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Themenbereich: Krankenpflege & Medizin (2)


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Was anderswo oft untergeht, in Archiven verschwindet, beispielsweise Getwittertes, dieses kleinen Notate sollen hier thematisch gesammelt werden. An dieser Stelle oft selbst Erlebtes aus meinem Beruf.

  Humorvolle Cartoons aus Medizin & Krankenpflege (11.8.2021).

  "Ich mag am US-Gesundheitssystem nicht, dass man für alles einen Spezialisten gleich hinzuzieht. Der Arzt nimmt nicht das Blut ab, das macht ein Phlebologe. Er legt keine Zugänge, dafür wird dann ein 'Zugangskrankenpfleger' gerufen. Dann gibt es die Atmungs-, die Physio-, die Sprach- und die Ergotherapeuten in jedem Krankenhaus, dazu gesellen sich verschiedene Krankenschwesterhierarchien und Pflegeassistenzen - gerade in kritischen Situationen verliere ich manchmal den Überblick angesichts von zehn bis 15 anwesenden Personen im Patientenzimmer." (Dr. Peter J. Niemann)

  Die Tochter fragt ihren Mutter (Oberärztin) medizinisches Wissen ab. "Wieso machst du dir so'nen Streß? Die Prüfung schaffst du doch im Schlaf?" "Weil ich meine Facharztzulassung noch weitere 10 Jahre behalten will." - Moment, ist die Laufzeit der Approbation in den USA denn begrenzt?

  Ich gucke viele Krankenhausserien: deutsche, dänische, norwegische und freilich auch amerikanische. Dort (aufgeschnappt in Chicago Med) kann offensichtlich eine, tja, Arbeitsdirektorin? (Leiterin des Patientenmanagments, also eine Art PDL = Pflegedienstleitúng) verfügen, daß ein Arzt eine Psychotherapie machen muß, nachdem er privat traumatische Erlebnisse gehabt hat. Ich verfolge die Bedingungen und Gegebenheiten und bin immer wieder überrascht, wie verschieden doch unsere Gesundheitssysteme sind.

  Heute kam ein ehemaliger Patient zu uns auf Station, er habe seit 14 Tagen täglich eine Kapsel Dekristol 20.000 IE genommen statt 1 Kapsel alle 14 Tage und ob denn das schlimm sei. Eine Nachbarin von ihm sei Ärztin, die ihm geraten habe, nachzufragen. Ich beruhigte ihn und meinte, er sollte nur ein paar Tage nicht in die Sonne gehen, schon sei der Colecalciferolspiegel wieder im Lot. Später hielt der OA der Nephrologie dem Patienten einen Fachvortrag, der auch nichts wesentlich an der Tatsache änderte, daß der Patient sich keine Sorgen zu machen brauche.

  "Wieso dauert der ZVK so lange?" "Ich finde keine Vene." "Ich hole den Ultraschall." "Nein, kein Ultraschall, anatomische Orientierung. Hier bei uns lernen wir das Navigieren erstmal ohne GPS." (Code Black S03E04)

  Da wir keine Kannibalen sind, habe ich die Hummerusfraktur auf dem Übergabezettel in Humerusfraktuer geändert.

  Retweet: Einarbeitungsfrage ZNA: "Was sind fünf Internisten auf dem Meeresgrund?" "Ein guter Anfang."

  Retweet: Ich habe einer Patientin, die sich immer verläuft, erklärt, dass sie in Richtung Fenster gehen soll: "Gehen Sie immer ins Licht!" und sie so: "SO SCHLIMM IST ES DOCH NOCH NICHT!"

  Kollegin: "Was? Sie sind erst 67? Sie sehen schon ein wenig älter aus." Patient: "Ich bin eben verlebt."

  Insulin ist in den USA horrend teuer. Wer kann, kauft in Kanada oder in Mexico. Weiß einer, wie es nicht versicherte insulinpflichtige Diabetiker in den USA schaffen zu überleben?

  Chirurgin: "Oh Gott, wie dieses Fett stinkt! Wir sollten einen Zuschlag für diese Geruchsbelästigung kriegen." - Anästhesiearzt guckt streng. - Chirurgin: "Guck doch nicht so pikiert. Ein Fettsack bleibt ein Fettsack!" - Nachdem alle mit Blicken um sich geworfen haben, stutzt die Chirurgin: "Ach du Scheiße, war das 'ne Voll- oder Teilnarkose?" - Der Patient nuschelt unter seiner Sauerstoffmaske: "Teilnarkose!" (Nurses S01E01)

  Zur pflegebedürftigen, ein wenig widerborstigen Patientin: "Wenn Sie nicht mitmachen, kommen Sie ins Heim für schwer erziehbare Omis!"

