku nie leer wird.
[9:27]
Herr Schramm sieht aus wie jemand, der mit seinem Körper nicht mehr viel vorhat. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[9:05]
Solang noch ein DDR-Fön irgendwo Haare trocken kriegt, ist die DDR nicht tot. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:52]
Ludwig Tieck: Die Leimrute.
[8:35]
... charmant aufgeregt, wie Melancholiker sind, wenn sie etwas gut finden. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
Dienstag, 1. April 2014
[20:34]
Geben Sie mir 20 Minuten, und Sie haben gestern Angelina Jolie gedatet, mit Foto als Beweis. (Tatort: "Borowski und das Meer")
[20:34]
Am heutigen Nachmittag war ich mit meinem Vater bei seiner (und meiner) Hausärztin, um eine
Patientenverfügung, die wir aufsetzen wollen, zu besprechen. Ich wußte nicht, daß das
bezahlt werden muß und nicht als normale Sprechstunde durchgeht.
[20:17]
Was ich WIRKLICH hasse: daß Ärzte und/oder Schwestern in Krimis oder sonstigen Filmen immer ein Stethoskop um den Hals baumeln haben. In praxi ist das eher selten. Bin BTW bei "Borowski und das Meer", wo Borowski ab Minute 12 die Frau des vermeintlichen Opfers, eine diensthabende Ärtzin, befragt.
[20:17]
Es geht mir gut. Sowas darf man am 1. April schreiben, um die Verwirrung noch anzukurbeln.
[19:50]
Mu ist aufgestanden und hat Rote Beete mit Spiegeleiern
zum Frühstück gemacht, da war schon klar, dass es ihr
besser geht. (...) Nach einer Stunde läuft sie auf die
Straße, kurvt zur Promenade, immer schneller, Sebastian
Vettel in dick, läuft auf den Steg beim Fährhaus, klatscht
den Fährmann ab und springt in den See rein, eine
Arschbombe, die Landschaften formt. (Sasa Stanisic: Vor
dem Fest)
[19:41]
Mu hat zum Beispiel herausgefunden, dass Fürstenfelde mal eine
Stadt war, das Stadtrecht aber versoffen wurde, und jetzt ist
Fürstenfelde ein Dorf. Sie kennt auch alle Märchen von hier.
Besser man fragt sie nicht: Sie erzählt die nach, dass du Angst
kriegst: verstellte Stimme, Körpereinsatz, so was. Die Kids
lieben das oder rennen weg. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[19:35]
Sasa Stanisic:
AllgFab2 //
Glockenläuten //
Die Schuldfrage //
AllgFab1.
[19:23]
Die neueste CD von unserem Feuerwehrchor, Schall und Rauch, "We didn't start the fire" kostet 7,89 Euro. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[19:18]
Zum Fest hat sich ein Rentner aus Kalifornien angekündigt, der auf seinem Stammbaum herumklettern möchte. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:00]
"Ein Getränk miteinander trinken an einem Ort, der dazu geeignet ist, das zählt im Leben mehr, als woher man kommt." (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[15:56]
"Geburt ist unser erstes Glückslos. Meines war eine Niete." (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[15:52]
"Wie alt sind Sie, zwanzig?" "Vierundvierzig." "Und immer noch lokale Redaktion, ja?" (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[15:19]
Erst im Menschen schlägt die Natur die Augen auf und nimmt von sich Notiz. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[15:16]
Zaghafte Jahreszeiten: läge kein Schnee ab und zu, vermutete man
immer den kalten Frühling. Alle Blüten farblos, ja nicht
auffallen. Keine Hummel hat auf so was Lust. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[14:48]
Wichtiges Sache. Dieser Guide vertreibt Unsicherheiten, was die Aussprache von schottischen Whiskys betrifft.
[12:24]
"tief eingefleischter Ehering" (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[12:20]
Die Stichworte "provozieren", "das Sagen haben" und
"Gesicht einschlagen" klangen, so aneinandergereiht,
sehr vielversprechend. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[11:57]
"Eine Schlägerei macht kein Fest besser, es sei denn, sie
rettet es. Auch stimmt es nicht, dass früher besser gefeiert
wurde. Die Zeiten waren bloß noch mieser. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[11:39]
Drei Glocken nutzen wir. (...) Sind noch jung, zwei schlanke,
verspielte Burschen, (...). 1926 gegossen als Ersatz für zwei
bronzene Glocken, die zehn Jahre zuvor in den Krieg ziehen
mussten. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[11:33]
Retweet: "Ist das hier das Treffen der Phantasielosen?" - "Kann ich mir nicht vorstellen."
[11:28]
Johann fand Kirchenglocken schon als Fötus gut.
