Netzperlen: Literatur & Co

Gesammelte literarische Web-Fundstücke


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  "Die störrische Braut" (DNB) von Anne Tyler. Dieses Buch ist Teil des vom englischen Verlag Hogarth Press initiierten Projekts "Shakespeare - neu schreiben", eine Romanreihe, in der 8 namhafte Autoren Shakespeares Dramenstoffe neu erzählen. Die ersten Bände hatte ich in den Miszellen im April des letzten Jahres mal erwähnt. Jeanett e Winterson adaptiert mit "Der weite Raum der Zeit" das "Wintermärchen"; Howard Jacobson mit "Shylock" den Kaufmann von Venedig.

  In einer Anmerkung im Litteraturforum ergänzte ich die Tatsache, daß Karel Capek durch sein Drama R.U.R. den Begriff Roboter in die Literatur einführte. Er übernahm den Begriff von seinem Bruder Josef Capek, einem bedeutenden tschechischen Künstler, von dem just 2016 Gedichte aus dem KZ erschienen, die er in Sachsenhausen geschrieben hat; gestorben ist Capek tragischerweise wenige Tage vor Befreiung von Bergen-Belsen. Letztens hörte ich eine Besprechung seines Gedichtbandes.

  "Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte" läuft heute in den Kinos an. Ein Dokumentarfilm über Peter Handke. Vorstellung gibt es bei YouTube.

  Dank Tim Parks landete ein Buch auf meiner Beobachtungsliste, von dem ich bis heute nichts wußte, genausowenig wie von dessen Autorin, Christina Stead. Ihr opus magnum "Der Mann, der seine Kinder liebte" wurde von Parks so enthusiastisch hervorgehoben, daß ich gar nicht anders konnte, als es zunächst mal im deutschen Wikipediaeintrag der Schriftstellerin nachzutragen (deutsch 1998 in der DVA erschienen). Und auch andere sparen nicht mit Lob. Die Leipziger Stadtbibliothek hat es vorrätig, und es ist ausleihbar. Wissta Bescheid.

  Die allermeisten Schriftsteller sind keine Schwerverdiener, die allerwenigsten können wirklich von ihren Büchern leben.

  Adrianus Franciscus Theodorus van der Heijdens' Romanzyklus "Die zahnlose Zeit" umfaßt sieben Bände und galt als abgeschlossen. Nach dem tragischen Tod seines Sohnes (2010), den er im Roman Tonio - Ein Requiemroman (DNB) verarbeitete, erschien jetzt der mit 300 Seiten vergleichsweise schmalbrüstige Roman "Das Biest" (DNB), bei dem ich, weil die Tante des Helden der "Zahnlosen Zeit" in die Mitte des Geschehens rückt, gerne wüßte, ob man dieses Spin-off bzw. Derivat dem Zyklus zurechnet oder nicht. In der niederländische Wikipedia wird es als Unterteil bezeichnet und wohl auch so gelesen. Ob van der Heijden seinen neuen Romanzyklus "Homo duplex", in dem die ersten beiden Bücher "Die Movo-Tapes" (Amazon) und "Das Scherbengericht" (Amazon, DLF, LSF) erschienen sind, weiterschreiben wird, ist zurzeit noch nicht absehbar. Mich hat konsterniert, daß in allen Berichten über niederländischen Literatur von der Frankfurter Buchmesse 2016, die ich mitbekommen habe, zwar die Altmeister wie Harry Mulisch und Cees Nootboom erwähnt wurden, nie aber A.F.Th. van der Heijden, dem ich im Klassikerforum einen eigenen Thread gönne.

  Durch die Lektüre von Delius' "Als die Bücher noch geholfen haben" entdeckte ich Karl Mickels einzigen Roman "Lachmunds Freunde. Erstes und Zweites Buch" (DNB / Wallstein). Zwischen Mickel, dem MDV (Mitteldeutscher Verlag) und Rotbuch gab es ein Gezerre um die Veröffentlichung. Der Roman erschien erst nach der Wende und verhallte klanglos. Kommt auf die Liste; das bin ich meinem Bauchgefühl schuldig, aber sowas von.