  Homeoffice in der Pflege kann sich keiner ernsthaft vorstellen, sondern nur als Überzeichnung. Für das Thema hatte ich einen separaten Thread ins Leben gerufen.

  Morgenrunde bei einer Pflegepatientin. Sie: "Haben Sie etwa Salamischeiben unter der Fußsohle?" Ich zeige ihr die linke Fußsohle. Sie: "Nein." Ich zeige ihr die rechte Fußsohle hin. Sie: "Nein". Nach kurzem skeptischen Überlegen die Patientin nochmal: "Dann können Sie jetzt die Waschmaschine anmachen."

  Junger Mann mit Handverletzung soll operiert werden, darf also nichts essen, spicht kein Deutsch. Jede Vermittlung scheitert und er greift sich, was sich auf einer Station eben so greifen läßt.

  Notfallaufnahme-Crew erwartet einen MANV und wird von der OÄ instruiert, die beim Anblick des geschockten Teams sagt: "Ich liebe diese Gesichter vor Armageddon". (The Good Doctor S01E06)

  Retweet: Wie nennt man einen RTW, der nur Patienten mit Nasenbluten fährt? - Epistaxi.

  Glee kommt diesmal recht altenfeindlich daher, weil es beim Wettbewerb gegen eine Konkurrenz älterer Leute anzutreten gilt. In dem Zusamenhang fiel der Begriff "Glasknochenschabraken" für sie.

  Tolle Idee. In Israel heften sich Pflegekräfte und Ärzte Fotos von sich an den Kittel, damit sie für die Versorgten keine anonyme Schreckensgestalt mehr sind, sondern ein menschliches Gegenüber.

  Retweet: "Pulsiert die Vene, isses keene..."

  Nachts kommt 'ne 18-Jährige nach Reitunfall. Nachdrücklich und mehrfach gestellte Frage, ob wir 'n Ladekabel fürs iPhone hätten. - Nein! - Ob wir es denn JETZT irgendwie im Klinikum besorgen könnten. - Neihein!

  Vor Jahren sollte eine betagte Patientin die 24-stündige Blutdruckmessung protokollieren, hatte dazu aber offenbar keine Lust.

  Retweet: Wer ißt eigentlich das ganze Obst für die Kirschkernkissen?

  Retweet: Ein Satz wie 'Heute ist es aber ruhig" führt direkt zum absoluten Chaos.

  Retweet: Patient: "Was ist Ihr Lebensmotto?" Ich: "Bitte nicht stören!"

  Wie die in Atlanta Medical Blutkulturen abnehmen. Habenwill! Geschlossenes System, indem die Flaschen an die Adapter der Kanüle passen, wie elegant. Wir müssen mit Schwänzchenkanüle zuerst Blut abzapfen, die ohnehin unhandliche und leicht aus der Arretierung flutschende Luerspitze balancieren, während man die Kanüle aus der Vene bugsiert, die Stelle mit einem Tupfer kompimiert, dann die Luerspritze mit einer Aufziehkanüle in die Blutkulturenflaschen einspritzen, d.h. auf zwei Portionen verteilen, was wegen Unterdruck und dem nötigen Wechsel von der ersten zur zweiten Flasche leicht in eine Mantscherei ausarten kann. Deswegen gucke ich neidisch auf das elegante System in dieser Folge der KH-Serie "Atlanta Medical".

  Retweet: "...erinnert mich an die Patientin (eine echte Gräfin), die irgendwann gemerkt hat, dass wir schneller kommen, wenn sie ihre Arterie abknickt. Und dann merkte, dass wir am schnellsten kommen , wenn sie die Beatmung der Nachbarin hinten am Gerät abzieht."

  Retweet: "Höchst privater Patient auf der Intensivstation. Man möge bitte das Licht während der Notfallintubation der Bettnachbarin löschen, er könne nicht schlafen. Ja, er sehe den Notfall, er sei jetzt aber müde. Er wolle morgen ja nicht noch kränker sein." (Herzspitze) - "Eine Dame hat mal gemeckert, die Reanimation ihrer Zimmernachbarin sei zu laut und die 'olle Schrippe brauche man sowieso nicht retten'. Zwei Tage später ist sie fast erstickt an einem Stück Brokkoli und kam mit ner 40er Sättigung auf die ITS. Kurzer Karmamoment." - "Das sind dann die Leute, die sich für Sophie Scholl halten. Wo irgendwo zwischen Ich-Wahrnehmung und induktivem Denken ein Pfosten steht."

