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Themenbereich: Krankenpflege & Medizin (2)


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Was anderswo oft untergeht, in Archiven verschwindet, beispielsweise Getwittertes, dieses kleinen Notate sollen hier thematisch gesammelt werden. An dieser Stelle oft selbst Erlebtes aus meinem Beruf.

  Neben witzigen Cartoons aus Medizin & Pflege sammle ich auch Impressionen und Kuriosa aus meinem Arbeitsleben.

  Patientenaktenmonstrum: Manche Patienten bleiben etwas länger und generieren massiv Papier fürs Archiv.

  Durch Novemberregen auf den Blauer Heinrich gestoßen. Beruflich vertraut ist mir die Pulmologie und ich bedauere, daß solch edle Gerätschaft nicht mehr en vogue ist. Die schnöden modernen Sputumbecher können ihm beleibe nicht die Spucke, ähm, das Wasser reichen. Viele Pflegekräfte empfinden Sputum übrigens viel mehr als Zumutung als andere Ausscheidungen. Vor mehr als einem Jahr, als ich für die Stumme Schwester recherchierte, hätte ich, hätte ich sorgfältiger und ohne Tunnelblick gelesen, den Blauen Heinrich bereits wahrnehmen können und sollen. Im Zauberberg kommt das Utensil übrigens vor: "'Aber ich habe noch Sputum', sagte er [...] und ließ seinen Vetter etwas sehen, was er aus der ihm zugekehrten Seitentasche seines Ulsters zur Hälfte herauszog und gleich wieder verwahrte: eine flache, geschweifte Flasche aus blauem Glase mit einem Metallverschluß. 'Das haben die meisten von uns hier oben', sagte er. 'Es hat auch einen Namen bei uns, so einen Spitznamen, ganz fidel.' (...) Der pfeift bald aus dem letzten Loch. Schon wieder muß er sich mit dem Blauen Heinrich besprechen." - Auf Mastodon entwickelte sich ein kleines Geplänkel.

  "Unser Gesundheitssystem ist nicht dabei, zu implodieren, es ist bereits vor fünf bis zehn Jahren implodiert. In seinen rauchenden Trümmern finden Rückzugsgefechte statt." (Chris Kurbjuhn)

  Eine Patientin, welche seit August in unserer Klinik liegt, hat in ihrer Akte 73 Diagnosen vermerkt. Da erscheint einem der Scherz "Meine Krankengeschichte erscheint demnächst als Folio im Buchhandel" nicht mehr so abwegig.

  Auf Station ließe sich gerne der eine oder andere Horrorfilm drehen wie beispielsweise letzte Nacht, als einen deliranten Patient Bewegungsgelüste überkamen und er sie ohne seinen Blasenkatheter verwirklichte. Solch eine Trennung verbindet sich mit einem Blutbad, welches kein Regisseur besser hinbekäme. Ich mutierte wieder mal zur Facility-Fachkraft, als ich das Zimmer durchfeudelte.

  Derzeit haben wir einen Künstler als Patienten, der in einem desolaten Zustand eingeliefert worden ist und eine umfangreiche Vorgeschichte mit diversen Stürzen und Suizidversuchen hat. Unangepaßte Patienten mit unkoventionellem Verhalten haben es schwer auf Station. Niemand mag diejenigen, die aus der Reihe tanzen. Und wenn sie nicht tanzen können, sondern Hilfe brauchen, wird's diffizil. Kaum war er bei uns eingetroffen, beschwor er seine Menschenrechte und wollte partout wieder weg, ließ nichts mit sich machen. Zwei Dienstärzte redeten mit Engelszungen auf ihn ein und gönnten ihm ein super Beruhigungsmittel i.v. Gestern Abend, bevor wir Feierabend hatten, dann ein Krachen, ein Sturzereignis. Schicksale, die wir als Pflegepersonal erleben. Ein Mensch mittleren Alters, etwas anderes als all die anderen Patienten am Ende ihres Lebens, die wir sonst betreuen, was auch die Sichtweise und die Gefühle verändert, welche man mit solch einem "Fall" verbindet. Einen Suizidversuch überleben mit 400 mg Diazepam, 400 mg Zolpidem, 300 mg Opipramol und 100 mg Escitalopram - das muß man erst einmal bringen. (24.1.23)

  Den bei Herrn Buddenbohm aufgelesene Begriff muß ich beim nächsten Zwist auf Arbeit unbedingt anbringen. "Ihr seht hier einen frisch aufgebrachten Krankenpfleger vor euch."

  Im Prinzip ist es so, daß mich auf Station schon die Übergabe so erschöpft, daß sich die Frage ergibt, wie zur Hölle die restlichen 8 Arbeitsstunden überstanden werden sollen. Bei der Übergabe werden normalerweise wichtige Dinge zum und über den Patienten gesagt. Was war, was ist, was sein wird, was der Dienst, dem übergeben wird, zu beachten hat. Man KANN es komprimiert und kurz halten, MUSS es aber nicht. Sagt euch der Ausdruck totgequatscht etwas? Insgeheim scheint mir bei manchen KollegInnen die Intention zu sein, mit dem Material locker einem Buch zuarbeiten zu wollen.

  Nette Begrüßung. Würde ich gerne als Standardwillkommen für Angehörige im Krankenhaus installieren.

  Die Klinik habe kein Geld. Uns fehlen Nachtstühle und Hand-Oxymeter. Ins Covidzimmer rammeln wir also mit dem gesamten Monitor rein, weil die Sauerstoffsättigung ja gerade bei Corona kein unwichtiger Parameter ist. Hygienisch ein Fauxpas, der nicht sein müßte, wenn man uns ein verkacktes Oxymeter zugestehen würde.

  Patientin, die bis zur Wende Russischlehrerin an unserer medizinischen Fachschule war. Ich, smalltalkend: "Wie heißt denn 'Diabetes auf russisch?" - Sie: "Weiß ich nicht, das gab's damals noch nicht."

  Unausrottbarer Fehler in der Pflege: jemanden als taubstumm zu übergeben. Mein unermüdlicher Einsatz, zu erklären, daß Gehörlose zwar taub sind, aber allermeist über eine Sprache verfügen und folglich nicht stumm sind.

  Wenn es draußen glatt wird, läuft die Unfallchirurgie (UCH) über und schenkt uns UCH-Patienten als Außenlieger (= fachrichtungfremd) mit allerlei Brüchen. Wir auf einer Inneren Station fremdeln naturgemäß mit ihnen und empfinden Außenlieger IMMER als Zumutung. Doch angenehm kurz sind bei den Chirurgen die Anordnungen (Terminus "Visite ausarbeiten").