Wenn die geläutet haben, sagt Mu, hat er gekickt. So
was ist halt in dir drin. Bei anderen sind es Regionalzüge oder
Hände (bei Massenmördern). (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[10:55]
Gastfreundschaft hätte er mal besser, mal schlechter gekonnt, je nach Gast. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[10:27]
Was machen die da?
ist ein neues Blog von Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm.
Sie besuchen Menschen, die Dinge machen, als Beruf, Ehrenamt oder Hobby.
Sie sprechen mit ihnen, fotografieren, gehen den Dingen nach.
[9:19]
Verstärkte Jagd in Leipzigs Bahnen Bussen nach Schwarzfahrern.
Manche wollen dagegen steuern.
Ich habe eine Abo-Karte und nehme gerne andere Leute kostenlos mit (ab 19 Uhr und am WE ganztägig).
[9:06]
Gölow geht hin und kauft ihm einen Sarg. Er kauft ausdrücklich
einen bequemen Sarg. Er recherchiert im Internet zwei Nächte
lang, Barbara wird ungeduldig: Warum bequem, was macht das noch
für einen Unterschied? Gölow sagt, der Fährmann hatte einen
kaputten Rücken. Das seien so Bewegungen beim Rudern, beim
Seilanziehen, ganz egal, ob du die jahrelang richtig oder falsch
ausgeführt hast, am Ende brauchst du einen bequemen Sarg.
(Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:32]
Ich habe noch nie in meinem Leben Bier der Brauart Ale getrunken. Als Nichtmotorisierter frequentiere ich einige wenige mit der Straßenbahn erreichbar Getränkemärkte, die solche Biere nicht führen. Jetzt hat Köstritz ein Pale Ale gebraut, welches hoffentlich bald auch in meiner Reichweite auftaucht! Hoffentlich ist es kein Aprilscherz.
[8:32]
Schon auf den ersten Seiten solche Sätze! "Den Äckern pflücken die Raben die Wintersaat aus dem Leib.! - "Im Kiecker, dem alten Wald, meißelt der Specht die Millisekunden unserer Sterblichkeit ab." - Lenz Jacobsen twitterte: Jemand sollte einen Twitteraccount ausschließlich mit Sätzen aus 'Vor dem Fest' von @sasa_s bespielen. Und das sollten dann alle lesen."
[8:15]
In deutschen Haushalten finden sich im Schnitt mehr Bakterien auf
der Fernbedienung als auf der Klobrille. Herr Schramm denkt über
"im Schnitt" nach. Es geht um die Relation. Klobrillen sind
größer als Fernbedienungen. In seinem eigenen Haushalt, denkt
Herr Schramm, finden sich im Schnitt mehr Enttäuschungen über
ihn selbst als über die Welt. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[8:11]
Der Gegner, gegen den man am liebsten gewinnt (...) ist man selbst. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
Montag, 31. März 2014
[19:43]
Wenn ich bedenke, wie unsre Lebensweise immer mehr und mehr in
Surrogat, Stellvertretung und Lückenbüßerei übergegangen ist, so
bekomme ich einen rechten Haß auf unser geiziges und knickerndes
Jahrhundert und fasse, da ich es ja haben kann, den Entschluß, in
der Weise unsrer viel freigebigern Altvordern zu leben. (Ludwig
Tieck: Des Lebens Überfluß)
[19:28]
Doc, Sie suchen immer das Gute im Menschen. Doch da werden Sie nicht viel finden. (Navy CIS S09E16).
[19:04]
Die allseits bewunderte Anke Gröner schreibt über die Lektüre von Eduard Graf von Keyserling: "Ein wunderschöner Stil, der gefühlt dafür sorgt, dass mein Blutdruck beim Lesen runtergeht und meine Mundwinkel sich zu einem Lächeln verziehen. Die alte Welt mit ihren alten Werten. Gut, dass ich nicht in ihr lebe, aber schön, dass ich über sie lesen darf."
[18:45]
"Ich hab' 'ne Lactoseintoleranz!" "Du läßt immer noch keinen Trend aus" (Navy CIS S09E16).
[18:38]
Yippee, Jamie Lee Curtis bei Navy CIS S09E16.
[17:22]
Das wär' doch mal was. Bibliomaner Masochismus. Peitsch mich mit einer Liste von Lesebefehlen!
[16:33]
Imboden ist sonst ein stiller, aber heftiger Trinker. Vor drei Jahren starb
seine Frau, da hat er überhaupt erst angefangen. Ulli sagt, der
muss jetzt die ganzen nüchternen Jahre aufholen.
(Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:22]
Im Kiecker, dem alten Wald, meißelt der Specht die Millisekunden unserer Sterblichkeit ab. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:16]
Bist du stumm geboren, bist du fürs Angeln irgendwie auch prädestiniert. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:10]
Der Fährmann ist tot, und die anderen Toten wundern sich, was
soll ein Fährmann unter der Erde? Er hätte ordentlich im See
bleiben sollen und gut. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[16:04]
Große Männer, blond und wortkarg, Verben nur im Imperativ. (Sasa Stanisic: Vor dem Fest)
[15:33]
Buch beendet: Knast oder Kühlfach von Jutta Profijt, dtv, 336 Seiten.
[13:24]
Gesine von Prittwitz hat in ihrem Blog SteglitzMind seit Jahren eine Interviewreihe (Überblick) am Köcheln, in der sie literaturaffine Blogger vorstellt. Nachdem Oliver Gassner mit seinem kollaborativen Blog Literaturwelt das Stöckchen an mich weitergereicht hat, entschloß ich mich, nach anfänglicherer Ziererei nun doch auch mitzumachen. Seit heute ist der Beitrag unter dem Titel SteglitzMind stellt Markus Kolbeck mit "Leipziger Bücherlei" vor online.
[13:07]
Ich war nie bei den Pfadfindern gewesen, lehnte zu Lebzeiten jeden Weg ab, der nicht asphaltiert und mit mindestens fünfzig Sachen befahrbar war. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[12:51]
"Asche zu Asche, Staub zu Staub", sabbelte der schwarze
Kleiderständer mit der Häkeldecke über der Kutte, und warf ein
Schäufelchen Erde auf den Sarg. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[12:45]
Wenn irgendwo mehr als zehn Bäume zusammenstehen, ist mein Orientierungssinn überfordert. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[9:54]
Martin nannte einen vietnamesischen Imbiss, in dem er gern Zeug futterte, mit dem ich nicht mal mein Kaninchen foltern würde... (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
Sonntag, 30. März 2014
[22:48]
Cold Case ist ja schon meine Lieblingsserie. In S05E12 agiert ein
frustrierter Bombenleger, der zu viele Verluste einstecken mußte.
Seine Kritik an unserem System bewegt mich sehr. Es ist zum
Verrücktwerden, zum Haareausraufen, zum Mäusemelken, in welch
einer Welt wir leben und uns ducken, kuschen, den Schwanz
einziehen, uns das alles bieten lassen. Ich würde am liebsten
den gesamten zentralen Dialog im Showdown der Folge zitieren.
"Daß alles so herunterkommt, hat keiner geahnt."
"Wir sind taub geworden, entwurzelt. Man hat uns beigebracht,
jede Demütigung stumm zu ertragen. Wegwerfware sind wir."
"Nie hat irgendjemand Schuld. 'Ich mach' nur meinen Job. Ist
nicht persönlich gemeint. Rein geschäftlich."
"Man kann sich erniedrigen lassen, weiter und weiter,
aber man steht irgendwann auf und sagt, daß man Würde hat."
[19:12]
Birgit kam in die Küche getaumelt. Sie war weiß wie die Wand,
hatte Schweißtröpfchen auf der Stirn und hielt sich den Bauch,
als würde er ihr sonst auf die Füße platschen. "Ich glaub, es
geht los." (...)
Auf der Station wurde Birgit dann gleich von der schon kindgeil grinsenden Hebamme in das Gebärzimmer Nummer drei geschleust. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[18:28]
Ihre Stimme war so kalt, dass ich die Eiszapfen an ihren Stimmbändern klirren hörte. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[17:16]
... telefonierte auf Russisch. Oder einer dieser Pelzmützensprachen, die für mich alle gleich klangen. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[17:02]
...da die Augenbrauen des Wirts bei anderen Zeitgenossen für eine ganze Frisur gereicht hätten. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[16:34]
Die Singdrosseln von der Foltermusik-Fraktion... (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[16:08]
Eine Girlande mit dem Schriftzug "Herzlich Willkommen" war in
der Eingangshalle aufgehängt worden. Die Buchstaben sahen aus,
als hätte die Handarbeitsgruppe der Kriegsblinden sie gebastelt.
(Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[15:40]
Die Feinstaubwolke, die die Karre ausstieß, als sie angelassen
wurde, würde am nächsten Tag für fragende Gesichter im
Bundesumweltamt sorgen. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[12:06]
Den Ausdruck Mokick habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört.
[11:46]
Die Tussi vom Typ Büffelhüfte... (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[11:17]
Es hatte also einen weiteren Verdächtigen gegeben, der aus
reichlich zweifelhaften Gründen von Platz eins der
Verdächtigen-Charts verschwunden war. (Jutta Profijt: Knast oder Kühlfach)
[11:00]
... Klamotten von Naturmode-Labels, deren Baumwolle so völlig pestizidfrei und kompostierbar war, dass man sie vermutlich auch hätte essen können. (Jutta Profijt: Knast oder |