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Themenstreusel (5)

Unbehaust

  • Und wenn ich sehe, wie das Menschengeschlecht, als Ganzes betrachetet, mit einigen wenigen Ausnahmen, auf seinem Lebensweg dahingestolpert und blind einhertappt, in jede Fallgrube stürzt und an jedem Hindernis, das auf dem Wege auftaucht, sich das Schienbein bricht... (Anne Brontë: Die Herrin von Wildfell Hall, S. 42)
  • Doch mit den Himmelsmächten ist kein ew'ger Bund zu flechten, und das Schicksal schreitet schnell. (Erich Loest: Die Mäuse des Dr. Ley, S. 182)
  • Wie er mit ernstem Gesicht bei einem Bächlein saß und immer wieder denselben Apfelschnitz wusch, als hoffe er, durch dieses, weit über jede vernünftige Gründlichkeit hinausgehende Waschen entkommen zu können aus der falschen Welt, in die er gewissermaßen ohne sein eigenes Zutun geraten war. (W. G. Sebald: Austerlitz)
  • Irgendwann in der Vergangenheit, dachte ich, habe ich einen Fehler gemacht und bin jetzt in einem falschen Leben. (W. G. Sebald: Austerlitz, S. 302)
  • Wenn die Existenzangst in ihm hochkroch... (Hans Ulrich Treichel: Grunewaldsee, S. 136)
  • Es gibt in jedem Leben mindestens eine Sekunde der Göttlichkeit, wenn sozusagen das andere, sonst Verborgene, sich offenbart und sinnlich wird - und es gibt den Moment danach, wenn alles ist wie zuvor. (Helmut Krausser: Eros, S. 312)
  • "Ich fürchte, ich bin so eine, die nie ganz glücklich wird. Da ist irgendwas Schweres in mir, ne zu hohe Oktanzahl in meinem Blut." (Helmut Krausser: Eros, S. 149)
  • ... war mir immer bewußt, auf dieser Welt nur Gast mit beschränktem Aufenthaltsrecht zu sein... (Hans-Ulrich Treichel: Anatolin, S. 118)
  • Im Grunde erwarte ich immer noch, daß sich das Dasein innerhalb der Lebensspanne eines Menschen zu einem Sinn hin entwickelt. Ich werde die Aufmerksamkeit für mein Leben zurückziehen, falls sich kein Sinn zeigen sollte. Meine Melancholie über den fehlenden Sinn ist mir vertrauter als das sinnlose Warten auf die Verbesserung. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Das Deprimierende ist, daß ich nicht angeben kann, was sich ändern müßte, damit ich mich wohl fühle, ich kann immer nur denken, daß alles unzureichend ist und daß ich mich von allem, was es gibt, entfernen möchte, und zwar sofort und ohne Umkehr. Ich müßte jetzt zugeben und gebe es zu (für mich), daß ich ein gespensterartiges Wesen geworden bin, das für seinen Unglücksnebel im Kopf selbst verantwortlich ist. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Ich freue mich, die Außenwelt so anzutreffen, wie ich sie einschätze: sparsam und kläglich. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Meine mich immerzu verwandelnde Hemmung... (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Das Schmerzliche ist, daß das Leben so sehr bekannt ist und deswegen so verschlissen erscheint. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Der ausgepreßte Teebeutel auf meinem Unterteller drückt meine zerknitterte/zerdepperte/zerquetschte Lage aus. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Es beschleicht mich wieder das Gefühl einer kurz bevorstehenden Abtrennung von der Welt. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Einmal im Leben möchte ich alle Mängel nacheinander aussprechen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • ... daß ich (...) zu den Menschen mit einem Seltsamkeitszeichen gehöre. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Die Scham, der zu sein, der ich bin. (Hans-Ulrich Treichel: Anatolin)
  • Obwohl ich mir mit meinen dreiundvierzig Jahren dafür noch zu jung vorkomme, betrete ich jetzt schon das weite Feld der vorzeitigen Ermüdungen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Ich muß etwas tun, sonst werden sich bald die Motten auf mir niederlassen. (Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
  • Mein Leben gehorcht nicht immer den üblichen Naturgesetzen. (Wolfgang Schorlau: Die blaue Liste)
  • Es folgte jener Mangel an Worten, der immer dann auftritt, wenn Menschen, die sich Freunde nennen, feststellen, daß sie in Wirklichkeit keine mehr sind, ohne schon auf die Ebene bloßer Bekanntschaft herabgesunken zu sein. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • "Ich bin weit davon entfernt, das Leben zu kennen. Einen rechten und umfassenden Begriff davon, was das Leben ist, kann man sich während seiner kurzen Dauer nicht machen." (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Eine Art mentale Treppe führte ihn von einer Depression in die nächste... (A.F.Th.van der Heijden: Der Gerichtshof der Barmherzigkeit, S. 397)
  • "Verläßlichkeitsmangel der Welt" (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg)
  • Wir gehen allein in dunkler Einsamkeit, das ist unser Beruf. Und singen in die Dunkelheit hinein. Und plötzlich antwortet einer – singt mit – wir glauben, die Einsamkeit fällt von uns ab – nur das. Alle die Paare, die da in der Allee auf den Bänken saßen nah beieinander, indem sie sich ein Leben zu zweien phantasieren. (Eduard Graf von Keyserling: Seine Liebeserfahrung)
  • "Dieser unerträglich flimmernden Welt mit ihrem heißen, unreinen Atem seh' ich es sofort an, daß ich in ihr nichts zu versäumen habe." (Eduard Graf von Keyserling: Seine Liebeserfahrung)
  • Verrückt vor Leben, dachte er, wenn das nur alles einen Sinn hat. Immerhin, es ist mehr Chance für Sinn als für Sinnlosigkeit, obgleich – bin ich eine Zahl in der großen Rechnung, so habe ich zwar einen Sinn, aber das Resultat unter dem schwarzen Strich braucht mir deshalb noch lange nichts zu bedeuten. Es käme darauf an, eine Zahl im Resultat unter dem Strich zu sein. (Eduard Graf von Keyserling: Bunte Herzen)
  • ... die ständige Sehnsucht nach Einsamkeit, die, wenn er sie erreicht hatte, eine verzweifelte Sehnsucht nach Gesellschaft erzeugte. (Edward St. Aubyn: Muttermilch)
  • Er verließ sich ganz auf den Einbruch der Dunkelheit, der ihm wieder einen Schnellkurs in der wahren Verzweiflung geben würde, die unter den schalen, entrückten, gelegentlich angenehmen Tagen wartete. (Edward St. Aubyn: Muttermilch, S. 126)
  • Zwei Jahre später fragten sie sich immer noch, wo krieg ich nur ein kleines bißchen Durchblick her, sie wunderten sich, wie viel Zeit der Mensch darauf verwendet, möglichst Dinge zu tun, die die Existenz beenden, und sie sahen, wie das Unheil sich überall türmte... (Birgit Vanderbeke: Das läßt sich ändern, S. 76)
  • ... weiß ich nicht, wie Sie über den Weltzustand denken, für mich aber steht fest, daß er das Ergebnis einer Addition von Mikro-Idiotien ist. (Markus Werner: Die kalte Schulter, S. 55)
