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Alter(n)
- Am folgenden Morgen betrachtete Hedwig ihr vom Weinen verquollenes Gesicht im Spiegel und bekam zum ersten Mal in ihrem Leben eine Ahnung davon, was aus ihr werden würde, wenn die Zeit ihr Werk getan hätte. (Julien Green: Der Übeltäter, S. 218)
- An der Schwelle zum Alter hatte sie noch nicht gemerkt, wie schön das Leben sein konnte, sie wunderte sich nur, daß man so zäh an ihm hing und daß man, so wie ich, den Augenblick fürchtete, an dem dieser bitterböse Scherz ein Ende nahm. (Joseph Roth: Erzählungen)
- Laut Brockhaus war er über siebzig Jahre alt, 1930 geboren. Mein erster Eindruck war der eines entschlossenen Menschen, dessen Zeit immer schon knapp gewesen war, die nun aber, noch knapper geworden, nach äußerster Effizienz verlangte. (Helmut Krausser: Eros, S. 9)
- Madame Evangelista wurde jetzt von der ersten Regung des Geizes ergriffen, dem bejahrte Leute schließlich zum Opfer zu fallen pflegen. (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)
- In deinem Alter gibt es, wenn es ums Aussehen geht, nur noch die Beleidigung. (Martin Walser: Ein liebender Mann)
- Stella stützte sich auf die Tischkante und setzte sich. Ihr Gesicht verzog sich zu einer schmerzverzerrten Grimasse. "Wenn ich du wäre", sagte die Großmutter, ohne von ihren Karten aufzublicken, "würde ich mal zum Arzt gehen." "Ach, das ist das Alter", protestierte Stella, "knarrende Karren fahren am längsten." (Erwin Mortier: Marcel, S. 94)
- "Wir haben großes Glück, daß uns im Alter ein bißchen was aus dem Gedächtnis entfällt, sonst hätten wir gerade, wenn uns die Kräfte verlassen, einen noch schwereren Sack zu schleppen." (Meir Shalev: Der Junge und die Taube, S. 179)
- ... beobachte ich als Anzeichen des Alterns an mir, daß ich schneller müde werde. Und: daß ich sehr vieles, was ich erlebe, erfahre, lese, einordnen kann in einen Zusammenhang von schon früher Erfahrenem, Gelesenem, Erlebtem. Immer mehr wird das Leben zu einem Gewebe, grundsätzlich Neues geschieht immer seltener. (Christa Wolf an Charlotte Wolff, 24.1.1986)
- Es war erstaunlich, was ich damals alles kapiert zu haben glaubte. Jetzt hingegen, als alte Frau, die ihr Leben hinter sich hat, kapiere ich gar nichts mehr. Sieht so aus, als wäre das Leben ein Weg vom Verstehen zum Nichtverstehen. (Michail Schischkin: Venushaar)
- Die Leute, die nicht zu altern verstehen, sind die gleichen, die nicht verstanden haben, jung zu sein. (Marc Chagall)
- Auf die achtzig zugehend, sehe ich mich manchmal aus einigem Abstand als einen Mann, den ich kenne, aber nicht näher. (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
- Die nächsten Male im Leben werden knapp, zumindest für Nicht-Hindus. (John Updike)
- Die verzerrende Linse des Alters. (John Updike: Die Tränen meines Vaters)
- Ein Schauspieler im Alter von 81 Jahren ist am Morgen im Schlaf verstorben. Zum ersten Mal nach langer Zeit bin ich neidisch. (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 137)
- Keine Grenze verlockt mehr zum Schmuggeln als die Altersgrenze. (Robert Musil)
- So um die dreißig herum, wenn wir zufällig nach vorn schauen, sehen wir plötzlich den Tod am Horizont lugen. Wir haben ihn vorher noch nie gesehen. Er hat eine Sense im Zielfernrohr. Er legt auf uns an. Er drückt nicht ab, noch nicht, aber er treibt uns zu Handlungen, die Lachstürme in ihm auslösen. (Urs Widmer: Die gelben Männer, S. 60)
- Wahrscheinlich schwächt das Alter nicht nur die Schließmuskeln des Körpers, sondern auch die Ventile des Seele, vor allem, wenn das Band der Ehe zerreißt, das als Schutzwall dient. Ich glaube, im Witwer nistet, wie im Junggesellen, der Keim eines unkontrollierten, frei umhertreibenden Gefühls. (Rafael Chirbes: Der Schuß des Jägers)