  Man hält uns mit Wäsche knapp. Ich wechsle einer Patientin mit dieser Bemerkung das vollgeblutete Krankenhaushemd, woraufhin sie sagt: "Jetzt empfange ich schon das letzte Hemd.". Ich, wahrheitsgemäß: "Und es hat keine Taschen!"

  Zur selben Zeit auf Station zwei PatientInnen mit gleichem Nachnamen und - seht selbst: Frau Br., Petra / Herr Br., Peter. Letztens zwei Männer im selben Zimmer nebeneinander, geb 1943 bzw. 1941, beide mit Vornamen Adolf. Wißta Bescheid. Das Schöne war auch, daß ich, wenn ich ins Zimmer trat und Adolf rief, von beiden hochaltrigen Pflegepatienten ein tiefes, loriotlikes "Jaaaaa" ertönte. ["Adolf?" "Jaaaa!" "Was machst du da?" "Ich liege hier."]

  Wie man Erythrozytenkonzentrat (= Bluttransfusion) auch noch umschreiben kann: "Sie sieht nicht gut aus. Verpassen wir ihr noch zwei Einheiten der roten Hausmarke." (This is going to hurt)

  Fundstücke in der Personalumkleide. Merke: Flexülen gehören da keineswegs hin; Dildos gehören kategorisch zur kreativ-entspannenden Pausengestaltung.

  Der britischen KH-Serie "This is going to hurt" gönne ich einen separaten Thread, weil sie so bitterbös sarkastisch ist und nicht nur für das marode NHS steht.

  Warum haben unsere Kasacks keine solchen praktischen Taschen? Stattdessen droht, wenn man ein Instrument in der Hosen- oder Kitteltasche beherbergt, stets ein geschlechtsnaher Pfählungsunfall.

  Hochbetagte, bettlägerige Patientin klingelt mit der Fernbedienung in der Hand. "Im Fernsehen all die Kriege und Unruhen in der Welt. - Wie sieht es eigentlich in (Leipzig-)Grünau aus?"

  Die Bettenanzahl unserer Station ist mangels Personal von 30 auf 25 Betten reduziert. Der Nachtdienst war montags bis donnerstags mit 2 Pflegekräfte besetzt, freitags bis sonntags mit nur 1. Die schleichende Ausdünnung verlängert den alleinigen Nachtdienst nun um den Donnerstag.

  Die Bettenanzahl unserer Station ist mangels Personal von 30 auf 25 Betten reduziert. Der Nachtdienst war montags bis donnerstags mit 2 Pflegekräfte besetzt, freitags bis sonntags mit nur 1. Die schleichende Ausdünnung verlängert den alleinigen Nachtdienst nun um den Donnerstag.

  Begriffe aus der Pflege. 2. Gehirn: Übergabezettel, ohne den man reichlich doof herumirren würde, der alle Wissensnotwendigkeiten zusammen hält.

  Begriffe aus der Pflege. 1. Blutbad: Wenn sich ein Pat. etwas herausgezogen hat (z.B. Blasen/Venenkatheter) und das Blut die Umgebung verziert.

  Laut Pflegereport der AOK bekommen fast 8 Prozent der Heimbewohner in Deutschland dauerhaft Beruhigungsmittel. Der Qualitätsatlas Pflege erfasst kritische Ereignisse in der pflegerischen, ärztlichen und therapeutischen Versorgung in Deutschland.

  Patientin: "Wie heißt das gleich, was man in das Geschlechtsteil einführt?" Ich: Wieviel Optionen hätten Sie denn gern?

  Patient: "Ich war lange auf der ITS, und ich sag's ihnen ehrlich, dort wird es auch enden."

  Patientin zu einer Kollegin: "Heute waschen SIE mich! Gestern war hier nur ein Mustafa."

  Am Bett eines 66-Jährigen beginne ich zu trällern: "Mit 66 Jahren, da..." Patient schnaubt entrüstet: "So ein Quatsch!"

  "Anne wollte in Würde sterben, nicht mit Schläuchen in ihrere Nase. Sie hatte Krebs, meine Herren. In einer Klinik heißt das: 'Schneiden, Vergiften, Verbrennen - Operation, Chemotherapie, Bestrahlung.' (Law and Order S05E01)

  Krankenhausessen muß nicht immer eklig und jenseits geschmacklicher und inhaltlicher Mindestanforderungen sein. Im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg zeigt ein Gourmet-Koch, wie es anders geht, ohne daß finanzielle Beschränkungen gesprengt werden müssen.

  Im Zusammenhang mit Beruhigungsmitteln für gestreßte Pflegekräfte gibt es unzählige Scherze. Entweder man bringt sich runter oder die Patienten. Am besten aber beide. Damit Frieden herrscht! Damit die Situation auf Station ertragbar wird! Mir am neuesten ist der Tavor-Leckstein bzw. die Propofol-Kerze. "Und ist der Himmel noch so grau, mit Tavor wird er wieder blau." - "Every Nurse has a best friend - PAM: Lorazepam, Diazepam, Clonazepam". - "Wer randaliert, wird relaxiert / Wer diskutiert, wird intubiert!"

  Retweet: Größte Katastrophen im Gesundheitswesen, Top5: 1. Wenn das Fax ausfällt. 2. Wenn der Kaffee alle ist. 3. Wenn die Krankenkassenkarte vergessen wurde. 4. Wenn ein Kreuz auf einem sinnlosen Papier nicht gemacht wurde. 5. Wenn jemand neue Ideen einbringt, weil ham wir immer so gemacht.

  Einen litauischen Patienten, dessen Namen ich weder unfallfrei ausprechen noch schreiben kann. Hoffe nur, die Ärzte stellen sich bei der Therapie cleverer ab.

  The New Nurses - Die Schwesternschule. Über die Einführung männlicher Pflegekräfte in die Krankenpflege im Dänemark der 50er Jahre. Heute: Die Entlausung. Früherer Ausschnitt: Rauchen & erektile Dysfunktion.

  Patientin, der ich auf ihr Verlangen hin vorgestern eine Schlaftablette geben durfte, himmelt mich gestern an, sie hätte seit Jahren nicht so gut geschlafen. Pharmaindustrie is'nt the devil every time.