  • Keiner weiß vom andern, aus naheliegenden objektiven Gründen natürlich, aber auch, weil wir das gar nicht wollen. Wir haben mit unserem eigenen Leben zu tun. Ein eingeklemmter Finger schmerzt bekanntlich mehr als ein abgerissener Bein, wenn es der eigenen Finger ist, und as Bein das eines andern. (Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück, S. 78)
  • Die Weltgesundheitsorganisation hat kürzlich erst berechnet, daß in Europa siebenunddreißig Millionen Menschen leben, die, wie sie das formuliert, "an beschäftigungsbedingten Depressionen" leiden. Siebenunddreißig Millionen Menschen in Europa, denen die Art ihrer Arbeit so zusetzt, daß sie gelähmt die Waffen strecken. (Urs Widmer: Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück, S. 21)
  • Manchmal wünsche ich mir einen Zusammenbruch, der mir vielleicht eine Pause von ein paar Wochen beschaffen könnte. Aber ich bin inzwischen so gefestigt, daß ich sehr lange am Rande meiner Kraft leben kann. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 1960-2000, S. 224)
  • Das Motiv der Einsamkeit, das immer anklingt, wenn man sich, und sei es in Gedanken, auf das "Eigentliche" versteift. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 1960-2000)
  • Es war schön, in einer Wohnung zu leben, in der ich nur mit mir auszukommen hatte. Das war schon schwierig genug, ich mußte die Umstände nicht noch komplizierter machen. (Christoph Hein: Frau Paula Trousseau, S. 375)
  • "Warum soll das heute ausgerechnet gut ausgehen?" War bisher nicht immer alles schlecht ausgegangen? Warum sollte ausgerechnet ich einmal recht oder auch nur Glück haben? Ich war doch daran gewöhnt, daß immer alles schiefging in meinem Leben. Leben und Schieflage waren eine Einheit, etwas, das bei mir zusammengehörte, das sich zu meinem Ich fügte. (Arnold Stadler: Der Tod und ich, wie zwei, S. 188)
  • Ich sagte ihm, daß er das Schicksal des Nichtverstandenwerdens doch mit Hölderlin und allen Großen teile. Denn nur das Mittelmaß könne sich schon zu Lebzeiten Gehör verschaffen, weil es laut sei und der tobenden Menge nach dem Mund dichte. Alles wirklich Große gehe oftmals verloren. (Arnold Stadler: Der Tod und ich, wie zwei, S. 113)
  • Von allen Spielen ist das verlierendste / der Kriegeshalbkunst trauriges Würfelspiel: / denn welcher Wurf auch falle, fällt doch / selber dem Siegenden Tod und Elend! (Friedrich Gottlieb Klopstock)
  • Wer einmal das Weh der Welt in sich erlebt, der kann nicht mehr glücklich werden in dem Sinne, wie der Mensch es möchte. (Albert Schweitzer)
  • Nachts heule ich und bin am Sterben - und des Morgens erhebe ich mich mutig und stark. Bis zur nächsten Nacht, zur nächsten Angst. Alleinsein ist nichts für mich. Plötzlich übermannt mich Sehnsucht, so eine Gier nach Liebe, Zuwendung, daß ich fürchte, dem Erstbesten zu erliegen, der mich zärtlich lockt. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Manchmal, wenn ich mir meine Dummheiten, mein Mißgeschick und das ganze Durcheinander in meinem Innern vergegenwärtigte, überkam mich ein niederdrückender Unmut. Allein und ungestört wollte ich sein, aber alles stürzte sich jede Stunde, jede Minute förmlich zerreißend auf mich. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene)
  • Hat ein intelligenter Mensch die Chance, viel mehr zu sein als ein Wesen, das in großem Stil Mißverständnisse produziert? (Philip Roth: Gegenleben)
  • Des Kummers Krönung ist das Schwelgen in süßen Erinnerungen. (P.G. Wodehouse: Monty im Glück)
  • Etwas Schreckliches, so eine hypertrophe Phantasie. (Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Das Dämonische, das etwas Abschreckendes an der wahren Naturwissenschaft sei, daß sie dunkel die Ahnung von einer Welt vermittle, mit der wir nicht das mindeste zu schaffen hätten, die zu begreifen unserem Verstand nicht gegeben sei, von einer Welt vor allem, die absolut nicht zu unserem Besten eingerichtet sei. (Lars Gustafsson: Der Dekan)
  • Alles ist dunkel, alles ist schrecklich, und ich wüßte nicht, aus welchem besonderen Grund ich weiter auf dieser dunklen, vergebens erfundenen Welt verharren soll. Nicht daß ich Selbstmord erwöge: Das wäre unökonomisch - da wir fast in jedem Land einen Menschen finden, der vom Staat dafür bezahlt wird, einem Menschen todbringend beizustehen. (Vladimir Nabokov: Verzweiflung)
  • Gestern noch ein Tropfen Schleim, morgen wirst du Asche sein. (Michail Schischkin: Venushaar)
  • Wüßten wir, was Leben ist, würden wir uns wohl schon bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals legen. (Sibylle Berg: Amerika)
  • Kamerad der Traurigkeit. (Sibylle Berg: Amerika)
  • Ein Weingefühl in der Brust. (Sibylle Berg: Amerika)
  • ... schreibt er am 10. November 1811 "meine Seele ist so wund, daß mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir darauf schimmert." (Luise Rinser: Wachsender Mond. 1985-1988, S. 155)
  • Zwischen Fachwerkwelt und Wüstenrot-Welt das gefestigte, zehnmal versicherte, religiös gepolsterte und konservativ geschnürte Leben, alles diente nur dazu, den Widerspruchsgeist zu trainieren. (F.C. Delius: Mein Jahr als Mörder, S. 113)
  • So nur ist unsre Zeit zu verstehen: alle Teufel sind los, alle unsre finstern Instinkte steigen hoch, aller Haß bricht aus. (Luise Rinser: Wachsender Mond)
  • Als praktischer Mensch hab ich's im Leben erfahren, daß Guthaben immmer wieder verlorengehn, Schulden aber nie gestrichen werden. (Franz Werfel: Cella oder Die Überwinder, S. 10)
  • Wie falsche Träume, alle Freuden vergangen, / Unwiederbringlich die vertändelten Tage, / Das Falsche geliebt, erstorben das Verlangen: / Von dem, was gewesen, bleibt nur die Klage. (Sir Walter Raleigh)
  • ... in einem Leben, in dem die spektakuläreren Freuden eingeebnet sind... (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
  • Ich begann, eine Religion der Rebellion zu erwägen gegen die Gleichgültigkeit Gottes und gegen die Grausamkeit derer, die Er nach Seinem Bild geschaffen hatte. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 390)
  • "Wie befinden sich Euer Gnaden?" "Durch den fortwährenden Verkehr mit der Welt durchaus nicht verwöhnt." (Wilhelm Raabe: Frau Salome)
  • Sie wollte sich ihren Schmerz nicht verringern lassen, die Märtyererseligkeit, die jeder Leidende empfindet, nicht aufgeben. (Stefan Zweig: Praterfrühling. Erzählungen, S. 219)
  • Du hast dich im Nötigsten verkrochen, weil du Angst hast vor dem Möglichen. (Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht, S. 263)