  Im wichtigsten Thread des Literaturschockforums - Bücher für Bibliomane - wies ich darauf hin, daß im jüngsten Literaturclub vom 11 Oktober ab zirka Minute 22.30 das Bibliomanikum Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen von Tim Parks besprochen wird, bei der ein engagierter Raoul Schrott zu sehen ist. Besonders reizvoll ist Parks Theorie hinsichtlich divergierender Leseerfahrungen und -kritik.

  Monumental kommt "Erste Erde. Epos" von Raoul Schrott daher. 848 Seiten, in diesen Tagen im Verlag Carl Hanser erschienen. Da es meine Erstbegegnung mit dem Buch ist, von dem ich eben im Literaturclub hörte, wo es Schrott selbst kurz vorstellte, zunächst aus dem Waschzettel: "Raoul Schrotts Buch ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem heutigen Wissen über die Welt: Vom Urknall über die Entstehung des Planeten bis hin zu uns unternimmt es den großen Versuch, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse literarisch umzusetzen und sie an einzelnen Lebensgeschichten anschaulich zu machen. In wechselnden poetischen Formen ergibt sich ein breites erzählerisches Panorama. In einem zweiten Teil fasst Raoul Schrott in Sachbuchform unseren heutigen Wissensstand zusammen. Dichtung und Wissenschaft verknüpfend, wagt er sich daran, ein modernes Gegenstück zu Alexander von Humboldts 'Kosmos' zu entwerfen."

  Die niederländische Literatur ist darauf angewiesen, auch im Ausland verlegt zu werden. Um nur auf dem heimischen Markt zu bestehen, ist das Land zu klein. Wenn sich ein Buch mit 2000 Exemplaren verkaufen läßt, sind die Verleger schon zufrieden. Dementsprechend intensiv ist die Literaturförderung und das Bemühen um Übersetzungen. Außerdem - das wußte ich nicht - ist der Literaturmarkt zwischen den Niederlanden und Flamen ziemlich getrennt bzw. gespalten. Einige Bücher von hierzulande noch wenig oder kaum bekannten niederländischen Autoren sowie die Bedingungen des Buchmarktes bei den Nachbarn stellte der Büchermarkt vom 29. September vor. Ich habe von diesen Vorstellungen "Die Republik" von Joost de Vries auf meine Beobachtungsliste gesetzt. Aber auch Stern geht von Thomas Heerma van Voss blinkert mich hold an.

  Noch nie etwas vom Schriftsteller Jakov Lind (Homepage) gehört. In seinen biografische Skizzen Als die Bücher noch geholfen haben, die ich vorhin begann, bekommt Friedrich Christian Delius das Manuskript von Eine bessere Welt vorbeigebracht und soll Klaus Wagenbach innerhalb weniger Stunden sagen, was davon zu halten sei, also ob Daumen hoch oder runter. "Schon nach wenigen Sätzen festigte sich das Urteil: ein sperriges, verrücktes, schwer verständliches, schlecht verkäufliches Buch, als ein klares Ja." So erschien der Roman 1966 im noch jungen Verlag Klaus Wagenbach.

  In der Sparte Wälzer/Grundlagenwerk fand ich ein Buch über den Skandal des Hungers in unserer Welt (Untertitel: "Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?") von Martin Caparros, das im geschätzten Litteraturblog bereits Anerkennung gefunden hat, in dessen angeschlossenem Forum ich stiller Leser bin. Das 844-Seiten-Werk erschien bei Suhrkamp.