- Als Knabe, in jenen Jahren, in denen die Neugierde alle anderen Lebensäußerungen spielerisch überwuchert, hatte er oft an den eigenen Tod gedacht und an der Vorstellung Gefallen gefunden, es wäre der Beginn einer Wanderschaft durch alle Dinge hindurch, die er täglich vor Augen hatte. (Hartmut Lange: Das Konzert, S. 102)
- Alle alten Leute schlafen schlecht. Es ist, als hätte man nur eine begrenzte Zeit, um etwas zu tun, und schiebt das bis zum letzten Moment hinaus. Gegen Ende erkennt man, daß man sich besser hätte vorbereiten müssen, daß man mehr daraus gemacht hätte, wenn man früher angefangen hätte, und daß jetzt keine Zeit mehr dafür ist. So ist die Nacht, wenn man alt ist. (Marcel Möring: In Babylon, S. 193)
- Ich war ein echter, klassischer Gymnasiast, trostloses Endprodukt einer langen, abendländischen Entwícklung; schwärmerisch und kalt, ironisch und verletzlich und verzweifelt - kämpfte nächtelang gegen eine grausame, unbekannte Triebhaftigkeit und gegen einen grausamen, unbekannten Gott, unterlag. (Walter Vogt: Altern, S. 83)
- "Ich war damals sechszehn, und das ist die einzige Zeit im Leben, in der man die innere Sicherheit hat, etwas bewegen zu können." (Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens, S. 3)
- Ich bin nicht vierzig Jahre alt, ich verstehe mich noch nicht darauf, meinen Stolz unter die Autorität der Erfahrung zu beugen; in mir ist nicht die Liebe, die mit Demut erfüllt; kurzum, ich bin eine Frau, deren Charakter noch zu jung ist, um nicht abscheulich zu sein. (Honore de Balzac: Beatrix)
- "Es stimmt zwar, daß ich achtzig geworden bin und dies so eine Art Geburtstagsfeier ist. Aber was es zu feiern gibt, weiß man nicht so genau. Das Gute daran ist immerhin, nun ein Alter erreicht zu haben, in dem sich sterben läßt, ohne daß die Menschen allzu schockiert sein müssen." (Alan Bennett: Die souveräne Leserin, S. 105)
- Mit achtzig gibt es keine Ereignisse mehr, nur noch Wiederholungen. (Alan Bennett: Die souveräne Leserin, S. 106)
- Alte berühmte Männer, die viel, ja nahezu alles Menschenmögliche erreicht haben und nun plötzlich das Ende einer Leiter vor sich sehen, legen oft eine unangenehme Verbitterung an den Tag. Ihnen fehlt der matte Charme des alt gewordenen Verlierers. Zuweilen werden sie sogar gefährlich. (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 90)
- Es liegt etwas Taktloses darin, länger zu leben, als es sich gehört. Wie wenn die Gastgeber über den Kopf des Gastes hinweg Blicke wechseln, wann geht er endlich? (Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989, S. 13)
- ... wie das Egozentrische der Jugend - wenn nur die Mechanik des Geistes dabei so halbwegs normal ist - über sich selbsr hinauszielt. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
- Ich verstehe nicht, warum so viele Frauen darunter leiden, daß sie schon wieder ein Jahr älter geworden sind. Nicht mehr ein Jahr älter zu werden, das wäre eine Katastrophe. (Liv Ullman)
- Jung bleiben ist im Kerne eine geistige Leistung. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
- Es gibt selbst bei der Eitelkeit endlich eine Art Ermüdung, die mit vorschreitendem Leben eintritt, und man erspart sich dann mancherlei Anstrengung. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)
- ... bin ein älterer Herr und nicht frei von Verhärtungstendenzen, weshalb ich mich höllisch bemühen muß, ein bißchen belehrbar zu bleiben. (Markus Werner: Am Hang, S. 18)
- Manch-1 ist seine Windeln im Kopf Zeit Lebens's nicht losgeworden; - Kinderkacke im Altenhirn ist die Brutstätte für Terror.... (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 130)
- ... an seiner 43. Jahresklippe - einer er gefährlichsten Klippen im Dasein gewisser Männer. (Reinhard Jirgl: Die Stille, S. 312)
- Reinhard Jirgl zeigt in "Die Stille" eine interessante Parallele, nämlich die Rente als Phase des Ledigseins von Pflichten als "zweite Kinderzeit" zu begreifen.