  • Einmal habe ich geträumt, ich fände auf meinem Anrufbeantworter diese Nachricht vor: Tut uns leid, Sie haben zu wenig gekauft, Sie dürfen nicht mehr mitmachen, Sie sind raus. (David Wagner: Vier Äpfel)
  • Ich ging auf und ab. Im Grunde macht man sein ganzes Leben nichts anderes. Auf und ab gehen. Man glaubt, man geht immer weiter. Man wird älter und glaubt, so weit ist man also gekommen. Aber man ist nur auf und ab gegangen. Wie in einer Zelle. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen, S. 50)
  • soziale Null. (Verena Rossbacher: Verlangen nach Drachen, S. 98)
  • ... genüßlich seinen Lebensekel zelebrieren. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen, S. 120)
  • Lebensmorast, man geht ins Leben und tritt nie auf sicheren Grund. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen, S. 92)
  • Verachtung für all die, in deren Leben immer alles so glatt, problemlos und harmonisch ablief, daß ihnen stets die richtige Antwort, aber nie eine Frage einfiel. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen, S. 17)
  • Mein Leben läßt sich in beschämend wenigen Worten vollständig beschreiben. (Robert Menasse: Ich kann jeder sagen)
  • zunehmende Neigungsebene seiner Existenz. (Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht)
  • Manchmal, wenn ich mir meine Dummheiten, mein Mißgeschick und das ganze Durcheinander in meinem Innern vergegenwärtigte, überkam mich ein niederdrückender Unmut. Allein und ungestört wollte ich sein, aber alles stürzte sich jede Stunde, jede Minute förmlich zerreißend auf mich. (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene, S. 330)
  • Mir sind nicht nur meine unmittelbaren Angehörigen, Berufsgefährten und Altersgenossen weggestorben, sondern auch meine Gegner. Würde ich nach Budapest zurückgehen, fände ich keinen mehr, mit dem ich hadern könnte. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 144)
  • Jeder Terror frißt sich selbst auf. Dann beginnt er von vorn. Es stimmt nicht, daß es früher anders war. Nur waren die Menschen weniger und die Statistik bescheidener, aber es ist immer so gewesen. Der Mensch ist hoffnungslos grausam. Grausam, weil ohne Hoffnung. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 134)
  • "Meinen täglichen Gleichmut gib mir..." (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 15)
  • Nur die Einförmigkeit eines Übels läßt es wahrhaft unerträglich werden. Wenn der Schmerz sich verlagert, genießt das Glied, welche Qual auch in einem andern Teil dem Körper zusetzen mag; die Beständigkeit des Übels an ein und demselben Punkt jedoch ist die allerschwierigste Heimsuchung. (Julien Green: Der andere Schlaf, S. 96)
  • ... dämonische Kraft ordinärer Aufdringlichkeit, Zudringlichkeit und schließlich sogar Eindringlichkeit beruht ja geradezu darauf, daß sie in bezug auf den Raum dort drüben, in welchen sie sich hineinflegelt, vollkommen unwissend ist; indem sie ihn nämlich ihrem eigenen ohne weiteres für gleich beschaffen hält. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Tzvetan Todorov geht gar so weit, im Scheitern die einzige "unmittelbare Erfahrung des Unendlichen und Absoluten" zu sehen, welche die moderne Gesellschaft ihren Subjekten gewährt. (Ilma Rakusa: Langsamer!)
  • Die Einsamkeit einer wirklichen Persönlichkeit ist zentripetal, ihr Sturz nach innen wird zu rasch, als daß die Freunde - von der Welt ganz zu schweigen - noch folgen könnten. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Ich hatte doch eine freundliche Jugend: und dann diese Finsternis! (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Der intakte Duft einer heileren Welt... (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Ihm schien in diesem Augenblicken, als sei bis jetzt nur der kleinste Teil von dem, was er bisher erlebt hatte - sein Eigen geworden. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • So kann man auch meine Verfaßtheit charakterisieren, besonders wenn es um den Kontakt zu anderen Menschen geht, speziell unbekannten: "Bei Williams gab es hier eine seltsame Art von Eingefrorenheit, die sehr allmählich nur taute." Heimito von Doderer: Die Dämonen)
  • Vorne kein Stauraum für Träume, hinten Romantik mit Mängeln und in der Mitte jener pralle Wahnwitz, der unseren Fluchtwunsch verursacht. (Markus Werner: Am Hang)
  • Wer alles gern langsamer hätte, stiller, sinnlicher, weniger grell, hat keine andere Wahl, als sich ins Einst hineinzuphantasieren, denn wie erwähnt, das Künftige wird so gewaltsam wirklich sein, daß sich kein Träumchen mehr nach vor wagt. (Markus Werner: Am Hang)
  • Vor kurzem nämlich habe ich eine Nacht lang Mozart gehört, die heitersten, herrlichsten Sachen, und den Welthaß trotzdem nicht aus mir herausgebracht und nicht überwunden, im Gegenteil, es hat mir die Musik verdeutlicht, daß Schönheit kein Trost ist. (Markus erner: Am Hang)
  • Er leitet jedes Wässerchen auf seine Mühle, dachte ich, und sammelt Belege für das Unglück der Welt, besessen wie jeder Sammler. (Markus Werner: Am Hang)
  • Wo immer ich höre, daß einer weiß, was der anderen Menschen Glück ist; wo immer ich lese, daß jemand im Namen einer Idee über Millionen Menschen verfügt, und sei es nur in Gedanken; wo immer ich sehe, daß einer alten Ideologie frische Schminke aufgelegt wird, um ihren Tod zu maskieren, packt mich das Entsetzen. Und eine jahrzehntealte Wut. (Monika Maron: Nach Maßgabe meiner Begreifungskraft. Artikel und Essays, S. 21)
  • im Gemüt zersaust. (Hermann Burger: Schilten)
  • Sie sehen lauter Gesunde um sich und fühlen sich von ihrer vermeintlichen Intaktheit in Frage gestellt. (Hermann Burger: Schilten)
  • Alles ist jetzt möglich, auch das Schlimmste. Denn auch das Schlimmste streicht immer in der Meute des Möglichen umher. Die Hyäne des Schlimmsten tummelt sich ziellos in der Banalität. (Pierre Péju: Die kleine Kartäuserin, S. 9)
  • Lieber Sturz,(...) es tut mir so sehr leid, daß Du grade wieder besonders schlechte Zeiten hast! Überall kommt zum Persönlichen und Privaten, das ja oft schwierig genug ist, noch das Plus an Last, an Sorge, an Schande, an Leid hinzu, das die Zeit uns allen auferlegt. (Hermann Hesse - Hans Sturzenegger: Briefwechsel 1905-1943, S. 97)
  • !Gäbe Man mir nur ein Mal Die-Chance zu zeigen, !Was ich kann. !Ein Mal nur. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 384)
  • Ich erzählte von allem was mir zuviel war, also erzählte ich von Allem. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Dasglück will nicht gebraucht werden um sich einzufinden. Wo Not & Drangsal nach Demglück verlangen, kehrt Es sich brüsk, zutiefst beleidigt ab wie die Edelhure, der man für ihre schau=Spielkünste im Theater des Fleisches statt fürstlichem Lohn nen Verrechnungsscheck anzubieten wagt. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 35)