  Laß demente Patienten, wenn sie mobil sind, nicht allein. Niemals! Weder mit Lebensmittel und Blumen noch mit dem Bettenwagen noch mit Gegenständen jedweder Art (Stilleben mit Andickpulver) noch mit dem Teewagen. Es sei denn, du stehst auf einen Dienst voller bunter Überraschungen. Übrig gebliebenes Andickpulver läßt sich prima als Tapetenkleister zweitverwerten.

  Wiederkehrer oder Drehtürpatienten sind Patienten, die sehr oft und immer wieder eingeliefert werden, manchmal sogar, ohne daß das Bett kalt werden konnte, am selben Tag. Sie sind bei allen, Ärzten und Pflegekräften, sehr beliebt. Des öfteren werden, wenn die Entlassung bestimmter Patienten unmittelbar bevorsteht, beinahe Wetten abgeschlossen, ob er/sie dieses Mal wiederkommt oder nicht.

  Am Freitag entließen wir einen Coronapatienten nach Hause. Das Zimmer, in dem er isoliert war, sollte am Montag gängigerweise durch den Reinigungsdienst schlußdesinfiziert und damit wieder bezugsfertig gemacht werden. Gestern war die Order, einen neuen mit Corona infizierten Patienten aufzunehmen und in dieses sowieso kontaminierte Zimmer zu legen. Wie praktisch. Allerdings standen dort noch herum: 1 Rollstuhl, 1 Toilettenstuhl, das abgezogene Schmutzbett des Vorgängers sowie zwei schwarze Tonnen für Wäsche und Abfall, was allesamt das Zimmer nicht verlassen darf. Als ich den neuen kranken Patienten ins Zimmer brachte, blickte der sich um und meinte: "Jetzt habt ihr mich wohl schon in den Abstellraum geschoben!?"

  Als alter Lateiner war ich erfreut über den Plural von Intertrigo, der bei den Kolleginnen ein bißchen für Naserümpfen sorgte.

  Depressive, alte und schwerkranke Patientin äußert nachdrücklich Lebensüberdruß. Psychiater geht zu ihr und stellt zur Aufmunterung den Fernseher an, wo eine Zoosendung läuft, in der gerade ein Bär von seinem Leiden erlöst wird. Patientin: "Der Bär hat's gut. Mich erlöst keiner."

  Neue Anekdote. Kollege kommt ins Zweibettzimmer und sieht eine Patientin leichenblaß, regungslos und ohne sichtbare Atmung. Verdacht natürlich: Exitus letalis. Nächste Vorgehensweise wäre, die Verstorbene zunächst in einen separaten Raum zu legen. Kollege holt Pflegerin, die der Mitpatientin flüsternd erklärt, daß die Patientin zu einer Untersuchung müsse. Als man die Bettarretierung löste, was stets mit einem Scheppern verbunden ist, schlägt die vermeintlich Tote die Augen auf und ruft: "Huch, wo soll's denn hingehen?"

  Alte Anekdote. Zur Erklärung: Marotte von uriger Kollegin übernommen. Alten, multimorbiden PatientInnen, wenn sie schlafend, blaß und eingefallen im Bett liegen, sieht man das Lebendigsein nicht mehr unbedingt an, so daß wir immer mal, wenn wir ans Bett treten, attitüdenhaft und scheinbar konstatierend "Tot!" vor uns hinmurmeln. Als wir einmal wieder in ein Zimmer kommen und "Tot!" sagen, schlägt Frau G. die Augen auf und sagt mit zittriger und doch leicht empörter Stimme: "Ich bin noch nicht tot!"

  "Es gibt viele verschiedene Ansätze, nett zu sei. Sonst hätte ich keine 40 Jahre als Krankenschwester durchgestanden." (The Good Doctor S04E02)

  Patient: "Wenn Sie mir wieder einen anderen Patienten ins Zimmer legen, dann bitte einen mit weniger Parfüm." - Hatte ich so auch noch nie.

  Um mit allen PatientInnen gut kommunizieren zu können, müßte ich derzeit russisch, ukrainisch, türkisch, albanisch, arabisch und natürlich deutsch können.

  Patientin muß nach Schulterverletzung einen Gilchristverband tragen. Sie verschüttete am Sonntagabend Tomatensuppe und saute diese Orthese ein. Da wir so rasch keinen Ersatz organisieren konnten, wollten wir sie einweichen, nur war die Patientin schneller, die den Verband ihrem Mann zum Waschen mitgegeben hatte. Heute früh, nach 3 Tagen Aushäusigkeit, konnten wir ihre Schulter mit schniekem Hilfmittel endlich wieder stabilisieren.

  Retweet: Die komatöse, präfinale Patientin läuft nach 500 Ringer i.v. im Zimmer umher und möchte ein Wurstbrot. "Kann man das so in den Arztbrief schreiben?" "Unbedingt."

  Pflegekräfte gesucht - keine neue Schlagzeile und ein Problem, mit dem sich viele Kliniken herumschlagen müssen. Mein Arbeitgeber, das St. Georg Leipzig, sucht nun in Vietnam nach neuen Pflegekräften.

  Daß das einmal passieren wird, befürchtete ich immer schon. In Mannheim hat eine Patientin einer Mitpatientin die Sauerstoffzufuhr abgestellt, die daraufhin reanimiert werden mußte. Beschwerden darüber, wie laut das Blubbern sei, vernahm ich in meinem Berufsleben mehrfach, doch wurde noch nie ein Patient handgreiflich.

  Patient, HIV positiv, schizophren und Zeuge Jevovas, möchte Einzelzimmer. Aber sind die naturgemäß nicht immer zu zweit?

  Ein 91-jähriger Patient, ziemlich eigenwillig und altersgerecht starrsinnig, topfit, kommt und fragt, ob er eine Bescheinigung bekommen könne. Ich frage, wofür. Er sagt, er mache doch Kieser-Training und brauche den Attest, damit er für die Zeit seines Krankenhausaufenthaltes von den Kosten befreit werde.

  Zwei Besucherinnen auf Station im Anmarsch. Ich: "Ihren negativen Coronatest bitteschön!" - Die Zwei: "Sowas kennen wir nicht, wir kommen vom Dorf."

  "Der Patient hat keinen Puls mehr." "Schnell, Defibrillator!" "Und die Stromkosten." "Ach so... - Todeszeitpunkt?"