- Schon Goethe sagte, daß die Fünfzig im Leben eines Mannes ein Datum von besonderer Bedeutung sei. Man zieht Bilanz, hält Rückschau, blickt auf das Erreichte, bedenkt das zu Erreichende. Die Periode des Sturm und Drang ist vorüber, man hat seinen Platz im Leben gefunden. Fortan ist, wie mein verehrter Lehrer Sauerbruch zu sagen pflegte, mit kontinuierlicher Zunahme nur bei einem Organ zu rechnen: der Vorsteherdrüse. (Uwe Tellkamp: Der Turm)
- ... daß Frau Zobel inzwischen in einem Alter ist, in dem die Jahre doppelt zählen. (Jurek Becker: Amanda herzlos, S. 94)
- ... spricht er über das gehässigste Laster des Alters, den Geiz. (Günter Grass: Grimms Wörter, S. 262)
- ... zählt er auf, was alles seit Cicero an Beiwörtern dem Greis anhängt: mürrisch ist er, grämlich, eigensinnig, ableibig. Er gilt als Knicker, Erbsenzähler, als betrübte Hausunke. Beweisführend zitiert er Hans Sachs: "verzehren die zeit einsam wie ein unk." (Günter Grass: Grimms Wörter)
- Sein Vater, ein Mann von sechzig Jahren, kleiner als Hugh und auch fülliger, war seit dem dem nur wenig zurückliegenden Tod seiner Frau unappetitlich gealtert; von seinen Sachen ging ein charakteristischer schwacher, aber unverwechselbarer Geruch aus. (Vladimir Nabokov: Durchsichtige Dinge, S. 18)
- Altersheim, Niederlassung des Jenseits. (Irmtraud Morgner: Trobadora Beatriz, S. 450)
- "Jetzt ist's zu spät; ihr Leben ist vorbei." Sie sagte das mit der kaltblütigen Gelassenheit alter Leute, wenn sie Erde auf das Grab junger Hoffnungen werfen. (Edith Wharton: Zeit der Unschuld, S. 203)
- Das Altwerden hat viele Nachteile, aber es gibt die Entschädigung (neben einer ganzen Reihe von anderen, wie wir zugeben wollen), daß es uns zuweilen den Ausgang gewisser Ereignisse sehen läßt, deren Zeuge wir vor langen Jahren gewesen sind. Wir hatten längst die Hoffnung aufgegeben, das Ende der Geschichte je zu erfahren, und dann, wenn wir es am wenigsten erwarten, wird es uns auf dem Tablett serviert. (W. Somerset Maugham: Vor der Party. Erzählungen, S. 13)
- "Sagen hilft in meinem Alter nichts, du mußt es mir schon schriftlich geben." (David Lodge: Wie bitte? S. 35)
- Marshall McLuhan hat irgendwo gesagt (McLuhan - mein Gott, daran merkt man, wie alt ich bin!) (David Lodge: Wie bitte? S. 35)
- Ob das zwangsläufig so sein muß, fragte sich der Sohn, daß man im Alter das Interesse an Neuem verliert? Überfordert das ältere Menschen, macht es ihnen Angst? Er fand das schade, gerade wenn Zeit wäre, die Neugier zu befriedigen, scheint sie zu schwinden. (Anonymus: Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifel am Pflegesystem, S. 42)
- Sie kam bereits in die Jahre, in denen eine lange Reise nach einem Monat intensiver Arbeit in einem anstrengenden Klima einen nicht gerade schöner macht. (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 168)
- Es heißt, je älter man wird, desto besser erinnert man sich an seine ersten Jahre. Eine der vielen Panzerfallen, die da vor uns liegen: die Rache der Senilität. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 13)
- Lepra des Alterns. (Brian Moore: Hetzjagd, S. 197)
- Sehr alte Menschen leben zwei Leben. Im ersten Leben husten sie, gehen gebeugt, seufzen: ach, ach, ach! Im anderen, dem Augenklappenleben, tratschen sie mit Brennesseln über die Nachbarn, halten sich für einen Sheriff und verlieben sich in Verandastühle oder Bienen. (Sasa Stanisic: Wie der Soldat das Grammofon repariert, S. 37)
- Das Schweigen, das einen umgibt, ist eine der schlimmen Qualen des Alters. (Nagib Machfus: Zuckergäßchen)
- "Siebenundzwanzig", sagte Kelly, als sei das das äußerste Ende der Jugend. (Julian Barnes: Der Zitronentisch, S. 32)
- Ab dem Alter von vierzig Jahren läßt sich das Grundprinzip des Lebens mit einem einzigen Begriff zusammenfassen: Entsagung. (Julian Barnes: Der Zitronentisch, S. 110)
