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Themenbereich: Links, Fundstücke, Wissenswertes (2)


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  In der Dresdner Pflegeeinrichtung "AlexA" gibt es zwei DDR-Erinnerungszimmer, welche an Demenz Erkrankten helfen sollen. Dabei will man nichts verklären oder verherrlichen, sondern die Politik außen vor lassen. Mir leuchtet das vollkommen ein. Statt dahinzudämmern, werden Erinnerungen reaktiviert, die Bewohner üben alte Bewegungsabläufe, basteln, werkeln, hören Musik usw. Bin en passant auf das Portal "Demenz in Sachsen" gestoßen.

  Nachdem die erste Diskussionsrunde "Streitbar!" im Frühjahr mit Dürs Grünbein und Uwe Tellkamp so kontrovers vonstatten ging, gab es nun die zweite Auflage mit dem Schriftsteller und Wahldresdner Marcel Beyer, dem Theologen und OBM-Kandidaten für Meißen Frank Richter und dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, die auch auf YouTube abrufbar ist.

  Was ich nicht wußte, daß Mikroplastik nicht nur und nicht einmal hauptsächlich durch weggeworfenen Plastikmüll verursacht wird, sondern durch Abrieb bei Reifen (Autos, Fahrräder / 28%), Schuhen, Straßenmarkierungen. Bremsen und viel Laufen ist quasi Naturmord! Weitere Verursacher: Waschen von synthetischen Textilien (35%), Kosmetikartikel, Kunstrasen... Jeder Mensch produziert pro Jahr und Paar Schuhe 100 g Mikroplastik.

  Daß der Gummiknüppel, wie ihn die Polizei verwendet, Mehrzweckeinsatzstock bzw. Einsatzmehrzweckstock bzw. Rettungsmehrzweckstock heißt, wußte ich bis heute auch nicht.

  Daß Notfallseelsorge und Krisenintervention noch so jungen Datums sind, wußte ich nicht. In einem Bericht über das Flugunglück von Ramstein (gestern vor 30 Jahren) kamen Helfer zur Sprache, die damals aus spontanem Entschluß heraus psychologische Betreuung leisteten, was quasi als Geburtsstunde angesehen wird.

  Hieroglyphen statt Emojis oder, wie die Welt sich ausdrückt, "Die klügste Art, Penisbilder zu verschicken". "Der Unicodeblock Ägyptische Hieroglyphen (...) kodiert einen wesentlichen Teil der ägyptischen Hieroglyphen, die das Schriftsystem des alten Ägyptens und seiner ägyptischen Sprache darstellten und auf zahlreichen Steininschriften zu finden sind."

  Laut einem Bericht im Sachsenspiegel wurde in Leipzig der erste Marathon Deutschlands gelaufen, der von den Sportbrüdern Leipzig organisiert wurde und am 5. September 1897 stattfand und damals noch "Distanzlauf über 40 Kilometer" genannt wurde. Am 3. Juli 1898 fand ein weiterer, offiziell ausgeschriebener Lauf statt, der lange Zeit als erster in Deutschland überhaupt galt (Sieger = Arthur Techtow). Aus den Sportbrüdern erwuchs der "Verein für Bewegungsspiele" (VfB Leipzig). Nachlesen kann man deren bewegte Anfangsgeschichte in dem Krimi "Mörderisches Spiel in Leipzig" von Uwe Schimunek. Der aus England nach Deutschland gelangte neue Sport wurde anfangs als "Fußlümmelei", "Stauchballspiel" und "englische Krankheit" heruntergemacht. Das Etablissement "Neuer Gasthof Paunsdorf", von dem aus der Marathon startete, wird im 2018er Kalender "In Bewegung. Meilensteine der Leipziger Sportgeschichte" dargestellt und befand sich in der Riesaer Straße 51, nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt, heute eine mit Bäumen bewachsene Brache. Den "Distanzlauf über 40 Kilometer" am 5. September 1897 gewann Theodor Schöffler mit der Zeit von 3:35:31 Stunden. Die Strecke führte von Paunsdorf nach Bennewitz und zurück. Von 18 Läufern erreichten 13 das Ziel. - Zuerst dachte ich, die heutige Gaststätte "Deutscher Hof" - ebenfalls in der Riesaer Straße - gehe historisch auf den "Neuen Gasthof Paunsdorf" zurück, was aber nicht stimmt; denn die Grenzziehung zwischen Sellerhausen/Stünz und Paunsdorf verläuft an der heutigen Theodor-Heuss-Straße. Der "Deutscher Hof" ist wie schon zu DDR-Zeiten immer noch ein Hort gutbürgerlicher Küche.