  Gestern stritt ich mit einem Patienten, der vorgab, seine Tabletten nicht schlucken zu können. Ich mörserte sie, holte einen Joghurt, mit dem er sie vermengen und einnehmen sollte. Der Patient behauptete aber, der bessere Weg sei, wenn ich das Pulver in die Vene spritzen würde. So hätte man das auf einer früheren Station praktiziert. Alle Erklärungsversuche, daß zu Pulver zerriebene Tabletten keinesfalls aufgelöst und intravenös verabreicht werden können, scheiterten. Ich war jetzt der Bösewicht.

  Ich am Telefon zur Dienstärztin: "Der Patient hat Luftnot und agitiert." - Meine Kolleginnen im Hintergrund: 'Agitiert? *googlegoogle*'.

  Russisch und englisch sprechender Patient rollt an mich heran: "Excuse me, can I have the pills for alcohol?" Gemeint ist Distra(neurin), DAS Ersatzmittel bei Alkoholentzug im stationären Betrieb. Nur hört der Deutsch statt "pills" Pils, was zunächst zur Verwirrung beiträgt. Einer so höflich geäußerten Bitte widersetzt sich die hilfsbereite Pflegekraft freilich nicht.

  Der Zwang zur Kürze generiert kryptische Formulierungen auf unseren Dienstübergabezetteln, "Sperrbett verwirrt" bedeutet: Patient ist so verwirrt, daß das zweite Bett im Zimmer gesperrt bleiben muß. Der Geisteszustand des Bettes selbst wurde keiner Beurteilung unterworfen.

  Retweet: Bei manchen Ärzten komme ich mir vor wie im Film, genauer wie in "Denn sie wissen nicht, was sie tun".

  Patient: "Sind Sie Arzt oder Pfleger?" - Ich: "Ich bin ein Pfleger" - Patient: "Toll, das ist mir auch lieber so."

  Die Geschichte hinter diesem Bild hätte ich zu gerne gewußt. Zu eilig nach dem Dienst? Zu faul, für die Arbeitskleidung das entsprechenden Behältnis zu suchen?

  Wenn man skrupulös die ärztliche Anordnung 'Größe und Gewicht bestimmen' befolgt. Mit Zentimetermaß bei einem beidseits oberschenkelamputierten Patienten.

  Zunächst Kulinarische Kostbarkeiten zu sich nehmen, um sie dann überwacht abzugeben.

  Patient mit Logo- UND Diarrhö - für Pflegekräfte eine etwas ungünstige Kombination.

  "Lauwarme passierte Kost" - Es gibt wohl kaum weniger Deprimierendes in Sachen Krankenhausessen. 0-Diät vielleicht, womit das Fastenmüssen z.B. wegen anstehender Untersuchungen bezeichnet wird.

  97-jährige Patientin angelt nach dem auf einem Urinsammelbehälter deponierten, am Ladekabel hängenden Handy und fällt aus dem Bett. Keine Pointe. Und glücklicherweise keine SHF.

  "Seit die Küche neu verpachtet wurde, haben wir ein Problem mit Sonderbestellungen." (Remedy S02E07) - Auch in amerikanischen KH-Serien gibt's dieselben Probleme.

  Manche Dienste sind für das nach Anekdoten und Kuriosa lechzende Gemüt eines Pflegers ein Hauptgewinn. Wichtig: immer sofort notieren, sonst werden Erlebnisse und Fundstücke vom ganz normalen Wahnsinn des Stationsbetriebs verdrängt und vergessen.

  Zum Vatertag einen Neuzugang mit dem Namen Bierbrauer bekommen. Der wurde sicherlich nicht mit dem RTW, sondern mit einem Leiterwagen eingeliefert.

  Einen Patienten, der Hühnerbein heißt und Fieber hat, nunmehr Broiler nennen. Ist das legitim?

  Zum gestrigen Unterhaltungsprogramm im Spätdienst gehörte der Zickenkrieg zwischen zwei Ü80-jährigen Patientinnen um die Fernbedienung.

  Auf dem Übergabezettel vermerken wir Aktuelles zum Patienten. Ungewöhnlich selbst für uns: eine PIN für das Handy eines Patienten zu notieren, der sich dauernd aus seinem Gerät aussperrt. Seine Nichte gab uns die PIN, weil täglich grüßt das Murmeltier.

  Retweet: Rente ab 70? Ich (70) rolle eine Patientin (70) mit dem Rollstuhl ins Badezimmer. So, wer wäscht jetzt wen zuerst?

  Abfragen des Patienten für das so genannten Stammblatt. Wir rattern die Fragen schematisch hintereinander ab. Ich: "Benutzen Sie Gehhilfen? Rollator, Gehstützen?" Patient: "Ich habe zwei Stöcke." Ich (im Kopf die nächste Frage nach der Körpergröße des Patienten): "Wie groß sind Sie?" Patient (im Kopf seine Gehhilfen): "Naja, so 1,40 m, es sind alpine Stöcke." Lachkrampf bei meiner Kollegin und mir.

  Patient hat sich im Bett entkleidet und liegt nackt unter der Decke. Ich: "Wir wär's, wenn ich Ihnen wieder dieses Nachthemd anziehe?" Patient: "Da hast du dich überhaupt nicht einzumischen!"

  Ich: "Ihr Blutzucker ist etwas niedrig." - Patientin: "Im Leben geht es immer wieder auf- und abwärts."

  Retweet: Patient: Ich weiß ganz genau, was ich für Tablette nehme. Das ist auch wichtig! Sonst kriegt man hier noch was falsches und merkt's nich mal. - Ich: Und welche nehmen Sie? - Er: Morgens zwei weiße und ne blaue Kapsel, nachmittags ne kleine weiße und abends die gelbe ovale.

  Zweibettzimmer. Eine biodeutsche Patientin, eine Schwarze. Ich frage, ob das Licht gelöscht werden oder angeschaltet bleiben soll. Biodeutsche: Aus! Schwarze: No! Ich: "Es ist erst 20.30 Uhr, ich lasse es noch an." Biodeutsche grummelt: "Alles kriegen die Ausländer in den Arsch geschoben!"

  Neue Sprachregelungen bei meiner Arbeit. Wenn KollegIn krank ist, ist er/sie nunmehr "abwesend". Dafür werden Datenschutzgründe angegeben. Wenn Patienten am Wochenende am Samstag und/oder Sonntag nachhause gelassen werden, heißt es nicht mehr Beurlaubung oder Wochenendurlaub, sondern "Alltagsbelastungstest".