  Der Dramaturg und Schriftsteller Stefan Schütz war mir gänzlich unbekannt. In einem Büchermarkt stieß ich auf sein neues Buch Unser Leben, bei dem ich am besten den vom Verlag beigelegten Waschzettel mitliefere, der neben der Vorstellung im BM dazu beitrug, daß das Buch sofort auf meiner TRL (to read list) landet: "Niemand lebt ewig. Glücklich ist, wer seine letzten Jahre mit einem geliebten Menschen teilen kann. Stefan Schütz berichtet kraftvoll, poetisch und nicht ohne Sinn für Komik von dieser letzten Zeit, die viele alleine zu verbringen gezwungen sind. Er erzählt aus dem Pflegeheim, das er täglich besucht, vom Greis und der Greisin, vom Alltag der Gebrechlichkeit und Demenz, er lässt uns Begleiter des letzten Stück Wegs sein, und schafft mit Unser Leben ein virtuoses und in seiner Relevanz tief berührendes Buch über das Alter und über die Verbundenheit: Ein Lobgesang von ungeheurer poetischer Wucht auf die Liebe, die über den Tod hinausgeht. Aber auch die Abrechnung mit der Gegenwart und der Welt, mit dem zärtlichen und zugleich desillusionierten Blick eines Abschiednehmenden. Ein aus der Zeit gefallenes Buch über unsere Zeit und eines seiner drängendsten und doch tabuisierten Themen." Ein anderer Aspekt ist Schütz', mit fast 800 Seiten voluminöses Prosadebüt Medusa von 1986, für das er prompt den Alfred-Döblin-Preis erhielt, bei dem Friedrich Christian Delius die Laudatio hielt. 1985 einen Preis für einen 1986 erschienenen Roman? Den von Günter Grass gestifteten Preis verleiht man alle zwei Jahre für unveröffentlichte Manuskripte. Und viele Preisträger, darunter Gert Hofmann, Libuse Moníková, Reinhard Jirgl, Katja Lange-Müller, Norbert Gstrein, Michael Kumpfmüller, Sasa Stanisic, schätze ich.

  Das 1983 veröffentlichte opus magnum des belgischen Schriftstellers Hugo Claus - Der Kummer von Belgien (in Deutschland zuerst 1986 unter dem Titel "Der Kummer von Flandern") - hat sich bisher in Deutschland noch nicht so herumgesprochen. Mit über 800 Seiten ist es 2008 bei Klett-Cotta in neuer Übersetzung erschienen. Perlentaucher weist nur eine einzige Besprechung aus. "Der Roman entfaltet ein menschliches Bestiarium: schrullige Charaktere wie ein übelgelaunter Gärtner und eine geistesverwirrte Ordensschwester, vor allem aber die reichhaltige Verwandtschaft der Seynaeves und die Kleinstadt-Honoratiorenwirtschaft von Walle sorgen für ein facettenreiches Sittenbild der Epoche. Die menschlichen Verhältnisse basieren auf einem Universum der Lüge und der Heuchelei." - (Deutschlandfunk, 2008) - "Mit dem Roman "Der Kummer von Belgien" präsentiert Hugo Claus eine Mischung aus Familiensaga, Coming-of-Age-Geschichte, Schelmenstück und zeitgeschichtlichem Porträt." (Dieter Wunderlich).

  Daniel Anselmes französischer Antikriegsroman "Adieu Paris" (Amazon) von 1957 war vergessen. Nach der Entdeckung durch einen New Yorker Verleger gibt es nun eine Übersetzung ins Deutsche, die auch der Perlentaucher kennt.

  In einer Vorstellung des New Yorker Periodikums Lucky Peach gehört: "Mit Tipps für die kulinarische Vorbereitung auf den Weltuntergang und für Menüs danach". "food writing" sei im angelsächsischen Raum eine feste Instanz. In dem vierteljährlich erscheinenden Magazin erscheinen auch schöngeistige Beiträge zum Thema Essen und Kulinarik.

  Öfter mal werden einem Bücher vorgestellt mit dem Paukenschlag, daß ein Jahrhundertwerk entdeckt oder wiederentdeckt worden sei und nun endlich dem deutschsprachigen Lesepublikum zur Verfügung stünde. 2015 waren es beispielsweise "Die Tutoren" von Bora Cosic. Oder "Horcynus Orca", zu dem ich noch, auch wenn es im KF bereits erwähnt worden ist, ein kurzes Notat einfügen möchte. - 1975 verlegt, 2015 erstmals ins Deutsche übersetzt, erschien das fast 1500-seitige Mammutwerk Horcynus Orca des italienischen Schriftstellers Stefano D'Arrigo. Die Entstehungsgeschichte dieses Jahrhundertbuches selbst ist kompliziert. Lange bevor es erschien, war es den Fachleuten bekannt, ein Auszug erschien in einer Zeitschrift; und alle renommierten Autoren der damaligen Zeit warteten sehnsüchtig auf den Roman. D'Arrigo gab nach über einem Jahrzehnt Arbeit das Manuskript ab, erhielt die Fahnen zur Korrektur, die er dem Verleger aber wiederum erst gut ein Dutzend Jahr später überarbeitet zurückgab. So lange galt der Roman als nicht übersetzbar. Nun endlich, so sabbern viele Kritiker, liegt diese moderne Odyssee im Deutschen vor und war im Büchermarkt das Buch der Woche. Sandhofer hat sich dieses sperrigen Ziegels angenommen. - Und nun stieß ich per DeutschlandRadio-Besprechung auf einen anderen Klotz jenseits der 500 Seiten, nämlich den Roman "Flüchtiger Glanz" des katalanischen Schriftstellers Joan Sales, eine, glaubt man den enthusiasmierten Kritikern, Perle der Weltliteratur, ein Klassiker über den spanischen Bürgerkrieg.