  Im Leipziger Botanischen Garten wurde das Victoriahaus wiedereröffnet, welches der Riesenseerose Victoria amazonica vorbehalten ist. Die Pflanze wächst sehr schnell und erreicht einen Durchmesser von 2 m. "Das Leipziger Victoriahaus ist das einzig verbliebene Original von ursprünglich einem Dutzend Gewächshäusern dieses speziellen Bautyps in Deutschland. (...) Der Leipziger Botaniker und damalige Direktor des Botanischen Gartens, Eduard Friedrich Poeppig, hat die Riesenseerose Victoria amazonica erstmals wissenschaftlich beschrieben."

  Daß die Welt besser ist als gedacht, zeigen Statistiker wie Hans Rosling. Mit seinem Buch "Factfulness" habe man eine Handhabe, um mit Fakten und Zahlen belegen zu können, daß sich Dinge meist zu ihrem Besseren entwickelt haben. Für Schwarzseher wie mich und die meisten, die nach der Lage der Welt befragt werden, eine Kompaßnadel zur Justierung des eigenen Pessimismus an der Realität.

  Ich stinke, also bin ich - Über 79 Jahre war Sonnenkönig Ludwig XIV. dem Martyrium seiner Leibärzte ausgesetzt.

  "Tee enthält übrigens mehr Koffein als Kaffee, gibt es aber nicht so brachial ab wie letzterer. Bei Tee ist das Koffein an die Gerbstoffe gebunden; es löst sich erst im Magen und hält dann den Koffeinspiegel über Stunden konstant, während Kaffee eher der schnelle Fix für eine gute halbe Stunde ist. Seitdem ich das weiß, überlege ich, ob der klassische Fünf-Uhr-Tee so eine clevere Idee ist. Ich schiebe den Brexit jetzt auf sehr unausgeschlafene und dementsprechend schlecht gelaunte Briten." Anke Gröner war zur Teeverkostung - ein wunderbar erhellender, amüsanter und appetitanregender Bericht. "Nicht China oder Indien sind die weltweit größten Exporteure, sondern Kenia. In China und Indien wird zwar mit weitem Abstand am meisten angebaut, aber eben auch das meiste bereits im Land getrunken. Die meisten der 10 Milliarden (kein Tippfehler) Tassen Tee, die täglich (auch kein Tippfehler) getrunken werden, werden in diesen beiden Ländern aufgebrüht. In Deutschland sind übrigens die Ostfriesen ganz weit vorne im Verbrauch. Das war zu erwarten, aber den Abstand fand ich dann doch beeindruckend: 300 Liter Schwarztee pro Jahr im Vergleich zu lausigen 29 (plus 35 Liter Kräuter- und Früchtetee) im Rest der Republik. Ostfriesland süppelt sogar mehr weg als England, das sich mit 205 Litern pro Jahr noch ein bisschen lang machen muss."

  Ebensowenig rosig ist die Situation für die katholische Kirche hier im Osten auf dem Land. Diaspora in der Diaspora.

  "Fröhliche Pessimisten nehmen an, dass alles schief gehen wird. Danach lassen sie sich dann aber gerne positiv überraschen. So entsteht eine Weltsicht, in der sich Schwere und Leichtigkeit, Sinnlosigkeitsgefühle und Humor verbinden." Eine Lange Nacht im Deutschlandfunk (165 min). Heute 23.05 Uhr.

  "Der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae)." Wie ich lese, hat man nicht nur mit vielen Pilznamen 'ne Menge Spaß, sondern auch mit Schmetterlingsnamen. Die Raupen sind ziemlich unangenehm für den Menschen und verursachen eine schmerzhafte Raupendermatitis und halten momentan die Forstämter in Atem.