  Retweet: "Ich bin auf 1-4 Pillen drauf und habe 1-4 Bitches im Haus." Franz, 85, genießt die Betreuung auf Station.

  Retweet: Junger Assistenzarzt betritt das Stationszimmer und erklärt selbstherrlich dem Pflegeteam, was ihr Aufgabenbereich sei. Eva, 40 Jahre in der Pflege tätig: "Ich sag ja immer: Versuche nie einer alten Nutte das Ficken beizubringen. Aber was weiß ich schon."

  "In einer Autopsie haben wir den Luxus, tief graben zu können." (Atlanta Medical S02E14)

  Ein Bild aus einer Wuppertaler Klinik sorgt gerade für Aufregung. Geriatrie ist meist eine harte Sache. Für Laien mögen diese Bilder schockierend sein. Doch wenn die Inkompliance dementer, hochgradig sturzgefährdeter Patienten mit Hinlauftendenz überhand nimmt und der Schaden absehbar ist, dann ist "bodennahe" Pflege mitunter unabdingbar.

  Von uns Pflegekräften wird allseitige Einsatzfreude erwartet, nicht nur, wenn wir uns im regulären Dienst auf Station befinden, sondern auch, wenn wir frei haben und das Telefon klingelt oder What's App scheppert und man gebeten wird, einzuspringen oder einen anderen Dienst als geplant zu übernehmen. Gestern am einzigen und zudem noch einzelnen freien Tag in der laufenden Woche wurde ich mehrfach mit der Bitte angefunkt, heute zuungusten des Spätdienstes einen Frühdienst zu übernehmen, den von den vier möglichen Diensten gehaßtesten. Juristisch bin ich nicht gezwungen zu reagieren, so daß ich dieses Recht in Anspruch nahm, weil ich, der mir mit noch 32 Stunden Wochenarbeitszeit eigentlich 3 freie Tage pro Woche zustehen, es als Zumutung empfinde, einzelne Tage frei machen zu müssen. Als Nichteinverständnisbekundung und Replik auf die von mir als unverschämt empfundene Desideration gestern mein Schweigen und trotzdem, weil man letztlich eben doch als braves Pflegeschaf konditioniert ist, ein schlechtes Gewissen.

  Ein auch für mich aufschlußreicher Thread über intensivmedizinische Maßnahmen bis hin zur Beatmung (nicht nur bei C19-Patienten). Die Videos, wie man sich fehlerfrei Isolationskleidung anzieht, wie dem Patienten eine NIV-Maske angelegt oder wie er intubiert wird, brachten auch mir als Krankenpfleger noch einen Zugewinn an Wissen und Verständnis. Beispielsweise habe ich weder eine Helm-Beatmung noch den Transfer eines Patienten in die Bauchlage gesehen.

  Retweet: Anmeldung beim Arzt in Corona-Zeiten. "Bitte einmal die Versichertenkarte selbst einstecken!" - "Andersrum." - "Den Chip nach unten!" - "Momentchen noch, der PC will heute nicht so, wie er soll." - "Telefonnummer stimmt noch?"

  Patient mit Tendenz, aufzustehen und sich etwas zu brechen, betitelte mich bei zigsten Versuch, ihn ins Bett zurückzubefördern, mit "Du blödes Rindvieh!" Im Pflegebericht konnte ich also notieren: 'Patient ist voll orientiert.'

  Retweet: Deutsches Origami: Beipackzettel von Medikamenten in den Originalzustand zurückfalten.

  Das habe ich auch noch nicht erlebt. Eine unserer Patientin mit fortgeschrittener Multipler Sklerose (Tetraplegie) erhält zuhause eine 24-Stunden-Betreuung durch insgesamt acht Assistent:innen, die sie eingeklagt hat. Und auch während ihres jetzigen Krankenhausaufenthaltes wird die Betreuung fortgesetzt, so daß wir Pflegekräfte uns nicht um die pflegerische, sondern nur um die therapeutische Versorgung kümmern müssen.

  Rekapitulation: Anfang nächster Woche soll eine unserer Patientiennen mit Rührei in einem Haus unserer Klinik sein, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Nennt mich neugierig, aber ich möchte die Story wissen. / Auflösung: Diabetiker leiden öfter unter so genannten Gastroparesen (Magenlähmung). Mittels der Magenentleerungsszintigrafie, bei der mit radioaktivem 99mTechnetium Albu-Res angereichertes Rührei in Form einer Testmahlzeit verwendet wird, wird die Magenentleerungsszeit bestimmt.