  • Aber sobald man betet, ein Kelch möge an einem vorübergehen, weiß man im Grunde, daß es schon zu spät ist. (Tim Parks: Schicksal, S. 284)
  • Weltallausmaß aller blutig schreckensvollen Verwickeltheiten, deren Menschen fähig waren & sind. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Wenn man nur hinter die Masken sehen könnte, hinabsteigen in die Bergwerke im Inneren der Menschen. (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 706)
  • Staubbraune Trübnis beginnenden Sonntagabends. (Reinhard Jirgl: Die Stille)
  • Wer einmal das Weh der Welt in sich erlebt, der kann nicht mehr glücklich werden in dem Sinne, wie der Mensch es möchte. (Albert Schweitzer)
  • Der Begriff der Einsamkeit bezieht sich auch auf einen Menschen inmitten vieler anderer, für die er selbst ohne jede Bedeutung ist, für die es gleichgültig ist, ob er existiert oder nicht existiert, die die letztliche Gefühlsbrücke zwischen sich selbst und ihm abgebrochen haben. (Norbert Elias: Die Einsamkeit der Sterbenden)
  • Eine andere, im engeren Sinne soziale Form der Vereinsamung stellt sich dann ein, wenn ein Mensch an einem Ort lebt oder eine Position hat, die es ihm nicht ermöglicht, Menschen von der Art zu begegnen, von der er fühlt, daß er ihrer bedarf. (Norbert Elias: Die Einsamkeit der Sterbenden)
  • Jedes ernste Leiden wird als Todesvorahnung gewertet, und jedesmal wird mit der Gefährdung der eigenen Person auch die Welt als Ganzes als gefährdet empfunden. Es wird nach dem Sinn des eigenen Lebens, nach der Einordnung der Krankheit, aber darüber hinaus auch nach allgemeingültigen Gesetzen gefragt: es kommt zu einer Philosophie der Krankheit. (Ida Cermak)
  • ... daß das menschliche Herz imstande ist, so viel Elend zu empfinden und zu ertragen. (John Keats)
  • Bedenke nur eines, Mama: Das Leben ist schonungslos und ist nach seiner inneren Anlage tragisch: Wir bedeuten nichts in dem großen Plan, und die Gesundheit kann uns jeden Augenblick durch die gleichen blinden, zugreifenden Finger zerquetscht werden, die vor uns Billionen Menschen in die Erde stampften, wo sie modern. (Thomas Wolfe)
  • ... in einem lähmenden Brei von Verpflichtungen. (Hermann Hesse: Betrachtungen und Berichte II)
  • ... meine stumme Verzweiflung, wenn die Tage mir auseinanderlaufen. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr, 1961)
  • Ich habe die erwünschte Einheit zwischen Seele und Geist vermasselt! Ich habe die meiste Zeit meines Lebens in der Dissonanz zwischen dem, wie ich gehandelt habe, und den vielen Gedanken, die mich allzu schnell durchfuhren, verbracht. (Luc Bondy: Am Fenster, S. 38)
  • In der Schweiz, ob auf einem Spaziergang auf der Alm, ob auf einem Hotelflur, begrüßen sich die Leute, jedenfalls nicken sie sich freundlich zu. Da entsteht der letzte Optimismus zwischen der menschlichen Gattung, ein Gruß, mehrere Grüße, sind nicht zu unterschätzen für die Existenzmühen des Tages. (Luc Bondy: Am Fenster)
  • Wie zerbrechlich wir sind, habe ich gedacht, wir führen alle so große Wörter im Mund und pochen tagtäglich und fortwährend auf unsere Härte und auf unseren Verstand und kippen von einem Augenblick auf den andern um und müssen ein Weinen in uns erdrücken. (Thomas Bernhard: Beton, S. 110)
  • Ach, Engelke, das Leben is doch eigentlich schwer. Das heißt, wenn's auf die Neige geht; vorher is es soweit ganz gut. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 336)
  • Er hatte aus seinem Leben eine Zwangsjacke gemacht, in der er sich nicht bewegen konnte, gefesselt von den Bändern der Enttäuschung über sich selbst und der Isolation, die ihn mit bitterer Traurigkeit ohne Morgen erfüllte. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 110)
  • ... wann hatte bei ihm die Scheiße angefangen? Er blätterte rasch die Kindheit seit dem fernen September der Geburtenzange durch, die ihn aus dem uterinen Aquariumsfrieden herausgeholt hatte. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 27)
  • Wohin gerät das Leiden, dessen wir nicht gewahr werden können? (Christa Wolf: Störfall, S. 14)
  • Was mich an meinem Leben stutzig macht, ist die fortschreitende gegraphische Einengung. (Amelie Nothomb: Quecksilber, S. 23)
  • Des Menschen Leben : das heißt vierzig Jahre Haken schlagen. Und wenn es hoch kommt (oft kommt es einem hoch !!) sind es fünfundvierzig; und wenn es köstlich gewesen ist, dann war nur fünfzehn Jahre Krieg und bloß dreimal Inflation. (Arno Schmidt: Schwarze Spiegel)
  • Selbst wenn sie mehr Elend als Freude miteinander erleben, hängen die Menschen solange wie Kletten zusammen, bis sie sich ihres gegenseitigen Hasses absolut sicher sind. (A.F.Th. van der Heijden: Das Gefahrendreieck, S. 143)
  • 'Es gibt Menschen', sprach er, 'denen die Natur oder ein besonders Verhängnis die Decke wegzog, unter der wir andern unser tolles Wesen unbemerkter treiben. Sie gleichen dünngehäuteten Insekten, die im regen, sichtbaren Muskelspiel mißgestaltet erscheinen, ungeachtet sich alles bald wieder in die gehörige Form fügt. (E.T.A Hoffmann: Die Serapionsbrüder, S. 54)
  • Das Mißverhältnis des innern Gemüts mit dem äußern Leben, welches der reizbare Mensch fühlt, treibt ihn wohl zu besonderen Grimassen, die die ruhigen Gesichter, über die der Schmerz so wenig Gewalt hat als die Lust, nicht begreifen können, sondern sich nur darüber ärgern. (E.T.A Hoffmann: Die Serapionsbrüder, S. 38)
  • Sie sagte: "Es müßte etwas für die Sachen erfunden werden, die zu nichts zu gebrauchen sind, die man aber auch nicht wegwerfen kann." So war es: Die Gier, mit der sich die Dinge in die Lebensräume fraßen, die Menschen zurückdrängten und einkesselten, beängstigte Fermina Faza so lange, bis sie alles irgendwohin gepackt hatte, wo es nicht zu sehen war. (Gabriel Garcia Marquez: Liebe in den Zeiten der Cholera, S. 422)
  • "Man bekommt Routine im Fliehen und Verlieren. Merken Sie sich, Madame: kein Unglück ist in der Wirklichkeit so groß wie in unserer Angst: ausgenommen vielleicht Zahnschmerzen...." (Franz Werfel: Jacobowsky und der Oberst, S. 20)
  • Die wahre Einsamkeit ist, hier unter all diesen freundlichen Menschen zu leben, die einen bloß bitten, mitzuheucheln. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 19)
  • Das Elend ist ein Schnitter: Er mäht alles, was wir an Fähigkeit zum Umgang mit dem anderen besitzen, in uns nieder und hinterläßt uns leer, gefühllos, um uns die ganze Trostlosigkeit der Gegenwart erträglich zu machen. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 321)