- Erstaunlich, wie falsch ich mit all meinen Vorstellungen gelegen hatte. Daß man die tiefe Ruhe, nicht mehr als Sexualobjekt zur Verfügung stehen zu müssen, irgendwann genießt, war mir nicht klar gewesen. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 184)
- Heute denke ich, die Jahre zwischen dreißig und vierzig hätten die besten sein können, wenn ich um ihre Einmaligkeit gewußt hätte, wenn ich nur gewußt hätte, was ich heute weiß. wie es sich anfühlt, die Erkenntnis des Verfalls, der Endlichkeit, wie es einen müde macht, die Albernheit zu verstehen, unsichtbar zu werden, auch für sich selber. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 66)
- Seit ich über dreißig war, hatte ich alte Menschen beneidet. Um ihre Rente und die Entspanntheit, nicht mehr unbedingt etwas mit dem Leben anfangen zu müssen, und vor allem um ihre Unsichtbarkeit. (Sibylle Berg: Der Mann schläft, S. 71)
- Nicht wir sind anders geworden. Wir sind nur jung. Anders geworden sind die albernen alternden Menschen von heute, die um jeden Preis jung sein müssen. (John Fowles: Der Sammler, S. 221)
- ... als sei er ein alter Mann, auf den die Krankheit, die richtige, die einen für den Rest des Lebens schwächt, an der nächsten Ecke lauert. (Georges Simenon: Maigret amüsiert sich)
- Lautes Schmatzen wies darauf hin: Irgendwie kämpfte das Gebiß des Hausherrn einen eigenen Kampf mit der Obsttorte. Dabei tropfte auch Speichel. (Gerhard Köpf: Ein alter Herr, S. 27)
- Sie hat ein Taschentuch in der Hand und wischt damit die Haut unter meinen Augen ab. Offenbar sind Tränen aus meinen Augen gelaufen. Man fängt überall an zu lecken, wenn man alt wird. (Remco Campert: Das Herz aus Seide, S. 87)
- Wenn man älter ist, lebt man das Leben nicht mehr mit, man nährt sich nur noch von Erinnerungen, wir sind wie abgesandte Briefe: wir werden nicht mehr weiterbefördert, wir sind angekommen. (Knut Hamsun: Gedämpftes Saitenspiel, S.16)
- Immer wieder findet sich erneut eine törichte Jugend, die die alte Platte auflegt. Und immer wieder bildet sie sich ein, weiß Gott was Neues zu tun! (Karel Capek: Der Räuber)
- 8. Juli 1984: Hitzewelle. Mit 84 Jahren ist es, als begänne der Organismus in einer Pökellage zu zerfallen.(Sandor Marai: Tagebücher 1984-1989)
- "Wenn eine gute Fee käme und du dir ein beliebiges Alter aussuchen könntest, welches würdest du wählen?" (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 25)
- "geräumige Zukunft" (Silvia Bovenschen: Älter werden, S. 26)
- Träume kennen kein Lebensalter. (Remco Campert: Das Herz aus Seide, S. 129)
- Jedes Leben hat seine Geheimnisse, und die müssen gewahrt werden. Doch je älter man wird und je weniger man zu verlieren hat, desto uneinsehbarer wird es, warum man sie eigentlich wahrt, so daß man sie genauso gut erzählen kann. (Harry Mulisch: Augenstern, S. 9)
Non/Konformismus
- In einem unsinnigen Reflex anerzogener Bescheidenheit gab ich mich mit dem Vorhandenen völlig zufrieden. (Helmut Krausser: Eros, S. 14)
- Er hatte die Chance verpaßt, normal zu sein. (Pat Barker: Niemandsland)
- ... gehöre ich zu der Sorte Anarchisten, die beim Überqueren der Straße lustvoll abwartet, bis die Ampel auf Rot schaltet. (Dietmar Grieser: Alle Wege führen nach Wien. Abenteuer eines Literaturtouristen)
- Das Innere war das Wesentliche, und die Aufgabe des echten Anarchisten hieß: Sein Äußeres nach dem Gesetz des innersten Dranges zu formen, in größter Freiheit, uneingeschränkt und möglichst unberührt von der "Kultur". (Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene)
- Ich stoße keine Urschreie aus, aber immer wieder brumme oder raune ich vor mich hin. Die Kultur hat uns ja leider um so viele Möglichkeiten der Entlastung gebracht. Und man muß sich vorsehen, nicht gleich für verrückt angesehen zu werden. (Alois Brandstetter: Die Burg)