  Aus meiner Erfahrungsserie "Zum ersten Mal" (nie vorher gehört / gesehen / gelesen) heute: Reverse Graffiti und, damit zusammenhängend, biogener Bewuchs, der nämlich, von Gebäudewänden kunstvoll entfernt, die Reverse Graffiti Gestalt annehmen läßt, wie sie Künstler wie Klaus Dauven im Schulterschluß mit Reinigungsspezialisten schaffen. Spektakulär wirken dabei große Flächen wie Staumauern oder Dämme.

  Auch wenn ich handwerklich immer tumb gewesen bin, beeindrucken mich Menschen, die kreativ sind, so auch der Upcycling-Aktivist François Rossier. Ein bißchen Neid kommt auf, wenn ich an all die selbstgefertigten Dinge fern jeder Massenware denke.

  Ich finde den Eintrag über Laura M. Schwengber nicht wieder. Vielleicht habe ich ihn nicht geschrieben und hatte es nur vor. Jedenfalls ist die Frau Gebärdendolmetscherin für Gehörlose mit der Besonderheit, auch und gerade Musik zu übersetzen. Mit vielen Musikern & Bands (u.a. Keimzeit) arbeitete sie zusammen und selbst Klassik gehört zu ihrem Repertoire. Bekannt werden dürfte sie spätestens nach dem gestrigen Eurovision Song Contest (Video mit Gebärdensprache); denn sie hat das dritte Jahr in Folge alle Songs einstudiert und gedolmetscht, was den Tagesthemen einen Bericht wert war. Der Hessische Rundfunk wurde wegen der Reportage "Die mit den Händen tanzt" über die temperamentvolle Dolmetscherin mit einem Grimme Online Award ausgezeichnet. Ich hatte Laura M. Schwengber kürzlich durch einen Bericht (auf YouTube) im HR-Kulturmagazin "Hauptsache Kultur" kennengelernt.

  Im Bistum Görlitz gründen die Zisterzienser einen neuen Konvent in Neuzelle, der 1817 säkularisiert worden war. Wahrscheinlich 2018, zum 750-jährigen Gründungsjubiläum des Stifts Neuzelle, soll der Konvent als Priorat mit acht Mönchen wiedererrichtet werden. Seit Ende August 2017 bereitet eine Vorhut von vier Mönchen eine mögliche Klosterneugründung vor; das monastisches Leben in Brandenburg ist zurück. Mehr Informationen bietet eine Webseite, ein im Mai 2018 im Leipziger St.-Benno-Verlag unter dem Titel "Die Mönche kommen" erschienenes Buch sowie eine Dokumentation des rbb (YouTube).

  Mittlerweile werden sogar schon Häuser mit 3D-Druckern gebaut. Man witzelt: (H)ausdrucker.

  In Japan wird ein Androidroboter entwickelt, der als Nachrichtensprecher fungieren soll. Erica heißt die zarteste Versuchung der Technik in Sachen KI.

  Michael Kraske ist Wahlleipziger seit 25 Jahren und schreibt sich mit "Das laute Schweigen" sein Unbehagen von der Seele und warum er trotz der fremdenfeindlichen Tendenzen weiterhin in dieser tollen Stadt bleibt.

  Das DDR-Musterdorf Mestlin - die "Stalinallee der Dörfer" - war ein gigantomanes Projekt der DDR in den Aufbaujahren, mit dem sich der aufstrebende Staat schwer überschätzte. Besonders das Kulturhaus prägt die Berichte und Dokumentationen, wenn es um Mestlin geht, von dem ich bis gestern nichts wußte. Im Christoph-Links-Verlag gibt es ein gleichnamiges Buch.

  Eine lohnenswerte Twitterdikussion zum Thema Wiederbelebung (Reanimation), bei der man zum Takt dieser Lieder Herzdruckmassage betreiben kann.

  In Brockwitz, einem Stadtteil der Kreisstadt Coswig, gibt es eine Niederseite mit zirka 25 Häusern, die von jedem Hochwasser betroffen sind und überschwemmt werden, so daß die Idee entstanden ist, anstatt einen Deich zu bauen, alle Häuser anzuheben, was sich als Meilenstein in der Geschichte des Hochwasserschutzes erweisen könnte. Der MDR zeigt grafisch, wie man sich eine Hausanhebung vorzustellen hat.


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