  • Man muß seine Identität als Erwachsener ständig neu aufbauen, dieses wacklige und vergängliche und so zerbrechliche Gefüge, das die Verzweiflung umhüllt und das sich vor dem Spiegel die Lüge erzählt, an die man glauben will. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 98)
  • Gewisse Leute sind unfähig zu erfassen, was das wahre Leben und der eigentliche Odem dessen ist, was sie betrachten, und verbringen eine ganze Existenz damit, über die Menschen zu harangieren, als wären es Automaten, und über die Dinge, als hätten sie keine Seele und ließen sich zusammenfassen in dem, was im Laufe von subjektiven Einfällen über sie gesagt werden kann. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 29)
  • Von Zeit zu Zeit nehmen sich die Erwachsenen offenbar Zeit, sich hinzusetzen und die Katastrophe zu betrachten, die ihr Leben ist. Sie jammern dann, ohne zu verstehen, und wie Fliegen, die immer gegen die gleiche Scheibe stoßen, werden sie unruhig, sie leiden, verkümmern, sind deprimiert und fragen sich, welches Räderwerk sie dorthin geführt hat, wohin sie gar nicht wollten. (Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels, S. 15)
  • Man vergleiche nur einmal, wer man am Tag seines Examens war und wer man heute ist. Ich habe es kürzlich gemacht und bei mir gedacht: "Ach du Schande! Was zum Teufel ist mir nur zugestoßen?" (David Sedaris: Schöner wird's nicht, S. 78)
  • ... überkam mich eine große Trauer, wenn ich bedachte, wie brüchig das ist, was wir unter "das Leben im Griff haben" verstehen. (David Lodge: Wie bitte? S. 356)
  • Ich halte nichts von Ideen. (...) Für die Hälfte alle Probleme in der Welt sind Ideen verantwortlich. (Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor, S. 184)
  • Diese Zeit, die es braucht, diese Männer, die es braucht, bis man endlich weiß, was einem tiefinnerlich zusagt! Und dann entdeckt man, daß das, was einem behagt, nicht das ist, was erträglich ist im Leben. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 297)
  • Ich habe Mühe zu verstehen, daß unterhalb meines relativ interessanten und ehrbaren Bewußten ein so mittelmäßiges Unbewußtes vor sich hin plätschert. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 225)
  • Geteiltes Leid ist, meiner Erfahrung nach, nicht halbes Leid, sondern über die gewaltige Lautsprecheranlage des Klatsches in die Welt hinausposauntes Leid. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 47)
  • Beim Leben ist das Problem, so kommt es mir vor, daß sich da herausstellen kann, daß es zu spät ist, und man hat es immer noch nicht verstanden. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 42)
  • Er unterlag nicht wie sein Vater der Schwerkraft des Versagens. (John von Düffel: Houwelandt, S. 135)
  • Ich weiß, daß mein Charakter eine dunkle Seite hat, einen mürrischen Grundton, mit Galle getränkt, der mein Gesichtsfeld eng und meine Zunge schwer und mißtönend werden läßt; es ist die äußere Erscheinungsform meiner Neigung zur Depression. (John Updike: Das Gottesprogramm. Rogers Version, S. 16)
  • ... dabei das deutliche Gefühl auf seiten Richards, daß ihm, gleichgültig, was er macht, die Gabe, von sich zu überzeugen, abhanden gekommen ist, daß er nicht mehr zu den Menschen gehört, bei denen sich das Blatt schlagartig zum Guten wendet. (Arno Geiger: Es geht uns gut, S. 223)
  • ... weil alle Unwiderruflichkeit notwendig tragisch ist. (Gilbert Keith Chesterton: Ketzer. Ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit, S. 43)
  • Menschen, die vom Fortschrittsgedanken fasziniert sind, ahnen nicht, daß uns jeder Schritt vorwärts zugleich dem Ende näher bringt und in den frohen Parolen immer weiter und vorwärts die laszive Stimme des Todes mitschwingt, die uns zur Eile drängt. (Milan Kundera: Das Buch vom Lachen und Vergessen, S. 242)
  • Wenn wir leiden, können uns nur die helfen, die selber leiden. (Emmanuel Bove: Die letzte Nacht, S. 114)
  • "Der Chef wird von Ihnen entzückt sein. Und vergessen Sie nie, sonntags in die Kirche zu gehn. So werden Sie von drei Seiten eingegattert sein, Familie, Arbeit und Religion. Der ideale Staatsbürger. Ein Leibeigener, ein Mann ohne Gesicht. (Manuel Puig: Verdammt wer diese Zeilen liest, S. 139)
  • ... die Gefahr des Existierens, diese entsetzliche Anstrengung. (Gert Hofmann: Die Fistelstimme, S. 89)
  • ... wenn mich die Schwermut in Dunkelhaft nimmt. (Markus Werner: Der ägyptische Heinrich, S. 190)
  • Wenn man im Leben schon leiden muß, dann ist es meiner Meinung nach viel besser, wenn man das Glück nie gekannt hat. (Stephen Fry: Geschichte machen, S. 87)
  • Warum? Warum geschieht so viel? Wozu drängt sich uns, selbst wo wir uns ganz still verhalten, immer ein Geschehen auf, so frech? (Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 189)
  • In der tiefsten Tiefe der Depression kannst du Erfahrung machen, die anders nicht zu haben sind. Es gibt auch ein depressives Glück, das glückhafter ist als jedes andere. Aber es wird bezahlt, je nachdem mit dem Leben. (Walter Vogt: Altern, S. 186)
  • Ich war depressiv, lernte unauslotbare Verzweiflungen kennen. Zog mich wie im Klimmzug aus der Güte und Liebe meiner Frau, meiner Kinder, meiner Freunde immer wieder hoch. (Walter Vogt: Altern, S. 182)
  • Auch diese Erinnerung hatte ihre schwermutsvolle Süßigkeit, wie alles, was völlig vergangen war. (Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie)
  • Mein Glaube an die Menschheit, der nie sehr groß war (und seinen Zenit vermutlich in meinem zehnten Lebensjahr überschritt)... (Steffen Mensching: Lustigs Flucht, S. 104)
  • Du hast mich buchstäblich zerstört. Ich bin bis auf die Grundmauern abgebrannt. (Rebecca West an H.G. Wells)
  • Der Mensch ist so sicher fürs Unglück geboren, wie Funken nach oben fliegen. (John Cheever: Die Geschichte der Wapshots, S. 176)
  • Sie fragte sich, warum sich ein Mensch in der Welt, in der er leben soll, so elend und erschöpft fühlen müsse. (John Cheever: Die Geschichte der Wapshots, S. 60)
  • Im grauen Licht ging er hinaus, blieb stehen und erkannte einen Moment lang die absolute Wahrheit der Welt. Das kalte, unerbittliche Kreisen der hinterlassenschaftslosen Erde. Erbarmungslose Dunkelheit. Die blinden Hunde der Sonne in ihrem Lauf. Das alles vernichtende schwarze Vakuum des Universums. Und irgendwo zwei gehetzte Tiere, die zitterten wie Füchse in ihrem Bau. Geliehene Zeit, geliehen Welt und geliehene Augen, um sie zu betrauern. (Cormac McCarthy: Die Straße, S. 118)