  Der Unterschied zwischen kanadischen und US-amerikanischen Krankenhausserien: Man sieht ab und an mal einen BH und ein Fitzelchen nackte Haut hervorlugen. Bei US-Serien hört man mit dem Stethoskop konsequent durch noch so dicke Oberbekleidung ab.

  Ich gucke S02E10 = die letzte Folge der Staffel der kanadischen Serie "Nurses". Spannend daran, Corona nochmal als heraufziehende Bedrohung erleben. In der vorangegangenen Folge wird menetekelt, daß da ein so genannter Coronavoris eventuell gefährlich werden könnte. Und dann wird eine Patientin eingeliefert, wo man bei der aufgesetzten Dramatik und Verrätselung sofort weiß: Jetzt ist Corona da. Gespenstisch. Mir lief realiter eine Gänsehaut über den Rücken. "Die Sache mit dem Coronavirus hört sich an, als gäb's Krieg."

  In 99% der KH-Serien. "Nehmen Sie Medikamente" "Nein." Und wenn doch, dann nur das eine, welches für den Plot entscheidend ist. Die Medikamentenlisten unserer Patienten könnte man gut und gerne als Buch veröffentlichen.

  Kürzlich hatten wir eine Patientin, bei der Kaffee Niesattacken auslöst. - So ein Schicksal wünscht sich ja auch niemand.

  Nörgliger Patient, Typ Rübezahl. Pöbelte meist herum. Wollte ein zweites Brötchen mit Marmelade, welches ich ihm unverzüglich brachte. Er darauf: "Das ist wirklich ein feiner Zug von Ihnen. Das ist nicht selbstverständlich."

  Weil wir im gastroenterologischen Fach eine ausschließlich polnisch sprechende Patientin versorgen müssen, sammle ich für den kommenden Nachtdienst schon mal Wörter: gówno - die Kacke / co za gówno! - Was für 'ne Kacke! / o kurde! - schöner Mist!

  Als wir bis 23 Uhr zwei Zugänge bekommen hatten und eigentlich ganz anderen Aufgaben hätte nachgehen müssen, so daß sich naturgemäß die To-do-Liste auftürmte und drängender wurde, kam ich, nachdem wir auch noch drei Abgangsbetten geputzt hatten, damit wir die neuen Patienten überhaupt in ein Bett legen konnten, schweißgebadet ins Dienstzimmer. Ich: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß!" Dienstarzt: "Der Papierkram?" Ich: "Nein. Alles."

  41-jähriger, durch einen Hirninfarkt vorgeschädigter Patient popelt sich den Infusionsschlauch vom Venenzugang ab, steckt ihn sich in den Mund und nuckelt daran. SO auch noch nicht erlebt.

  Retweet: Vergesse das Diensttelefon im Patientenzimmer. Notaufnahme ruft an, demente Patientin geht ran: "Was wollt ihr von mir? Ja, wenn der das sich das Bein gebrochen hat, würde ich mal im Krankenhaus anrufen, hier in der Küche kann ich wohl auch nicht helfen."

  Auf meiner jetzigen Station gibt es nur Zweibettzimmer. Ich gehe an einem Zimmer vorbei und höre, wie jemand ruft. Als ich ins Zimmer komme und frage, wer denn gerufen habe, antwortet mir der Patient im vorderen Bett: "Der da hinten!" Ich gehe ein Bett weiter und frage: "Haben Sie gerufen, Herr X.?", woraufhin der vordere Patient reagiert: "Nein, noch ein Bett weiter!" Keine Ahnung, mit wie vielen Mitpatienten der Mann rechnete.

  "Ich mag am US-Gesundheitssystem nicht, dass man für alles einen Spezialisten gleich hinzuzieht. Der Arzt nimmt nicht das Blut ab, das macht ein Phlebologe. Er legt keine Zugänge, dafür wird dann ein 'Zugangskrankenpfleger' gerufen. Dann gibt es die Atmungs-, die Physio-, die Sprach- und die Ergotherapeuten in jedem Krankenhaus, dazu gesellen sich verschiedene Krankenschwesterhierarchien und Pflegeassistenzen - gerade in kritischen Situationen verliere ich manchmal den Überblick angesichts von zehn bis 15 anwesenden Personen im Patientenzimmer." (Dr. Peter J. Niemann)

  Die Tochter fragt ihren Mutter (Oberärztin) medizinisches Wissen ab. "Wieso machst du dir so'nen Streß? Die Prüfung schaffst du doch im Schlaf?" "Weil ich meine Facharztzulassung noch weitere 10 Jahre behalten will." - Moment, ist die Laufzeit der Approbation in den USA denn begrenzt?

  Ich gucke viele Krankenhausserien: deutsche, dänische, norwegische und freilich auch amerikanische. Dort (aufgeschnappt in Chicago Med) kann offensichtlich eine, tja, Arbeitsdirektorin? (Leiterin des Patientenmanagments, also eine Art PDL = Pflegedienstleitúng) verfügen, daß ein Arzt eine Psychotherapie machen muß, nachdem er privat traumatische Erlebnisse gehabt hat. Ich verfolge die Bedingungen und Gegebenheiten und bin immer wieder überrascht, wie verschieden doch unsere Gesundheitssysteme sind.

  Heute kam ein ehemaliger Patient zu uns auf Station, er habe seit 14 Tagen täglich eine Kapsel Dekristol 20.000 IE genommen statt 1 Kapsel alle 14 Tage und ob denn das schlimm sei. Eine Nachbarin von ihm sei Ärztin, die ihm geraten habe, nachzufragen. Ich beruhigte ihn und meinte, er sollte nur ein paar Tage nicht in die Sonne gehen, schon sei der Colecalciferolspiegel wieder im Lot. Später hielt der OA der Nephrologie dem Patienten einen Fachvortrag, der auch nichts wesentlich an der Tatsache änderte, daß der Patient sich keine Sorgen zu machen brauche.

  "Wieso dauert der ZVK so lange?" "Ich finde keine Vene." "Ich hole den Ultraschall." "Nein, kein Ultraschall, anatomische Orientierung. Hier bei uns lernen wir das Navigieren erstmal ohne GPS." (Code Black S03E04)

  Da wir keine Kannibalen sind, habe ich die Hummerusfraktur auf dem Übergabezettel in Humerusfraktuer geändert.

  Retweet: Einarbeitungsfrage ZNA: "Was sind fünf Internisten auf dem Meeresgrund?" "Ein guter Anfang."