- Wer nicht schon sehr früh einen Großteil seiner Energie allein darauf verwende, sich gegen den Massenwahnsinn zu stemmen, sei unweigerlich dem Stumpfsinn anheimgefallen. (Thomas Bernhard: Die Billigesser)
Dicher über Dichter
- Danke für die Uebersendung der Mayerschen Kommentare ["Zur deutschen Literatur der Zeit"]. Die Typographie wirkt solide und appetitlich, wenn ich das sagen darf. (Uwe Johnson an Fritz J Raddatz, 21.3.1967)
- ... daß ich hier mit krachender Haut an meinem handlungsstarken Lyrikband zu sitzen habe. (Uwe Johnson an Fritz J Raddatz, 30.6.1967)
- Bei der Aussicht, Sie und Marianne wieder zu sehen, melde ich gehorsamst das Auftreten einiger Vorfreude. (Uwe Johnson an Max Frisch, 10.8.1971)
- Das Vergleichwort Mafia für Praktiken innerhalb der Gruppe 47 erledigt sich durch mangelnde Kenntnis der Mafia. (Uwe Johnson an Fritz J. Raddatz, 17.2.1977)
- Selbst ein Korb von Ihnen ist mir noch angenehm, Sie entwickeln offenbar meine masochistischen Instinkte. (Fritz J. Raddatz ab Uwe Johnson, 22.4.1977)
- "Ohnehin stehe ich zu meinem Unglück im Rufe der Arroganz". (Uwe Johnson an Max Frisch, 9.1.1971)
- [Ezra Pound] 'How to Read' würde ich jedem normal intelligenten Jugendlichen ab zwölf Jahren in die Hand drücken. Mag sein, daß Ezra zuweilen ein allzu dichterischer Dichter ist... (Robert Mcalmon: Der alte Lehrmeister)
- Joyce hält nichts von Leuten, die ihn nicht lesen, da er angeblich zu schwer zu verstehen sei. In seinen Jugendjahren wollte er Ibsen lesen - und zwar so sehr, daß er Norwegisch lernte, um ihn im Original lesen können. Er sieht keinen Grund, warum er es seinen Lesern einfacher machen sollte. (Margaret Anderson: "In meinen Büchern räche ich mich")
- [Ulysses] Nora ist eine jener Frauen, der ein Mann in ewiger Liebe verfällt und ihr eines Tages an die Gurgel möchte. (Margaret Anderson: "In meinen Büchern räche ich mich")
- [Ulysses] Das Buch 'ist' langweilig. Man muß schon unheimlich an Lust und Literatur interessiert und einer dieser schwachsinnigen Superintelektuellen sein, um sich da durchzubeißen. (Robert Mcalmon: Mollys ungeordneter Monolog)
- Nichts, dachte ich in den letzten Jahren manchmal, quälte ihn so wie die Zwangsvorstellung, er könne ein unterstützungsbedürftiges Talent, ein Genie gar, übersehen, so daß es verlorengehn, verderben könnte. Ob in diesem Land Dichter nachwuchsen; ob es eine Literatur geben wird, die diesen Namen verdient - das war seine ureigene Sorge und Bekümmernis. (Christa Wolf an Franz Fühmann, 27.6.1979)
- Einer von den Zwanzig, für die ich mich mit der ganzen Welt prügeln würde: Jean Paul! (Arno Schmidt)
- Womit wir zwangsläufig bei Wielands literarischer Bedeutung angelangt wären. Aber unterscheiden Sie dabei bitte ganz scharf: was hat er seiner Zeit bedeutet. Und,: was kann er uns heute noch sein. Zwei ganz verschiedene Dinge, die dem Liebehaber gern durcheinander geraten. (Arno Schmidt: Nichts ist mir zu klein. Funk=Essays Bd.1)
- Ich lese gerade Kafkas Briefe an Milena. Ach, mein Gott, kann ein Mensch verletzlich sein. So ohne Haut leben müssen, und nicht nur für Wochen, sondern immer, sogar in steigendem Maße! (Christa Wolf, in: Reimann/Wolf: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen. 1964-1973)
- [Walentin Petrowitsch Katajew] - Die große Entdeckung. Der "Heilige Brunnen" ist ja nun erschienen. Hast Du in der Sowjetliteratur das "Kraut des Vergessens" gelesen? Da maschiert einer mit 70 Jahren schnurstracks in die Weltliteratur! (Brigitte Reimann, in: Reimann/Wolf: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen. 1964-1973)
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