  • ... daß du außerhalb deines üblichen Alltagsradiusses vollkommen verloren bist. (Terezia Mora: Alle Tage, S. 280)
  • Die hilflos Aufgekratzten, die sich für Lebensmeister halten, werden weiterhin den schalen Leidensraum der Welt mit ihrem Lärmen übertönen... (Karl-Heinz Ott: Ins Offene, S. 18)
  • Vielleicht zieht mich das Häßliche an, weil ich unaufhörlich nach Beweisen suche, wie verrottet und verderbt die Welt ist. (Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff, S. 230)
  • Fremd über jede Vorstellung! Fremdheit, das Erzgefühl meines Lebens, auf ihren Grund nun konnte ich tauchen! (Franz Werfel: Die tanzenden Derwische. Erzählungen, S. 98)
  • Wie schnell wird doch unsere Lebensform zum Kostüm. (Wartet nur, es vergeht kein Atemzug der Erde, und auch eure moderne Sportelegance, eure dürre Bewegungs- Schönheit, eure nachwestliche Muskel-, Knappheits- und Rekordanbetung wird zum Fundus, der großen Maskenleihananstalt gehören!) (Franz Werfel: Die tanzenden Derwische. Erzählungen, S. 49)
  • Sagen wir, ich sehe am Horizont nicht gerade Partyballons aufsteigen. (Liz Jensen: Das neunte Leben des Louis Drax, S. 27)
  • Gibt es jemals ein Genügen an der Gegenwart? (Franz Werfel: Die tanzenden Derwische. Erzählungen, S. 60)
  • Es gab keinen Ausweg aus seinem Leben, er mußte immer wieder in sich selbst herumgehen. (Wilhelm Genazino: Falsche Jahre)
  • Das Herz ruft verzweifelt nach beständigem Glück. (...) Was sonst ist das Leben als ein großer Betrug, und will man diesen Schwindel einigermaßen überstehen, muß man sich mit verborgenen Weisheiten zufriedengeben. Wir gleichen Schauspielern, die auf der Bühne von der Täuschung leben und trotzdem ihre Kunst anbeten. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • Im Wörterbuch seines Lebens fand sich beim Begriff Liebe nur die Bedeutung Schmerz. Jene unsägliche Qual, die die Seele verbrannte, und dort, wo sich im Schein der lodernden Flammen gerade noch wunderbare Geheimnisse offenbart hatten. blieb schließlich nichts anderes übrig als Asche. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
  • Im Grunde begreift keiner die Tragik im Leben des anderen. (Wilhelm Raabe: Horacker)
  • Die Situation wird immer weniger steuerbar. Mein Leben, für das ich nie einen Plan entwickelt hatte, völlig entbeint zu sehen hat etwas sehr Jämmerliches. All die Dekoration, die wir um unsere Grundbedürfnisse errichten, das Sich-Gepflegt- Ankleiden, der Sport... (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 265)
  • Mein innerlicher Aufenthalt auf einem Parkplatz am Tor zur Hölle läßt mich jede Stumpfheitsolympiade gewinnen. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 179)
  • Es ist normal geworden, keine Wurzeln mehr zu haben. Nicht in Orten, nicht in Familien. Kein Grund, sich zu beklagen. Dafür leben wir heute länger. Wenn auch nicht ganz klar ist, wozu. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 74)
  • In der großen und wilden Einsamkeit der Unberührbaren, die von niemandem mehr Hilfe erwarten. (Elsa Morante: La Storia, S. 235)
  • Von allen Seiten her schlug ihn, ohne daß Widerstand möglich gewesen wäre, der Mechanismus der Familie, der Polizei, der Gesellschaft wieder in Fesseln. (Roger Martin DuGard: Die Thibaults, S. 87)
  • Das alles ist egal. Leider kann man dieses Wort nicht steigern. (Jan Seghers: Partitur des Todes)
  • Die Gegenwart, dozierte der Professor, entferne sich durch potenzierte Verflachung täglich mehr von dem, woran man einst geglaubt habe: von Würde, Anstand, Bildung, Noblesse, Stil und Eleganz. (Gerhard Köpf: Ein alter Herr, S. 160)
  • Ihr seid recht unerfahren im Schmerze, wenn Ihr meint, der tiefste wäre lärmend. (Thomas Mann: Der Erwählte, S. 62)
  • Die Welt von heute ist ein stinkendes Loch, nichts für schöne und edle Grundeinstellungen. (Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb, S. 260)
  • Andererseits trafen ihn die Schmerzen des Lebens schärfer als in der Vergangenheit. (Vladimir Nabokov: Ada oder Das Verlangen, S. 435)
  • Ich habe auch ständig das Gefühl, daß früher alles besser war, daß ich irgendwann mal glücklich gewesen sein muß, sonst wüßte ich ja jetzt nicht, daß ich unglücklich bin. Irgendwann und irgendwie ist mir das Glücklichsein abhanden gekommen. (David Lodge: Therapie, S. 130)
  • "Das Schrecklichste, was einem Mann passieren kann, ist, daß er in seinen Augen lächerlich wird im Hinblick auf etwas grundlegend Wichtiges - daß er zum Beispiel entdecken muß, daß die Summe und die Substanz seines Lebens Blödsinn ist." (David Lodge: Therapie, S. 158)
  • Was das Leben sei: eine Katastrophe. Was man ja immer ein wenig geneigt ist zu unterschlagen. (Arno Geiger: Es geht uns gut, S. 371)
  • Gott weiß, und ich, glauben Sie mir, weiß es auch, daß dem Menschen oft nichts andres übrigbleibt, als Unrecht zu tun - sei's gegen andre, sei's gegen sich selbst. Und daß man sich wohl abfinden muß, dies die Weltordnung zu nennen. (Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends, S. 89)
  • Plötzlich überfällt mich die nackte Verzweiflung über die Ohnmacht des Geistes. Daß ein Mensch überhaupt sein Leben lang glaubt und hofft und liebt und daß nichts dabei herauskommt als Parteigezänk, als Kriege, als Ausbeutung der Schwachen, als Haß... (Luise Rinser: Kriegsspielzeug. Tagebuch 1972-1978, S. 131)
  • Dann ist also die Wirklichkeit eine ausgeklügelte Folterveranstaltung. Dann passiert also genau das, was am meisten wehtut. (Martin Walser: Ohne einander, S. 35)
  • Das ist das Komische, sobald man weint, hat man das Gefühl, jetzt täusche man nichts mehr vor. Sobald du weinst, spürst du, jetzt reagierst du auf die Welt, wie es sich gehört. (Martin Walser: Ohne inander, S. 93)
  • Er grübelte darüber nach, was er in seinem Leben versäumt oder unterlassen haben könnte, um derart ratlos in den eigenen vier Wänden dazusitzen. (Hartmut Lange: Die Wattwanderung, S. 26)
  • Ich bin glücklich, wollte Jakob sagen, aber der Satz war wie ein Holzpüppchen, das man behutsam aufstellte und das sich doch nur einen Augenblick hielt, bevor es umkippte. (Katharina Hacker: Habenichtse, S. 257)
  • Wir sind dezimiert. Wir sind zu wenige. Zu wenige für diese Welt, in der nichts anderes als das rein physische Gewicht der Masse den Durchbruch macht und nicht die geistige Energie einer Einheit. (Joseph Roth: Zipper und sein Vater, S. 548)
  • Die Einsamkeit ist eine schöne Sache, sagt Balzac, aber man braucht einen, sagt er weiter, der einem sagt, die Einsamkeit ist eine schöne Sache. (Heinrich Steinfest: Der Umfang der Hölle, S. 341)