  Für Zwölf Stühle ist das Autorenduo Ilja Ilf und Jewgeni Petrow hierzulande bekannt geworden. In der Anderen Bibliothek (Band 371)) erschien 2016 "Kolokolamsk und andere unglaubliche Geschichten", der "Groteske Possen aus der Provinz" enthält, "bevölkert mit komischen Figuren und verkrachten Existenzen, betrügerischen Bürokraten und ganovenhaften Kleinbürgern." Was ich nicht wußte: Jewgeni Petrow war der Bruder von Valentin Katajew. Beim Thema Satiren auf den Sowjetmenschen, vor allem in den 30er Jahren, fällt mir unweigerlich noch Michail Soschtschenko ("Die Reize der Kultur" / Wie mit Gabeln aufs Wasser geschrieben) ein, von dem ich drei Bücher las. Bulgakow kennen eh alle.

  Zu meiner derzeitigen Lektüre (Uwe Johnsons Jahrestage) einen sehr wichtigen Link empfohlen bekommen, nämlich einen Kommentarapparat zum Werk, das Christian Köllerer vor einigen Jahren las, dessen Rezensionen ich immer wieder gerne als Referenz anführe. In meinem Hausforum fand bereits 2007 eine Leserunde statt.

  Im Klassikerforum starte ich einen Thread zu Fragen, die während einer Lektüre aufgeworfen werden. Zudem auch für die Möglichkeit, andere an Fundstücken sowie interessanten Fakten oder Wort-Funden (Neuschöpfungen, Umbildungen) teilnehmen zu lassen. Beispielsweise brachte ich gleich mal den ich Machandel erspähten Begriff Konzentrationär und die Tatsache unter, daß für nur wenige Jahre eine Eliteschule für NVA-Nachwuchskader gab.

  In einem Interview mit Nicole Petrick-Felber über ihr Buch Kriegswichtiger Genuss. Tabak und Kaffee im 'Dritten Reich' (im Wallstein-Verlag / Rezension) erfahren, was Zitterkaffee bedeutete. Bohnenkaffee war, weil der Import seit Kriegsbeginn abgeschnitten war, Mangelware. Bei besonderen Anlässen wurde der Bevölkerung allerdings welcher zugeteilt, so beispielsweise nach Bombemangriffen. Deswegen der Name. Im Schutz von Schwangeren und Jugendlichen vor Tabakrauch war das Dritte Reich vorbildlich. Hitler hatte bekanntlich Angst vor den Bakterien und gab das Rauchen auf und handhabte das Rauchverbot in seiner Umgebung strikt.

  Alban Nikolai Herbst (ANH) versorgt uns auch weiterhin mit Leseeindrücken und Informationen über Christopher Ecker, so in einem Blogeintrag zu dessen jüngstem Roman Der Bahnhof von Plön. ANH hatte Fahlmann anläßlich seines Romans Fahlmann kennen- und schätzengelernt. 2015, als Ecker der Friedrich-Hebbel-Preis zugesprochen wurde, hielt er die Laudatio.

  kress.de: Welchen Autor schätzen Sie am meisten? - Denis Scheck: Arno Schmidt, weil der mal definierte, was einen guten Schriftsteller ausmacht: die Fähigkeit, beim Anblick dessen, was Normalsterbliche ihr Leben lang einen Regenschirm nennen, auf die Formulierung zu kommen "ein Stock im Petticoat". - Zugunsten des SWR als nunmehr alleiniger Moderator der Literatursendung "Lesenswert", der Sendung "Kunscht" sowie des ARD-Buchmagazins "Druckfrisch" gibt Scheck nach 20 Jahren seinen Job als Redakteur des Büchermarktes im Deutschlandfunk auf, wie er im Interview verrät. Ich finde das traurig und bin gespannt, wen man nun 16.10 Uhr stattdessen hören wird.