  Retweet: Ich habe einer Patientin, die sich immer verläuft, erklärt, dass sie in Richtung Fenster gehen soll: "Gehen Sie immer ins Licht!" und sie so: "SO SCHLIMM IST ES DOCH NOCH NICHT!"

  Kollegin: "Was? Sie sind erst 67? Sie sehen schon ein wenig älter aus." Patient: "Ich bin eben verlebt."

  Insulin ist in den USA horrend teuer. Wer kann, kauft in Kanada oder in Mexico. Weiß einer, wie es nicht versicherte insulinpflichtige Diabetiker in den USA schaffen zu überleben?

  Chirurgin: "Oh Gott, wie dieses Fett stinkt! Wir sollten einen Zuschlag für diese Geruchsbelästigung kriegen." - Anästhesiearzt guckt streng. - Chirurgin: "Guck doch nicht so pikiert. Ein Fettsack bleibt ein Fettsack!" - Nachdem alle mit Blicken um sich geworfen haben, stutzt die Chirurgin: "Ach du Scheiße, war das 'ne Voll- oder Teilnarkose?" - Der Patient nuschelt unter seiner Sauerstoffmaske: "Teilnarkose!" (Nurses S01E01)

  Zur pflegebedürftigen, ein wenig widerborstigen Patientin: "Wenn Sie nicht mitmachen, kommen Sie ins Heim für schwer erziehbare Omis!"

  Homeoffice in der Pflege kann sich keiner ernsthaft vorstellen, sondern nur als Überzeichnung. Für das Thema hatte ich einen separaten Thread ins Leben gerufen.

  Morgenrunde bei einer Pflegepatientin. Sie: "Haben Sie etwa Salamischeiben unter der Fußsohle?" Ich zeige ihr die linke Fußsohle. Sie: "Nein." Ich zeige ihr die rechte Fußsohle hin. Sie: "Nein". Nach kurzem skeptischen Überlegen die Patientin nochmal: "Dann können Sie jetzt die Waschmaschine anmachen."

  Junger Mann mit Handverletzung soll operiert werden, darf also nichts essen, spicht kein Deutsch. Jede Vermittlung scheitert und er greift sich, was sich auf einer Station eben so greifen läßt.

  Notfallaufnahme-Crew erwartet einen MANV und wird von der OÄ instruiert, die beim Anblick des geschockten Teams sagt: "Ich liebe diese Gesichter vor Armageddon". (The Good Doctor S01E06)

  Retweet: Wie nennt man einen RTW, der nur Patienten mit Nasenbluten fährt? - Epistaxi.

  Glee kommt diesmal recht altenfeindlich daher, weil es beim Wettbewerb gegen eine Konkurrenz älterer Leute anzutreten gilt. In dem Zusamenhang fiel der Begriff "Glasknochenschabraken" für sie.

  Tolle Idee. In Israel heften sich Pflegekräfte und Ärzte Fotos von sich an den Kittel, damit sie für die Versorgten keine anonyme Schreckensgestalt mehr sind, sondern ein menschliches Gegenüber.

  Retweet: "Pulsiert die Vene, isses keene..."

  Nachts kommt 'ne 18-Jährige nach Reitunfall. Nachdrücklich und mehrfach gestellte Frage, ob wir 'n Ladekabel fürs iPhone hätten. - Nein! - Ob wir es denn JETZT irgendwie im Klinikum besorgen könnten. - Neihein!

  Vor Jahren sollte eine betagte Patientin die 24-stündige Blutdruckmessung protokollieren, hatte dazu aber offenbar keine Lust.

  Retweet: Wer ißt eigentlich das ganze Obst für die Kirschkernkissen?

  Retweet: Ein Satz wie 'Heute ist es aber ruhig" führt direkt zum absoluten Chaos.

  Retweet: Patient: "Was ist Ihr Lebensmotto?" Ich: "Bitte nicht stören!"

  Wie die in Atlanta Medical Blutkulturen abnehmen. Habenwill! Geschlossenes System, indem die Flaschen an die Adapter der Kanüle passen, wie elegant. Wir müssen mit Schwänzchenkanüle zuerst Blut abzapfen, die ohnehin unhandliche und leicht aus der Arretierung flutschende Luerspitze balancieren, während man die Kanüle aus der Vene bugsiert, die Stelle mit einem Tupfer kompimiert, dann die Luerspritze mit einer Aufziehkanüle in die Blutkulturenflaschen einspritzen, d.h. auf zwei Portionen verteilen, was wegen Unterdruck und dem nötigen Wechsel von der ersten zur zweiten Flasche leicht in eine Mantscherei ausarten kann. Deswegen gucke ich neidisch auf das elegante System in dieser Folge der KH-Serie "Atlanta Medical".

  Retweet: "...erinnert mich an die Patientin (eine echte Gräfin), die irgendwann gemerkt hat, dass wir schneller kommen, wenn sie ihre Arterie abknickt. Und dann merkte, dass wir am schnellsten kommen , wenn sie die Beatmung der Nachbarin hinten am Gerät abzieht."

  Retweet: "Höchst privater Patient auf der Intensivstation. Man möge bitte das Licht während der Notfallintubation der Bettnachbarin löschen, er könne nicht schlafen. Ja, er sehe den Notfall, er sei jetzt aber müde. Er wolle morgen ja nicht noch kränker sein." (Herzspitze) - "Eine Dame hat mal gemeckert, die Reanimation ihrer Zimmernachbarin sei zu laut und die 'olle Schrippe brauche man sowieso nicht retten'. Zwei Tage später ist sie fast erstickt an einem Stück Brokkoli und kam mit ner 40er Sättigung auf die ITS. Kurzer Karmamoment." - "Das sind dann die Leute, die sich für Sophie Scholl halten. Wo irgendwo zwischen Ich-Wahrnehmung und induktivem Denken ein Pfosten steht."

  Retweet: "Ich bin auf 1-4 Pillen drauf und habe 1-4 Bitches im Haus." Franz, 85, genießt die Betreuung auf Station.

  Retweet: Junger Assistenzarzt betritt das Stationszimmer und erklärt selbstherrlich dem Pflegeteam, was ihr Aufgabenbereich sei. Eva, 40 Jahre in der Pflege tätig: "Ich sag ja immer: Versuche nie einer alten Nutte das Ficken beizubringen. Aber was weiß ich schon."