  • Mitunter ertappte er sich jedoch bei dem abstoßenden Gedanken, es müsse wieder einen Krieg geben, um ihn von all dem vulgären Volk zu befreien, von dem er sich zusehends umgeben sah. (Gerhard Köpf: Ein alter Herr, S. 14)
  • ... dachte dann, daß das wahre Unglück wohl immer zuerst in der Gestalt des Glücks auftrat. Man begrüßte etwas als Glück, um hinterher zu merken, daß darin bereits der Keim des Unglücks gelegen hatte. (Gert Loschütz: Die Bedrohung, S.136)
  • ... entwickle ich mich mehr und mehr zu einem Einzelgänger, der zwar nicht zufrieden zu Hause sitzt, dem es aber noch anstrengender erscheint, Einladungen nachzukommen oder Bekannte anzurufen. (Karl-Heinz Ott: Endlich Stille, S. 84)
  • In den ersten dreißig Jahren meines Lebens begriff ich eigentlich alles erst hinterher. Dann war ich sehr gut und wurde immer besser, was das Begreifen betraf, aber leider nicht mehr zwanzig. Das Leben wäre eine faireres Spiel, wenn man gelegentlich einen Blick ins Drehbuch werfen könnte. (Christoph Hein: Das Napoleon-Spiel, S. 22)

Medizin

  • "Und was Sie angeht, Gräfin Koks-", rief die Hauswirtin nach oben. Doch da fuhr Cecilia herum und unterbrach sie mitten im Satz. "Genug jetzt, Mrs. Jarvis. Nun ist wirklich genu." Briony kannte die Stimme: die reinste Nightingale, zum Gebrauch gegenüber schwierigen Patienten und weinerlichen Lernschwestern empfohlen. Es dauerte Jahre, diesen Ton zu perfektionieren. Keine Frage, Cecilia war zur Stationsschwester befördert worden. (Ian McEwan: Abbitte)
  • Die Gentest werden vollends aus allen Menschen Kranke machen. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung)
  • "Hast du schon einmal in der Psychiatrie gearbeitet? Mit der Zeit kannst du die Patienten und das Personal nur noch anhand der Kleidung unterscheiden." (Martin Suter: Der Teufel von Mailand)
  • Die Ärzte sind es gewohnt, Menschen und Dinge zu beurteilen; die geschicktesten unter uns bringen die Seele zur Beichte, wenn sie den Körper beichten lassen. (Honore de Balzac: Die Entmündigung)
  • Seine Frau Carol war früher Krankenschwester gewesen; Notfälle beflügelten sie immer noch. (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
  • Dem Tod ist es egal, welcher Arzt ihn herbeiführt. (Octave Mirbeau: Nie wieder Höhenluft oder Die 21 Tage eines Neurasthenikers)
  • Ich bin wieder in Baden, doch erlaubt der Arzt mir nur noch sehr kurze Bäder, auch im Gebrauch der Heilmittel wird man im Alter allmählich rationiert. (Hermann Hesse - Hans Sturzenegger: Briefwechsel 1905-1943, S. 98)
  • Dr. Focke, der am St.-Joseph-Stift als Leitender Urologe arbeitete, war, wie viele Urologen, ein zu Tobsucht und sprachlicher Direktheit neigender Mann. (Uwe Tellkamp: Der Turm)
  • Die Gentests werden vollends aus allen Menschen Kranke machen. (Wolf Schneider: Glück. Eine etwas andere Gebrauchsanweisung, S. 116)
  • Die Ärzte gehen nicht viel tiefer, als bis in die Oberfläche. Sie versäumen immer alles, genau das, das Versäumen, werfen sie aber fortwährend ihren Patienten vor. Die Ärzte haben kein Gewissen, sie verrichten nur ihre medizinische Notdurft. Aber wir fliehen doch immer wieder zu ihnen. (Thomas Bernhard: Beton, S. 150)
  • Jüngere Ärzte sind meist klüger als die alten, aber doch weniger Ärzte. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 310)
  • Brausetabletten, die den Durchfall zukorkten, dem Sodbrennen jedoch die Zügel schießen ließen. (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 36)
  • "Hören Sie mal, Sie Blödmann, kennen Sie die Besitzerin von dem hier?" Und nach einer Pause, die bezweckte, im Arzt die Schulpanik des Nichtwissens sich ausbreiten zu lassen, schlug sie mit Besitzerhand auf ihren Bauch: "Das bin ich". (Antonio Lobo Antunes: Elefantengedächtnis, S. 19)
  • Wenn ein Arzt mit einem grob ist, kommt man sich gleich so gesund vor. (Arthur Schnitzler: Sterben. Erzählungen 1880-1892, S. 145)
  • Er absolviert ein Medizinstudium und beginnt, die Nachlässigkeiten des Herrgotts zu korrigieren. (Hanna Krall: Da ist kein Fluß mehr, S. 93)
  • ... haben die meisten normalen Menschen vor einem Arzt, vor jedem Arzt, so viel Ehrfurcht, daß es ihnen gegen den Strich geht, sich zu fragen, ob eine in ihren Augen so heroische Person vielleicht einen Fehler gemacht hat. (Thomas Glavinic: Das Leben der Wünsche, S. 138)
  • Altenpflege, gerade im Heim, gehört zu den härtesten, anstrengendsten Jobs, die unsere Gesellschaft zu vergeben hat. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem, S. 74)
  • Junge Ärzte sind meist klüger als die alten, aber doch weniger Ärzte. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 45)
  • Wenn man krank ist, war ihm schon öfter vorgekommen, wie wenig oder gar nichts bedeuten einem dann Dichtung, Malerei, Musik. Alles schmilzt dahin, man möchte bloß den ursprünglichen Zustand des Wohlbefindens wieder erreichen. (Walter Kappacher: Der Fliegenpalast, S. 153)
  • Es ist schrecklich, zurückgeworfen zu werden auf eine fragile Körperlichkeit, die sich in einem exklatanten Mißverhältnis befindet zu den Ausflügen unsres Geistes. (Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 92)
  • Der Arzt fühlt den Puls des Patienten. Hört mit einem eiskalten Stethoskop dessen Herzschlag ab. Puccini sinkt aufs Kissen zurück. Hört sich alles gutmütig an, behauptet Ledoux mit diesem Arztlächeln, das in südlicherer Währung einer Krokodilsträne entsprechen dürfte. (Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini, S. 21)
  • Früher habe ich gejoggt, aber das ist nicht gut für die Knie. Von zuviel Beta-Karotin kriegt man eine orangefarbene Haut, von zuviel Kalzium Nierensteine. Gesundheit tötet. (Margret Atwood: Katzenauge, S. 56)
  • Langsam festigte sich bei mir die Überzeugung, daß man, wenn man nur lange genug in einem Krankenhaus liegt, früher oder später auf alle Personen trifft, die man je kennengelernt hat. (Joseph Heller: Überhaupt nicht komisch, S. 85)
  • AIDS ist eine stolze Krankheit, sie kennt nicht einmal Kleinbuchstaben und gibts sich nicht ab mit so etwas wie Husten und Hundestreicheln. Ihr ist unser Blut wichtig. (Sasa Stanisic: Wie der Soldat das Grammofon repariert, S. 175)
  • Erguß oder nicht, was zum Teufel es auch sein mag, aber noch ein solcher Erguß, und ich bin tot, sagte sich der Studienrat und nahm ein Taxi zum Centrallazarett. Dies passierte in den fünfziger Jahren, einer Zeit, in der es noch ziemlich leicht war, einen Arzt zu sprechen, wenn man nur mit einem einigermaßen interessanten Leiden ins Krankenhaus kam. (Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme, S. 68)