  Felicitas von Lovenberg scheidet, weil sie als nunmehrige Programmchefin des Piperverlages ihre journalistsche Neutralität eingebüßt hat, als Moderatorin beim Lesenswert-Quartett aus. Denis Scheck führt es als alleiniger Moderator weiter. "Nebenbei" - und als solchen habe ich ihn vor drölfzig Jahren kennengelernt - ist er Redakteur des Büchermarkts und macht in der ARD die Sendung "Druckfrisch". Ihr wißt schon, das mit dem Herum/Herunterschmeißen der bösen Bücher.

  Über den gigantischen Roman Was wird er damit machen? Nachrichten aus dem Leben eines Lords (2015 von Suhrkamp in 6 Bänden im Schmuckschuber neu verlegt) von Edward George Bulwer-Lytton und übersetzt von Arno Schmidt schreibt Werner von Koppenfels in "Vergesst 'Downton Abbey'!" eine Würdigung. Und natürlich hat mein bewundertes Lesegenie das Buch gelesen und nicht nur das vom Autor. - Angesichts der vielen (für meine Miszellen nötigen) Links nur die Bemerkung: Der Koppenfels-Artikel war der Auslöser. Ich fand ihn in einem Tweet von Jochen Kienbaum.

  Bücher über den Tod erwecken immer meine Aufmerksamkeit. Hier stieß ich eben auf "Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium" (Amazon) von Caitlin Doughty, die ihre Lehrjahre in dem so schillernden Beruf schildert.

  Angeblich sind die Gedanken ja frei. "Die Philosophin Bettina Stangneth stellt eine unbequeme Frage: Haben wir wirklich das Recht zu jedem Gedanken oder braucht auch das Denken eine Ethik?" Der Essay Böses Denken (Amazon) "erklärt und erweitert klassische Konzepte des Bösen, denn wer das Böse bekämpfen will, muss es zunächst einmal erkennen."

  Na so was. Ich habe mit "Als die Bücher noch geholfen haben" doch glatt ein Buch eines meiner Lieblingsschriftsteller, Friedrich Christian Delius, übersehen. Schon 2012 erschienen seine "Biografische Skizzen". Das essayistische Format mag ich bei mir lieben Autoren als zusätzliches Schmankerl zu ihren belletristischem Oeuvre besonders.

  Das nächste Bibliomanikum. Nach Frauen, die lesen, sind gefährlich sowie Frauen, die schreiben, leben gefährlich stellt uns Stefan Bollmann in Frauen und Bücher. Eine Leidenschaft mit Folgen berühmte Leserinnen vor. Als weiteres "BuchBuch" von im ist Warum Lesen glücklich macht bekannt.

  Da ich einen Narzissten persönlich kenne - und damit meine ich, wie man ironischerweise hätte meinen können, nicht mich selbst - (Ok, dann kennte ich zwei), wandert Der Narzissten-Test von Craig Malkin auf meine Beobachtungsliste. Vielleicht schafft die Leipziger Stadtbibliothek das Buch an.

  Da mich das Thema Tod und Sterben von jeher fasziniert, notiere ich auch diese Neuerscheinung: Zu Ende denken. Worte zum Unausweichlichen von Rebecca Panian & Elena Ibello. "48 Schweizerinnen und Schweizer aus den unterschiedlichsten Bereichen wie der Pflege, Medizin, Seelsorge, Kultur, Unterhaltung oder Politik haben einen Text zum Buch beigesteuert."

  Das nächste Bibliomanikum ist erschienen: "Die Bibliothek. Kulturgeschichte und Architektur von der Antike bis heute". Und ein anderer Prachtband stellt Die schönsten Opernhäuser der Welt vor. Beide bei Knesebeck verlegt.

  Merkwürdigkeiten des Buchmarktes. Sprechen sich Autoren ab? Nach Reinhard Jirgls "Nichts von euch auf Erden" spielt nun auch Georg Kleins Die Zukunft des Mars auf dem Mars.

  Dadurch daß ich vorhabe, wieder genauer auf die Perlentaucherrezensionen zu gucken, fluten auch sofort Anregung in Form neuer Bücher an. Beispielsweise über eines meiner Leib/Magenthemen, das Alter(n): Odo Marquard: Endlichkeitsphilosophisches. Über das Altern (AZ). Für diese Buchentdeckungen habe ich eine Sonderseite eingerichtet, auf der sie chronologisch aufgelistet werden, jeweils mit Link zur Perlentaucher- und zur Amazonseite.