  Nicht angekündigte Zugänge, die plötzlich auf dem Gang stehen und aufgenommen werden müssen, eine Patientin, die akut auf die Intensivstation verlegt werden soll, die abends jedoch im haargenau identischen Zustand rückverlegt wird (mit erst Deinstallieren und abends Reinstallieren der Gerätschaften und Materalien, summa summarum vielleicht 1 Stunde Beschäftigung), einen Patient von einer OP holen, mit einem hochgradig erregten und mit Prozeß gegen uns drohenden Patienten umgehen... Nur einige Aspekte, die zu einem "normalen" Spätdienst HINZUkommen!

  Nach Leberpunktionen wird die betroffene Stelle für wenige Stunden mit einem Sandsack komprimiert, um Nachblutungen zu vermeiden. Gestern Abend (2.10.) bei einer Patientin den Sandsack entdeckt, mit dem sie seit dem 30.9. gekuschelt hatte. Nicht schlimm, aber deutliches Zeichen für die Überlastung der Pflege, die die Augen auf weit chaotischere Dinge richten muß als einen vergessenen Sandsack.

  Patienten aus dem OP holen, heißt, das Bett eine längere unterirdische Strecke zu schieben, deren zwischenzeitliche Steigung einen, wenn man ohnehin wegen stressigem Dienst dehydriert und aus der Puste ist, zu schaffen machen kann. Der wache Patient IM Bett fragte mich: "Wollen wir tauschen?"

  Eine 67-jährige Transgender-Frau als Patientin, die aber mangels geschlechtsangleichenden Operationen phänotypisch ein Mann ist. Riesendiskussion, ob man sie in ein Mehrbettzimmer mit anderen Frauen legen kann. Diffizil. Soll und darf man Akzeptanz der Mitpatientinnen einfordern bzw. voraussetzen? Oder geht man, wenn man die Frau vorsichthalber in ein Einzelzimmer legt, dem Problem aus dem Weg. Gestern war ein Einzelzimmer nicht mehr machbar, das "Problem" also akut und die Ratlosigkeit in allen Gesichtern des Teams.

  Anfang nächster Woche soll eine unserer Patientiennen mit Rührei in einem Haus unserer Klinik sein, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Nennt mich neugierig, aber ich möchte die Story wissen.

  Ein Patient verläßt die Station, spaziert quer durchs Klinikgelände zur Zentralen Notaufnahme (ZNA) beklagt dort Schmerzen und daß ihm auf unserer Station nicht geholfen würde und die Schwestern stattdessen den ganzen Tage nur Kaffee tränken.

  Eine weit über 80-jährige Patientin, hochgradig dement, das heißt mit fast immer anzutreffender Hinlauftendenz, wird mehrfach erwischt, wie sie bei leider unzureichenden motorischen Fähigkeiten ihr Bett verläßt, was zu Stürzen führt, ein Hauptproblem der Geriatrie, mit der wir als nunmehr gastroentero- und endokrinologische Station nur partiell zu tun haben; trotzdem sind immer mehrere unserer Patienten dement und also sturzgefährdet. Jedenfalls war die Frau sowohl bei uns im Spätdienst als auch im Nachtdienst zu Boden gegangen. Ihr Sohn und Betreuer kam nachmittags zu Besuch und schärfte ihr beim Abschied ein, doch gefälligst im Bett zu bleiben und schloß: "Ich werde das überprüfen." Aus der Frau schoß es schnippisch heraus: "Da kannst du prüfen, wie du willst!"

  Eine neue Patientin (Zugang, 84 Jahre), die selbst Probleme hat, sich aufrecht zu halten und durch unkoordinierte Bewegungen Kaffee im Bett verschüttet hat, wurde versorgt und bei Aufgeregtheit einigermaßen beruhigt. Kaum sind wir fertig, kommt ihr Ehemann zum Zimmer herein und wird so begrüßt: "Opa, wie siehst DU denn aus?"

  Retweet: In Deutschland gibt es etwas 4 Mrd. Pfandflaschen. Nach einem Blick in die Stationsküche frage ich mich: "Wer hat die restlichen 23 Flaschen?"

  Retweet: Man wird geboren,versucht einen Facharzt anzurufen und dann stirbt man schon wieder!