  "In einer Autopsie haben wir den Luxus, tief graben zu können." (Atlanta Medical S02E14)

  Ein Bild aus einer Wuppertaler Klinik sorgt gerade für Aufregung. Geriatrie ist meist eine harte Sache. Für Laien mögen diese Bilder schockierend sein. Doch wenn die Inkompliance dementer, hochgradig sturzgefährdeter Patienten mit Hinlauftendenz überhand nimmt und der Schaden absehbar ist, dann ist "bodennahe" Pflege mitunter unabdingbar.

  Von uns Pflegekräften wird allseitige Einsatzfreude erwartet, nicht nur, wenn wir uns im regulären Dienst auf Station befinden, sondern auch, wenn wir frei haben und das Telefon klingelt oder What's App scheppert und man gebeten wird, einzuspringen oder einen anderen Dienst als geplant zu übernehmen. Gestern am einzigen und zudem noch einzelnen freien Tag in der laufenden Woche wurde ich mehrfach mit der Bitte angefunkt, heute zuungusten des Spätdienstes einen Frühdienst zu übernehmen, den von den vier möglichen Diensten gehaßtesten. Juristisch bin ich nicht gezwungen zu reagieren, so daß ich dieses Recht in Anspruch nahm, weil ich, der mir mit noch 32 Stunden Wochenarbeitszeit eigentlich 3 freie Tage pro Woche zustehen, es als Zumutung empfinde, einzelne Tage frei machen zu müssen. Als Nichteinverständnisbekundung und Replik auf die von mir als unverschämt empfundene Desideration gestern mein Schweigen und trotzdem, weil man letztlich eben doch als braves Pflegeschaf konditioniert ist, ein schlechtes Gewissen.

  Ein auch für mich aufschlußreicher Thread über intensivmedizinische Maßnahmen bis hin zur Beatmung (nicht nur bei C19-Patienten). Die Videos, wie man sich fehlerfrei Isolationskleidung anzieht, wie dem Patienten eine NIV-Maske angelegt oder wie er intubiert wird, brachten auch mir als Krankenpfleger noch einen Zugewinn an Wissen und Verständnis. Beispielsweise habe ich weder eine Helm-Beatmung noch den Transfer eines Patienten in die Bauchlage gesehen.

  Retweet: Anmeldung beim Arzt in Corona-Zeiten. "Bitte einmal die Versichertenkarte selbst einstecken!" - "Andersrum." - "Den Chip nach unten!" - "Momentchen noch, der PC will heute nicht so, wie er soll." - "Telefonnummer stimmt noch?"

  Patient mit Tendenz, aufzustehen und sich etwas zu brechen, betitelte mich bei zigsten Versuch, ihn ins Bett zurückzubefördern, mit "Du blödes Rindvieh!" Im Pflegebericht konnte ich also notieren: 'Patient ist voll orientiert.'

  Retweet: Deutsches Origami: Beipackzettel von Medikamenten in den Originalzustand zurückfalten.

  Das habe ich auch noch nicht erlebt. Eine unserer Patientin mit fortgeschrittener Multipler Sklerose (Tetraplegie) erhält zuhause eine 24-Stunden-Betreuung durch insgesamt acht Assistent:innen, die sie eingeklagt hat. Und auch während ihres jetzigen Krankenhausaufenthaltes wird die Betreuung fortgesetzt, so daß wir Pflegekräfte uns nicht um die pflegerische, sondern nur um die therapeutische Versorgung kümmern müssen.

  Rekapitulation: Anfang nächster Woche soll eine unserer Patientiennen mit Rührei in einem Haus unserer Klinik sein, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Nennt mich neugierig, aber ich möchte die Story wissen. / Auflösung: Diabetiker leiden öfter unter so genannten Gastroparesen (Magenlähmung). Mittels der Magenentleerungsszintigrafie, bei der mit radioaktivem 99mTechnetium Albu-Res angereichertes Rührei in Form einer Testmahlzeit verwendet wird, wird die Magenentleerungsszeit bestimmt.

  Nicht angekündigte Zugänge, die plötzlich auf dem Gang stehen und aufgenommen werden müssen, eine Patientin, die akut auf die Intensivstation verlegt werden soll, die abends jedoch im haargenau identischen Zustand rückverlegt wird (mit erst Deinstallieren und abends Reinstallieren der Gerätschaften und Materalien, summa summarum vielleicht 1 Stunde Beschäftigung), einen Patient von einer OP holen, mit einem hochgradig erregten und mit Prozeß gegen uns drohenden Patienten umgehen... Nur einige Aspekte, die zu einem "normalen" Spätdienst HINZUkommen!

  Nach Leberpunktionen wird die betroffene Stelle für wenige Stunden mit einem Sandsack komprimiert, um Nachblutungen zu vermeiden. Gestern Abend (2.10.) bei einer Patientin den Sandsack entdeckt, mit dem sie seit dem 30.9. gekuschelt hatte. Nicht schlimm, aber deutliches Zeichen für die Überlastung der Pflege, die die Augen auf weit chaotischere Dinge richten muß als einen vergessenen Sandsack.

  Patienten aus dem OP holen, heißt, das Bett eine längere unterirdische Strecke zu schieben, deren zwischenzeitliche Steigung einen, wenn man ohnehin wegen stressigem Dienst dehydriert und aus der Puste ist, zu schaffen machen kann. Der wache Patient IM Bett fragte mich: "Wollen wir tauschen?"

  Eine 67-jährige Transgender-Frau als Patientin, die aber mangels geschlechtsangleichenden Operationen phänotypisch ein Mann ist. Riesendiskussion, ob man sie in ein Mehrbettzimmer mit anderen Frauen legen kann. Diffizil. Soll und darf man Akzeptanz der Mitpatientinnen einfordern bzw. voraussetzen? Oder geht man, wenn man die Frau vorsichthalber in ein Einzelzimmer legt, dem Problem aus dem Weg. Gestern war ein Einzelzimmer nicht mehr machbar, das "Problem" also akut und die Ratlosigkeit in allen Gesichtern des Teams.

  Anfang nächster Woche soll eine unserer Patientiennen mit Rührei in einem Haus unserer Klinik sein, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Nennt mich neugierig, aber ich möchte die Story wissen.

  Ein Patient verläßt die Station, spaziert quer durchs Klinikgelände zur Zentralen Notaufnahme (ZNA) beklagt dort Schmerzen und daß ihm auf unserer Station nicht geholfen würde und die Schwestern stattdessen den ganzen Tage nur Kaffee tränken.