  Mein Tagesthema: "Das Grab ist der Eingang ins Paradies - Friedhofsbesuche mit Schriftstellern". Dazu gibt es frisch auf dem Markt auch ein Buch.

  Durch Alban Nikolai Herbst (ANH), dessen Arbeitsjournal ich zuzeiten lese, stieß ich auf einen neuen Wälzer: Fahlmann von Christopher Ecker, mit 1025 Seiten ein wahres papiernes Bollwerk an Gegenwartsliteratur, das Denis Scheck als "eines der großen Leseabenteuer der deutschen Gegenwartsliteratur" hat. ANH jedenfalls liest das Buch momentan und flicht immer wieder einige Leseerfahrungen in sein Journal ein. Christopher Ecker wurde zu seinem Tausendseiter interviewt.

  Was bei Kafkas "Verwandlung" ein Käfer, ist bei David Garnetts "Dame zu Fuchs" ein Fähe (Füchsin), mit der der Ehegatte klar zu kommen hat. Diese 1922 erschienene Liebesgeschichte ist nun ausgegraben worden. Der Dörlemann-Verlag hat sich auf das Ausgraben kleiner Preziositäten spezialisiert.

  Wem die Antike doch zu modern ist, der kann sich mit sumerischer Literatur trösten.

  Grundlagenwerke nehme ich immer gerne zur Kenntnis, wenn es allerdings schwierig werden wird, mehrere davon zu lesen. Ich habe mich, was Sachbücher betrifft, auf so genannte "Kulturgeschichten" verlegt. Ob die nun anzuzeigende "Unkulturgeschichte" des 1000-Seiters von Nikolaus Wachsmann "KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager" (Amazon) dazu zählen wird, muß die Zukunft erweisen.

  Interessante Entstehungsgeschichte der Wiederentdeckung des damaligen Skandalromans Coctails von Pamela Moore, die sich, nachdem sie an ihren mit 18 veröffentlichten Debütroman nicht mehr anschließen konnte, mit 26 Jahren erschoß. Während Salingers "Der Fänger im Roggen" Und Sagans "Bonjour Tristesse" bis heute durchgehend berühmt gewesen war, geriet Moores Buch in Vergessenheit. "Dass "Cocktails" 50 Jahre später wieder aufgelegt wird, ist der amerikanischen Schriftstellerin Emma Straub zu verdanken, die im Zuge eines Crowdfunding-Projekts gegen Spenden Liebesbriefe schreiben muss. Einer dieser Liebesbriefe geht an Kevin Kanarak, ihren Lateinlehrer. Später gibt sich Kanarak bei einer Lesung als Sohn einer Schriftstellerin zu erkennen, von der Straub noch nie gehört hat: Pamela Moore."

  Karl Lagerfeld ist innerhalb des Göttinger Steidl-Verlages übrigens Programmchef für die Reihe L.S.D., in der bibliophile Ausgaben erscheinen, meist Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Daß Lagerfeld Bibliomane ist und mit mehr als 300.000 Bücher eine gigantische Bibliothek zusammengetragen hat, ist oft nicht so bekannt. Darauf gestoßen bin ich durch zwei Publikationen zum Dandy Beau Brummel, die in dieser Buchreihe erschienen sind und die ich im Wikipediaartikel nachgetragen habe.

  Da ich mir vorgenommen habe, weniger auf meine Twitter- und Facebooktimeline zu starren und mehr auf Buchrezensionen, vorzüglich beim Perlentaucher und im DeutschlandRadio, erwähne ich hier vormerkend immer wieder Bücher, die entweder auf meiner Wunschliste landen oder aber einfach nur den geneigten Groupies Besuchern der Miszellen angezeigt werden sollen im Sinne eines Aufmerksammachens. Heute stieß ich zum wiederholten Mal auf "Die Zensoren. Wie staatliche Kontrolle die Literatur beeinflusst hat" von Robert Darnton vorgestellt unter anderen von Michael Andre und von Michael Opitz im Deutschlandradio.