  Zum nachfolgenden Bild. Der Mann saß an der Haltestelle Hauptbahnhof, als ich zum Nachtdienst wollte, hatte Hausschuhe an und ein Sabberlätzchen umgebunden. Mir fallen zwei Pflegeheime in der Nähe ein, aus denen er entwichen sein könnte. / Nachtrag: Ein kluger Kollege wies mich darauf hin, daß der Mann ein Patientenarmband trägt, welches üblicherweise Krankenhauspatienten zur Identifikation tragen, wodurch es wahrscheinlicher ist, daß der Mann aus dem nächstgelegenen Krankenhaus (Universitätsklinikum) entlaufen sein könnte.

  Die letzte Nachtschicht, ohnehin beschissen aufgrund mehrerer Zugänge, die uns mit einem Zeitdefizit durch die Nacht galoppieren ließ, endete spektakulär. Als ich den Gang entlang lief, hörte ich fernes Jammern und Wehklagen und arbeitete mich zur akustischen Quelle vor, indem ich von draußen an allen Zimmer lauschte. Beim fünften Zimmer lag ein Patient der Länge nach im Bad mit dem Gesicht in seinem eigenen Durchfall, lebte glücklicherweise noch. Zunächst das Gesicht gereinigt, damit die Fäkalien nicht ins Auge dringen. Grob und vor allem zügig, so gut es ging, wenn sich jemand in höchstnotpeinlichem physischen Zustand am Boden windet, den Rest des Körpers gereinigt und ihn mühsam ins Bett transferiert, wo der Patient deutlich delirant wurde und zu zittern anfing. Die Dienstärztin kam dann auch und ordnete einen bunten Mix an Maßnahmen an: Blutentnahme, Infusion, Vitalwert- und Kreislaufüberwachung, Blutzuckerkontrolle. Zudem muß der Vorfall auch als Sturz erfaßt werden. Neben dem eigentlichen Tun am und mit dem Kranken werden uns in solchen Fällen viele dokumentarische Finessen abverlangt. Das alles kostet Zeit, Kraft und, zumal kurz vor Dienstende, Nerven. Ausgepowert, die Dienstkleidung mit Fäkalien beschmiert, schlich ich zur Straßenbahn und war vor Erschöpfung und Müdigkeit kurz geneigt, sie nicht mehr zu verlassen und gleich vor Ort zu schlafen.

  Ich kommuniziere mit einem Patienten, der uns bei der Übergabe als gehörlos beschrieben wurde und von dem ich annahm, er läse von meinen Lippen, wovon ich weiterhin ausging, als er mimisch und gestisch nicht das Gegenteil andeutete. Zufällig erblickte ich auf seinem Handy einen geöffneten Chat in Russisch, als es mir blitzartig auch eingedenk seines Namens ins Hirn schoß: Der Mann hört nicht nur nichts, er versteht auch kein Wort Deutsch - eine verzwickte Kombination, wenn man ihm das bereits für normalbegabte Deutsche etwas komplizerte Prozedere bei der Vorbereitung auf eine Darmspiegelung erklären möchte. Den jungen, technikaffinen Kollegen bereitete eine solche Konstellation dank des immer mitgeführten Handys und Google Übersetzer keinerlei Probleme.

  Retweet: Ich war in der Freischicht in einem Escape-Room. - Man wird eingesperrt und muß Rätsel lösen. - Habe mich wie auf Station bei der Arbeit gefühlt.

  Retweet: Willkommen zu einer neuen Folge "Ich bin auf Arbeit und könnte schon wieder kotzen!"

  Retweet: "Was machst du heute?" "Angst und Schrecken verbreiten, die Menschen unterwerfen und den Himmel verfinstern." "Ich meinte, NACH der Schicht."

  In dem aspekte-Beitrag "Unser Ende - Was passiert, wenn wir sterben" auf den Ausdruck terminale Luzidität gestoßen, einen Moment der geistigen Klarheit und Geisteskraft kurz vor dem Tod selbst bei Moribunden mit vorgeschädigtem Gehirn. Als Pflegekräfte kennen wir die scheinbare Besserung des Zustandes eines sterbenden Patienten, den wir manchmal als Zwischenhoch bezeichnen. Plötzlich kehren vermeintlich geistige oder körperliche Kräfte zurück, zeigen sich längst verlorenen Ressourcen noch einmal. Die Sendung vom 14. August "Endlich - ein neuer Umgang mit dem Sterben" widmet sich gänzlich dem Thema. Die erwähnten Bücher sind Roland Schulz' "So sterben wir. Unser Ende und was wir darüber wissen sollten" und Matthias Gockels "Sterben. Warum wir einen neuen Umgang mit dem Tod brauchen".


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