  Eine weit über 80-jährige Patientin, hochgradig dement, das heißt mit fast immer anzutreffender Hinlauftendenz, wird mehrfach erwischt, wie sie bei leider unzureichenden motorischen Fähigkeiten ihr Bett verläßt, was zu Stürzen führt, ein Hauptproblem der Geriatrie, mit der wir als nunmehr gastroentero- und endokrinologische Station nur partiell zu tun haben; trotzdem sind immer mehrere unserer Patienten dement und also sturzgefährdet. Jedenfalls war die Frau sowohl bei uns im Spätdienst als auch im Nachtdienst zu Boden gegangen. Ihr Sohn und Betreuer kam nachmittags zu Besuch und schärfte ihr beim Abschied ein, doch gefälligst im Bett zu bleiben und schloß: "Ich werde das überprüfen." Aus der Frau schoß es schnippisch heraus: "Da kannst du prüfen, wie du willst!"

  Eine neue Patientin (Zugang, 84 Jahre), die selbst Probleme hat, sich aufrecht zu halten und durch unkoordinierte Bewegungen Kaffee im Bett verschüttet hat, wurde versorgt und bei Aufgeregtheit einigermaßen beruhigt. Kaum sind wir fertig, kommt ihr Ehemann zum Zimmer herein und wird so begrüßt: "Opa, wie siehst DU denn aus?"

  Retweet: In Deutschland gibt es etwas 4 Mrd. Pfandflaschen. Nach einem Blick in die Stationsküche frage ich mich: "Wer hat die restlichen 23 Flaschen?"

  Retweet: Man wird geboren,versucht einen Facharzt anzurufen und dann stirbt man schon wieder!

  Zum nachfolgenden Bild. Der Mann saß an der Haltestelle Hauptbahnhof, als ich zum Nachtdienst wollte, hatte Hausschuhe an und ein Sabberlätzchen umgebunden. Mir fallen zwei Pflegeheime in der Nähe ein, aus denen er entwichen sein könnte. / Nachtrag: Ein kluger Kollege wies mich darauf hin, daß der Mann ein Patientenarmband trägt, welches üblicherweise Krankenhauspatienten zur Identifikation tragen, wodurch es wahrscheinlicher ist, daß der Mann aus dem nächstgelegenen Krankenhaus (Universitätsklinikum) entlaufen sein könnte.

  Die letzte Nachtschicht, ohnehin beschissen aufgrund mehrerer Zugänge, die uns mit einem Zeitdefizit durch die Nacht galoppieren ließ, endete spektakulär. Als ich den Gang entlang lief, hörte ich fernes Jammern und Wehklagen und arbeitete mich zur akustischen Quelle vor, indem ich von draußen an allen Zimmer lauschte. Beim fünften Zimmer lag ein Patient der Länge nach im Bad mit dem Gesicht in seinem eigenen Durchfall, lebte glücklicherweise noch. Zunächst das Gesicht gereinigt, damit die Fäkalien nicht ins Auge dringen. Grob und vor allem zügig, so gut es ging, wenn sich jemand in höchstnotpeinlichem physischen Zustand am Boden windet, den Rest des Körpers gereinigt und ihn mühsam ins Bett transferiert, wo der Patient deutlich delirant wurde und zu zittern anfing. Die Dienstärztin kam dann auch und ordnete einen bunten Mix an Maßnahmen an: Blutentnahme, Infusion, Vitalwert- und Kreislaufüberwachung, Blutzuckerkontrolle. Zudem muß der Vorfall auch als Sturz erfaßt werden. Neben dem eigentlichen Tun am und mit dem Kranken werden uns in solchen Fällen viele dokumentarische Finessen abverlangt. Das alles kostet Zeit, Kraft und, zumal kurz vor Dienstende, Nerven. Ausgepowert, die Dienstkleidung mit Fäkalien beschmiert, schlich ich zur Straßenbahn und war vor Erschöpfung und Müdigkeit kurz geneigt, sie nicht mehr zu verlassen und gleich vor Ort zu schlafen.

  Ich kommuniziere mit einem Patienten, der uns bei der Übergabe als gehörlos beschrieben wurde und von dem ich annahm, er läse von meinen Lippen, wovon ich weiterhin ausging, als er mimisch und gestisch nicht das Gegenteil andeutete. Zufällig erblickte ich auf seinem Handy einen geöffneten Chat in Russisch, als es mir blitzartig auch eingedenk seines Namens ins Hirn schoß: Der Mann hört nicht nur nichts, er versteht auch kein Wort Deutsch - eine verzwickte Kombination, wenn man ihm das bereits für normalbegabte Deutsche etwas komplizerte Prozedere bei der Vorbereitung auf eine Darmspiegelung erklären möchte. Den jungen, technikaffinen Kollegen bereitete eine solche Konstellation dank des immer mitgeführten Handys und Google Übersetzer keinerlei Probleme.

  Retweet: Ich war in der Freischicht in einem Escape-Room. - Man wird eingesperrt und muß Rätsel lösen. - Habe mich wie auf Station bei der Arbeit gefühlt.

  Retweet: Willkommen zu einer neuen Folge "Ich bin auf Arbeit und könnte schon wieder kotzen!"

  Retweet: "Was machst du heute?" "Angst und Schrecken verbreiten, die Menschen unterwerfen und den Himmel verfinstern." "Ich meinte, NACH der Schicht."

  In dem aspekte-Beitrag "Unser Ende - Was passiert, wenn wir sterben" auf den Ausdruck terminale Luzidität gestoßen, einen Moment der geistigen Klarheit und Geisteskraft kurz vor dem Tod selbst bei Moribunden mit vorgeschädigtem Gehirn. Als Pflegekräfte kennen wir die scheinbare Besserung des Zustandes eines sterbenden Patienten, den wir manchmal als Zwischenhoch bezeichnen. Plötzlich kehren vermeintlich geistige oder körperliche Kräfte zurück, zeigen sich längst verlorenen Ressourcen noch einmal. Die Sendung vom 14. August "Endlich - ein neuer Umgang mit dem Sterben" widmet sich gänzlich dem Thema. Die erwähnten Bücher sind Roland Schulz' "So sterben wir. Unser Ende und was wir darüber wissen sollten" und Matthias Gockels "Sterben. Warum wir einen neuen Umgang mit dem Tod brauchen".


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