  Von Ilja Ehrenburg war mir der Roman "Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz" überhaupt nicht bekannt. In der Buchhandlung nun liegt eine Neuausgabe in der Anderen Bibliothek (Band 375) vor, die hier als Tipp für alle Freunde russischer Literatur vielleicht erwähnt werden sollte. Münchener könnten sich morgen sogar eine Lesung gönnen. Ich las von Ehrenburg bislang - allerdings vor langer, langer Zeit - zwei Romane.

  Im englischen Verlag Hogarth Press erscheint innerhalb des Projekts "Shakespeare - neu schreiben" eine Romanreihe, in der 8 namhafte Autoren Shakespeares Dramenstoffe neu erzählen. Die ersten beiden Bände der Reihe sind gerade auf deutsch erschienen: Jeanette Winterson erzählt mit "Der weite Raum der Zeit" das Wintermärchen neu; Howard Jacobson mit "Shylock" den Kaufmann von Venedig.

  Daß Cervantes nicht nur den Don Quijote geschrieben hat, war mir zwar klar; aber ich wußte so auf die Schnelle nur noch von seinen Novellen. Sein letzter Roman, Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda, soeben als Neuedition in der Anderen Bibliothek erschienen, soll sogar öfter ins Deutsche übersetzt worden sein als Don Quijote. Der Deutschlandfunk stellt das ziemlich vergessene Werk vor. Die Neuausgabe kannte man in der deutschsprachigen Wikipedia noch nicht. Ich ertappte mich in letzter Zeit schon mehrfach, daß ich aktuelle Werke von Schriftstellern in Wikipediaartikeln nachtragen mußte. Im Klassikerforum startete ich einen separaten Cervantes-Thread, weil doch zu hoffen ist, daß künftig noch das eine oder andere zu diesem Klassiker anfallen wird.

  Eine neue Robert-Musil-Gesamtausgabe wird im Verlag Jung und Jung erscheinen, verriet der Verleger Jochen Jung im Interview mit der NZZ.

  Bücher aus unabhängigen (Klein=Indie)Verlagen zu lesen und vor allem zu empfehlen, macht sich We read Indie (bei Twitter) zum Herzensanliegen.

  "Zu Melvilles Roman (Moby Dick) griff ich wieder, weil ich nach Eckers Bahnhof von Plön Angst vor einem Absturz hatte. Auf Höhen müssen Höhen folgen, oder wir zerknirschen. Uns wird übel. Man möcht' dann nur noch speien." (Alban Nikolai Herbst)

  Angelo Bajorek: Wie würden Sie Ihr Leben zusammenfassen? - Janosch: Ich habe es durch unzählige Wunder sehr gut überlebt und halte mich für einen Sieger. Was die Freude am Leben angeht. ("Kein Gott und kein Schnaps, alles vorbei")

  "Welcher Schriftsteller ist kein Kotzbrocken?" - ein amüsantes Interview mit dem Cheflektor des Suhrkamp-Verlages, der auch über seine prominentesten Autoren, Johnson, Bernhard und Handke, plaudert.

  Die Leipziger Stadtteilbibliothek in Gohlis erhält den Namen Erich Loests. Zudem wird es ab nächstem Jahr einen Erich-Loest-Preis geben, mit dem vornehmlich mitteldeutsche Autoren ausgezeichnet werden sollen.

  Satzzeichen im Wandel: Vom Niedergang des Strichpunktes. Das Semikolon sei "das Zeichen, das sich nicht fassen lässt, das Zeichen des Unentschiedenen, des Dazwischen, aber auch das der Freiheit." Sozusagen das Merkel unter den Satzzeichen. Aber es sei ebenso "ein Ausdruck von ästhetischem Überfluss". An mir läge es jedenfalls nicht, wenn das Semikolin ausstürbe; beträfe übrigens auch den Konjunktiv.

  6 Prosa-Debüts, deren Autoren und Titel mir wirklich absolut neu sind.

  "Ein letzter Blick auf eine noch unzerstörte Stadt: Leipzig in frühen Farbbildern". Farbbilder von Leipzig aus den Jahren 1937 bis 1947 als Buch bei Lehmstedt erschienen.

  Christian Köllerers Bericht seiner Iranreise im Mai 2014 ist wie alle seine Reiseberichte äußerst lesenswert.

  Schriftsteller als Netzverächter: Vom Genre der Besserhalbwisserei.