  • Die Ärzte verdanken ihre Existenz der der Schadhaften, für die sie zuweilen mehr Spott und Häme als Respekt übrighaben, während umgekehrt der Respekt, den die Schadhaften Ärzten gegenüber zeigen, in Ehrfurcht oder blinden Gehorsam ausartet. (Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht, S. 210)
  • Die Erkenntnisse der Medizin kann man auf eine knappe Formel bringen. Wasser mäßig genossen, ist unschädlich. (Mark Twain)
  • Ärzte schütten Medikamente, von denen sie wenig wissen, zur Heilung von Krankheiten, von denen sie weniger wissen, in Menschen, von denen sie nichts wissen. (Francois-Marie Voltaire)
  • Ärzte und Installateure werden zu gleichen freundlichen Gaunertricks verführt, weil man sie nicht kontrollieren kann. Ich muß es gläubig hinnehmen, wenn einer in meinem Bauch oder in meinem Klosett schwierige und für mich kostpielige Störungen entdeckt. (Irmgard Keun)
  • Wir Ärzte wissen schließlich am besten, daß in den entscheidenden Augenblicken einem Menschen sein Bankkonto wenig hilft. (Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens, S. 117)
  • Aber was wissen Medizinstudenten schon vom Leben? Zum Leben haben sie noch gar keine Zeit gehabt. (John Irving: Die vierte Hand, S. 434)
  • Ich bin überzeugt, daß der Tag des Jüngsten Gerichts für die gesamte Ärzteschaft kein angenehmer sein wird. (Irmgard Keun)
  • "Wie lange wird es dauern?" "Lady Cordelia, es gibt Männer, die gesund und vergnügt uralt werden, nachdem ihre Ärzte ihnen nur noch eine Woche zum Leben gegeben haben. Eines habe ich in der Medizin gelernt, man soll nie prophezeien." (Evelyn Waugh: Wiedersehen mit Brideshead, S. 290)
  • Warum ich keinen Arzt konsultiere? Soll ich mir denn, was noch an Leben übrig ist, durch Wahrheit vergällen lassen. (Franz Werfel: Der Abituriententag, S. 80)
  • Daß man für die Allgemeinmedizin kein Talent hatte und deshalb in eine andere Abteilung floh, war ein gängiges orurteil, mit dem Psychiater leben mußten. (Hideo Okuda: Die ltsamen Methoden des Dr. Irabu, S. 97)

Städte & Orte

  • Papa war entzückt. Wie die meisten Engländer hielt er die Schotten für einen der komischsten, wenn auch nicht feinsinnigsten Scherze des Allmächtigen. (Eric Malpass: Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung)
  • August war schon in Berlin. Sich amüsieren. Berlin wurde nie erwähnt ohne den Zusatz, daß man sich dort amüsiere. (Martin Walser: Ein liebender Mann, S. 238)
  • Die Engländer sind die modernste Nation und haben die altmodischste Regierung. (Martin Walser: Ein liebender Mann)
  • Florida (...), das Pensionärsheim der großen Demokratie. (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
  • ... jetzt mußte Francesco schnell auf die recht Spur kommen, mußte darauf hoffen, daß die anderen Fahrer ihn alle anderen Spuren überqueren lassen würden. Sie taten es, sie taten es fast immer, Amerikaner lassen ihren Frust nicht beim Autofahren aus - dafür haben sie zu Hause ihre Waffen. (Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud)
  • ... ins vielarmige Gleisdelta weitläufiger Bahnanlagen Hauptbahnhof Frankfurtammain - vorüber an Kraftwerksschornsteinen hin zu den Stalakmiten von Bank&messe-Türmen. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 115)
  • Es gibt in Italien zwei Sorten von Verrückten - die einen halten sich für Jesus Christus, die anderen glauben, sie könnten erreichen, daß die Züge pünktlich fahren. (Tim Parks: Schicksal, S. 67)
  • Von Rom zu schwärmen ist geschmacklos und überflüssig dazu, weil man an die Schwärmerei seiner Vorgänger doch nie heranreicht. (Theodor Fontane: Der Stechlin, S. 318)
  • In New York City hatte die Psychoanalyse etwas Unvermeidliches. So wie man die U-Bahn nehmen mußte, um irgendwohin zu gelangen. Die Psychoanalyse lag in der Luft wie Feuchtigkeit, wie Rauch. Man konnte sie fast riechen. (Anatole Broyard: Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village, S. 58)
  • Von ihm [W.H.Auden] stammt der Satz, daß die Kunst, in New York City zu leben, darin besteht, bei Rot über die Straße zu gehen. (Anatole Broyard: Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village, S. 19)
  • Es läßt sich mich einiger Sicherheit voraussagen, daß im Jahr 2025 Schußwaffen an Automaten auf der Straße zu bekommen sind, wohingegen das Rauchen in ganz Amerika verboten sein wird. (David Sedaris: Schöner wird's nicht, S. 210)
  • Aber hier in Amerika wird man, wie mir scheint, rapide immer dümmer. All diese Colleges, die Aufbaukurse anbieten, damit die Studenten lernen, was sie schon in der neunten Klasse hätten lernen sollen. (Philip Roth: Der menschliche Makel, S. 365)
  • Die Schwarzen und die Juden sind die magischen Völker in Amerika, während unsere gebleichte, heidnische, protestierende Rasse der Ballast ist, die von alters her schwärende Wunde, die nicht abheilen will. (John Updike: Das Gottesprogramm. Rogers Version, S. 289)
  • Geiz gibt es in Amerika nicht. Das ist eine Untugend oder eine Eigenschaft, die ein so junges Volk wie das unsere noch nicht kennt. (Georges Simenon)
  • Rom ist eine schöne, hauptsächlich von Japanern bevölkerte Stadt. (Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni, S. 82)
  • Ich wuchs im größten und am dünnsten besiedelten Landkreis der Bundesrepublik auf. Für jeden Fremden stellt sich der Landkreis Gifhorn, eine östliche Verwaltungseinheit im Regierungsbezirk Lüneburg, wahrscheinlich als ein landschaftliches Gähnen dar. (Hans Pleschinski: Ostsucht. Eine Jugend im deutsch- deutschen Grenzland, S. 14)
  • Berlin hatte keine Erweckung aus dem Geist des Parlaments nötig, vielmehr ringt es heute um die wenigen Zonen mit Artenschutz für abweichendes Denken und Gestalten, um die Reviere der Subversiven und der Erneuerer. (Roger Willemsen: Deutschlandreise, S. 39)
  • Der Zug fuhr am See entlang, nach Lorcarno, ein Ort, der trotz aller Versuche, ihn zu bebauen, bis der Tod einträte, immer noch wirkte wie in einem deutschen Ferienfilm aus den Fünfzigern. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 119)
  • Die Japaner, die man nicht verstehen wollte, weil sie nur eine Volksgruppe mehr sind, der der Kapitalismus komplett das Hirn weggeblasen hat. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 196)
  • Ich kann den Kongreß auch absagen. Sie haben ja recht, in Frankfurt muß man nicht gewesen sein. Im Grunde ist das eine fürchterliche Stadt. Die Banalität einer einwöchigen Buchmesse scheint das gesamte Jahr zu prägen. (Heinrich Steinfest: Ein sturer Hund, S. 64)


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