  Katy Derbyshire geht mit deutschen Autoren einen trinken und bloggte darüber. Was ich nicht wußte, daß man, wenn als Brite 15 Jahre lang im Ausland gelebt hat, sein Wahlrecht einbüßt.

  Wieviel und welche Bücher Art Garfunkel in 44 Jahren las, zeigt seine LGB (Liste gelesener Bücher).

  Ein schöner Nekrolog auf MRR eines mir in Sachen Lesen und Bibliomanie Geistesverwandten.

  11 Autoren, die die Filmadaption ihrer Bücher nicht mochten.

  "Gute Buchhandlungen sind spirituelle Orte." Gesine von Prittwitz stellt Anna Jeller & ihre Wiener Buchhandlung vor.

  Im Literaturschockforum ein Thread über Bücher, die nur (noch) als E-Book erscheinen.

  Bein ANH eine interessante Variante für schriftliches Gendering gesehen: Leser:innen, Autor:inn:en.

  "Dabei macht es mich ärgerlich, ja manchmal wütend, mit welcher Ignoranz der herkömmliche Literaturbetrieb das Netz als literarisches Ausdrucksmedium abzutun versucht, nicht selten mit schwer diskriminierenden Artikeln." (Alban Nikolai Herbst)

  Gesine von Prittwitz stellt als weiteren buchaffinen Blogger Alban Nikolai Herbst mit 'Die Dschungel. Anderswelt' vor. Die anderen Interviews finden sich in der Kategorie Steglitz stellt bibliophile Blogger vor.

  In der NZZ: Literaturkritik unter Druck: Ein Leben nach dem Papier. Von Roman Bucheli

  Urs Widmer legt zu seinem 75. Geburtstag seine Autobiografie vor (Reise an den Rand des Universums); sie umfaßt seine 30 ersten Lebensjahre bis zum Zeitpunkt seines ersten literarischen Erfolges; er plant vorerst auch keine weiteren Bände. In dem Artikel ""Da haben wir es wieder, das Alter!", der den Besucht bei einem sehr entspannten Widmer schildert, fand ich auch den sehr wichtigen Hinweis auf einen mit mehr als 700 Seiten sehr dicken Band mit den Gesammelten Erzählungen.

  Zum literarischen Bloggen gibt es eine aktuelle Debatte. Ich linke einige Quellen auf, an Hand derer man sich weiterhangeln kann: Stefan Mesch: Gibt es in Deutschland gute Literaturblogs?; Gesine von Prittwitz: Stefan Mesch dreht eine Extrarunde; Johannes Schneider: Bits über Bücher; aboutsomething: Bloggen über Literatur und Krimi-Depeschen: Nostalgie-Ausgabe

  Wissenschaftsjournalist Hilmar Schmundt ist von P-Books auf E-Books umgestiegen, was ein Leser im Sinne klassischer Bibliophilie als traurig bezeichnete. Schmundts Erklärungs- oder Verteidigungsschrift ist unter dem Titel "Gutenbergs neue Galaxis. Vom Glück des digitalen Lesens" als Spiegel-E-Book erschienen.

  Seit 20 Jahren stellt das Projekt Gutenberg (PG) gemeinfreie Klassiker im Internet zur Verfügung. Allerdings ist die häppchenweise Präsentation immer ein Bremsklotz für den unbeschwerten Genuß gewesen. Das Programm Ebola löst das Problem, indem es Bücher des PG und der anderen großen Quelle zeno.org zu einer epub-Datei zusammenbastelt. Grandiose Entdeckung heute!

  Hausbesuch bei einem Perfektionisten: "Thomas Bernhard nannte seinen Hof "Existenzkerker". Der Duft seines Parfums liegt noch in der Luft. Ein Hausbesuch in Ohlsdorf/Österreich anlässlich des 80. Geburtstags."

 Bei I write like soll man angeblich herausfinden können, ob man wie ein Berühmter schreibt.

  Wer liest wann wo? will über anstehende Lesungen informieren. Was Leipzig angeht, darf die Datenbank ruhig noch gefüttert werden.

  Dank der ZEIT entdeckte ich die Webseite TVTropes, die in Form eines Wiki die Idee aufgreift und verwirklicht, die ich mal mit der Motivdatenbank hatte und die weit darüber hinausgeht und Referenzen in Comic, Film und Büchern sammelt.


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